Deutsches Medizin-Netz » Umfassende Berichte http://www.medizin-netz.de Medizinischer Informationsdienst Tue, 27 Dec 2011 08:52:46 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.1.2 Herz: Funktionen, Erkrankungen, Behandlung und Vorsorge http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herz-funktionen-erkrankungen-behandlung-und-vorsorge/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herz-funktionen-erkrankungen-behandlung-und-vorsorge/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:01:46 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=921

So ist das Herz gebaut

Das Herz ist der Motor des Lebens. Ein Pumpwerk von unerreichter Ausdauer und Präzision. Unermüdlich schlägt es – von der Geburt bis zum Tod. 100 000 Mal am Tag, mehr als zwei Milliarden Mal im Laufe eines siebzigjährigen Lebens.

Im Zeitalter aufsehenerregender Herzoperationen und Transplantationen und angesichts der weltweiten Versuche, ein künstliches Herz zu konstruieren, ist die einstige Mystik um das Herz in den Hintergrund gedrängt worden. Stattdessen dominiert ein breites, realitätsbezogenes Wissen um Funktion und Krankheiten des Herzens.

Schon wenn ein Embryo erst vier Wochen alt ist, beginnen die Kontraktionen des Herzens. Siebzig- bis achtzigmal schlägt das Herz des Menschen in einer Minute, zweimilliarden- und fünfhundertmillionenmal in einem siebzig Jahre dauernden Leben. Diese Kraft und die Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Anforderungen sind unvergleichlich. Die Technik hat keine Maschinen hervorgebracht, die siebzig Jahre lang eine solche Leistung mit vergleichbarem Nutzen vollbringen könnten. Obwohl das Herz zäh und ausdauernd ist, lässt es sich dennoch durch ungesunde Lebensweise schädigen und schließlich auch ruinieren. Wer dagegen gesund ist und vernünftig lebt, spürt nichts von seinem Herzen, einerlei, ob er körperlich hart arbeitet oder im Bett liegt und schläft.

Das Herz

herzinnnen

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Größe, Gewicht und Lokalisation

Das Herz eines erwachsenen Menschen hat etwa die Größe einer locker geballten Männerfaust, die Form eines stumpfen Kegels und wiegt, bei Frauen und Männern ein wenig unterschiedlich, zwischen 280 und 320 Gramm. Das Herz sitzt unmittelbar hinter dem Brustbein in der Brustmitte, und zwar zu zwei Drittel auf der linken, zu einem Drittel auf der rechten Seite. Die Herzspitze zeigt dabei nach links unten. Das Herz ruht mit seinem unteren Teil auf dem Zwerchfell, das Brust- und Bauchraum voneinander trennt, und es ist von beiden Seiten her von Lungengewebe eingerahmt. Die Atembewegungen des Zwerchfells führen das Herz auf und ab, und es kommt so zu einer Art Massage, die den Blutstrom zum Herzen fördern kann.

Die Kammern und Vorhöfe

Das Herz besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte; der Arzt spricht gelegentlich auch vom linken und vom rechten Herzen. Das linke Herz ist der kräftigere Teil, weil von ihm aus das Blut in den großen Körperkreislauf gepumpt werden muss. Jede der beiden Herzhälften hat einen kleineren Vorhof und eine größere Kammer, auch Ventrikel genannt. Linker und rechter Herzteil sind durch eine Scheidewand voneinander getrennt, die zwischen den Vorhöfen sehr dünn ist, zwischen den Kammern aber aus dicken Muskelschichten besteht.

Die Herzklappen

Zwischen Vorhof und Kammer sitzt zur Steuerung des Blutdurchflusses je eine Herzklappe; in der linken Herzhälfte die Mitralklappe (im Bild unten links), so genannt, weil ihre Form der zweizipfligen Mitra gleicht. In der rechten Herzhälfte die Tricuspidalklappe (dreizipflige Mitra, im Bild unten rechts). Sie arbeiten nach dem Prinzip des Rückschlagventils, bewirken also, dass das Blut nur in eine Richtung fließt und nicht etwa auch zurückfließen kann. Am Ausgang der großen Kammer sitzen wiederum zwei Herzklappen, in der linken Herzhälfte die Aortenklappe (in der Bildmitte unten), in der rechten Hälfte die Pulmonalklappe (in der Bildmitte oben). Sie dienen ebenfalls der Steuerung des Blutstroms inbestimmte Richtungen, nämlich in den Körper- und in den Lungenkreislauf.

ventilebene

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Die Herzkranzgefäße

Das Herz benötigt für seine lebenswichtigen Funktionen selbst große Mengen an Energie. Diese wird über die Herzkranzgefäße, auch Koronar-Arterien genannt, dem Herzmuskel zugeführt, stammt also nicht direkt aus dem Blut, das in die Herzkammern ein- und aus ihnen ausströmt.
Es gibt zwei Koronar-Arterien, eine rechte und eine linke, die von der Hauptschlagader, der Aorta, abzweigen und dort einen Durchmesser von etwa drei Millimetern haben.
Je weiter sich die Koronar-Arterien von der Aorta entfernen, um so geringer wird ihr Durchmesser. Die rechte Koronar-Arterie verläuft über die Rückfläche des Herzens und versorgt dort die Muskulatur über das Blut mit dem lebenswichtigen Sauerstoff. Die linke Koronar-Arterie breitet sich über die Vorderseite des Herzmuskels nach unten aus und versorgt die Seitenwand und die Herzspitze. Das Blut wird durch diese Arterien auch zu den Mitochondrien, einer Art Zündkerzen der Herzmuskelzellen, geleitet. In diesen Zellen erfolgt die Umwandlung der im Blut herangeführten biochemischen Energie in mechanische Energie – ähnlich einem Motor, der mit Benzin und über Kraftstoffleitungen und Zündkerzen die Kolben und Zylinder und somit das Fahrzeug in Bewegung hält.

Der Herzbeutel

Der Herzbeutel, auch Pericard genannt, ist ein doppelwandiger Sack, in den das Herz von oben her eingestülpt ist. Seine innere Schicht ist mit dem Herzmuskel verbunden und von der äußeren Schicht durch eine enge, mit etwa 30 Kubikzentimeter Flüssigkeit gefüllte Höhle getrennt. Diese Flüssigkeit ist das Herzbeutelwasser. Die Innenflächen beider Herzbeutel-Blätter sind sehr glatt und können bei den Herzbewegungen völlig reibungslos aufeinander gleiten. Der Herzbeutel ist gewissermaßen eine Schutzhülle, die das Übergreifen von Erkrankungen aus der Umgebung des Herzens und ebenso die mechanische Überdehnung des Herzmuskels verhindern soll.

So funktioniert das Herz

Die Aufgabe des linken Herzens

Im linken, kräftigeren Teil des Herzens sammelt sich das aus der Lunge einströmende und dort mit Sauerstoff angereicherte, hellrote Blut. Es gelangt zunächst in den linken Vorhof und von dort durch die Mitralklappe in die linke Herzkammer. Während einer Drittelsekunde zieht sich das Herz zusammen – diese Phase nennt man Systole – und presst dabei mit hohem Druck das hellrote, außer mit Sauerstoff auch noch mit Nährstoffen wie Fett, Zucker sowie mit Mineralstoffen und Hormonen versehene Blut durch die 15 bis 20 Millimeter messende Aorta in den großen Körperkreislauf. Dieser Kreislauf besteht aus einem unvorstellbar umfangreichen Netzwerk, das – würde man es hintereinander ausbreiten – die Erdkugel mehr als zweimal umspannen würde, rund 100 000 Kilometer, wobei die großen Gefäße (Adern) nur wenige Meter ausmachen. Nach der Systole, dem Zusammenziehen des Herzmuskels, verbleibt dem Herzen eine zweidrittel Sekunde, um sich von der vorangegangenen Kraftanstrengung auszuruhen. Man nennt diese Ruhephase die Diastole. Während beide Herzkammern sich synchron zusammenziehen und das Blut in Körper- und Lungenkreislauf pumpen, erschlaffen die beiden darüberliegenden Vorhöfe. Die Füllung der vier verschiedenen Herzhöhlen mit Blut und ihre Entleerung geschieht also in regelmäßigem Wechsel.
Von der Aorta, der Hauptschlagader, zweigen Arterien zum oberen Körperkreislauf ab, der Kopfregion, Gehirn und obere Extremitäten versorgt; ebenso zum unteren Körperkreislauf mit großvolumigen Abzweigungen zu allen Bauchorganen und zum rechten und linken Bein. Alle Arterien verzweigen sich zu immer kleineren und dünneren Asten bis hin zu den Kapillaren, allerfeinsten Haargefäßen, die dann noch einen Durchmesser von etwa einem zehntel Millimeter haben. Der Organismus ist von einem so engmaschigen Kapillarnetz durchzogen, dass jede Zelle höchstens einen 25millionstel Millimeter vom nächstgelegenen Blutgefäß entfernt ist. In der Aorta und den großen Organarterien fließt das Blut sehr rasch, wird dann aber, je weiter es vom Herzen entfernt ist, zunehmend langsamer. Der von der Pumparbeit des Herzens ausgehende Blutdruck sorgt dafür, dass sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in die entferntesten Bereiche des Körpers gelangt und dort jeder Zelle den für ihre Funktion erforderlichen Nährstoff zuführt. Durch die Wände der Zellen hindurch werden die Nährstoffe ausgetauscht, das heißt, Sauerstoff und Nährstoffe aufgenommen und Kohlensäure und Stoffwechselschlacken abgegeben.
Der Abtransport des nunmehr dunkelrot gefärbten Blutes erfolgt jetzt über die sogenannte venöse Seite, ausgehend wiederum von den feinsten Haargefäßen, dann über die größeren Venolen und die untere und obere Hohlvene bis in den rechten Herzvorhof und die rechte Herzkammer. Alle Blutgefäße, die Blut vom Herzen in den Körper wegführen, heißen Arterien oder Schlagadern; alle Gefäße, die Blut aus dem Körper zum Herzen hinführen, heißen Venen oder Blutadern.

Die Aufgabe des rechten Herzens

Das aus dem Körper zurückfließende, dunkelrote venöse Blut sammelt sich in der rechten Herzkammer und wird von dort aus mit der Muskelkontraktion des Herzens durch die Pulmonalklappe und die Lungenschlagader in die Lunge gepumpt.
Dort, in den Haargefäßen (Kapillaren) der beiden Lungenflügel, vollzieht sich der sogenannte Gasaustausch, das heißt, die Kohlensäure wird abgegeben und ausgeatmet, und die roten Blutkörperchen beladen sich für den neuen Weg durch den Körper wieder mit frisch eingeatmetem Sauerstoff. Dabei wird das Blut wieder hellrot. Von den Haargefäßen der Lunge ausgehend, sammelt sich das Blut in kleineren und größeren Gefäßen und gelangt schließlich über die vier Lungenvenen wieder in den linken Vorhof und in die linke Herzkammer. Dort beginnt der Blutkreislauf von neuem.

Die Kontraktionen

Die Kontraktionen des Herzens kommen durch das komplizierte Zusammenwirken von vegetativem Nervensystem mit Sympathikus und Parasympathikus (Vagus), den Hormonen Adrenalin und Noradrenalin und den eigenen Steuerungsmechanismen des Herzens zustande. Der Sympathikus bewirkt eine Beschleunigung des Herzschlages, der Parasympathikus fungiert dagegen als Bremser, der die Herztätigkeit reduziert und dem gesamten System eine Vergeudung von Energie ersparen hilft. Dieses unbewusste Nervensystem ist auch an der Regulierung des Blutdurchflusses durch die Blutgefäße beteiligt, indem es sie je nach Bedarf eng und weit stellen kann. Beteiligt an dieser Steuerungsfunktion sind außerdem auch Hormone, insbesondereAdrenalin und Noradrenalin. Mit jedem Herzschlag fließen etwa 70 Kubikzentimeter Blut in den Körperkreislauf und in die Lungengefäße. Das Herz pumpt jede Minute mit im Durchschnitt 70 Schlägen fünf Liter Blut in den Kreislauf, 300 Liter in einer Stunde.

Der Herzzyklus

herzzyklus

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Das Reizleitungssystem

Für seine enorme Leistung produziert das Herz auch selbst den benötigten „Strom“ und verfügt zudem über ein weitverzweigtes Leitungssystem, das die Impulse für den Herzschlag übermittelt. Im rechten Herzvorhof sitzt der Sinusknoten, ein kleines Nervengeflecht, das gewissermaßen der Schrittmacher des Herzens ist. Von ihm aus gehen die Impulse für den Herzschlag weiter zu tiefergelegenen Knoten und Fasern, die zusammen das wichtige Reizbildungs- und Reizleitungssystem des Herzens darstellen. Die Impulse, die mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Metern pro Sekunde zu den Wänden der beiden Herzkammern geleitet werden, bewirken schließlich die Kontraktion, das Zusammenziehen des Herzmuskels und den Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Zum Reizleitungssystem gehören außer dem Sinusknoten noch der sogenannte AV-Knoten (Atrio-Ven-trikular-Knoten), das His’sche Bündel, der rechte und die beiden linken Tawaraschenkel sowie die Purkinje-Fäden.

Ein Ausfall in diesem System kann fatale Folgen haben und zum Herzstillstand führen. Die Natur hat deshalb gleich mehrere Sicherungen eingebaut. Fällt einmal der Sinusknoten aus, dann springen andere Impulsgeber dafür ein.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an erster Stelle der Todesursachen – allen voran die Erkrankung der Herzkranzgefäße. Je mehr Sie über Herzerkrankungen wissen, desto besser können Sie sich selbst vor ihnen schützen.

In der Statistik der Ursachen, an denen die Menschen in der Bundesrepublik sterben, stehen die Herz-Kreislauf-Krankheiten vor allen anderen mit weitem Abstand an erster Stelle.

Herzklappenfehler

Die vier Herzklappen im Herzinnern steuern den Blutstrom und sorgen dafür, dass das Blut stets nur in eine bestimmte Richtung fließt. Sie arbeiten dabei nach den Prinzipien eines Rückschlagventils, öffnen und schließen sich also jeweils unter dem Druck des ein- oder ausströmenden Blutes. Jeder Defekt am Klappenmechanismus kann, je nach Schwere des Defekts und je nach Leistungsanforderung an das Herz, mehr oder minder folgenschwer sein. Die meisten Klappenfehler stellen sich im Laufe des Lebens ein, die wenigsten sind angeboren. Geringe Klappendefekte können ein ganzes Leben lang ohne störenden Einfluss bleiben, besonders dann, wenn der Betroffene keine schwere körperliche Arbeit zu machen hat. Ist der Defekt größer, wird dadurch der Herzmuskel auf Dauer so beansprucht, dass sich eine Pumpschwäche des Herzens einstellen kann. Bei der Verengung einer Herzklappe (Stenose) beruht die Überlastung des Herzmuskels auf dem erhöhten Druck, den die vor dieser Klappe liegende Kammer aufbringen muss, um das Blut durch die eingeengte Klappe drücken zu können.

