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Arthritis (Rheumatoide Arthritis), entzündliches Rheuma (chronische Polyarthritis)

Eingetragen von Medizin-Netz am 23. August 2006 Kein Kommentar

arthritis (griech.)=Gliederkrankheit; …itis=Entzündung

Krankheitsbild

Rheumatoide Arthritis (=chronische Polyarthritis) ist eine bis jetzt unheilbare chronische Gelenkserkrankung, die ca. 2% der Weltbevölkerung betrifft und in steigender Häufigkeit im 3. und 4. Lebensjahrzehnt beobachtet wird. Frauen erkranken 2-3 mal häufiger.
Erste Anzeichen der Erkrankung sind Morgensteifigkeit und Gelenksschwellungen. Zunächst sind die Gelenke der Gliedmaßen betroffen, wobei die Entzündung immer symmetrisch und ein Verschlechtern des Zustandes in Schüben auftritt.

Diagnose

Die Diagnose “rheumatoide Arthritis” stellt der Arzt aufgrund der Untersuchung auf folgende Kriterien hin: Auftreten der “Morgensteifigkeit” der Gelenke, Anwesenheit von Rheumaknoten (häufig am Ellenbogen), Bestimmen von Rheumafaktoren (s. u.) im Blut und Röntgenaufnahmen von den betroffenen Gelenken. Die Entzündungen in den Gelenken treten immer paarweise auf, d. h., immer ist das linke und das korrespondierende rechte Gelenk involviert.

Krankheitsverlauf

Hand- und Fußgelenke können beim Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis immer eingeschränkter und nur unter Schmerzen bewegt werden, anschließend verformen sie sich durch die Zerstörung der Gelenkknorpel, welches zu Muskelatrophie (=Muskelabbau) und Sehnenentzündungen führt. Die Fußdeformationen sind meist ausgeprägter als die Handdeformationen, da das Körpergewicht eine zusätzliche Belastung für die entzündeten Gelenke darstellt. Im späteren Stadium der rheumatoiden Arthritis sind auch die großen Gelenke befallen, z. B. Ellenbogen-, Knie-, Hüft- und Schultergelenke. Durch die chronische Entzündung treten zusätzliche Symptome auf, z. B. Rheumaknoten (subkutan (=unter der Haut) sowie an inneren Organen), Rheumafaktoren (=Autoantikörper) im Blut und Ablagerung in der Gefäßwand, Vaskulitis (=Gefäßentzündungen) der kleinen Gefäße, Anämie, Sjögren und Felty Syndrom. Im Endstadium werden die gelenksnahen Knochen angegriffen.

Therapie

Rheumatoide Arthritis kann nicht geheilt werden. Mit Pharmaka versucht man, die Schmerzen zu bekämpfen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Folgende Pharmakagruppen finden in bestimmten Kombinationen ihre Anwendung:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAID), z. B. Aspirin®
  • Glukokortikoide, z. B. Kortison
  • DMARD (disease modifying antirheumatic drugs), z. B. Gold
  • Anti-Malaria Pharmaka, z. B. Chloroquin
  • Anti-Gicht Pharmaka, z. B. Kolchizin
  • Immunsuppressive Pharmaka, z. B. Cyclophosphamid

Um die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten, wird häufig eine sog. physikalische Therapie, also gymnastische Übungen, durchgeführt. Im Endstadium steht ein chirurgischer Eingriff zur Option. Ein neuer Ansatz zur Behandlung ist die Gabe von Anti-Adhäsionsmolekül-Pharmaka, die das massive Einwandern der Entzündungszellen in die Gelenke verhindern.

Jedoch gilt immer: Lassen Sie sich von einem Arzt beraten!

Ursache

Die Atiologie (=Lehre von den Ursachen der Krankheiten) der rheumatoiden Arthritis ist unbekannt. Mehrere Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen und man vermutet, dass rheumatoide Arthritis eine Autoimmunkrankheit ist. Obwohl Viren und Bakterien bei Tieren Arthritis auslösen können, sind bisher weder Viren noch Bakterien beim erkrankten Menschen gefunden worden. Genetische Faktoren spielen eine Rolle: rheumatoide Arthritis ist mit dem Gen (=Informationseinheit für die Ausprägung eines Erbmerkmals) HLA-DR4 assoziiert, d. h., dass Menschen, die dieses Gen in ihrem Erbgut tragen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an rheumatoider Arthritis erkranken als Menschen, die nicht Träger dieses Gens sind.
Ursache der Gelenksentzündung ist eine massive Einwanderung (sog. „Infiltration“) von Entzündungszellen in die Synovialmembran (=Gelenkinnenhaut) und Gelenksflüssigkeit. Die mit Zellen (Plasmazellen, T-Lymphozyten, Leukozyten, Makrophagen, dendritische Zellen, Fibroplasten) vollgepackte Synovialmembran wird auch „Pannus“ genannt, der in das Gelenk hineinwächst und es umwächst. In der Gelenksflüssigkeit werden Immunkomplexe (=vernetzte Antikörper) und eine bestimmte Art der Entzündungszellen, die neutrophilen Granulozyten, gefunden. Diese Entzündungszellen entlassen nach der Wechselwirkung mit den Immunkomplexen proteolytische (=Eiweiß abbauende) Enzyme und produzieren Sauerstoffradikale, Substanzen, die den Gelenksknorpel angreifen und zerstören.

Vorbeugung

Da die Ursache der Erkrankung nicht eindeutig geklärt ist, kann man für eine Vorbeugung keine Empfehlung geben. Eine rechtzeitige Behandlung im frühen Stadium kann das Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis verlangsamen.

Das entzündete Gelenk

gelenk

Abb.: Der Gelenkquerschnitt zeigt auf der linken Seite den Normalzustand, auf der rechten Seite ist die Entzündungssituation dargestellt. In dem entzündeten Gelenk finden sich massiv Entzündungszellen (rot dargestellt), die in die Gelenksflüssigkeit und in die sog. Synovialmembran (grün) eingewandert sind. Die Synovialmembran ist dadurch zum sog. “Pannus” angeschwollen, was zu einem schmerzhaften Anschwellen des Gelenkes führt. In der Gelenksflüssigkeit finden sich neben einem bestimmten Entzündungszellentyp (PMN=Polymorphkernige Neutrophile) Immunkomplexe (=vernetzte Antikörper). Diese zerstören über einen komplexen Mechanismus den Gelenksknorpel.

Informieren Sie sich auch über die Radiosynoviorthese, einer therapeutischen Maßnahme bei rheumatischen Erkrankungen.

(UW)

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