Koloskopie (Spiegelung des Dickdarms)
Allgemeines zur Endoskopie
Die Koloskopie („Umschau im Dickdarm“) zählt zu den sogenannten endoskopischen („Umschau im Innern“) Verfahren der Medizin. Diesen Verfahren ist gemeinsam, daß ein dünnes Instrument (das Endoskop) unterschiedlicher Länge durch eine Körperöffnung oder einen kleinen Hautschnitt in das zu untersuchende Organ vorgeschoben wird.
Ein Lichtweg aus Glasfasern leitet Licht an das Ende des Endoskops und beleuchtet das Innere des Organs. Über ein optisches System (direkte Sicht, oder bei aufgesetzter Videokamera auf einem Bildschirm) kann der untersuchende Arzt das Organinnere betrachten. In zunehmendem Maße werden auch Endoskope mit kleinem Kamerachip am Instrumentenende eingesetzt. Endoskope verfügen ferner über Spül-Saugkanäle und/oder Arbeitskanäle. Dadurch ist das Spülen und Absaugen (was vor allem für bessere Sichtverhältnisse sorgt) sowie das Vorschieben von speziellen Instrumenten zum Betrachtungsort möglich. Der Einsatz von Endoskopen ist somit nicht nur auf das Betrachten von Organen beschränkt; vielmehr ist es möglich, Gewebeproben zu entnehmen und kleinere operative Eingriffe durchzuführen.
Endoskope können je nach Anwendungsgebiet starr oder biegsam sein und haben unterschiedliche Längen und Durchmesser. Der Dickdarm ist nur eines von vielen Organen, die mit Endoskopen untersucht und behandelt werden können. Andere Beispiele sind: Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (kurz Gastroskopie genannt, eigentlich Ösophago-Gastro-Duodenoskopie= ÖGD); Gelenke, z. B. das Kniegelenk (Arthroskopie), Atemwege (Bronchoskopie), Bauchhöhle (Laparoskopie), Enddarm (Rektoskopie), Harnblase (Cystoskopie), Dickdarm (Koloskopie) u. a.
Insbesondere die Laparoskopie hat eine Reihe von größeren Bauchoperationen fast völlig abgelöst. Die Entfernung der Gallenblase, die Behandlung einer Eileiterschwangerschaft oder die Sterilisation der Frau sind Beispiele hierfür. Die einzelnen therapeutischen Möglichkeiten des Koloskops werden weiter unten im Detail aufgeführt.
Endoskopie als Routineverfahren gibt es etwa seit 30 Jahren. Durch die genannten großen Fortschritte in der Diagnose und Therapie von Erkrankungen hat die Endoskopie die Medizin in dieser Zeit geradezu revolutioniert.
Wie wird die Koloskopie durchgeführt?
Bei der Koloskopie wird das biegsame, ca. 150 cm lange und knapp 15 mm dicke Koloskop durch den After in den Darm vorgeschoben. Der untersuchende Arzt kann das Innere des Enddarms, des Dickdarms und des letzten Teils des Dünndarms einsehen.
Vor der Untersuchung bekommt der Patient eine Venenverweilkanüle. Über diesen Zugang kann gegebenenfalls ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel gegeben werden; im seltenen Fall einer Komplikation können Notfallmedikamente ohne Verzögerung verabreicht werden.
Die Untersuchung wird in Seitenlage durchgeführt. Unter Verwendung eines Gleitmittels wird das Gerät durch den After unter ständiger Sicht des Arztes in den Darm eingeführt und langsam vorgeschoben. Gleichzeitig wird Luft in den Darm gepumpt, damit sich der leere Darm entfaltet und alle Wandstrukturen gut erkennbar werden. Eine Spülung und Absaugung am Ende des Gerätes sorgen zusätzlich für gute Sicht. Durch Stellräder am hinteren Ende des Koloskops kann das vordere Ende in verschiedene Richtungen gebogen werden. Dadurch ist es möglich, die Richtung des Instruments beim Vorschieben zu bestimmen und gleichzeitig die Darmwand im gesamten Umfang genau zu betrachten.
