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Asthma

Eingetragen von Medizin-Netz am 27. Juni 2007 2 Kommentare

Krankheitsbild

Der Begriff Asthma bronchiale (Asthma=schweres Atemholen, Bronchien=die Luftwege zwischen Luftröhre und Lungenbläschen) beschreibt eine anfallsweise auftretende und danach wieder verschwindende Atemnot.

Das Asthma kann mehrere Ursachen haben. Diese rufen über verschiedene Mechanismen die gleichen Veränderungen an den Bronchien hervor. Diese Veränderungen sind

  • Schleimhautschwellung (Ödem)
  • Verengung der Bronchien durch Anspannung von Muskeln in der Bronchienwand
  • Verstärkte, übermäßige Schleimproduktion der Bronchienschleimhaut

Diese Faktoren bewirken eine Verengung der Bronchien; dadurch steigt der Luftwiderstand an. In der Lunge wird der eingeatmeten Luft Sauerstoff entzogen und im Körper entstandenes Kohlendioxid (CO2) abgeatmet. Sind die Bronchien verengt, kann die Luft nicht mehr im normalen Maße ausgeatmet werden.

Nach einiger Zeit stellt sich das Gefühl der Atemnot ein. Um der Atemnot entgegenzuwirken, wird stärker geatmet, was aber den gegenteiligen Effekt bewirkt: Vertiefte Atemzüge und eine schnellere Atemfrequenz erhöhen das Luftvolumen, welches durch die Bronchienverengungen bewegt werden muss – die Atembehinderung wird immer größer. Es kommt zu einem Aufatmen, d. h., immer mehr Luft bleibt in der Lunge zurück und ist dort gefangen. Es handelt sich bei den asthmatischen Beschwerden also um eine “Ausatemnot”. Trotzdem kann im subjektiven Erleben im Vordergrund stehen, dass man nicht genug Luft einatmen kann.

Das Asthma ist gut behandelbar und kann auch geheilt werden, wenn es rechtzeitig diagnostiziert wird.
Asthma bronchiale ist übrigens vom Herzasthma, dem Asthma cardiale, deutlich zu unterscheiden, welches als Folge einer unzureichenden Herzleistung auftreten kann.

Diagnose

Bei der Diagnostik stehen die Angaben des Patienten über Auftreten, Dauer und begleitende Umstände der Anfälle von Atemnot an erster Stelle. Durch das Abhorchen der Lungen kann der Arzt das Asthma von anderen Erkrankungen der Atemwege abgrenzen. Die genaue Abklärung der Krankheit erfolgt mittels verschiedener apparativer Untersuchungen der Atemwege, welche zum Teil vom Allgemeinarzt, zum Teil vom Pulmonologen, dem Lungenfacharzt, durchgeführt werden. Mit dem Peak-Flow-Meter kann der maximale Luftstrom beim Ausatmen gemessen werden, ein charakteristischer Wert für den momentanen Verengungsgrad der Bronchien. Diese Instrumente gibt es auch in Form kleiner Rohre, die der Patient mit sich führen kann. Die Anwendung ist dann in allen Situationen möglich; man pustet kraftvoll hinein und kann den Wert dann auf einer kleinen Skala ablesen. Mit diesen Peak-Flow-Metern kann der Patient auch den Erfolg der täglichen Einnahme von z. B. Sprays kontrollieren. Mit aufwendigeren Geräten, in die geblasen werden muss, können noch weitere Parameter ermittelt werden, unter anderem die maximale Kapazität der Lunge und der Anteil der Luft, der in einer Sekunde ausgeatmet werden kann (“Tiffeneau-Test”).

Eine umfassende Untersuchung ist häufig nur möglich unter Einsatz eines sogenannten Ganzkörperplethysmographen. Hierbei handelt es sich um eine kleine Kammer, in welcher der Patient Platz nimmt. Während er nun über ein Mundstück atmet, können Druck- und Volumenveränderungen in der Kammer und seinen Atemwegen gemessen und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Durch Provokationstests kann die vermutete Ursache der Beschwerden näher eingekreist werden. Liegt eine Allergie als Auslöser nahe, werden verschiedene Substanzen, z. B. Gräser, Pollen, Tierhaare, etc. mit dem Prick-Test (Hauttest) auf allergische Wirkungen geprüft. Dabei werden Tropfen von Testflüssigkeiten auf die Unterarme aufgetragen und die Haut darunter leicht angeritzt. Kommt es zu einer allergischen Reaktion, erscheinen an der Hautstelle, auf die die allergieauslösende Flüssigkeit aufgetragen wurde, kleine Quaddeln.