Herzklappenfehler müssen meistens operativ behoben werden. Beispielsweise lassen sich durch Narben veränderte Herzklappen regelrecht aufsprengen, etwa mit dem Finger oder mit speziellen Schneidinstrumenten. Routine ist auch der Ersatz defekter Herzklappen. Unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine werden am vorübergehend stillgelegten und geöffneten Herzen künstliche Klappen aus Kunststoff und Metall oder präparierte Herzklappen von Schweinen eingesetzt. Neuerdings werden in Einzelfällen auch sogenannte Homografts verwendet, das sind Herzklappen von verstorbenen Menschen, die vorher eine besondere Behandlung erfahren und in Zentralstellen tiefgekühlt gelagert werden.
Der angeborene Herzfehler – für alle Eltern, wenn er kurz nach der Geburt festgestellt wird, ein schwer fassbarer Schicksalsschlag – lässt sich auch heute noch nicht verhindern, wohl aber sehr viel besser behandeln als früher. Es handelt sich dabei um Fehlentwicklungen beim Herzwachstum während der frühen embryonalen Phase. Ursachen sind unter anderem genetische Vorgaben, Auswirkungen von Infektionen, besonders Scharlach, aber auch Masern, Mumps und Röteln, Strahlen- und Medikamentenschäden, Sauerstoff- und Vitalstoffmangel. Am häufigsten sind die “Fallotschen Kardiopathien”, vier verschiedene Herzmissbildungen, von denen die “Fallotsche Tetralogie” die größte Bedeutung hat. Es ist das “Loch in der Scheidewand”, also ein Defekt an der Trennwand zwischen linker und rechter Herzkammer. Das hat zur Folge, dass sich sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut mischen können und die Kinder unter einer fortdauernden Sauerstoffnot leiden. Sie haben deswegen eine bläuliche Hautfarbe und werden auch “blue babies” genannt. Dank der Fortschritte in der Herzchirurgie und in der Narkosetechnik können diese Kinder heute frühzeitig, falls erforderlich sogar bald nach der Geburt erfolgreich operiert werden. Recht häufig treten beim embryonalen Herzwachstum auch Fehler an den Herzklappen auf, die aber ebenso wie der Scheidewanddefekt operativ gut zu korrigieren sind.

Entzündungen des Herzens

Es gibt die Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), die Herzbeutelentzündung (Perikarditis) und die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Das Endokard ist die dünne Haut, mit der die Innenwand des Herzens und auch die Herzklappen überzogen sind, und man unterscheidet zwischen rheumatischer und bakterieller Endokarditis. Als Folgen der Entzündung bilden sich Narben, wodurch die Ränder der Herzklappen uneben werden, die Klappensegel schrumpfen oder verkleben und dadurch bewirken, dass sich die Klappen insgesamt nicht mehr exakt schließen oder öffnen lassen. Hinweise auf eine Endokarditis sind unter anderem nicht erklärbares Fieber bis 39 Grad mit und ohne Schüttelfrost, schweres Krankheitsgefühl, Blässe und Blutarmut, Herzjagen und andere Herzrhythmusstörungen. Einweisung ins Krankenhaus und Antibiotikatherapie sind unumgänglich. Als Begleiterscheinung anderer Krankheiten kann sich eine Perikarditis einstellen, eine Entzündung der Innenfläche der doppelwandigen Hülle, die das Herz umschließt. Tuberkulose, Gelenkrheumatismus und Virusinfektionen können beispielsweise die Entzündung auslösen. Der Patient klagt häufig über Luftnot, dadurch ausgelöst, dass die entzündete Innenfläche eine Flüssigkeit absondert, die den Beutel füllt. Das Herz wird, wenn sich im Herzbeutel eine größere Menge Flüssigkeit anzusammeln beginnt, in seiner Pumparbeit erheblich eingeschränkt. Die Entzündung kann ausheilen, sie hinterlässt jedoch gelegentlich Narben, die zusammen mit abgelagertem Kalk den Herzbeutel zu einem starren Panzer machen und den Arzt von einem Panzerherzen sprechen lassen. Dieser Panzer kann nur operativ entfernt werden. Im übrigen kann man den Herzbeutel punktieren und die Flüssigkeit absaugen. Entzündungshemmende und entwässernde Medikamente stehen zur Wahl.
Liegt eine Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels vor, ist eine Einweisung ins Krankenhaus unumgänglich. Ursache einer Herzmuskelentzündung sind häufig Virusinfektionen wie Grippe und grippeähnliche Erkrankungen, seltener bakterielle Infektionen oder rheumatische Ursachen. Der Patient leidet an Atemnot, Herzklopfen, Brustschmerz und Fieber. Weil meistens auch eine Herzschwäche besteht, muss er strikte Bettruhe einhalten.

Die Herzneurose

Bei der Herzneurose, die auch Herzangst-Syndrom oder funktionelle kardiovaskuläre Störung genannt wird, handelt es sich um eine psychosomatische, also leibseelische Erkrankung, die – obwohl sie nicht selten vorkommt – in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Es wird geschätzt, dass 30 bis 40 Prozent aller Patienten, die wegen Herzbeschwerden einen Arzt aufsuchen, an einer Herzneurose leiden, also über Schmerzen am Herzen klagen, für die der Arzt keine krankhaften Organbefunde finden kann. Meistens beginnt die Herzneurose mit zehn bis zwanzig Minuten andauernden Anfällen von Herzjagen mit Frequenzen bis zu 160 Schlägen in der Minute, also doppelt so schnell wie sonst. Gleichzeitig steigt der Blutdruck deutlich an, und es kommt zu Schwindel, Luftnot, Schweißausbrüchen und Herzschmerzen. Den Patienten überfallen panikartige Angste, das Herz könne stehen bleiben. Im Laufe der Zeit entwickelt er immer stärkere, auf das Herz konzentrierte Angstgefühle und daraus eine Schonhaltung, die einen Trainingsmangel und eine immer geringer werdende Belastbarkeit des Herzens nach sich ziehen. Auch der plötzliche Herztod einer nahestehenden, einer bekannten oder berühmten Person kann die Initialzündung für eine Herzneurose sein, also für die nicht begründete Angst, das Herz versage irgendwann plötzlich. Der verängstigte Patient fordert deswegen immer neue und weitergehende Untersuchungen seines organisch nicht kranken Herzens.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
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Vollwerternährung http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/vollwerternaehrung/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/vollwerternaehrung/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:00:44 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=937

Definition

Vollwerternährung ist die Kost, die einen Durchschnittsmenschen mit jener Menge an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt, die er braucht, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Wem nützt Vollwerternährung?

Grundsätzlich ist Vollwerternährung für die allermeisten Menschen geeignet. Sie schützt in gewissem Maß vor ernährungsbedingten Krankheiten (Fettsucht, Gicht, Zuckerkrankheit) und kann in abgewandelter Form bei verschiedenen Krankheiten lindernd wirken (Allergien, Rheumatismus). Für schwangere Frauen, Säuglinge und kleine Kinder sind einige Besonderheiten zu beachten.

Was macht Vollwertkost so wertvoll?

In der Vollwertküche werden viele pflanzliche Lebensmittel verwendet. Daneben haben Milch, Milchprodukte und Eier ihren Platz. Fleisch und Wurst sind nicht verboten, werden aber sparsam verwendet. Der Verzehr pflanzlicher Produkte ist so wertvoll, da Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe und – gegenüber den meisten Lebensmitteln tierischer Herkunft – kaum Fett, kein Cholesterin und weniger Purine enthalten (Purine erhöhen den Harnsäurespiegel, was die Gicht auslösen kann).
Typisch für Vollwertkost sind Nahrungsmittel, die möglichst wenig bearbeitet sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nahrung alle essentiellen Bestandteile enthält, ist um so größer, je naturbelassener das Lebensmittel ist. Getreide wird nach Möglichkeit als Vollkorn verwendet. Zum einen befinden sich viele wertvolle Bestandteile in den Randschichten des Korns, zum anderen sättigen Vollkornprodukte wesentlich länger als Weißmehlprodukte; weiterhin werden Blutzuckerspitzen (wichtig bei Zuckerkrankheit) vermieden.
Vollwerternährung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Rohkost. In einigen Fällen werden Nahrungsmittel durch ihre Zubereitung erst für den Menschen genießbar. Unter anderen wird erst durch das Kochen die Stärke der Kartoffel für den Menschen verdaubar und die Milchsäuregärung erhöht die biologische Wertigkeit von Sauerkraut. Durch Keimung werden Getreide oder Hülsenfrüchte zu Sprossen und Keime “veredelt”.

Getränke

Jeder Erwachsene braucht mindestens ein bis eineinhalb Liter Flüssigkeit proTag. Der Bedarf kann bei Fieber, großer Hitze oder schwerer körperlicher Arbeit auf ein mehrfaches ansteigen. Der beste Durstlöscher sind kalorienfreie Getränke. Mineralwasser und Leitungswasser bieten sich neben ungesüßten Früchte-und Kräutertees an. Heilkräutertees sollten ohne ärztliche Empfehlung nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Milch ist nicht als Getränk, sondern als hochwertiges Lebensmittel zu betrachten. Fruchtsäfte gemischt mit (Mineral)wasser ersetzen z. B. nach sportlichen Aktivitäten rasch Flüssigkeit, Energie und Mineralien. Limonaden eigen sich aufgrund des hohen Zuckergehaltes nicht als Durstlöscher, in einem Liter Zitronenlimonade verstecken sich bis zu 34 Stück Würfelzucker.

Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungen

Diese sind bei Vollwertkost nicht nötig und in Einzelfällen sogar schädlich (z.B. Vitamin-A Präparate können bei schwangeren Frauen mit einer erhöhten Missbildungsrate einhergehen). Nur in wenigen Ausnahmefällen ist die Verwendung von Vitaminen oder Spurenelementen sinnvoll (siehe schwangere Frauen). Ausnahme: Die Verwendung von jodiertem Speisesalz ist zur Vorbeugung eines Jodmangelkropfes angebracht.

Bei der Zusammenstellung des täglichen Speiseplanes bietet die folgende Tabelle Anhaltspunkte.

S


Sehr
empfehlenswert

Etwa die Hälfte der Nahrung sollte aus diesen Lebensmitteln bestehen


Empfehlenswert

Etwa die Hälfte der Nahrung sollte aus diesen Lebensmitteln bestehen

Weniger
empfehlenswert

Nicht täglich verzehren

Nicht
empfehlenswert

Möglichst vermeiden

Nicht erhitzte Lebensmittel Erhitzte Lebensmittel Stark verarbeitete Lebensmittel Isolierte Bestandteile von Lebensmitteln
Getreide Gekeimtes Getreide, rohes Vollkornschrot (z. B. Frischkornmüsli) Vollkornprodukte (z. B. Vollkornbrot, -gebäck, -nudeln) Produkte aus Auszugsmehl (z. B. Weißbrot, Graubrot, weißer Reis) Stärke, Eiweißprodukte, Ballaststoffe
Obst/ Gemüse Rohes oder milchsaures Gemüse, rohes Obst, gekeimte Hülsenfrüchte Erhitztes Gemüse, Kartoffeln, erhitzte Hülsenfrüchte, eingeschränkt Gemüse- und Obstsäfte Gemüse-, Obstkonserven, Nektare, Kartoffelprodukte Zucker, Vitamine
Fleisch/Eier Fisch, Eier und Fleisch nur mäßig Fleisch- und Wurstwaren, Wurstkonserven Innereien, Schweineschmalz
Fette und Öle Nüsse, Samen, kaltgepresste, unraffinierte Öle, ungehärtetes Kokosfett Ungehärtete Pflanzenmargarine mit hohem Anteil kaltgepresster Öle Extrahierte, raffinierte Fette und Öle Süßigkeiten, Nährstoffpräparate, Schlankheitspräparate
Milch Vorzugsmilch, Rohmilch* Pasteurisierte Milch (-produkte), Butter (mäßige Menge) H-Milch, Milchpulver Sterilmilch
Getränke Mineralwasser/Leitungswasser**, Kräutertee, Früchtetee Malz-, Getreidekaffee, ungezuckerter Kakao Schwarzer Tee, Kaffee, Bier, Wein Fruchtsaftgetränke, Limonaden, Cola-Getränke, Instant-Getränke, Spirituosen
Gewürze Frische Kräuter und Samen, wenig jodiertes Meersalz erhitzte tiefgefrorene Kräuter und Samen, Meersalz, wenig jodiertes Kochsalz Gewürzzubereitungen
Süßes rohes, süßes Obst, eingeweichtes Trockenobst verdünnt und in mäßiger Menge Honig, Apfel- und Birnendicksaft Zuckerrübensirup, Melasse, Ahornsirup Zucker, Süßstoffe

* nicht für Schwangere
**je nach Güte, bei den Stadtwerken erfragen

Tabelle in Anlehnung an Anemüller Helmut, Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität,1993 Hippokrates Verlag Stuttgart

Darauf sollten Sie achten:

  • Insgesamt ca. 5 Mahlzeiten über den Tag verteilen, 3 Hauptmahlzeiten sowie 2 Zwischenmahlzeiten
  • Möglichst viel pflanzliche und unverarbeitete Lebensmittel in den Speiseplan aufnehmen (z. B. rohes Obst, Rohkost)
  • Nahrung schonend zubereiten (dünsten mit wenig Wasser), nicht lange warmhalten
  • Auf versteckte Fette in Wurstwaren, Käse und Fertigprodukten achten
  • Salz reduzieren
  • Auf Zucker und Süßigkeiten weitgehend verzichten

Einkauf

  • Nach Möglichkeit Lebensmittel jahreszeitenbezogen einkaufen (Treibhausware schmeckt nicht nur weniger aromatisch, sondern hat häufig einen höheren Nitratgehalt und der Anbau verschlingt viel Energie).
  • Oft sind Tiefkühlprodukte, die kurz nach der Ernte eingefroren wurden, reicher an Vitaminen, als Ware, die ungünstig gelagert vor sich hin welkt.
  • Produkte aus der näheren Umgebung bevorzugen und aufwendige Verpackung meiden.
  • Bei der Lagerung ist einem kühlen, dunklem Raum der Vorzug zu geben.

Dr. med. Sybille Fritsch

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Herz: Gesundheit ist Herzenssache http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herz-gesundheit-ist-herzenssache/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herz-gesundheit-ist-herzenssache/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:00:43 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=929

Der beste Schutz vor Krankheiten ist ein gesunder Lebensstil, der Risikofaktoren vermeidet. Das heißt: Ein Leben ohne Zigaretten, mit gesunder Ernährung, genügend Bewegung und mit einem ausgewogenen Verhältnis von Stress und Entspannung.

Es ist schon viel getan, wenn man sich die Risikofaktoren bewusst macht, die zu Herzkrankheiten führen können, und sie so weit wie möglich auszuschalten versucht. Je weniger Risikofaktoren ein Mensch hat, desto größer ist die Chance, herzgesund zu bleiben. Diese Risikofaktoren sind:

  • Zigarettenrauchen
  • Hoher Blutdruck
  • Hoher Cholesteringehalt im Blut
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Gicht

Ein Ja zum Trimmen – doch es muss stimmen

Die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften in der Bundesrepublik haben gemeinsam entschieden, dass ein Mangel an Körperbewegung kein nennenswertes zusätzliches Risiko für einen Herzinfarkt darstellt, dass andererseits aber ein gezieltes Ausdauertraining sehr wohl ein Schutzfaktor für die Menschen sein dürfte, die ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt haben. Große Studien in den USA zeigten, dass in einer Gruppe sportlich aktiver Menschen Herzkrankheiten einschließlich des Herzinfarkts um 64 Prozent weniger auftraten als in einer Gruppe mit Unsportlichen. Es zeigte sich dabei auch, dass das Körpertraining, unabhängig von den übrigen Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Cholesterinspiegel oder Bluthochdruck, einen wirkungsvollen Herzschutz darstellt.

An der Sporthochschule in Köln hat eine Gruppe von Testpersonen sechs Wochen lang auf einem Fahrradergometer trainiert – aber immer nur mit einem Bein. Das andere Bein blieb zum Zwecke des Vergleichs untrainiert. Benutzten die Testpersonen nun nach Abschluss des Experiments das untrainierte Bein, so lag die Frequenz ihres Herzschlags um rund zwanzig Schläge pro Minute höher, als wenn sie das trainierte Bein einsetzten. Außerdem kamen sie deutlich weniger außer Atem, wenn sie mit dem trainierten Bein arbeiteten. Das Herz eines trainierten Menschen kommt also mit einer niedrigeren Schlagzahl aus, und auch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels ist geringer. Schließlich wird auch der Fettgehalt des Blutes durch Ausdauertraining deutlich beeinflusst, und zwar ändert sich die Aufteilung des Cholesterins: das gefährliche LDL-Cholesterin wird verringert, das günstige HDL-Cholesterin erhöht sich. HDL ist ein Schutzfaktor gegen Ablagerungen in den Blutgefäßen. Bei allen Experimenten zeigte sich, dass Körpertraining messbar positive Wirkungen hat, die vor einer Erkrankung der Herzkranzgefäße und damit vor dem Herzinfarkt schützen können.