Das Koloskop verfügt über einen Arbeitskanal, über den spezielle Instrumente durch das Koloskop zum Betrachtungsort vorgeschoben werden können. Daher sind die Einsatzmöglichkeiten des Koloskops weit vielfältiger als nur die Betrachtung der Darmwand. Mit Hilfe entsprechender Instrumente kann der Arzt z. B.
- kleine Gewebeproben entnehmen, die dann zur eindeutigen Diagnosesicherung mikroskopisch untersucht werden können
- Polypen abtragen (durch Schlingen, Elektrokoagulation oder Laser)
- Blutungen durch Elektrokoagulation oder das Spritzen gefäßverengender oder -verödender Medikamente stillen
- Fremdkörper fassen und herausziehen
- Engstellen aufdehnen
- Flüssigkeit absaugen
Speziellen Endoskopen sitzt ein kleiner Ultraschallkopf am Ende auf. Damit ist es möglich, die Darmwand und angrenzendes Gewebe von innen her zu beurteilen. Dies ist beispielsweise zur Beurteilung der Tiefenausdehnung eines Tumors sehr hilfreich.
Das Aufblasen des Darms mit Luft und die Bewegungen mit dem Koloskop werden von vielen Patienten als unangenehm empfunden; die Untersuchung wird aber von den meisten Patienten gut toleriert. Bei Bedarf kann ein Beruhigungs- und/oder Schmerzmittel vor der Untersuchung und auch wiederholt während der Untersuchung verabreicht werden.
Die Entnahme von Gewebeproben und andere Eingriffe an der Darmschleimhaut spürt der Patient in aller Regel gar nicht, da sie Schleimhaut keine Schmerzrezeptoren hat.
Warum wird eine Koloskopie durchgeführt?
Eine Koloskopie wird durchgeführt, wenn eine Erkrankung des Dickdarms vermutet wird oder der Verlauf einer bereits bekannten Erkrankung beurteilt werden soll. Mit Hilfe der Koloskopie kann der Arzt den gesamten Dickdarm detailliert einsehen, Gewebeproben krankheitsverdächtiger Bereiche zur mikroskopischen Untersuchung entnehmen und, falls nötig, häufig gleich die notwendige Behandlung durchführen. Dabei ist das Verfahren wesentlich sicherer als beispielsweise eine Operation.
Bei Verdacht auf folgende Erkrankungen ist die Koloskopie zur Sicherung der Diagnose, Erfassung der Ausdehnung der Erkrankung und als Kontrolluntersuchung nach einer durchgeführten Therapie ein Verfahren der ersten Wahl:
- sog. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Dickdarmdivertikel
- Dickdarmpolypen
- bösartige Tumoren des Dickdarms
- Darmblutungen unklarer Ursache
- unklare, chronische Verstopfung oder Durchfälle
- Ausschluß organischer Ursachen einer funktionellen Erkrankung (z. B. sog. Reizdarm)
Welche Risiken hat die Koloskopie?
Insbesondere im Vergleich zu einer Operation mit Eröffnung der Bauchhöhle und des Darms ist die Koloskopie ein sehr sicheres Verfahren. Durch entsprechende Vorbereitung und sorgfältige Durchführung ist das Risiko einer Komplikation sehr gering. Trotzdem wird der Arzt vor einer Koloskopie über die folgenden möglichen Komplikationen aufklären:
- Verletzungen (Perforation) der Darmwand kommen in sehr seltenen Fällen vor. Sie können zum Übertritt von Darminhalt und Bakterien in die Bauchhöhle führen und eine Operation nötig werden lassen.
- Blutungen der Darmwand kommen mit einer Häufigkeit um 1:1000 vor. In der Regel läßt sich die Blutung durch Unterspritzung oder andere Verfahren während der Koloskopie stillen.
- Mit dem Einschwemmen von Darmbakterien in die Blutbahn mit der Folge einer Sepsis („Blutvergiftung“) ist mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1:10000 zu rechnen. Bei dieser gefährlichen Komplikation wird die Gabe von Antibiotika nötig.
- Aus verschiedenen Gründen (zu hohe Dosierung der Beruhigungsmittel, vegetative Reaktionen, allergische Reaktion auf verabreichte Medikamente) kann es zu einer Störung der Atem- und Herz-/Kreislauf-Funktion bis hin zum Herzstillstand kommen (insgesamt ca. 1:2000). Hier sind im Extremfall Wiederbelebungsmaßnahmen nötig.