Krankheitsverlauf

Das Asthma bronchiale hat einen schleichenden Beginn und nimmt dann, wenn es nicht behandelt wird, in seiner Schwere kontinuierlich zu. Anfangs sind die Beschwerden so gering, dass die Patienten dazu neigen, sie zu ignorieren. In zunehmendem Maße stellen sich aber das Wohlbefinden stark einschränkende Zustände von Atemnot ein. Die schwerste Form eines asthmatischen Anfalls ist der Status asthmaticus, der “asthmatische Zustand”. Er ist oft einer ärztlichen Therapie akut nur schwer zugänglich; unter Umständen muss der Patient künstlich beatmet werden, wenn die Atemanstrengung zu groß wird. In sehr seltenen Fällen kann der Status asthmaticus auch tödlich enden. Bei einer rechtzeitigen, guten Therapie jedoch, die auch die verantwortungsvolle Mitarbeit des Patienten erfordert, kann diesen Extremformen sicher vorgebeugt werden.

Tritt das Asthma anfangs noch anfallsweise auf, so kann sich daraus ein chronisches Bronchialleiden entwickeln, die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (obstruieren=verschließen), abgekürzt COPD oder COLD (chronic obstructive pulmonary/lung disease). Hierbei besteht eine fortwährende Einengung der Bronchien, bedingt durch einen dauerhaften Entzündungszustand.

Therapie

Der Therapie des Asthmas stehen verschiedene Wege offen. Die meisten Medikamente können als Dosier-Aerosol verabreicht werden. Dabei ist eine korrekte Handhabung der Sprayflasche von entscheidender Bedeutung für die Wirksamkeit des Medikamentes. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Anwendung der Präparate auch zu beschwerdefreien Zeiten, um eine zuverlässige Prophylaxe zu betreiben. Mittels kleiner Peak-Flow-Meter sollte der Patient regelmäßig (täglich) den Zustand seiner Bronchien untersuchen und protokollieren, damit der Arzt anhand dieser Werte die Therapie optimieren kann. Für die Asthmatherapie werden folgende Medikamente eingesetzt:

Die Beta-Sympathomimetika (z. B. Fenoterol) bewirken eine schnelle Besserung im Anfall durch eine Weitstellung der Bronchien. Die Antiallergika (z. B. Cromoglicinsäure) dämpfen den Entzündungsprozess in der Schleimhaut und müssen dauerhaft eingenommen werden, um eine Wirkung zu zeigen. Die Steroide (Kortisone, z. B. Beclomethason) können auf Dauer am wirksamsten den Entzündungsprozess hemmen. Kontinuierlich genommen können sie sogar eine Heilung herbeiführen. Die modernen Steroide haben, als Spray eingenommen, keine Nebenwirkungen. Anticholinergika (z. B. Ipratropiumbromid) greifen an den Nervenbahnen an, welche die Bronchien versorgen und eine Verengung erzeugen können. Sie werden zumeist erst dann eingesetzt, wenn mit den anderen Präparategruppen keine befriedigendes Ergebnis erzielt werden kann. Die Methylxanthine (z. B. Theophyllin) wirken direkt erweiternd auf die Bronchien. Sie können nur oral oder intravenös verabreicht werden und kommen als Mittel der zweiten Wahl unter anderem in der Langzeittherapie und bei nächtlichen Asthmaanfällen zur Anwendung. Sie haben als Notfallmedikamente einen zentralen Stellenwert.

Manche Medikamente sind Kombinationspräparate, also enthalten Stoffe mehrerer Medikamentengruppen.