Aber nicht jede Sportart eignet sich für ein Training, das Herz und Kreislauf schützt. Wer sich für herzgesunde Bewegung entschieden hat, sollte sich am besten in einer Ausdauersportart probieren.

Dabei bleibt das Tempo so gemächlich, dass man die Herzfrequenz jederzeit selbst kontrollieren kann. Flottes Gehen, Walking, Wandern, langsames Laufen, Radfahren in der Ebene und gemütliches Schwimmen sind solche Belastungen, die nach dem eigenen Gefühl dosiert werden können.

Wichtig zu wissen ist auch: Die Herz-(Puls-)frequenzen in Ruhe und bei niedriger Belastung können von Tag zu Tag sehr unterschiedlich sein. Diese Schwankungen werden bei zunehmender Belastbarkeit immer geringer. Das heißt: Die Kreislaufreaktion wird mit der Zeit immer stabiler. Kölner Sportmediziner haben eine Rangliste der dafür am besten geeigneten Sportarten aufgestellt:

  1. Langsamer Dauerlauf (Jogging)
  2. Radfahren, Skilanglaufen, Bergaufgehen
  3. Schwimmen
  4. Ballspiele wie Tennis, Hockey, Fußball, Handball, Basketball (aber nicht Squash, Tischtennis, Volleyball)
  5. Rudern
  6. Kanufahren

Die gewählte Sportart muss auch mit der richtigen Intensität betrieben werden, und zwar nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die Dauer der Belastung sollte am besten 30 bis 40 Minuten hintereinander betragen. Um einen optimalen Effekt zu erzielen, sollte wöchentlich drei – bis vier mal trainiert werden.

Zehn Regeln für eine vernünftige Ernährung

Eine Vielzahl von Krankheiten, die die Menschen der Industrieländer heute quälen, ist durch falsche und übermäßige Ernährung entstanden. Es heißt, an vierzig Prozent aller Krankheiten sei eine falsche Ernährung maßgeblich beteiligt. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand das Schlagwort vom „Selbstmord mit Messer und Gabel“. Falsche und üppige Ernährung tut nicht weh, sondern meistens tut sie gut – deswegen ist sie so beliebt, und deswegen ist es auch so schwierig, sinnvolle Korrekturen in der Ernährung einzuführen. Das Herz ist eines der am stärksten von falscher Ernährung betroffenen Organe. Auch Übergewicht belastet die Arbeit des Herzens.

  1. Essen und Trinken – Freude am Leben
    Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme. Ein wichtiger Teil unseres Wohlbefindens entsteht durch den Genuss einer guten Mahlzeit. Auch Bekömmlichkeit ist eine Sache des Genießens. Lassen Sie sich, wann immer es möglich ist, zu Hause im Familienkreis, bei geselligem Zusammensein oder ähnlichen Gelegenheiten, ausreichend Zeit, appetitlich zubereitete Speisen zu „erleben“.
  2. Nicht zu viel, aber vielseitig
    Mit der Nahrung führen Sie sich Energie zu. Nahrungsenergie wird in Kalorien oder Joule gemessen. Wieviel Sie täglich brauchen, hängt von Ihrer körperlichen Aktivität, Ihrem Alter und Geschlecht ab. Ihre Waage berät Sie: Wenn sie mehr Kilogramm anzeigt, als Sie an Zentimetern über einen Meter groß sind, sind Sie zu schwer (ein 1,80 Meter großer Mann sollte demnach nicht mehr als höchstens 80 Kilo wiegen). Zuviel Nahrung bedeutet unverbrauchte Energie, die zu Übergewicht führt.
  3. Lieber regelmäßig essen
    Überlisten Sie den großen Hunger, indem Sie Ihre täglichen Mahlzeiten auf fünf kleinere anstelle der traditionellen drei größeren verteilen. Die Ausnutzung der Nahrung verläuft dann günstiger, die Gefahr, übergewichtig zu werden, sinkt. Achten Sie dabei aber sehr darauf, dass es nicht fünf größere Mahlzeiten werden. Die Zwischenmahlzeiten am Vormittag und Nachmittag sollten wirklich nur Häppchen und nicht Zusatzhäppchen sein.
  4. Die sieben Säulen
    Die richtig zusammengesetzte Ernährung enthält Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate als Bausteine und Energieträger. Hinzu kommen Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe sowie – nicht zu vergessen – Wasser. Alle sieben sind wichtig, einige sind lebensnotwendig.
  5. Eiweiß baut auf
    Für Wachstum und laufende Erneuerung unseres Körpers wird Eiweiß benötigt. Am besten entfaltet es seine Wirkung, wenn Ihre Nahrung eine Mischung von Eiweiß aus tierischer und pflanzlicher Herkunft enthält.Tierisches Eiweiß liefern Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Fleischprodukte sowie Eier. Pflanzliches Eiweiß enthalten Kartoffeln, Getreideerzeugnisse (Brot) und auch viele Gemüsearten.
  6. Zu viel Fett macht fett
    Mit neun Kalorien (38 Joule) hat ein Gramm Fett doppelt soviel Energie wie ein Gramm Eiweiß oder Kohlenhydrate. Weil aber heute Tätigkeiten mit großer Muskelleistung selten sind, also weniger Energie „ausgegeben“ wird, sollte man den Fettverzehr einschränken. 80 Gramm täglich sind bei normalem Kraftaufwand manchmal schon zuviel. Denken Sie dabei auch an das in vielen Lebensmitteln versteckte Fett.
  7. Kohlenhydrate: Zu viel Zucker zehrt am Zahn
    Kohlenhydrate, richtig ausgewählt, sind neben Fett die wichtigsten Energielieferanten unserer Nahrung. Verzehrt werden sie als pflanzliche Stärke, zum Beispiel aus Getreideerzeugnissen und Kartoffeln oder als Zucker. Isst man zuviel Kohlenhydrate, so wird der Überschuss im Körper in Fett umgewandelt, besonders leicht bei Aufnahme in Form von Zucker. Bevorzugen Sie Pflanzenfette mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Wer zu Übergewicht neigt, schränkt deshalb außer dem Fett in der Nahrung auch den Verzehr von Feinbackwaren und allen sonstigen Süßigkeiten ein. Zuviel Zucker begünstigt überdies Karies.
  8. Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe
    Vitamine sind lebensnotwendig: Sind zu wenig davon in der täglichen Nahrung, kommt es zu Mangelerscheinungen. Vitamine sind aber empfindliche Stoffe. Sie schonen sie durch zweckmäßige, kühle Lagerung, kurze Garzeiten und Vermeidung von Warmhalten und Aufwärmen der Lebensmittel. Rohes Obst, Frischsäfte, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Milch und Vollkornbrot sind wichtige Vitaminspender. Von den Mineralstoffen brauchen wir vor allem Kalzium (Kalk) und Eisen. Besonders viel Kalzium enthalten Milch und Milchprodukte; die hauptsächlichsten Eisenlieferanten sind Fleisch, Leber, Getreideerzeugnisse, Obst und Gemüse. Die Ballaststoffe von Vollkornerzeugnissen, Obst, Gemüsen und Salaten sind für die Verdauung wichtig.
  9. Richtig Kochen – (k)eine Kunst
    Speisenzubereitung ist die Kunst, Wertvolles zu erhalten und für das Ganze harmonischen Wohlgeschmack zu erreichen. Schonend kurz mit wenig Wasser zu garen und appetitlicher Geschmack sind durchaus keine Gegensätze. Denken Sie auch an die vielen Gewürze und Küchenkräuter, die dem guten Geschmack dienen. Besonders wenn Sie regelmäßig Mahlzeiten außer Haus einnehmen, die nicht immer individuell frisch zubereitet sein können, sollten Sie bei selbstbereiteten Speisen auch das Kochwasser für Suppen und Soßen verwenden; es enthält oft noch wertvolle wasserlösliche Nahrungsbestandteile.
  10. Planvoll einkaufen – preiswert essen
    Denken Sie bei Ihrem Küchenzettel auch an Ihren Geldbeutel. Richtige Ernährung hat ihren Preis, aber sie muss nicht teuer sein. Wenn Sie über die Lebensmittel und ihre Ernährungsleistung gut Bescheid wissen, ersparen Sie sich viele Kauffehler. Wenn Sie Ihre Mahlzeiten sorgfältig planen, können Sie in dem großen Angebot umsichtiger wählen, preisgünstiger einkaufen und Sonderangebote richtig nutzen.

Herzgesund trotz Stress

Der Begriff Stress ist im Laufe der Jahre in der Öffentlichkeit so sehr verallgemeinert und dabei auch irreführend gebraucht worden, dass zunächst einmal wichtig ist zu wissen, was Stress nicht ist. Nicht jede nervöse Anspannung ist Stress, und Stress ist nicht etwas, was unter allen Umständen zu vermeiden ist. Es gibt einen physiologischen, lebenswichtigen Stress, den sogenannten Eu-Stress. Daraus geht hervor, dass jeder Mensch eine für ihn angemessene Menge an Stressoren braucht, um sich immer wieder neu auf den Wechsel von Aktivität und Entspannung, von Arbeits- und Erholungsphasen einstellen zu können.

Der Zweck von Stressreaktionen ist heute noch unverändert wie bei den Menschen vor rund fünfhunderttausend Jahren: Stress soll den Organismus bereit machen für körperliche Aktivitäten wie Angriff oder Flucht. Für beide Fälle muss Energie bereitgestellt werden. Die Folge dieser Reaktion sind eine Steigerung des Stoffwechsels, der Herztätigkeit mit Blutdruckerhöhung sowie eine Anregung der Atmung. Außerdem werden als Energiematerial Blutzucker und Fettsäuren erhöht. Andere Funktionsvorgänge des Organismus werden gehemmt, zum Beispiel Appetit und Verdauung.

Der Münchner Arbeitsphysiologe Prof. Dr. Müller-Limmroth erläutert:
„Die Herstellung einer Arbeitsbereitschaft hat Vorrang vor allem anderen. Die Bedrohung durch einen Stressor erfordert eben den unmittelbaren Angriff oder die Flucht. Der Eu-Stress ist also keine Gefahr, sondern er ist für jede körperliche Arbeit die notwendige Voraussetzung.“ Sobald aber nun eine durch die Stressreaktion bewirkte Arbeitsbereitschaft nicht genutzt wird, wird aus dem Eu-Stress der Dys-Stress. Die gesamte Stressreaktion des Organismus ist dann nämlich umsonst und geht ins Leere. Mit der industriellen Mechanisierung und Automatisierung ungezählter Arbeitsplätze reduzierte sich der Anteil körperlicher Tätigkeiten im Berufsleben auf ein Minimum. Muskelkraft ist kaum noch gefragt, und deshalb reagieren sich immer weniger Menschen am Arbeitsplatz körperlich noch bis zur Ermüdung ab. Hinzu kommt, dass der Mensch nicht nur auf tatsächliche physische Gefahr reagiert, sondern auch auf mentale Stressoren wie Überforderung, und auf psychische Stressoren wie Zeitdruck, berufliche Schwierigkeiten, Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten, häusliche Sorgen, eventuelle Arbeitslosigkeit und vieles andere mehr. Mittlerweile sind die Stressreaktionen auf solche „Schieflagen“ des Lebens so gewaltig angewachsen, dass etwa ein Drittel der Krankheitstage darauf zurückzuführen ist.

Durch Stress werden auch die Herznerven beeinflusst und können nervös bedingte Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Im Stress kann sich auf gefährliche Art der Blutdruck enorm steigern. Und da sich zusätzlich auch die Blutfett-Konzentration erhöht, ist Stress auch ein Wegbereiter der Gefäßverkalkung, also der Arteriosklerose.

Wer gegen den krankmachenden Dys-Stress angehen will, muss darauf aus sein, Stressoren zu reduzieren. Wichtig ist dabei die Vermeidung von Hetze, Lärm und Monotonie. Die Lebensführung muss einen Wechsel von Arbeit und Muße enthalten. Je stärker ein Leben unter den Aspekten der Angst, Hetze, Unsicherheit und Zeitnot geführt wird, um so unerbittlicher wirken die Stresshormone auf den Körper ein. Hilfreich beim Stressabbau sind zum Beispiel sedative Techniken wie Autogenes Training oder Yoga. Bei schweren Stressbelastungen ist Hilfe durch einen erfahrenen Psychologen oder Psychotherapeuten zu empfehlen.

Alkohol – Schutz oder Risikofaktor?

Wenn es um das Herz geht, dann ist die Wirkung des Alkohols zwiespältig. Verschiedene Studien kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass der Alkohol, bezogen auf das Herz, nicht nur negative Aspekte hat. Mäßiger Alkoholgenuss scheint nämlich ein gewisser Schutz gegen den Herzinfarkt zu sein. Wer regelmäßig, doch immer wenig trinkt, leidet seltener unter der Erkrankung der Herzkranzgefäße als ein anderer, der völlig abstinent lebt. Das hängt offenbar damit zusammen, dass der Alkohol Einfluss auf den Blutfettspiegel hat. Und zwar vermutet man, dass er beim Gesamt-Cholesterin den Anteil des schützenden HDL-Cholesterins erhöht. Die Alkoholmenge, die diesen Schutz bewirkt, liegt pro Tag bei höchstens 35 Gramm Alkohol. (Das entspricht etwa einem halben Liter Wein oder einem Liter Bier.) Der Schutzeffekt geringer Alkoholmengen wird jedoch ins Gegenteil verkehrt, wenn die „Freigrenze“ von täglich etwa 35 Gramm Alkohol deutlich überschritten wird. Die Schädigungen betreffen dann primär die Leber, aber auch die Zellen des Herzmuskels. Tatsächlich sterben heute mehr Alkoholiker an den durch Alkohol verursachten Herzmuskelerkrankungen als an der Leberzirrhose.

Es versteht sich von selbst, dass Schwangere keinen Alkohol trinken sollten, weil er verantwortlich gemacht wird für Missbildungen und Minderwuchs bei den Neugeborenen.

Täglich ein Glas Wein gilt für den Erwachsenen als sinnvoll. Übermäßiger Alkoholgenuss ist dagegen dem Herzen nicht zuträglich.

Reisetips für Herzkranke

Viele Herzkranke fühlen sich auf Reisen unsicher. Die Deutsche Herzstiftung bietet daher fachärztlich und sporttherapeutisch betreute Reisen mit Herz-Seminaren an. Auf diesen Reisen genießen die Patienten Betreuung rund um die Uhr. Das nimmt vor allem die Angst, im Notfall nicht rechtzeitig ärztlich versorgt zu werden. Das Reiseprogramm reicht von Wandern mit und ohne Rad, Langlauf, Städte- und Flugreisen bis zu Kreuzfahrten.

Ein Merkblatt mit “Reisetips für Herzkranke“ beantwortet außerdem alle Fragen, die sich diese Patienten immer wieder stellen. Übersichtlich ist aufgelistet, welche speziellen Untersuchungen vor Reiseantritt gemacht werden sollten, welche Unterlagen ins Gepäck gehören und wann es ratsam ist, einen Arzt zu alarmieren.

  • Das Merkblatt ist zu bestellen bei:
    Deutsche Herzstiftung e.V.
    Vogtstraße 50
    60322 Frankfurt am Main
    Tel: 069/ 955128-0
    Fax: 069/ 955128-313

Erfahrungsaustausch, Rat und Hilfe bieten auch zahlreiche unter dem Dach der Deutschen Herzstiftung gegründete Selbsthilfegruppen für Bypass-, Schrittmacher- und Herzklappen-Patienten sowie für Eltern herzkranker Kinder.