Die erwähnten Zahlen erfassen die aufgetretenen Komplikationen bei allen Untersuchten. Daher finden sich in diesen Zahlen auch sehr alte und schwerkranke Patienten wieder, bei denen das Risiko für die meisten Komplikationen viel höher liegt, als z. B. bei einem jüngeren Patienten, bei dem nur Darmpolypen entfernt werden.
Um auftretende Komplikationen sofort zu erkennen, werden Atmung und Puls eines jeden Patienten während der Untersuchung und, falls er ein Beruhigungsmittel bekommen hat, auch danach ständig überwacht. Die vorsorgliche Plazierung einer Venenverweilkanüle ermöglicht das sofortige Verabreichen von eventuell nötigen Notfallmedikamenten. Für den Extremfall müssen nach deutscher Vorschrift Hilfsmittel zur Wiederbelebung sofort greifbar sein.up
Was ist vor einer Koloskopie zu beachten?
Unerläßliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Koloskopie ist eine gründliche Reinigung des Darms vor der Untersuchung. Dies wird am besten durch das Trinken abführender Flüssigkeit (sog. Darmspüllösung) am Vortag erreicht, ersatzweise (aber weniger gut wirksam) ist auch ein Einlauf möglich. In der Regel muß der Patient am Vortag der Untersuchung nach einer letzten Mahlzeit am Mittag über den Nachmittag und Abend etwa 4 l der Darmspüllösung trinken. Essen darf er bis zur Untersuchung nicht mehr; trinken von Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch ist jedoch erlaubt und erwünscht. Es ist sehr wichtig, daß sich der Patient genauestens an das vom medizinischen Personal vorgegebene Protokoll zur Darmreinigung hält. Eine der häufigsten Ursachen für mißlungene oder unvollständige Darmspiegelungen ist die unzureichende Darmreinigung vor der Untersuchung! Das kann eine Wiederholung der Untersuchung nötig machen oder gar zum Übersehen eines krankhaften Befundes führen.
Bei manchen Patienten ist die Gabe eines Antibiotikums unmittelbar vor der Untersuchung zur Vorbeugung schwerer Komplikationen durch Einschwemmen von Darmbakterien in die Blutbahn nötig. Dies sind insbesondere:
- Patienten, die an einer Herzklappenentzündung (Endokarditis) oder an rheumatischem Fieber erkrankt waren, oder eine künstlichen Herzklappe haben;
- Patienten, die ein geschwächtes Immunsystem (z. B. im Rahmen mancher Chemotherapien) haben.
Im Einzelfall entscheidet darüber der behandelnde Arzt.
Was ist nach der Koloskopie zu beachten?
Wie sich ein Patient nach der Untersuchung verhalten muß, hängt vor allem davon ab, ob ein größerer Eingriff während der Koloskopie durchgeführt wurde (z. B. großer Polyp abgetragen, stärkere Blutung) und ob, ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel nötig war.
Bei Verwendung eines Beruhigungsmittels darf der Untersuchte unter keinen Umständen am selben Tag am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen. Im Falle einer ambulanten Behandlung mit Gabe eines Beruhigungsmittels sollte man sich nach Hause fahren lassen und für die ersten Stunden nicht alleine bleiben. Je nach Umfang der Untersuchung kann es nötig sein, eine zeitlang nach der Untersuchung nüchtern zu bleiben. Welche Verhaltensregeln nach der Untersuchung befolgt werden sollten, wird der Untersucher im Einzelfall erläutern.
Kommt es nach der Untersuchung zu Blutabgang aus dem After, Fieber, Bauchschmerzen oder anderen Beschwerden, sollte der Patient dies unbedingt sofort dem behandelnden Arzt mitteilen.
Tipp Endoskopie Atlas: Unter www.endoskopiebilder.de zeigt die II. Medizinische Abteilung des Albertinen-Krankenhauses in Hamburg ca. 850 Bilder der gastroenterologischen Endoskopie. Der Endoskopie-Atlas führt zum einen Ärzten und Schwestern systematisch die typischen Befunde vor Augen, zum anderen demonstriert er Betroffenen Befunde und Verläufe anhand von Bildern, Fallbeispielen und Videos.
Der Dickdarm

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Groß

