AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome)
Krankheitsbild
Als AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome = Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) bezeichnet man ein Krankheitsbild, bei dem sonst harmlose Krankheitserreger aufgrund einer erheblichen Schwächung des Immunsystems kaum bekämpft werden können, und es so immer wieder zu lebensgefährlichen Infektionen kommt. Ausgelöst wird diese Immunschwäche durch ein Virus mit der Bezeichnung HIV (Human Immunodeficiency Virus), das sich in Zellen des Immunsystems vermehrt und diese dabei abtötet.
Nach Angaben der Vereinten Nationen haben sich 1998 ca. 5,8 Millionen Menschen neu mit HIV infiziert, darunter etwa 600.000 Kinder. Damit stieg die Gesamtzahl der HIV-Positiven weltweit auf über 33 Millionen. 2,5 Millionen Menschen sind im selben Jahr an AIDS gestorben. 95 Prozent der Infizierten leben in Entwicklungsländern.
Die Infektion mit dem HI-Virus selbst verursacht bei den meisten Betroffenen keinerlei Symptome. Meistens treten erst viele Jahre nach der Infektion unterschiedliche Krankheitsbilder auf, die durch andere Erreger verursacht sind, die sich erst im Rahmen der Schwächung des Immunsystems ausbreiten können.
Diagnose
Die Diagnose einer HIV-Infektion wird durch eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen das Virus gestellt (sog. „AIDS-Test“). Dieser Test wird erst Wochen oder Monate nach der Infektion positiv; so lange dauert es, bis das Immunsystem Antikörper gegen das HI-Virus gebildet hat. Im Falle eines positiven Antikörper-Tests wird die Diagnose durch eine aufwendigere Untersuchung bestätigt, bei der das Virus selbst im Blut des Betroffenen nachgewiesen wird.
Die Erkrankung AIDS ist über das Auftreten typischer Erkrankungen bei vorliegender HIV-Infektion definiert. Zwischen dem Befund ‘HIV positiv’ und der Diagnose ‘AIDS’ liegen oft über 10 Jahre.
Krankheitsverlauf
Die HIV-Infektion wird heute – ihrem Verlauf entsprechend – in 3 Gruppen eingeteilt:
- Gruppe A – Beschwerden der akuten HIV-Infektion (selten) sowie latente Infektion, d. h. die Phase zwischen Ansteckung und dem ersten Auftreten von Beschwerden. Diese Phase dauert Monate, Jahre oder auch Jahrzehnte. Zur Gruppe A gehört die Mehrzahl der HIV-Infizierten.
- Gruppe B – Beschwerden im Rahmen einer HIV-Infektion, die aber nicht zu den AIDS-definierenden Erkrankungen der Gruppe C gehören, z. B. chronischer Durchfall, Lymphknotenschwellungen, Gewichtsverlust.
- Gruppe C – AIDS: Zu dieser Gruppe zählen Patienten, sobald im Rahmen einer HIV-Infektion eine sog. AIDS-definierende Erkrankung auftritt. Häufige AIDS-definierende Erkrankungen sind z. B.
- Lungenentzündung durch bestimmte Erreger, die beim Gesunden keine Beschwerden verursachen (Pneumocystis carinii)
- Toxoplasmose-Infektion des Gehirns
- Pilzinfektionen der Atemwege oder der Speiseröhre
- bestimmte Hauttumoren (sog. Kaposi-Sarkom u. a.)
Der Verlauf jedes Stadiums ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Die HIV-Infektion führt aber irgendwann zur AIDS-Erkrankung und zum Tode.
Therapie
Bei der Therapie von HIV und AIDS unterscheidet man zwischen
- Medikamenten, die die Vermehrung des Virus verzögern sollen, um so die Latenzphase zu verlängern (sog. anti-retrovirale Therapie), und
- Behandlung und Vorbeugung der AIDS-assoziierten Erkrankungen.
Zur Zeit werden jedes Jahr neue Medikamente zugelassen, die die Virusvermehrung hemmen; inzwischen sind sehr wirksame Präparate auf dem Markt. Nach Möglichkeit (Nebenwirkungen, Kosten) wird heute eine Kombination von drei Präparaten eingesetzt. Eine anti-retrovirale Therapie ist dann sinnvoll, wenn die Zahl der im Blut nachgewiesenen HI-Viren zunimmt, oder wenn eine AIDS-definierende Erkrankung auftritt. Ziel ist es, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Damit verbessern sich die Blutwerte; die Latenzzeit bis zu einer Infektion und die Lebenserwartung insgesamt wird deutlich verlängert.
Auch bei der Vorbeugung und Behandlung AIDS-assoziierter Erkrankungen hat man große Fortschritte gemacht. Damit wurde die Verweilzeit im Krankenhaus reduziert, die Lebensqualität der Betroffenen insgesamt hat zugenommen.
Ursache
Erst 1983 wurde das Virus nachgewiesen, das für die Immunschwäche im Rahmen von AIDS verantwortlich ist. Es wird als ‘Human Immunodeficiency Virus’ (HIV) bezeichnet.
Weil der Erreger die intakte Haut des Menschen nicht überwinden kann, kann eine HIV-Infektion nur beim ungeschützten Geschlechtsverkehr, bei der Übertragung von infiziertem Blut oder Blutprodukten (z. B. Gerinnungsfaktoren), sowie unter der Geburt von einer HIV-positiven Mutter auf ihr Kind erfolgen.
Nach der Infektion „schlummert“ das Virus eine unterschiedlich lange Zeit (i. d. R. mehrere Jahre) in bestimmten Zellen des Immunsystems, den T-Helfer-Zellen (CD4-Lymphozyten), und vermehrt sich kaum. Irgendwann beginnt aber die Phase der starken Virusvermehrung. Dabei gehen die infizierten Zellen zugrunde, was zu einer zunehmenden Schwächung des Immunsystems führt. Erreger, die beim Gesunden keine Chance hätten, eine Erkrankung auszulösen, können sich dann unkontrolliert vermehren. Die Folge sind schwere Infektionserkrankungen, die ohne (und schließlich auch mit) medizinischer Hilfe häufig nicht überlebt werden.
Vorbeugung
Da eine Heilung der HIV-Infektion nicht möglich ist und auch kein Impfstoff existiert, der die Vermehrung der Viren nach einem Kontakt sicher verhindert, ist Vorbeugung bei HIV nach wie vor die wichtigste Maßnahme. HIV ist keine Erkrankung der Homosexuellen und Drogenabhängigen mehr. In den Entwicklungsländern sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen; auch in den Industrieländern gleichen sich die Zahlen an.
Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch Blut oder Blutprodukte wird in Deutschland inzwischen mit etwa 1:1.000.000 angegeben und ist somit im Verhältnis zum Nutzen dieser Produkte zu vernachlässigen.
Das größte Risiko geht heute von ungeschütztem Geschlechtsverkehr aus. Geradezu leichtsinnig ist ungeschützter Sexualkontakt in den Entwicklungsländern; in vielen afrikanischen und asiatischen Städten sind die meisten (!) Prostituierten HIV positiv! Den einzigen Schutz bietet hier nach wie vor die Verwendung von Kondomen.
Adressen:
- http://www.bzga.de (Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung)
- Selbsthilfegruppen
Lesen Sie auch den ausführlichen Artikel zu “AIDS (acquired immunodeficiency syndrome) – Erworbene Immunschwäche“.