Weitere Adressen von beratenden Institutionen

  • Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe
    (SDSH)
    Carl-Bertelsmann-Straße 256
    33335 Gütersloh
    Tel: 05241/ 97 70-0
  • Deutsche Liga zur Bekämpfung
    des hohen Blutdrucks e.V.
    Berliner Straße 46
    69120 Heidelberg
    Tel: 06221/ 411-774

Schlaganfall

Jede Minute zählt!
Bei folgenden Symptomen sollte sofort ein Rettungswagen gerufen werden:

  • plötzliche Lähmung eines Armes oder Beines
  • plötzliche Sprachstörung
  • plötzlicher totaler Sehverlust, auch auf einem Auge
  • plötzliche Bewusstlosigkeit

Herzinfarkt

Jede Minute zählt!
Bei folgenden Symptomen sofort den Rettungswagen rufen:

  • schwere, anhaltende Schmerzen im Brustkorb
  • blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß, starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb
  • zusätzlich zum Brustschmerz Erbrechen
  • Luftnot, flache Atmung
  • Schwächeanfall (auch ohne Schmerz), evtl. Bewusstlosigkeit

Die Deutsche Herzstiftung

Eine breite, allgemeinverständliche Aufklärung über einen gesünderen Lebensstil, über sinnvolle Möglichkeiten der Vorbeugung und neue Behandlungsmethoden, die Förderung der Herz-Kreislauf-Forschung und die Unterstützung von Selbsthilfegruppen sind die Ziele, für die sich die Deutsche Herzstiftung engagiert. Neben der Verhütung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Rehabilitation bereits Erkrankter bemüht sich die Deutsche Herzstiftung besonders um Kinder mit angeborenen Herzfehlern und deren Eltern.

Der Verein mit Sitz in Frankfurt wurde 1979 gegründet. Deutschlands größte Patientenorganisation auf dem Gebiet der Herz-KreislaufKrankheiten zählt zur Zeit rund 26000 Mitglieder. Schirmherrin der Deutschen Herzstiftung ist seit 1987 Barbara Genscher.

Die Stärke der Deutschen Herzstiftung ist ihre enge Verbindung zur Wissenschaft. Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören fast alle Kliniker und Wissenschaftler an, die auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen arbeiten. Jeder kann Mitglied der Deutschen Herzstiftung werden oder die Arbeit durch Spenden und ehrenamtliche Tätigkeit unterstützen.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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Blut ist ein ganz besonderer „Saft”: Er versorgt das Gewebe mit Sauerstoff und transportiert das Abfallprodukt Kohlendioxid zum Ausatmen in die Lunge. Gleichzeitig trägt er lebenswichtige Nährstoffe wie Enzyme, Mineralstoffe und Hormone in jede Zelle des Organismus.

Normalerweise macht die Blutmenge eines Menschen ein Zwölftel seines Körpergewichtes aus, im Durchschnitt fünf bis sechs Liter. Verliert er davon, beispielsweise durch eine Verletzung, einen Liter, so ist er immer noch lebensfähig. Fehlen aber zwei oder gar mehrere Liter, sind die Blutgefäße nicht mehr genügend gefüllt, der Blutdruck fällt ab und der Kreislauf bricht zusammen. Der Mensch ist dann verloren. Der Arzt kann diese gefährliche Situation überbrücken, wenn er die Blutmenge mit Kochsalzlösung auffüllt und gewissermaßen „streckt“, indem er also dafür sorgt, dass das für einen geregelten Kreislauf erforderliche Blutvolumen vorhanden ist.
Der Körper kann sich außerdem in einem gewissen Maße auch selbst helfen und Blut aus Körperregionen abziehen, die in einem Ernstfall auch mit einer geringeren Blutversorgung auskommen.

Das Blutplasma

Das Blut besteht zu 55 Prozent aus dem Blutplasma und zu 45 Prozent aus festen Bestandteilen, insbesondere den roten und weißen Blutkörperchen und den Blutplättchen. Das Blutplasma ist, wenn es von den festen Bestandteilen getrennt wird, eine hellgelbe klare Flüssigkeit, die außer Wasser etwa sieben bis acht Prozent Eiweißstoffe enthält, die bei der Krankheitsabwehr und bei der Blutgerinnung eine bedeutende Rolle spielen. Das Plasma enthält außerdem Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Kalzium. Ein fein abgestimmter Regulationsmechanismus des Körpers sorgt im Normalfall dafür, dass alle diese Stoffe stets in der erforderlichen Menge vorhanden sind.

Die roten Blutkörperchen

Wichtigste Produktionsstätte für das Blut ist das Knochenmark, wo die roten und weißen Blutkörperchen, die Erythrozyten und die Leukozyten, entstehen. Größte Bedeutung haben die roten Blutzellen, obwohl sie keine eigene Bewegungskraft in sich tragen und also willenlos im Blutstrom getrieben werden. Sie haben eine Größe von nur siebentausendstel Millimeter, aber es gibt eine unvorstellbare Menge davon: 25 Billionen. Etwa 120 Tage nach ihrer „Geburt“ haben die Erythrozyten ihre Schuldigkeit getan und werden in der Leber abgebaut. Das Knochenmark fabriziert laufend neue, drei Millionen in jeder Sekunde.

Die wichtige Aufgabe der roten Blutzellen ist der Sauerstofftransport. In der Lunge heftet sich der eingeatmete Sauerstoff an die Erythrozyten, speziell an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Je ein Molekül Hämoglobin kann ein Molekül Sauerstoff transportieren. Beladen mit dieser Fracht, geht das rote Blutkörperchen im Blutstrom auf die Reise, nimmt, nachdem es durch den Herzschlag enorme Fahrt erhalten hat, unterwegs noch Nährstoffe aus Darm und Leber auf und transportiert alles zusammen an die Zellen heran, die von diesen Substanzen genährt werden. Ist die Ladung der Zellen dann gelöscht, nimmt der Erythrozyt für die Rückreise zum Herzen und zur Lunge Kohlensäure und andere Abfallprodukte des Stoffwechsels auf, die zu den Ausscheidungsorganen gebracht werden. Die Kohlensäure wird in den Lungen abgegeben und ausgeatmet. Die roten Blutzellen sind also emsige, nimmermüde Transportarbeiter.

Bildung und Abbau der Erythrozyten

erybildung
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Die weißen Blutkörperchen

Weiße Blutkörperchen, die Leukozyten, gibt es im Blut sehr viel weniger. Auf rund 700 rote kommt nur ein weißes Blutkörperchen. Sie besitzen eine eigene Mobilität und können dadurch auch gewissermaßen gegen den Strom schwimmen. Diese Beweglichkeit brauchen sie unbedingt, denn sie sind die Gesundheitspolizei des Körpers. Die Leukozyten treten in unterschiedlichen Zellarten und Formen auf und haben auch jeweils andere Aufgaben.

Wenn wir uns am Finger verletzt haben und Schmutz in die Wunde gekommen ist, blasen die weißen Blutkörperchen zum Großangriff. Nach einer Weile bildet sich Eiter, der hauptsächlich aus den zahlreichen zur Hilfe geeilten Leukozyten besteht. Sie wollen die mit dem Schmutz in die Wunde und damit ins Blut eingedrungenen Bakterien abtöten.

Die Blutplättchen

Nicht minder wichtig ist ein anderer fester Bestandteil – die Blutplättchen oder Thrombozyten, die etwa zweitausendstel Millimeter groß sind, ebenfalls im Knochenmark gebildet werden und sieben bis elf Tage leben. Sie leiten die Blutgerinnung ein, also die Fähigkeit des flüssigen Blutes, sofort zu gerinnen, sobald es an irgendeiner Stelle des Körpers aus dem geschlossenen Kreislauf austritt. So wird der Verlust des kostbaren Blutes in Grenzen gehalten. Gibt es nämlich irgendwo am Körper eine Wunde, beginnt ein phantastischer Mechanismus zu verhindern, dass der Verletzte verblutet. Zunächst zieht sich das betroffene Blutgefäß zusammen, so dass sich schon allein dadurch der Blutstrom verringert. Dann aber setzen die Blutplättchen mit ihrer Arbeit ein und spannen gewissermaßen ein Netz über die Wunde; es sind die Fibrinogenfäden, die tatsächlich wie ein Spinnennetz die blutende Öffnung überziehen und sie allmählich verschließen.

Menschliches Blut unter dem Mikroskop
Mit freundlicher Genehmigung von Carl Zeiss.

blutRote Blutkörperchen (Erythrozyten) sind rosa dargestellt; sie sind bikonkave Scheiben mit einem Durchmesser von 7,7 mikrometer (=1/1000 mm).

Die anders gefärbten Zellen sind weiße Blutkörperchen (Leukozyten); sie enthalten im Gegensatz zu den roten Blutkörperchen einen Zellkern. Anhand der Form und Größe der Zelle und des Zellkernes kann man nach Färbung die weißen Blutkörperchen differenzieren.

Die Krankheiten des Blutes

Damit das Knochenmark anhaltend neues, gesundes Blut nachliefern kann, muss es ausreichend mit Eisen und den Vitaminen B 6 und B 12 sowie mit Folsäure ausgestattet sein. Das Blut kann nämlich, entsprechend seiner vielfältigen Aufgaben, auch vielfältig erkranken. Die häufigste Blutkrankheit ist der Eisenmangel mit den typischen Symptomen physische und psychische Erschöpfung, Herzklopfen, Müdigkeit am Tage, Nervosität, Konzentrationsmangel, Brüchigkeit der Haare und Fingernägel, Schwindelzustände und Schlafstörungen. Der Gesamtbestand des Eisens in einem gesunden Menschen beträgt fünf bis sieben Gramm. Heranwachsende, insbesondere Mädchen, und Schwangere benötigen doppelt soviel Eisen (2 mg/Tag) wie der erwachsene Mensch (1 mg/Tag).
Andere Ursachen für die Blutarmut (Anämie) sind die Hämolyse, der übermäßige Zerfall von Blutbestandteilen, oder die gestörte Reifung der Blutzellen. Jede Form der Anämie lässt sich heute mit guten Aussichten auf Erfolg behandeln. Dann gibt es die krankhafte Rot- und Weißblütigkeit, also die Vermehrung der roten beziehungsweise der weißen Blutzellen. Symptome der Rotblütigkeit (Polyglobulie) sind Ohrensausen, Kopfschmerzen, und Erbrechen. Bei längerem Aufenthalt im Hochgebirge, wo der Organismus unter Sauerstoffmangel gerät, kommt es häufig zur erhöhten Produktion roter Blutkörperchen. Die Weißblütigkeit (Leukozytose) verweist möglicherweise auf akute Entzündungen im Körper, zum Beispiel auf eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Blinddarms.

Die folgenschwerste Bluterkrankung ist die Leukämie, der Blutkrebs also, eine bösartige Wucherung der weißen Blutzellen und eine Überschwemmung des Blutes mit zumeist unreifen Leukozyten, die nicht die Fähigkeit zur Entzündungsabwehr haben. Die Heilungschancen des Blutkrebses haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, bei der kindlichen Leukämie noch mehr als bei der Erwachsenen-Leukämie. Schließlich sind die verschiedenen Formen der Thrombosen und Embolien zu erwähnen, die zu außerordentlich ernsthaften Komplikationen bis zu akuter Lebensbedrohung führen können.

Die Krankheit der Könige

Insgesamt ist die Blutgerinnung ein außerordentlich komplizierter, in vier Phasen ablaufender Vorgang, bei dem auch zahlreiche chemische Reaktionen von Bedeutung sind. Die Forschung hat 13 Faktoren ermittelt, die bei der Blutgerinnung eine Rolle spielen; sie sind mit römischen Ziffern belegt.

Nun gibt es Menschen, bei denen die Blutgerinnung nicht funktioniert, weil in ihrem Blut einer dieser Faktoren, nämlich der Blutgerinnungsfaktor VIII, fehlt. Es sind die Bluter (Haemophile), die ein schweres Schicksal zu tragen haben. Diese Erbkrankheit wird von den Müttern weitergegeben, es erkranken jedoch nur Söhne daran. Man spricht auch von der „Krankheit der Könige“, weil eine Reihe männlicher Mitglieder europäischer Königshäuser daran erkrankt war.

Die Bluttransfusion

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm der Engländer James Blundell die erste Blut-übertragung von Mensch zu Mensch vor. Aber er geriet schnell samt seiner Methode wieder in Vergessenheit, denn bei jeder zweiten Übertragung gab es ernste Zwischenfälle, die meistens tödlich endeten. Kein Arzt konnte mehr eine Transfusion wagen, und niemand konnte sagen, warum die Übertragung so oft nicht gelang. Erst im Jahre 1901 entdeckte der Wiener Arzt
Karl Landsteiner die verschiedenen Blutgruppen, und 1928 beschloss die Hygienekommission des Völkerbundes, die Blutgruppen in der ganzen Welt einheitlich zu bezeichnen. Man entschied sich für die vier Symbole 0 (Null), A, B und AB.
Woran Blundell seinerzeit gescheitert war, ist die Tatsache, dass das Blut des Menschen nicht beliebig austauschbar ist, sondern eben nur unter Beachtung der Blutgruppen. Wichtig sind auch noch bestimmte Blutuntergruppen und andere spezielle Merkmale, wobei der Rhesusfaktor am bedeutsamsten ist.

Die Blutgruppen

blutgruppen
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, T-online * TK #, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörung http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herzinfarkt-herzschwaeche-herzrhythmusstoerung/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/herzinfarkt-herzschwaeche-herzrhythmusstoerung/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:00:41 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=925

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an erster Stelle der Todesursachen – allen voran die Erkrankung der Herzkranzgefäße. Je mehr Sie über Herzerkrankungen wissen, desto besser können Sie sich selbst vor ihnen schützen.

In der Statistik der Ursachen, an denen die Menschen in der Bundesrepublik sterben, stehen die Herz-Kreislauf-Krankheiten vor allen anderen mit weitem Abstand an erster Stelle.

Der Herzinfarkt

Sobald eine Engstelle in einem Herzkranzgefäß durch einen Blutpfropfen völlig verschlossen ist, so dass der dahinterliegende Abschnitt des Herzmuskels nicht mehr durchblutet wird und zugrundezugehen droht, ist der Herzinfarkt eingetreten. Pro Jahr erleiden in Deutschland rund 300000 Menschen einen Herzinfarkt, und etwa 190000 davon sterben noch vor der Einlieferung in ein Krankenhaus daran oder kurz nach Eintreffen in einer Klinik. Der Herzinfarkt ist in den Industrieländern nahezu eine Epidemie. Am bedrohlichsten ist, wenn dem Infarkt noch Herzrhythmusstörungen folgen, insbesondere Kammerflimmern. Die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus ist dann auf das höchste gefährdet. Wird das Kammerflimmern nicht sofort durch einen Elektroschock beseitigt oder der Kreislauf durch Herzmassage und Beatmung aufrecht erhalten, stirbt der Patient innerhalb von fünf bis zehn Minuten.
Symptome des Herzinfarkts sind starke Schmerzen in der Brust, häufig mit Ausstrahlung in die Arme, sowie in die Hals-, Nacken- und Magengegend oder in den Rükken. Gleichzeitig setzen meistens noch Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß und Todesangst ein. Auch wenn die Symptome nicht so eindeutig sind, sollte sofort ein Rettungswagen alarmiert werden. Schon drei Stunden nach einem kompletten Verschluss einer Koronararterie sind 60 Prozent des betroffenen Herzmuskel-Areals rettungslos verloren. Eine einprägsame Formel lautet: Zeit ist Muskel. Je zeitiger ein Infarkt-Patient in kompetente ärztliche Versorgung kommt, desto mehr kann von dem bedrohten Herzmuskel noch vor dem Absterben bewahrt werden.

Therapie des Herzinfarkts

Primäres Ziel der Herzinfarkt-Therapie ist die schnellstmögliche Beseitigung des Verschlusses des Herzkranzgefäßes, der den Infarkt ausgelöst hat. Dafür gibt es zunächst die sogenannte Lyse-Therapie mit der Möglichkeit, den Blutpfropfen aufzulösen. Außer den seit langem dazu eingesetzten Wirksubstanzen Streptokinase und Urokinase gibt es neuere Thrombolytika, die heute auch schon gentechnisch hergestellt werden. Sie öffnen verschlossene Blutgefäße schneller und vollkommener und reduzieren gleichzeitig die Gefahr eines erneuten Gefäßverschlusses.

