Tips für Eltern Teil 3
3. Außerhäusliche Gewichtskontrollen
Die alltägliche Erfahrung lehrt uns, daß ein Außenstehender unter Umständen mehr Einfluß auf unser Kind haben kann als wir selbst. Im Falle des Problems Übergewicht kann es der Haus- oder Kinderarzt sein. Um das Thema Gewicht in der Familie nicht ausufern zu lassen, ist es sinnvoll, daß Ihr Kind wöchentlich bis zweiwöchentlich beim Haus- oder Kinderarzt vorgestellt wird, um das Gewicht feststellen zu lassen. In größeren Abständen kann auch die Körperlänge mit kontrolliert werden. Falls es Ihrem Kind gelingt, in der Wachstumsphase sein Gewicht zu halten, stellt dies bereits einen großen Fortschritt dar, da es gelungen ist, das relative Gewicht zu verringern.
Die Kontrollen beim Haus- oder Kinderarzt haben folgende Vorteile:
1. Sie selbst müssen sich hierüber keine Gedanken mehr machen. Sie müssen im Falle eines Gewichtsanstiegs nicht kritisierend eingreifen.
2. Das Kind erlebt die Kontrolle des Körpergewichts losgelöst von den Eltern. Das Kind kann anhand der im Verlauf der Zeit erfolgenden Messungen selbst realisieren, wie der Gewichtsverlauf aussieht. Es lernt, selbstständiger mit der Gesamtproblematik umzugehen.
Mutter und KindWichtig ist, daß der Haus- oder Kinderarzt sich jeweils einige Minuten Zeit nimmt, um mit Ihrem Kind über die vergangene Woche zu sprechen. Gewichtszunahmen sollte keinesfalls mit Vorwurf begegnet werden. Auch der Arzt muß wissen, daß die Behandlung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter ein langfristiges Problem darstellt. Insofern kommt es darauf an, daß Ihrem Kind immer wieder Ermutigung ausgesprochen wird. Die guten Ansätze sollten herausgehoben und Ihrem Kind rückgespiegelt werden.
Die Vorstellungen beim Arzt sind insbesondere unmittelbar nach der Entlassung aus der stationären Behandlung wichtig. In dieser Phase ist Ihr Kind besonders für eine erneute Gewichtszunahmegefährdet. In dieser Situation können sich wöchentliche Gewichtskontrollen hilfreich auswirken. Da das Problem aber langfristig fortbestehen wird, erscheinen im weiteren Verlauf zweiwöchentliche Vorstellungen (ggf. auch in größeren Abständen) gezielt zur Gewichtserfassung sinnvoll.
4. Bewegung
Ausreichende Bewegung ist ein zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung von Übergewicht. Körperliche Betätigung ist zudem unumgänglich, um das Körpergewicht nach erfolgter Gewichtsabnahme halten zu können. Unumstritten ist auch, daß regelmäßige Bewegung die Lebensfreude steigern kann.
Wie läßt sich diese Binsenweisheit praktisch umsetzen?
1. Setzen Sie sich mit Ihrem Kind zusammen, um gemeinsam zu überlegen, welche Betätigungsformen in Frage kommen. Ideal geeignet erscheinen Spazierengehen, Schwimmen, Fahrradfahren oder leichtes Jogging.
2. Prüfen Sie, welche Betätigungsform direkt von der Wohnung aus unternommen werden kann. Muß man erst Autofahren, um einer körperlichen Betätigung nachzukommen, besteht die Gefahr, daß dies auf Grund der damit verbundenen Mühen und des Zeitaufwands bald aufgegeben wird. Außerdem ist es dann zwangsläufig erforderlich, daß immer ein Elternteil mitkommt.
3. Kann die körperliche Betätigung in alltägliche Tätigkeiten eingebunden werden? Überlegen Sie, ob Ihr Kind zur Schule laufen oder fahrradfahren kann. Besucht Ihr Kind nachmittags Freunde, den Musiklehrer, die Pfadfinder oder einen Verein? Können diese zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden?
4. Kann die gesamte Familie sich auf mindestens eine regelmäßige Aktivität am Wochenende einigen? Will man gemeinsam das Hallenbad aufsuchen, eine Fahrradtour unternehmen oder spazierengehen? Planen Sie schon im voraus diese gemeinsame Unternehmung, indem Sie untereinander Ihre Wünsche austauschen.
5. Überlegen Sie immer wieder, wie Sie Ihr Kind bei diesen Aktivitäten unterstützen können. Ermuntern Sie Ihr Kind zu derartigen Aktivitäten. Loben Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter. Haben Sie kein Mitleid, wenn Ihr Kind mal eine halbe Stunde zu Fuß gehen muß. Vielleicht gelingt es Ihnen, ab und an oder sogar regelmäßig einen kleinen Abendspaziergang gemeinsam einzurichten.
6. Aufzugfahren und das Benutzen von Rolltreppen vermeiden! Ihr Kind (und Sie selbst!?) kann die Treppe benützen.
7. Überlegen Sie mit Ihrem Kind, ob nicht die Möglichkeit zu einem kleinen Spaziergang während der größeren Schulpausen besteht? Vielleicht gibt es einen zweiten Schüler, einen Freund, der hierbei mitmachen würde?
8. Wie bei allen Maßnahmen kommt es auf die Regelmäßigkeit an. Die Bewegung sollte nicht für nur eine Woche oder einen Monat erfolgen. Je mehr es gelingt, derartige Aktivitäten langfristig in den Alltag einzubringen, um so besser!
9. Wenn es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht geklappt hat, besprechen Sie dies mit Ihrem Kind. Zeigen Sie, daß Sie mitdenken. Machen Sie ihm jedoch keine Vorwürfe. Es kommt vielmehr darauf an, daß Sie gemeinsam den Blick nach vorn richten und überlegen, was am nächsten Tag gemacht werden könnte.
10. Sitzt Ihr Kind lange vor den Hausaufgaben? Vielleicht hätte Ihr Kind Lust, alle halbe Stunde kurz aufzustehen, sich die Füße zu vertreten, die Treppe mal hoch und runter zu laufen, sich zu recken und zu strecken?
11. Sehen Sie gemeinsam fern? Während der Werbung lassen sich einige körperliche Übungen durchführen.
12. Planen Sie aktive Urlaubsreisen (Wandern, Schwimmen, Fahrradfahren, usw).
13. Falls Ihr Kind gern Sport treibt, unterstützen Sie es hierbei so gut als möglich. Überlegen Sie mit Ihrem Kind, welcher Sportverein oder welche Sportmöglichkeiten vor Ort bestehen. Sprechen Sie mit dem zuständigen Trainer, um zu verdeutlichen, daß es darauf ankommt, daß Ihr Kind Spaß dabei hat. Die erbrachte Leistung ist völlig gleichgültig. Überforderungen sollten vermieden werden. Mit dem Sportlehrer in der Schule könnten Sie hierzu ebenfalls Kontakt aufnehmen. Der Sportlehrer sollte alles vermeiden, was dazu führt, daß Ihr Kind gehänselt wird. Auch sollte er sich darum bemühen, bei Ihrem Kind die Lust an der Bewegung zu fördern. Niemandem ist geholfen, wenn das Selbstwertgefühl Ihres Kindes im Sportunterricht leidet.
Den nächsten Teil finden Sie hier: Tips für Eltern Teil 4
Prof.Dr.med. Johannes Hebebrand, LVR-Klinikum Essen, Kliniken/Institut der Universität Duisburg-Essen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Virchowstrasse 174, 45147 Essen.


Also ich vermute das ist nur eine kurzweilige Erscheinung