Ursache

Die Mechanismen, die zur Atemnot führen, erfüllen normalerweise wichtige Funktionen bei der Atmung. Durch verschiedene Auslöser kann es aber dazu kommen, dass diese Funktionen überschießend sind, es kommt zu einem Asthmaanfall. Prinzipiell werden die Ursachen des Asthmas in solche allergischer Natur (extrinsic) und solche sonstiger Ursache (intrinsic) unterteilt. 80% aller Patienten leiden an Mischformen von intrinsic und extrinsic Asthma, jeweils 10% sind eindeutig einer Gruppe zuzuordnen. Bei der extrinsischen Form gelangen mit der Atemluft mikroskopische Allergene, z. B. Pollen, auf die Schleimhaut der Bronchien. Besteht eine Überempfindlichkeit (=Allergie), kommt es zur allergischen Sofortreaktion. Über Botenstoffe werden die Bronchien enggestellt, die Schleimhaut lagert Wasser ein und produziert überschießend Schleim. Fällt der Reiz weg, klingt der Asthmaanfall wieder ab, die Entzündungsreaktion in der Schleimhaut jedoch bleibt bestehen. Unter Umständen kommt es nach wenigen Stunden zu einem Rückfall, der asthmatischen Spätreaktion. Durch die Entzündung wird die Bronchialschleimhaut sensibler für weitere Reize. Das können nun auch andere, dem intrinsischen Asthma zugeordnete Faktoren sein, wie zum Beispiel kalte, feuchte, trockene, verunreinigte Luft (Zigarettenrauch!), körperliche Anstrengung, Infektionen oder Medikamente (z. B. Aspirin, Antibiotika). Hinzu treten psychosomatische Einflüsse, die den Verlauf bedeutend verschlechtern können. Immer wieder kommt es unter diesen Bedingungen zu einer Asthma-Episode, welche die Entzündung dann aufs neue anheizt. Wird dieser Teufelskreis nicht rechtzeitig durchbrochen, stehen am Ende der Entwicklung der Status asthmaticus bzw. die COPD.

Vorbeugung

Vermeidung von verschmutzter Luft, Zigarettenrauch und sehr kalter Luft kann dem Entstehen eines Asthmas vorbeugen. Ist die Erkrankung erst einmal vorhanden, ist die gewissenhafte Befolgung der ärztlichen Therapieanweisungen Voraussetzung für einen bestmöglichen Verlauf der Erkrankung.

trachea
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

Tipps:

  • Lesen Sie auch den umfassenden Bericht über Asthma und Sport.
  • Bei Curado finden Sie ergänzende Informationen zu dem Thema Asthma wie z.B. zur Therapie oder zu Recht und Sozialpolitik.

(ck)

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2 Kommentare »

  • Dank dir, endlich habe ich das wirklich gerafft :-)

  • Richard Friedel sagt:

    Man hört so oft „Da die genaue Ursache für das Asthma bronchiale noch unbekannt ist, ist es bis heute nicht möglich, Asthma zu heilen.“

    Andererseits steigt die Anzahl der Erkrankungen ständig seit etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts, d. h. seit der Einführung der modernen Medikamente mit dem eingeschränkten Ziel der Behandlung der angeblich nicht durch falsche Atmung verursachten Schädigung der Lungenatemwege.

    Weiterhin müssen Asthmatiker immer noch mit dem Konservatismus heutiger Mediziner leben bezüglich der Einatmung gegen Widerstand, die fast widersprüchlich oder paradoxerweise tatsächlich die Belüftung der Lunge fördert und keineswegs behindert. Sprichwörtlich will der Engländer eine „stiff upper lip“ bewahren, um sich zusammenzureißen. Dadurch wird beim Atmungsgesunden die den Widerstand erhöhende Nasenatmung ins Spiel gebracht.

    Die Rettung aus dieser einmaligen Situation in der Medizin könnte durch das Anwenden der Geräte zum „inspiratorischen Muskeltraining“ (siehe Forschung durch Frau Prof. Alison McConnell in England und viele Andere) kommen. Vordergründig werden die sowieso trainierte Einatmungsmuskeln gestärkt, aber wahrscheinlicher liegen der wissenschaftlich belegten Heilwirkung beim Asthma die richtige Koordinierung des Brustkorbes und die Überwindung der dynamischen Hyperventilation zugrunde.

    Durch Googlen auf Videos mit „inspiratory muscle training“ sieht man die Nasenatmung und die Bauchatmung. Die Ergebnisse müssen imponieren.

    Die Geräte haben als wesentliches Merkmal eine für das Muskelkrafttraining gedachte Meßskala. Zum Glück lässt sich die Wirkung aber genau so gut erzielen ohne Gerät, wenn man die Drossel mit einem zwischen den Lippen gehaltenen Finger
    definiert. Die Wirkung ist sogar effektiver als mit einem Gerät, da man
    den Spalt z. B. gegen Ende einer Einatmung jeweils bewusst verkleinern kann, so
    dass die Bauchatmung besser „hochgeschaukelt“ und das Lungenvolumen mit
    der Zeit vergrößert werden kann. Dann wird ein reell und nicht nur in der Pharmawelt existierendes Hauptmerkmal des Asthmas nämlich die Kurzatmigkeit überwunden. Der als Leidender und nicht als leicht manipulierbare Geldquelle verstandene Kranke kann langsam und wirkungsvoll und nicht nur kurz einatmen. Als Trainingschema wird bei einem Gerätehersteller zweimal täglich für jeweils 15 Minuten vorgeschlagen. RF

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