Von gleicher Bedeutung wie die Lyse-Therapie ist die Schmerzbekämpfung und die Sedierung des Patienten mit dem Ziel, ihm die Todesangst zu nehmen. In dafür ausgestatteten Kliniken, wo rund um die Uhr eine geübte Crew bereitsteht, wird heute schon routinemäßig bei einem frischen Herzinfarkt statt der Lyse-Therapie eine Ballondilatation vorgenommen, der Verschluss also mechanisch aufgedehnt und dann ein Stent eingesetzt, der das Gefäß offenhält. Auch sogar unter den Bedingungen des Notfalls, wenn die Lyse-Therapie nicht wirken sollte, kann in diesen spezialisierten Zentren dem Patienten ein Stent eingesetzt werden. Beta-Blocker und Acetylsalicylsäure oder ein anderes Präparat, das der Verklumpung des Blutes vorbeugt, sind unumgänglich zur Verhinderung eines zweiten Infarkts.

Der Herzinfarkt kommt nicht immer, wie gelegentlich zu hören ist, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern er sendet meistens vorher Warnsignale aus, die aber nur zu häufig unbeachtet bleiben oder falsch gedeutet werden. In achtzig Prozent der Fälle kommt es schon Wochen vor dem Infarkt zum Beispiel zu Schmerzen in der Brust unter körperlicher und/oder seelischer Belastung, manchmal aber auch ohne jeden Anlass. Weitere Warnzeichen sind Atembeklemmung, Unwohlsein, Übelkeit, Brechreiz, Schweißausbrüche und Angst.

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Unter Herzinsuffizienz versteht man eine Herzmuskelschwäche mit verminderter Pumpleistung des Herzens. Das Herz ist dann nicht mehr in der Lage, das Bedürfnis des Organismus an Blut und Sauerstoff zu decken. Ein gesundes Herz pumpt beispielsweise in einer Minute rund fünf Liter Blut in den Kreislauf, das insuffiziente Herz dagegen deutlich weniger, manchmal nur zwei Liter. Die Menge des ausgeworfenen Blutes ist also zu gering, um den Körper bis in die weit vom Herzen entfernt gelegenen Bereiche ausreichend zu versorgen.

Ein schwaches Herz kann die Folge einer lange bestehenden Verengung der Herzkranzgefäße, also der koronaren Herzkrankheit sein, eines Herzinfarkts, einer Herzmuskelentzündung, häufig auch eines erhöhten Blutdrucks, entzündeter Herzklappen, chronischer Bronchitis, Infektionskrankheiten, Vergiftungen und angeborener Herzfehler.

Da das Herz durch die Scheidewand in eine linke und rechte Hälfte unterteilt ist, wird auch zwischen der Links-Herz-Insuffizienz und der Rechts-Herz-Insuffizienz unterschieden. Liegt eine Schwäche des Herzens insgesamt vor, spricht der Arzt von einer Global-Insuffizienz.

Die Herzinsuffizienz wird nach den klinischen Beschwerden in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Schweregrad I: An der Menge des ausgepumpten Blutes kann man abmessen, dass die Leistung des Herzens vermindert ist. Das macht sich jedoch erst bei erheblichen körperlichen Anstrengungen als Atemnot oder starkes Herzklopfen bemerkbar.
  • Schweregrad II: Schon bei durchschnittlicher körperlicher Belastung setzt schnelle Ermüdung ein, verbunden meist mit Atemnot und Steigerung der Pulsfrequenz.
  • Schweregrad III und IV: Eine körperliche Belastung ist nicht mehr möglich. Die Atemnot ist groß und anhaltend, und schon bei völliger Ruhe kann der Patient nur noch unter großen Mühen atmen.

Je schwerer die Herzinsuffizienz ist, desto ausgeprägter sind die sogenannten Stauungszeichen, die klassischen Symptome der Herzschwäche. Je nachdem, ob die linke oder rechte Herzhälfte betroffen ist, kommt es zu Aufstauungen des vom Herzen nicht weitergepumpten Blutes. Bei Links-Herz-Insuffizienz staut es sich in der Lunge (Lungenödem), bei Rechts- Herz-Insuffizienz in Leber, Magen-Darm-Bereich, Hals und Beinen. Typische Zeichen der Herzschwäche sind Kurzatmigkeit und beschleunigter Herzschlag, dann aber auch Anschwellen der Beine, besonders am Abend, Blaufärbung der Lippen (Zyanose) als Ausdruck akuter Sauerstoffnot, geringe Flüssigkeitsausscheidung am Tage, dafür um so mehr in der Nacht. Bei fortgeschrittener Herzschwäche kommen noch Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Magendruck und Durchfälle hinzu.

Das Herz ist gegen eine solche Insuffizienz lange Zeit über vielfältige Mechanismen geschützt. Es kann zum Beispiel schneller schlagen oder sich, um den Blutbedarf sicherstellen zu können, vergrößern. Über diese und andere Mechanismen vermag das Herz eine permanente Überforderung so weit auszugleichen, dass der Patient wenig davon verspürt und noch relativ gut damit leben kann. Erst allmählich steigert sich die Herzschwäche, und letztendlich ist das bis zu einer völligen Dekompensation möglich.

Die Therapie der Herzinsuffizienz

Die Behandlung der Herzinsuffizienz orientiert sich zunächst einmal an den Grundleiden und damit an den Ursachen, die zur Herzschwäche geführt haben. Prinzipiell wird der Arzt versuchen, die Ursache der Herzinsuffizienz wenn immer möglich zum Beispiel durch eine Herzoperation (Klappenersatz) zu beseitigen. Zusätzlich wird das Herz mit Hilfe von Medikamenten entlastet und der Widerstand, den es bei der Pumparbeit zu überwinden hat, gesenkt. Fünf Medikamentengruppen stehen zur Verfügung: ACE-Hemmer, Diuretika, Herzglykoside, Angiotensin-Antagonisten und Betablocker. Bei schwerster Herzinsuffizienz und wenn alle diese Medikamente dem Patienten nicht mehr ausreichend Erleichterung verschaffen, ist nur noch eine Herztransplantation als letzter Ausweg möglich. Prof. Christiaan Barnard nahm am 3. Dezember 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation vor, doch starb der Empfänger Louis Washkansky schon wenige Stunden nach der Operation. Der Patient der zweiten Herztransplantation, der Zahnarzt Philip Blaiberg, lebte dann aber schon zwanzig Monate mit dem neuen Herzen. Die erste Herztransplantation in der Bundesrepublik nahm Prof. Rudolf Zenker am 13. Februar 1969 in München vor. Doch dieser Patient, Joseph Zehner, überlebte wieder nur 22 Stunden. Inzwischen aber ist die Herztransplantation ein Routineverfahren geworden, und die einzelnen Transplantationen werden nicht mehr gezählt. Man schätzt, dass es mittlerweile etwa 40000 waren.
Größtes Aufsehen in der ganzen Welt erregte dann am 2. Dezember 1982 der erste längerfristige Einsatz eines künstlichen Herzens bei einem Patienten, ausgeführt am Medical Center von Utah in Salt Lake City von Dr. William Devries. Der Zahnarzt Dr. Barney Clark lebte damit bis zum 25. März 1983. Danach hat auch noch in Berlin Prof. Emil Sebastian Bücherl ein von ihm entwickeltes künstliches Herz an Patienten ausprobiert – ebenfalls ohne Erfolg. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der stark überhöhten Emboliegefahr des Blutes bei Kontakt mit dem Kunststoff.

Die bisherigen Forschungen an einem künstlichen Herzen waren jedoch nicht ohne Nutzen. Es entwickelte sich daraus das sogenannte Bridging-Verfahren, das die Zeitspanne überbrücken hilft, die anfällt, wenn ein Patient auf ein für ihn passendes Spenderherz warten muss. Ihm wird dann zu seinem schwerkranken Herzen vorübergehend ein Hilfsherz eingesetzt, eine mechanische Pumpe, die das geschwächte eigene Herz bis zur Transplantation unterstützen, vor allem jedoch entlasten soll.

Für die Therapie der Herzinsuffizienz gibt es auch noch ein paar extravagante Methoden im Versuchsstaddium. Zu Beginn der achtziger Jahre hatte in Paris Alain Carpentier zum ersten Mal eine Kardiomyoplastie vorgenommen. Er legte dafür den breiten Rückenmuskel frei, zog einen Teil davon in der Höhe der zweiten Rippe nach vorne durch und legte ihn zur Unterstützung um das leistungsschwach gewordene Herz. Zusätzlich musste nun, und das erschwerte das Verfahren, ein spezieller Herzschrittmacher dafür sorgen, dass die quergestreifte Muskulatur des Rückenmuskels, die schnell ermüdet, sich umbaut in die glatte Muskulatur des Herzmuskels, die niemals ermüdet. In Deutschland ist dieses Verfahren nur vereinzelt eingesetzt worden, und inzwischen ist es überall im Rückgang, weil die erhoffte Besserung der Herzschwäche ausblieb.

Das ist offenbar anders beim „Herzlifting” des Brasilianers Randas Batista – ein sensationelles, mutiges Verfahren im Experimentierstadium, das auch Ventrikulektomie genannt wird. Bei der Batista-Methode schneidet der Chirurg im Bereich der linken Herzkammer aus dem vergrößerten, gewissermaßen ausgeleierten und geschwächten Herzen ein etwa zehn Zentimeter langes dreieckiges Herzstück heraus, ähnlich wie man ein Dreiecksstück aus einer Melone herausschneidet. Das deutlich verkleinerte Organ wird daraufhin gerafft und wieder zusammengenäht. Tatsächlich hat Batista seit 1995 bei vielen hundert Eingriffen dieser Art (weltweit waren es bis Herbst 1998 etwa 1000, in Deutschland knapp einhundert) hervorragende Ergebnisse erzielt. Bei 75 Prozent der so operierten Patienten ließ sich der Schweregrad der Herzschwäche von der Höchststufe IV auf die Stufen I und II zurückführen. Weitere Erfahrungen und wissenschaftliche Studien sind notwendig, wenn einmal die Batista-Methode auf breiterer Basis Anwendung finden soll.

Die Herzrhythmusstörung

Das Herz eines gesunden Erwachsenen jüngeren und mittleren Alters schlägt in der Minute etwa siebzig bis achtzig Mal, das eines Kindes etwa neunzig Mal. Der Arzt spricht bei diesen Zahlen von der Herzfrequenz. Bei normaler körperlicher Belastung und seelischer Situation schlägt das Herz schneller oder manchmal auch unregelmäßig. Hier liegen meist harmlose Störungen des Herzrhythmus vor. Sie machen 10 bis 15 Prozent aller Herzkrankheiten aus. Andere Herzrhythmusstörungen können besorgniserregend und sogar akut lebensbedrohend sein, mal aber auch völlig harmlos, beispielsweise wenn der Schlagrhythmus kurz unterbrochen ist, sogleich aber mit einem fast doppelt stark empfundenen Schlag wieder aufgenommen wird.

Das Herz – so kann man sagen – besitzt ein eigenes Elektrizitätswerk, das ein Leben lang den Strom liefert für die Pumparbeit. Die Initialzündung zu einem Herzschlag geht vom sogenannten Sinusknoten aus, der gewissermaßen der Schrittmacher dafür ist, dass das Herz immer wieder neu in Gang kommt und Blut pumpt. Im Sinusknoten werden automatisch elektrische Impulse gebildet, und diese Eigenschaft bezeichnet man als Automatie. Vom Sinusknoten aus breiten sich die elektrischen Impulse über die Pumpmuskulatur des rechten und linken Herzvorhofs aus, treffen im Atrioventrikulär-Knoten (AV-Knoten), der zwischen den Vorhöfen und den beiden Herzkammern liegt, wieder zusammen und werden dann über die Arbeitsmuskulatur der linken und rechten Herzkammer weitergegeben und in eine Pumpreaktion umgesetzt. Fällt der Sinusknoten einmal aus, übernehmen nachgeordnete Impulsgeber mit etwas verlangsamter Frequenz seine Funktion. Praktisch ist jede Herzmuskelzelle auch einzeln in der Lage, von sich aus Schlagimpulse zu entwickeln.

Der Herzrhythmus wird indessen nicht nur vom herzeigenen Reizleitungssystem bestimmt, sondern zusätzlich noch von einer übergeordneten Steuerungszentrale, nämlich vom vegetativen, das heißt vom Willen nicht beeinflussbaren Nervensystem. Dazu gehören der Sympathikus, der der Antreiber für die Herzaktivität ist, und der Parasympathikus, auch Vagus genannt, der als Bremser und Gegenspieler wirkt.

Diese übergeordneten Nerven, die noch beeinflusst werden durch die Hormone Adrenalin und Noradrenalin, dienen dazu, die Arbeit des Herzens den unterschiedlichen Bedürfnissen des Körpers anzupassen, beispielsweise zu beschleunigen beim Treppensteigen oder bei innerer Erregung, oder zu verlangsamen im Schlaf. Das vegetative Nervensystem ist gleichzeitig auch die Verbindung des Herzens zum Gehirn als der zentralen Steuerungsstelle aller Lebensvorgänge des Menschen.

Der verlangsamte Herzschlag (Bradykardie)

Entsprechend den vielfältigen Einflüssen, die ihn mitbestimmen, kann der Herzrhythmus auch vielfältig gestört sein. So spricht man von einer Leitungsstörung, wenn die Weitergabe der Schlagimpulse im Reizleitungssystem gestört ist, und von der Bildungsstörung, wenn schon bei der Bildung des initialen Impulses Störungen auftreten. Viele Patienten leiden unter einem verlangsamten Herzschlag, einer Bradykardie, mit deutlich weniger als sechzig Schlägen in der Minute. Recht häufig liegt dann eine Störung der Nervenversorgung des Herzmuskels in dem Sinne vor, als der Parasympathikus als der Bremser stärkeren Einfluss hat. Geht die Herzfrequenz auf 30 bis 40 Schläge pro Minute zurück, wird dem Kranken plötzlich schwarz vor Augen, er stürzt und erleidet einen Ohnmachtsanfall, der – wenn er länger als drei bis vier Minuten anhält – tödlich sein kann. Man spricht von einem Adams-Stokes-Anfall; die beiden Arzte Adams und Stokes hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts dieses Krankheitsbild als erste beschrieben. Einem Adams-Stokes-Anfall liegt immer eine Blockierung der Erregungsleitung zugrunde.

Der beschleunigte Herzschlag (Tachykardie)

Jede körperliche Anstrengung, insbesondere jede sportliche Aktivität und ebenso innere Erregung wie Arger, Aufregung und Angst kann den Herzschlag beschleunigen. Man spricht dann vom Herzklopfen – einem völlig normalen, gesunden Vorgang. Doch gibt es auch krankhafte Formen des beschleunigten Herzschlags: anfallsweises Herzjagen, wenn es häufiger auftritt, Herzflattern und das extrem gefährliche Herzflimmern. Arztliche Hilfe ist in jedem dieser Fälle unerlässlich.

Der unregelmäßige Herzschlag (Arrhythmie)

Wenn das Reizleitungssystem des Herzens gestört ist, kann es auch zu einem unregelmäßigen Schlagrhythmus kommen, und es stellen sich dann, je nachdem, wo die Störung liegt, unterschiedliche Krankheitsbilder ein. Dazu gehören auch die Extrasystolen, die dann vorliegen, wenn sich die großen Herzkammern außerhalb des normalen Rhythmus zusammenziehen, das Herz also Doppelschläge macht. Extrasystolen sind manchmal auch die Folgen von Rauchen und Alkohol im Übermaß, oder von Störungen des Salzhaushalts (Kalium- und/oder Magnesiummangel), Herzklappenfehlern, koronarer Herzkrankheit und einer Überfunktion der Schilddrüse.

Die Therapie der Herzrhythmusstörungen

Nach Art und Ursachen der Herzrhythmusstörungen ist die Therapie unterschiedlich. Wenn geklärt ist, dass es sich auch wirklich um eine ernsthafte, behandlungsbedürftige Rhythmusstörung und nicht um eine Bagatelle handelt, sollte zunächst und grundsätzlich, wo dies möglich ist, die Grunderkrankung angegangen werden, die die Herzrhythmusstörungen herbeigeführt hat. Der Arzt wird dann zunächst zur Unterdrückung der Störungen Medikamente einsetzen, sogenannte Antiarrhythmika, die allerdings gefährliche Nebenwirkungen haben können. Deswegen wird intensiv an nichtmedikamentösen Behandlungsverfahren gearbeitet. Zwei solcher Verfahren stehen heute im Zentrum der Therapie: die Verödung (Ablation) der im Herzen für die anfallsweise auftretende Tachykardie verantwortlichen Bezirke mit Hochfrequenzenergie, die mit einer speziellen Kathetertechnik erfolgt und deswegen auch Katheterablation genannt wird. Gelingt es, das betreffende Gewebe auf Dauer zu zerstören, ist der Patient womöglich für immer von Herzrhythmusstörungen befreit. Das zweite Verfahren ist der Einsatz eines Defibrillators, eines antitachykarden ”Elektroschockgerätes”, das bei Bedarf einspringt und den aus dem Rhythmus gekommenen Herzschlag normalisiert. Dieses Gerät wird bei Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Der Defibrillator, kurz auch nur Defi genannt, ist etwa so groß wie eine große Taschenuhr und größer als ein Herzschrittmacher und wird, unter die Haut geschoben, über Elektroden mit dem Herzen verbunden.

Ein vergleichbares Gerät, das allerdings bei gegensätzlicher Diagnose eingesetzt wird, ist der seit 1958 bekannte Herzschrittmacher, der ein zu langsam schlagendes Herz korrigierend unterstützen soll. In Deutschland werden pro Jahr zwischen 30000 und 40000 Herzschrittmacher implantiert; sie sind multiprogrammierbar, können also individuell auf die Erfordernisse jedes Patienten eingestellt werden und werden ebenso wie der Defi unter die Haut geschoben.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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Die Gesamtlänge aller Blutgefäße beträgt durchschnittlich etwa 100000 Kilometer. Das gesamte Blut des Menschen zirkuliert Tag für Tag 1440 Mal durch den Organismus.

Der große Körperkreislauf

Etwa siebzigmal in einer Minute presst das sogenannte linke Herz mit hohem Druck circa 55 Gramm Blut, das ist ungefähr eine Kaffeetasse voll, in die Hauptschlagader, die Aorta, die am Ausgang des Herzens einen Durchmesser von 15 bis 20 Millimetern hat. An dieser Stelle legt das Blut pro Sekunde mit hoher Strömungsgeschwindigkeit eine Strecke von 20 bis 25 Zentimetern zurück.

Das linke Herz ist gewissermaßen die Startrampe für den großen Körperkreislauf. Aus dem linken Herzen kommend, steigt die Aorta zunächst nach hinten und oben links auf, ist dann zu einem starken Bogen geformt (Aortenbogen) und verläuft dann parallel zur Wirbelsäule abwärts und wird nunmehr nacheinander Brust-, Bauch- und Becken- Aorta genannt. Sie verzweigt sich in zwei Hüftarterien, diese in die innere und äußere Hüftarterie und diese schließlich in die beiden Oberschenkelarterien. Von großer Wichtigkeit sind außerdem die Herzkranzgefäße (Koronarien), die von der Aorta kurz hinter dem Austritt aus dem Herzen abzweigen, dann die Schlüsselbeinarterien, die links und rechts Arme und Hände versorgen. Aus ihr entspringen die Brustbeinarterien, die bei der Überbrückung eines verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßes (Bypass) eingeschaltet werden können. Schließlich gibt es noch die zwei Kopfarterien (Karotiden), die sich dann wieder in die inneren und äußeren Kopfarterien verzweigen, und die Nierenarterien.

Die fünf bis sechs Liter Blut, die das Herz pro Minute mit kräftiger Kontraktion (Systole) in den großen Körperkreislauf presst (Herzminutenvolumen), werden an die einzelnen Organe zum Teil nach deren Lebenswichtigkeit, zum Teil aber auch nach dem momentanen Bedarf verteilt.

Bei körperlicher Ruhe verteilt sich der Blutdurchfluss im Körper nach folgenden Maßen: fünf Prozent in den Herzkranzgefäßen, 15 Prozent im Gehirn, 25 Prozent in den Nieren, 30 Prozent in den Eingeweiden und 25 Prozent in Muskulatur und Haut.Voraussetzung dafür, dass das Blut im Körper kreisen kann, ist ein Druckgefälle zwischen Anfang und Ende des Gefäßsystems. Das Herz besorgt mit der Kontraktion den erforderlichen Blutdruck, der durch den Reibungswiderstand immer geringer wird, je weiter das Blut vom Herzen entfernt ist. Der stärkste Druckabfall herrscht in der sogenannten Kreislauf-Peripherie, also im Bereich der Kapillaren und Venolen, der kleinsten Blutgefäße. Hier fließt das Blut so langsam, dass es nur noch einen halben bis einen Zentimeter pro Sekunde zurücklegt.
Diese Verlangsamung des Blutflusses ist allerdings von größter Bedeutung, denn in dem langsamen Strömungsfeld erfolgt gewissermaßen die Umladung, das heißt, die zuletzt durch die Kapillaren herangeführten roten Blutkörperchen geben Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen ab und übernehmen von ihnen als neue Ladung für den Rücktransport Abfälle von den Verbrennungsvorgängen innerhalb der Zelle, also Kohlensäure und Schlackenstoffe.
Die Kapillaren haben zusammengenommen eine Gesamtoberfläche von 6000 bis 7000 Quadratmetern, bieten also für diesen Austausch mit den Zellen ein riesiges Areal an.

Der Kreislauf: Schema

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Der kleine Lungenkreislauf

Im Gesamtkreislauf des Blutes ist die Lunge eine der wichtigsten Stationen. In ihr vollzieht sich der Gasaustausch, also die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlensäure, jeweils über die roten Blutkörperchen. Die Lunge ist paarigangelegt; die rechte Lunge unterteilt sich in drei Lappen, die linke Lunge in zwei. Die Luftröhre (Trachea) führt, vom Mund und Nasen-Rachenraum kommend, zwischen rechte und linke Lunge und verzweigt sich nach beiden Seiten in die Stamm-Bronchien. Diese Stelle wird auch Lungenwurzel genannt. Dahinter teilen sich die Bronchien wie das dichte, filigranartige Astwerk eines Baumes immer stärker auf.

Wiederum mit der Kontraktion des Herzens wird das dunkelrote und sauerstoffarme Blut aus der rechten Herzkammer durch die Lungenarterie in die Lunge gepumpt, wo die Blutgefäße immer kleiner werden und in den Bronchien engsten Kontakt erhalten mit den Alveolen, den Lungenbläschen. Auf dem riesengroßen, rund zweihundert Quadratmeter messenden Umschlagplatz der beiden Lungenflügel kommt es zwischen den Kapillaren und den Alveolen zum Gasaustausch.
Er vollzieht sich durch die Wände der Kapillaren und Alveolen hindurch, die jeweils nur einen 25millionstel Millimeter dick sind.

Das Gesamtblut von fünf bis sechs Litern befindet sich zu zwei Dritteln im großen Körperkreislauf und zu einem Drittel im Lungenkreislauf. Bei einem gesunden Menschen ist dieses Verhältnis von 2 : 1 weiterhin konstant. Im Umlauf sind in aller Regel jedoch immer nur höchstens etwa 85 Prozent des Gesamtblutvolumens, 15 Prozent bilden gewissermaßen eine Reserve, die bei besonderer Beanspruchung zum Einsatz kommt. Dieses Reserveblut befindet sich in Leber und Milz, teilweise auch in den Venen und sogar in den Herzkammern. Am Ende eines Herzschlages befindet sich in der Kammer etwa noch genau so viel Blut wie unmittelbar vorher ausgeworfen wurde.

Die Arterien

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Der Pfortader-Kreislauf

In den großen, vom linken Herzen ausgehenden Körperkreislauf ist im venösen Abschnitt, also nach dem Gasaustausch in der terminalen Strombahn, noch der Pfortader-Kreislauf dazwischengeschaltet. Dabei nehmen die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) in den Darmwänden die aus dem verdauten Inhalt stammenden Nährstoffe auf. Beladen mit diesen Nährstoffen vereinigen sich die Kapillaren in einer Vene, die Pfortader heißt. Sie mündet in die Leber und teilt sich dort noch einmal in Kapillare auf. Die Leber hat die Aufgabe, schädliche Stoffe zu entgiften, andere abzulagern. Das Blut verlässt die Leber über die Lebervenen; sie münden unterhalb des Zwerchfells in die untere Hohlvene, die weiterverläuft in den rechten Teil des Herzens und von dort aus in die Lunge.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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Der Blutdruck http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/der-blutdruck/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/der-blutdruck/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:00:33 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=917

Um dem Herzinfarkt und dem Schlaganfall vorzubeugen, muss der Blutdruck unter Kontrolle gehalten werden. Denn ein erhöhter Blutdruck führt zu unnatürlichen Belastungen des Gefäßsystems. Das Herz muss seinen Pumpdruck erhöhen und wird durch diese Beanspruchung anfälliger für Erkrankungen.

Es ist ein Problem besonderer Art, dass etwa die Hälfte der Hypertoniker von ihrer Gefährdung nichts weiß. Denn Bluthochdruck, zumal im Anfangsstadium, schmerzt nicht und hat im übrigen, wenn überhaupt, nur ein paar Allerwelts-Symptome, die sich auch bei vielen anderen Befindensstörungen einstellen. Es fehlt meist der Anlass, zum Arzt zu gehen und sich den Blutdruck messen zu lassen, was vom 20. Lebensjahr an jedes Jahr wenigstens einmal geschehen sollte. Hoher Blutdruck ist nämlich ein Risikofaktor für die Entstehung schwerer Krankheiten, vorweg für den Schlaganfall, dann auch für den Herzinfarkt, für das Nierenversagen und für die Entstehung der Arterienverkalkung, der Arteriosklerose.

Arterien und Venen im menschlichen Körper bilden zusammen ein geschlossenes Röhrensystem. Um darin den Blutkreislauf aufrecht erhalten zu können, muss ein bestimmter Druck vorhanden sein, eben der Blutdruck. Dieser Druck ist nicht überall gleich, und darf es auch nicht sein; er muss vielmehr von oben nach unten allmählich absinken, so dass die Strömung von oben nach unten, also vom Ort des höheren Drucks in den des tieferen Drucks erfolgen kann. Wenn sich das Herz zusammenzieht, steigt der Herzinnendruck und damit der Blutdruck, und dieser Druckanstieg überträgt sich mit dem ausströmenden Blut auch auf die Arterien, jedoch nur für die Sekundenbruchteile, die das Herz benötigt, um sich zusammenzuziehen. Diese Druckerhöhung nennt man den systolischen Blutdruck. Er ist der bei der Blutdruckmessung zuerst genannte, höhere Wert. Sobald das Herz nun wieder erschlafft, gewissermaßen Luft holt für den nächsten Schlag, geht der Druck in den Arterien zurück. Diesen abgesenkten Druck während der Erschlaffungsphase des Herzens nennt man den diastolischen Blutdruck. Er ist der bei der Blutdruckmessung zuletzt genannte, niedrigere Wert.

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Unter dem Druck des strömenden Blutes dehnen sich die elastischen Wände der Blutgefäße, und zwar um so stärker, je mehr Blut herangeführt wird und um so öfter das in einer bestimmten Zeit geschieht. Diese Gefäßdehnung und Drucksteigerung pflanzt sich vom Herzen ausgehend wellenförmig durch alle Arterien fort bis in die kleinsten und entlegensten Haargefäße. Der Druck ist unter der Haut auch deutlich als Puls zu fühlen.

Die Fortbewegung des Blutes

Die Kraft des Herzens und die Elastizität der Blutgefäßwände sind aber noch nicht ausreichend, die Blutzirkulation mit der erforderlichen Geschwindigkeit durch das immens große Gefäßsystem des Körpers sicherzustellen. Vor allem für die entfernter vom Herzen gelegenen Regionen sind die Muskeln der Blutgefäße, die das Blut unter Druck setzen und so weiterleiten, wichtig. Die kleinsten Blutgefäße mit weniger als einem Millimeter Durchmesser, die sogenannten Kapillaren und Venolen, besitzen keine eigenen Muskeln mehr. Das Blut fließt hier langsam durch das weitverzweigte Kapillarsystem. Die Blutgefäße sind noch insofern an der Fortbewegung des Blutes beteiligt, als ihre Zellwandkerne anschwellen, den Innenraum verengen und so das Blut bewegen.

Die lebenswichtige Arbeit der Gefäßmuskeln, insbesondere an den Venen, lässt sich sehr gut über die Muskulatur des Körpers unterstützen.
Wenn sich die kräftige Muskulatur, zum Beispiel an den Beinen, zusammenzieht und wieder erschlafft, presst sie gleichzeitig auch die in dieser Muskulatur liegenden Blutgefäße zusammen, wodurch das Blut weitergeschoben wird. Hier bestätigt sich die Lehrformel „Körperbewegung ist gut für den Kreislauf“.

Auch die Atmung ist eine sehr bedeutende Unterstützung für den Blutkreislauf. Sie wird deswegen auch „das zweite Herz“ genannt. Bei der Atmung werden Brust- und Bauchraum und die darin liegenden Organe rhythmisch bewegt, so dass sie sich zusammenziehen und wieder ausdehnen und dabei wiederum das Blut in Bewegung halten.

So wird der Blutdruck reguliert

Ein genau aufeinander abgestimmtes System steuert die Regulierung des Blutdrucks. Das Zusammenspiel von Gehirnstrukturen, Nerven und Hormonen ist so kompliziert, dass hier, um des besseren Verständnisses willen, nur vereinfacht darauf eingegangen werden kann. Der sogenannte Hypothalamus, eine bestimmte Stelle im Zwischenhirn, lenkt und überwacht alles, was mit dem Blutdruck zusammenhängt. Er steht in enger Verbindung mit dem Gefäß- und dem Kreislaufzentrum, und alle Befehle untereinander oder zu und von den ausführenden Organen des Körpers werden über spezielle Nervenbahnen vermittelt. In erster Linie handelt es sich dabei um das vegetative Nervensystem mit Sympathikus und Parasympathikus (oder Vagus), das alle lebenswichtigen Funktionen des Körpers und somit auch den Blutkreislauf mit überwacht. Die dem Sympathikus zugeordneten Nerven (Vasokonstriktoren) spannen die Gefäßmuskeln an, so dass sich der Innenraum verengt, der Druck erhöht und die Blutströmung beschleunigt wird. Der Parasympathikus als Gegenspieler des Sympathikus sorgt für die Entspannung der Gefäßmuskeln, so dass sie sich erweitern können und der Blutdruck gesenkt wird (Vasodilatatoren). Eine gute Blutzirkulation setzt voraus, dass Sympathikus und Parasympathikus harmonisch zusammenarbeiten. Ist diese Harmonie aber gestört, kommt es zu Gefäßverkrampfungen und zum Anstieg des Blutdrucks.

Man weiß außerdem heute, dass der Salzverbrauch in Zusammenhang mit dem Bluthochdruck steht. Salz bindet im Körper Wasser und erhöht damit das Blutvolumen. Außerdem macht Salz die Wände der Blutgefäße empfindlicher für die Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die insgesamt eine blutdrucksteigernde Wirkung haben.

Bedeutungsvoll für die Regulierung des Blutdrucks sind auch die verschiedenen Hormone von Drüsen und Zellen. Dazu zählt insbesondere die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn, die gewissermaßen der zentrale Steuermann aller anderen Hormondrüsen ist. Dann die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark, die auf Gefäßmuskeln und Herztätigkeit einwirken, die Hormone Corticosteron und Aldosteron aus der Nebennierenrinde, die Einfluss haben auf Natrium (Kochsalz) und Wasserhaushalt. Außerdem das Schilddrüsenhormon, das ähnlich wie Adrenalin wirkt, das Hormon Insulin, das den Blutdruck herabsetzt, und schließlich die Zellhormone Acetylcholin und Histamin, die in den Kapillaren und Venolen die Blutversorgung und den Blutdruck regulieren.

Der normale Blutdruck

Als optimal gilt ein Blutdruck von 120 : 80, als gut ein Wert von 130 : 85, als noch normal ein Wert von 140 : 90. Liegt der Messwert zwischen 140 : 90 und 160 : 90, so spricht man von einer Grenzwert-Hypertonie, die – je nach Alter des Patienten – vielleicht noch keiner Behandlung, wohl aber einer regelmäßigen Kontrolle bedarf.

Die Ursache der Hypertonie, des Bluthochdrucks, ist in 85 Prozent der Fälle nicht bekannt, man spricht dann von der „essentiellen Hypertonie“. Die restlichen 15 Prozent an Ursachen verteilen sich zum Beispiel auf eine mechanische Verengung der Hauptschlagader (Aorta), auf eine verengte Nierenarterie und auf chronische Nierenerkrankungen. Dabei kann es dann zur Überproduktion des Eiweißstoffes Renin kommen, wobei Angiotensin ausgeschüttet wird, das zur Blutdrucksteigerung führt. Es ist schließlich als Ursache auch die eventuell durch Tumorbildung bedingte vermehrte Produktion der Hormone Adrenalin und Noradrenalin im Nebennierenmark zu nennen, außerdem die Hormone der Nebennierenrinde und der Schilddrüse.

Der erhöhte Blutdruck

Anhaltend hoher Blutdruck führt allmählich zu Veränderungen an den Wänden der Blutgefäße, die ihre Elastizität verlieren, zunächst an den großen, später auch an den kleinen und kleinsten Gefäßen. Nach und nach wird der Durchmesser der Gefäße immer kleiner, und der fortschreitende Umbau der mittleren Arterienwand, der sogenannten Media, in härteres und mit Kalk durchsetztes Bindegewebe befällt nun auch diejenigen reizempfindlichen Stellen der Gefäßwände, von denen normalerweise die Dämpfung des erhöhten Blutdrucks ausgehen sollte. Es entfällt also nach und nach ihr regulierender Einfluss. Die nicht mehr gut dehnbaren Gefäße sind immer weniger in der Lage, das vom Herzen mit jedem Schlag ausgeworfene Blut aufzunehmen und weiterzubefördern. Das Herz versucht indessen immer wieder, gegen dieses Hindernis anzugehen und erhöht dazu seinen Pumpdruck. Die nunmehr vorliegende Arteriosklerose ist wegen der verdickten, starren Gefäßwände ein Risiko für akute Gefäßverschlüsse, zum Beispiel den Gehirnschlag oder den Herzinfarkt. Viele kleine Hirninfarkte, die im allgemeinen unbemerkt bleiben, können zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen führen. Es kann zu einer Schrumpfniere kommen, die ihrerseits wieder zur Blutdruckerhöhung führt, und es können sich unter der Auswirkung seelischer Belastungen, wie etwa eine Arbeitsplatzkündigung oder ein Autounfall, sogenannte Hypertoniespitzen einstellen.

Der krankhaft erhöhte Blutdruck bedarf, wenn er seine Gefährlichkeit verlieren soll, anhaltender medikamentöser Therapie. Dazu bieten sich heute die verschiedensten Präparate an: Diuretika steigern die Flüssigkeits- und Salzausscheidung über die Nieren. Die sogenannten Betablocker drosseln die Produktion des Hormons Adrenalin. Die Kalzium-Antagonisten greifen in das zentral-nervöse System ein, die ACE-Hemmer blockieren das Angiotensin. Der Arzt sollte für jeden Hypertoniker individuell wirksame Medikamente mit den geringsten Nebenwirkungen herausfinden und den Blutdruck grundsätzlich nur langsam absenken, damit sich der Patient allmählich an die gesenkten Werte gewöhnen kann. In Abstimmung zwischen Patient und Arzt sollte herausgefunden werden, wann tagsüber der beste Zeitpunkt für die Medikamenteneinnahme ist. Außerdem ist zu empfehlen: Ausdauersport dreimal pro Woche je eine halbe Stunde, salzarm essen, nur mäßiger Alkoholgenuss (nicht mehr als zwei Glas Wein am Tage), Körpergewicht normalisieren.

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Zehn Regeln für Hochdruckkranke

Die Bundesärztekammer und die Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks haben gemeinsam Empfehlungen für ein verändertes Verhalten erarbeitet, die der Hypertoniker berücksichtigen sollte.
Das sind die zehn Regeln:

  1. Regelmäßig, wenigstens einmal im Jahr den Blutdruck kontrollieren lassen, um übermäßig starke Schwankungen, die erste Anzeichen eines Hochdrucks sein können, zu erkennen.
  2. Übergewicht abbauen, denn schon allein dadurch kann sich ein bestehender Bluthochdruck reduzieren. Normalgewichtige Menschen erkranken seltener an Bluthochdruck.
  3. Mit Kochsalz sparsam umgehen, denn je größer der Salzverbrauch, desto höher ist im allgemeinen der Blutdruck. Hypertoniker sollten auf eine salzarme Diät achten und beim Würzen „Großmutters Gartengewürze“ bevorzugen.
  4. Regelmäßiges körperliches Training, dabei auf das Motto achten: Überlastung schadet, Untätigkeit schwächt, Übung kräftigt. Wegen eines hohen Blutdrucks sollte man jedenfalls nicht auf körperliche Aktivität verzichten.
  5. Konsequente Behandlung nach Anweisung des Arztes ist besonders wichtig. Dazu steht eine große Anzahl hochwirksamer Arzneimittel zur Verfügung. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis für den einzelnen Patienten das jeweils günstigste Präparat gefunden ist.
  6. Rauchen einstellen, denn Nikotin ist ein schweres Gift für die Blutgefäße und somit ein enormer Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auf jeden Fall sollte auf das Zigarettenrauchen verzichtet werden.
  7. Alkoholgenuss einschränken. Obwohl Alkohol in geringen Mengen keinen Einfluss auf eine Hypertonie hat, ist Vorsicht geboten, weil Alkohol den Nebeneffekt der Ermüdung einiger Blutdruckmittel verstärken kann, und weil Alkohol auch Kalorien enthält, die eine Gewichtsabnahme verhindern.
  8. Hetze und Stress aus dem Weg gehen und statt dessen die Lebensweise ordnen. Unruhe, Hast und Konflikte meiden, insbesondere auch seelische Überforderungen. Empfehlenswert sind Entspannungsübungen, wie Autogenes Training, Yoga oder Meditationstechniken.
  9. Für ausreichend Schlaf und Entspannung sorgen, denn im Schlaf sinkt der Blutdruck. Deshalb ist eine gute Nachtruhe wichtig. Auch ein Mittagsschlaf senkt den Blutdruck.
  10. Vorsicht bei raschem Klimawechsel und bei Flugreisen. Der Urlaubsgestaltung kommt besondere Bedeutung zu. Waldreiche Mittelgebirge und Seeklima sind geeignet und gut verträglich. Intensive Sonne und lärmerfüllte Strände sind zu meiden. Bei Flugreisen und Hochgebirgstouren vorher den Arzt fragen.

Der niedrige Blutdruck

Im Ausland wird der niedrige Blutdruck, die Hypotonie, gerne und nicht ohne Ironie als „Morbus germanicus“ bezeichnet, als deutsche Krankheit also. Daraus kann man nicht schließen, dass es anderswo die Hypotonie nicht gibt, denn zutreffend ist vielmehr, dass sie in anderen Ländern eher den psychosomatischen oder auch den neurotisch-depressiven Erkrankungen zugeordnet wird.

In der Medizin gelten heute folgende Richtwerte, wenn die Bezeichnung Hypotonie zutreffend eingesetzt werden soll: Bei Kindern unter 90 (jeweils systolischer Blutdruck), bei Frauen unter 100, bei Männern unter 110, bei Senioren unter 120.
Es wird unterschieden zwischen der chronischen Hypotonie, also wenn das Kreislaufsystem anhaltend auf Sparflamme gehalten wird, und den vorübergehenden beziehungsweise anfallsweise auftretenden Hypotonien.
Der niedrige Blutdruck wird erst dann zum Gesundheitsproblem, wenn er auch zu Beschwerden führt. Dazu gehören Müdigkeit, vor allem am Morgen, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Kopfschmerz, kalte Hände und Füße, Schwindel, allgemeine Leistungsschwäche, Potenzstörungen bei Männern und Menstruationsschwierigkeiten bei Frauen. Und er ist bei Schwangeren ein Risiko für das ungeborene Kind.

Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.

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TIPP: Informieren Sie sich im Infocenter “Innere Unruhe” über Ursachen und Symptome von Nervösität, testen Sie Ihre innere Balance und erfahren Sie, wie Sie mit pflanzlichen Beruhigungsmitteln wie Sedariston neue Kraft für Körper und Seele schöpfen.

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Das offene Foramen ovale und andere Defekte der Herzscheidewände: Risiko für Unfälle und Langzeitschäden von Taucher? http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/das-offene-foramen-ovale-und-andere-defekte-der-herzscheidewaende-risiko-fuer-unfaelle-und-langzeitschaeden-von-taucher/ http://www.medizin-netz.de/umfassende-berichte/das-offene-foramen-ovale-und-andere-defekte-der-herzscheidewaende-risiko-fuer-unfaelle-und-langzeitschaeden-von-taucher/#comments Mon, 13 Oct 2008 23:00:32 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=862

Was ist ein offenes Foramen ovale und wie oft kommt es vor?

In der Lebensphase nach der Geburt liegt eine komplette Trennung des rechten und linken Herzens vor, so dass der Lungen- und Körperkreislauf strikt hintereinandergeschaltet sind. Während der Embryonal- und Fetalzeit ist dies anders, da die Lunge noch nicht ihrer Atemfunktion nachgeht und die Sauerstoffversorgung über die Plazenta (den sog. „Mutterkuchen“) erfolgt. Der Lungenkreislauf gewinnt somit erst ab dem ersten Atemzug nach der Geburt Bedeutung. Mehrere Kurzschlüsse sorgen daher im Mutterleib dafür, dass die überwiegende Blutmenge an der Lunge vorbei in das linke Herz und den Körperkreislauf geleitet wird. Hierzu gehört auch eine Öffnung zwischen dem rechten und linken Herzvorhof, die auf Grund ihres Aussehens Foramen ovale (= „ovales Loch“) genannt wird. Diese Öffnung verschließt sich normalerweise innerhalb des ersten Lebensjahres, bleibt aber bei ca. 30% aller Menschen offen.

Ist ein offenes Foramen ovale gefährlich?

In der Regel geht von einem offenen Foramen ovale an sich keine Gefahr aus, da es durch den im Vergleich zum rechten Vorhof höheren Druck im linken Vorhof durch eine Gewebsbrücke gleichsam zugedrückt wird und keinen Blutübertritt erlaubt. Wenn aber der Druck im rechten Vorhof den im linken übersteigt, kann Blut und unter Umständen auch anderes Material das Foramen ovale passieren.

Worin liegt die besondere Bedeutung für Taucher?

Wir wissen durch Ultraschalluntersuchungen der Gefäße nach Tauchgängen heutzutage, dass bei einem erheblichen Anteil korrekt durchgeführter Tauchgänge Gasblasen im venösen Teil des Kreislauf nachweisbar sind. Diese werden jedoch üblicherweise durch die Lunge herausgefiltert und dort abgeatmet. Daher gelten sie als ungefährlich. Eine Gefahr entsteht erst dann, wenn Blasen unter Umgehung der Lunge in den Körperkreislauf gelangen können. Ein offenes Foramen ovale stellt eine mögliche Quelle eines solchen Übertritts dar, jedoch muss hierzu die beschriebene Druckerhöhung im rechten Herzvorhof vorliegen. Letztere kann allerdings durch mehrere Faktoren während eines Tauchgangs hervorgerufen werden:

  • Druckausgleich mittels Valsalva-Pressmanöver
  • Verschiebung von Blut aus den Extremitäten in den Brustraum durch den hydrostatischen Druck im Wasser
  • kältebedingte Verschiebung von Blut aus den Extremitäten in den Brustraum
  • akute oder chronische Atemwegserkrankungen mit Hustenattacken
  • Luftanhalten
  • übermäßige Ansammlung von Gasblasen in der Lunge in der Dekompressionsphase

Für 30% der Taucher besteht demgemäß ein erhöhtes Risiko für einen Blasenübertritt in den Körperkreislauf.

Welches Risiko ergibt sich in der Praxis?

Verschiedene Untersuchungen und Fallberichte deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko für Dekompressionsunfälle bei Tauchern mit einem offenen Foramen ovale hin. Auf der anderen Seite existieren Berichte über Taucher mit nachgewiesenem offenen Foramen ovale, die bei Hunderten von Tauchgängen und vielen Stunden in Sättigung nie einen Dekompressionsunfall erlitten haben. Zur allgemeinen Beruhigung können diese Berichte jedoch nicht beitragen, denn auf Grund des derzeitigen Kenntnisstandes scheint ein leicht erhöhtes Risiko tatsächlich gegeben zu sein, wobei sicherlich noch weitere Studien zur Untermauerung dieser Feststellung sowie zur Abschätzung des tatsächlich vorhandenen Risikos notwendig sind. Derzeitig kann sicherlich der Schwerpunkt des Risikopotentials auf das Tauchverhalten gesetzt werden. Ein aggressiveres Tauchverhalten – d. h. die Durchführung von Tauchgängen von mehr als 30 m und/oder von Tauchgängen, bei denen es erforderlich ist, beim Auftauchen bestimmte Stops zur Stickstoffabgabe (sog. Dekostops) einzulegen – kann als dreimal so riskant eingestuft werden als ein konservativerer Tauchgang eines Tauchers mit einem offenen Foramen ovale.
Ein weiterer Aspekt wurde zuletzt durch eine Studie der Universität Heidelberg neu belebt. Nachdem bereits 1995 eine Arbeitsgruppe der Universität Aachen ein vermehrtes Auftreten von Veränderungen des Gehirns in speziellen Schichtaufnahmen (sog. Magnetresonanz- oder Kernspintomographie) bei Sporttauchern im Vergleich zu nichttauchenden Sportlern anderer Bereiche zeigen konnte, wurde festgestellt, dass diese Veränderungen vermehrt bei Tauchern mit einem offenen Foramen ovale auftreten. Hierbei handelt es sich um eine weitreichende Aussage, die jedoch dadurch limitiert wird, dass die Veränderungen lediglich bei drei (!) Sporttauchern mit einem offenen Foramen ovale dokumentiert wurden (1, 2). Es soll hier in keinem Fall ein Gefahrenmoment heruntergespielt werden, denn auf Grund der o.g. Grundlagen besteht durchaus ein Risikopotential. Weitere Studien mit größeren Untersuchungsgruppen müssen jedoch zur Bestätigung dieser Hypothese folgen. In einer früheren Studie konnte kein erhöhtes Auftreten dieser Veränderungen in Schichtaufnahmen bei Berufstauchern verglichen mit einer Gruppe von Nichttauchern gefunden werden. Unter Tauchmedizinern werden die vorliegenden Fakten derzeit mit großer Sorgfalt ausgewertet und diskutiert. Eine voreilige Aussage unter dem Stichwort „Tauchen verursacht Hirnschäden“ ist auf der derzeitigen Erkenntnisbasis nicht angebracht.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Tauchpraxis?

Die nachfolgend genannten Empfehlungen sind bereits wiederholt ausgesprochen worden, erfahren aber im Hinblick auf die genannten Fakten große Bedeutung und neue Aktualität. Folgende Dinge sollten beachtet werden:

  • Es gilt: keine Blasen – kein Risiko, d. h. das Tauchen im Grenzbereich von Computer oder Tabelle erhöht neben der Stickstoffmenge im Körper auch die Anzahl möglicher Blasen und damit das Risiko. Je langsamer aufgestiegen wird, desto weniger Blasen bilden sich.
  • JoJo-Tauchgänge (wiederholtes Auf- und Abtauchen) müssen vermieden werden, denn die bei jedem Aufstieg freiwerdenden Blasen können beim Wiederabstieg das Foramen ovale oder gar den Lungenfilter passieren.
  • Verzicht auf das Valsalva-Pressmanöver zum Druckausgleich! Es sollte auf eine andere Technik wie Schlucken oder Kieferbewegungen umgestiegen werden, extremes Pressen muss auf jeden Fall vermieden werden.

Alle diese Empfehlungen tragen zur Risikominimierung bei, wobei der ersten Empfehlung eine zentrale Bedeutung zukommt, denn ein Tauchverhalten, das eine Blasenbildung von vornherein verhindert, macht jede weitere Überlegung überflüssig.

Welche Konsequenzen ergeben sich für taucherärztliche Vorsorgeuntersuchungen?

Das offene Foramen ovale kann mit verschiedenen Ultraschallmethoden nachgewiesen werden. Die Genauigkeit dieser Verfahren variiert erheblich und zur Zeit gehört keines zum Programm der berufsgenossenschaftlichen Untersuchung für gewerbliche Taucher (G 31). Diese bildet eine der wesentlichen Grundlagen für den Gesundheitscheck der Sporttaucher. Auf Wunsch eines Tauchers sollte jedoch eine Untersuchung durchgeführt werden. Nach den derzeitigen Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin (SGUHM) sollte jeder erfahrene Taucher, der nie einen anderweitig erklärbaren Dekompressionsunfall erlitten hat, unter Beachtung der angeführten Regeln weitertauchen. Bei unerklärbaren Dekompressionsunfällen wird eine Untersuchung notwendig. Tauchanfänger mit einem großen Foramen ovale, das bereits bei Ruheatmung einen Durchlass erlaubt, sollten nicht tauchen. Diejenigen Anfänger, bei denen sich das Foramen ovale erst bei forciertem Pressen öffnet, dürfen zwar tauchen, sollten aber die genannten Verhaltensregeln besonders intensiv beherzigen.

Literatur:

  • Plafki Ch, Welslau W, Almeling M. Die Bedeutung des persistierenden Foramen ovale (PFO) fuer das Risiko von Dekompressionsunfaellen und neurologischen Langzeitschaeden bei Tauchern. Dt Z Sportmed 1998, 49:88-92.
  • Knauth M et al. Cohort study of multiple brain lesions in sports divers: role of a patent foramen ovale. Br Med J 1997, 314:701-5.
  • Almeling, M., Böhm, F., Welslau, W.: Handbuch Tauch- und Hyperbarmedizin. ecomed-Verlag, Landsberg 1998.
  • Ch. Plafki: Tauchmedizin in der Praxis. Eigenverlag 1998.

Dr. med. Christian Plafki

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Achillessehne: Verletzungen und Erkrankungen http://www.medizin-netz.de/therapien/achillessehne-verletzungen-und-erkrankungen/ http://www.medizin-netz.de/therapien/achillessehne-verletzungen-und-erkrankungen/#comments Mon, 13 Oct 2008 17:25:01 +0000 Medizin-Netz http://www.medizin-netz.de/?p=491

Einleitung

Der Name der Achillessehne geht auf den Helden der griechischen Antike Achill zurück. Er war der Sohn der unsterblichen Meeresgöttin Thetis und des sterblichen Peleus. Um ihren Sohn auch unsterblich zu machen, tauchte ihn seine Mutter als Kind in das Wasser des Unterweltflusses Styx. Durch den Kontakt mit dem Flusswasser wurde Achilles unverwundbar und später einer der größten Helden von Troja. Die einzige verletzliche Körperstelle war die Ferse. Dort hatte ihn seine Mutter beim Eintauchen in den Fluss seinerzeit festgehalten. Achilles wurde der Sage nach durch einen Pfeil des Paris in seine Ferse getötet.

Häufigste Verletzung der Achillessehne ist der Riss, auch Ruptur genannt. Daneben wird in diesem Artikel auch auf die Achillodynie, eine schmerzhafte Entzündung eingegangen.

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I. Riss der Achillessehne

Klinik

Beim Auftreten eines plötzlichen starken Schmerzes in der Wade, meistens unmittelbar oberhalb der Ferse, muss an einen Achillessehnenriss gedacht werden. Oft hört man auch ein lautes krachendes Geräusch. Äußerlich tritt eine Schwellung an der Rückseite des Sprunggelenkes oder im unteren Anteil der Wade auf. Die Schwellung kann mit einer Blutergussverfärbung oder lediglich punktförmigen Einblutungen in die Haut verbunden sein.

Ärztliche Untersuchung

Nach der Erhebung der Unfallvorgeschichte und dem Betrachten der äußeren Verletzungszeichen wird der Arzt die Wade abtasten. Es findet sich ein Druckschmerz, in vielen Fällen kann auch eine Lücke oder Delle getastet werden.
Richtungsweisend für die Diagnosestellung ist jedoch die Prüfung des Zehenspitzenstandes. Durch die Achillessehne wird normalerweise die Ferse nach oben gezogen und dadurch der Fuß zur Fußsohle hin gebeugt. Dieser Bewegungsablauf entspricht genau dem Bewegungsmuster beim Zehenspitzenstand oder Zehenspitzengang. Somit kann in den meisten Fällen die Erstdiagnose „Achillessehnenruptur“ durch reine klinische Untersuchung und Funktionsprüfung ohne Zuhilfenahme von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Röntgen und Kernspin gestellt werden. Bildgebende Verfahren dienen der „Feindiagnostik“.
Eine Röntgenuntersuchung dient dazu, knöcherne Ausrisse der Sehne am Fersenbein zu diagnostizieren oder auszuschließen.
Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann die genaue Stelle des Risses dargestellt werden. Erforderlich ist ein spezieller Weichteilschallkopf.

Abbildung 1: Achillessehnenriss im Sonogramm

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Bei Teilrissen kann noch ein Zehenspitzenstand möglich sein, er ist dann jedoch im Vergleich zur gesunden Seite deutlich kraftgemindert. Kernspin ist nur in Zweifelsfällen indiziert.

Abbildung 2: Achillesehnenriss im Kernspin

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Für die Unterstützung durch das Kernspinbild möchte ich dem Röntgeninstitut Werne (Praxis Dr. med. Ingo Lüth ) danken.

Abb.3: Wadenkneiftest nach Thompson (Skizze J. Breinig)
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Sehr gut geeignet zur klinischen Untersuchung ist auch der Wadenkneiftest nach Thompson. Hierbei kniet sich der Patient auf einen Stuhl, der Untersucher kneift ihn beidseits in die Wade. Auf der gesunden Seite bewegt sich die Ferse zum Unterschenkel hin und die Fußsohle deckenwärts, auf der verletzten Seite mit einem Riss der Achillessehne hängt der Fuß weiter regungslos nach unten.

Anatomie

Die Achillessehne ist durchschnittlich 10-12 cm lang. Sie ist die gemeinsame Endsehne des dreiköpfigen Wadenmuskels, der lateinisch triceps surae genannt wird. Dieser Muskel besteht aus dem Schollenmuskel (M. soleus) und dem zweiköpfigen M. gastrocnemius dessen Form auch die durch die Haut sichtbare Form der Wade entscheidend bestimmt. Die Achillessehne selbst ist von einer Sehnenscheide (Peritendineum externum) umhüllt. Sie besteht aus mehreren Sehnenbündeln.
Jedes Einzelne dieser Bündel ist wieder von einer inneren Hülle überzogen (Peritendineum internum). Die einzelnen Bündel bestehen aus Kollagenfasern. Ansatzpunkt der Achillesehne ist der Entenschnabelfortsatz des Fersenbeines. Beim Zusammenziehen des Muskels wird das Fersenbein nach oben gezogen.

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Verletzungsformen und ihre Entstehung

Häufigste Verletzungsstelle liegt zwischen zwei und sechs Zentimetern oberhalb des Fersenbeines. Daneben gibt es zwei weitere Verletzungsformen: Es kann zu einem knöchernen Ausriss der Achillesehne am Fersenbein kommen oder der Riss entsteht im Übergangsbereich Wadenmuskulatur – Sehne. Diese Form wird häufiger übersehen und eine Kernspinuntersuchung, die sonst meistens nicht erforderlich ist, kann hier hilfreich sein.

Entstehung der Achillessehnenruptur

Obwohl die Achillessehne mechanisch sehr belastbar ist (bis zu 400 KP) kommt es beim Auftreten überhöhter Zugkraft zum Zerreissen. Typische Ereignisse im Sport sind das Anlaufen zu einem Sprint, der Absprung und das Aufkommen nach einem Sprung. Trotz der ungeschützten Lage der Achillessehne sollen direkte Tritte oder Schläge auf die Sehne, wie sie bei den Kontaktsportarten Fußball, Basketball, Handball und Hockey vorkommen, nur in etwa 10% der Fälle Ursache der Ruptur sein.
Weitere häufige Zerreissungsmechanismen sind der Sturz nach vorne mit eingeklemmtem Fuß, wenn er zu einer Überdehnung der Wadenmuskulatur führt und das Treten in ein Bodenloch.

Neben den rein mechanischen Erklärungen für das Zerreißen der Sehne gibt es auch zahlreiche biologische Aspekte: Rein physiologisch nimmt mit zunehmendem Alter die Durchblutung im Sehnengewebe ab, die Fasern selbst degenerieren. Begünstigende Faktoren hierfür sind Zuckerkrankheit, allgemeine Durchblutungsstörungen des ganzen Körpers und die Einnahme bestimmter Medikamente wie Kortison und Zytostatika. Auch vorrausgegangene Entzündungen, bestimmte Infektionskrankheiten und bestimmte chronische Erkrankungen des Bindegewebes (Rheuma, Gicht, Autoimmunkrankheiten) fördern das Auftreten einer Achillessehnenruptur.
Beiderseitige Risse sind fast immer mit solchen Dauererkrankungen verbunden.
Auch die rein mechanischen Eigenschaften der Sehnenfasern werden durch niedrige Temperaturen in der Sehne (Aufwärmen!) und bei niedrigen pH Werten (Milchsäureermüdung) verschlechtert.
Als typischer Kandidat für einen Riss der Achillessehne gilt der männliche Gelegenheitssportler Anfang vierzig. Männer sollen etwa fünfmal so häufig betroffen sein wie Frauen. Insgesamt ist durch den Anstieg der Freizeitsportaktivität auch im mittleren und höheren Alter ein Anstieg der Achillessehnenrisse zu beobachten. Ein Altersgipfel der Ruptur findet sich zwischen 40 und 45 Jahren.
Statistisch sind linksseitige Achillessehnenrisse häufiger als rechtsseitige, weil das linke Bein häufig als Sprungbein fungiert.

Therapie

Beim Achillesehnenriss kommen operative und nicht operative Verfahren zur Anwendung.

Operation

Bei der Operation werden die beiden Sehnenenden aneinandergebracht und mechanisch stabil vernäht. Für die Dauer der Ausheilung (etwa 6 Wochen) ist eine Gipsruhigstellung erforderlich. Der Patient wird hierbei in Bauchlage auf dem Operationstisch gelagert, das Sprunggelenk muss beweglich bleiben um die Sehnenstümpfe aneinander zu nähern. Um bessere Übersicht zu haben, wird die Operation in Blutsperre durchgeführt, d. h. es wird vorher eine Blutdruckmanschette am Oberschenkel angelegt und aufgepumpt. Es kommen verschiedene Operationsverfahren zur Anwendung. Verwandt wird in der Regel ein nicht auflösbarer Faden für die Sehne und ein auflösbarer (resorbierbarer) Faden für die Sehnenscheide. Manche Operateure verwenden zusätzlich noch einen Gewebekleber.

Genähte Achillessehne

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In Bauchlage wird am Ende der Operation ein Gips angelegt

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Komplikationen

Eine Schwellung im Knöchel- und Fußwurzelbereich ist häufig und stellt keine Komplikation dar.
Mögliche Komplikationen sind Wundinfektionen, schmerzhafte Narbenbildung, Nervenverletzung von Hautnerven im Operationsgebiet, bleibende Bewegungseinschränkungen und erneute Rissbildung (Rezidiv).

Nachbehandlung

Unmittelbar nach der OP wird ein Liegegips angelegt. Der Patient kann mit Gehstützen und schwebendem operierten Bein gehen. Die Hautfäden können nach 8-10 Tagen entfernt werden. Nach vollständigem Abschwellen kann ein Gehgips oder ein Kunststoffgehverband angelegt werden. Mit ihm ist Vollbelastung ohne Stützen möglich.
Für die Dauer der Ruhigstellung muss jedoch eine Thromboseprophylaxe durch tägliche Heparinspritzen unter die Haut erfolgen. Nach Abnahme des Gipsverbandes sollten abgestufte Dehnungsübungen der Wadenmuskulatur erfolgen. Auch eine vorübergehende Fersenerhöhung ist in manchen Fällen zu empfehlen.

Bei Leistungssportlern wird statt des Gehgipses ein Spezialschuh verwandt mit dem ab der dritten Woche bestimmte Kraftübungen und Radfahren möglich sind. Für Sportler aller Leistungsstufen ist Lauftraining nach ca. 12 Wochen auf ebenem Gelände, allgemeine Sportfähigkeit nach etwa 16 Wochen gegeben.

Konservative Therapie (Behandlung ohne Operation)

Eine konservative Behandlung führt häufig zu einer bleibenden Kraftminderung beim Zehenspitzenstand. Sie sollte dann angewandt werden, wenn aufgrund einer Dauererkrankung (schwerer Diabetes, Rheuma o. ä.) mit Wundheilungstörungen gerechnet werden muss.

Beim Gesunden muss zunächst der Abstand zwischen den Sehnenstümpfen mit Hilfe der Sonographie eingeschätzt werden Nur bei geringem Abstand ist eine konservative Behandlung möglich. Während der gesamten Behandlungsdauer muss dieser Abstand kontrolliert werden. Falls sich der Abstand vergrößert, sollte auf ein operatives Verfahren gewechselt werden.
Nach den Ergebnissen einiger Studien sind durch konservativer Therapie auch bei Gesunden vergleichbare funktionelle Ergebnisse wie durch eine Operation erzielt worden. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht allgemein anerkannt.

II. Weitere Achillessehnenerkrankungen

Prellung und Quetschung

Direkte Tritte oder Schläge auf die Sehne oder das Einklemmen des Sprunggelenkes unter Lasten führen häufiger zu Blutergüssen im Achillessehnen- und unteren Wadenbereich ohne Zerreissen der Sehne.

Achillodynie

Dieser Begriff heisst übersetzt eigentlich nur „Schmerzen im Achillesehnenbereich“. Zahlreiche Teilursachen können zu diesen Beschwerden beitragen. Hierzu gehören eine Schleimbeutelentzündung des Schleimbeutels (Bursa) zwischen Achillessehne und Fersenbein, eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein (Fersensporn), Verkalkungen in der Achillessehne, zu geringe Fettpolster am Fersenbein, Durchblutungstörungen im unteren Wadenbereich, Reizzustände des Sehnenansatzes am Fersenbein, Beschwerden durch Achsenfehlstellung des Fußes (Knickfuß) usw.

Gemeinsam ist diesen Beschwerden die konservative Behandlung durch entzündungshemmende Salben und Medikamente, Eis, Infiltration mit Lokalanästhetika und Kortison, Strombehandlung und Schonung. Operationen sind nur nach sorgfältiger Abwägung und konsequenter Ausschöpfung der konservativen Möglichkeiten über mehrere Monate angezeigt. In Frage kommen neben der Schleimbeutelentfernung die Ausschneidung von verdicktem Sehnengleitgewebe und von abgestorbenen Sehnenanteilen. Zur präoperativen Diagnostik ist hier die Kernspinuntersuchung geeignet.

Dr. med. Joachim Breinig

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