Blinddarmentzündung (Appendizitis)
Appendix (lat.) Anhängsel, anatomisch: Wurmfortsatz des Blinddarms. -itis: Wortendigung mit der Bedeutung „Entzündung“
Krankheitsbild
Die Appendix (Wurmfortsatz) ist ein blind endendes Anhängsel des Blinddarms (Caecum), der wiederum Teil des Dickdarms (Colon) ist. Wird im Volksmund von einer „Blinddarmentzündung“ gesprochen, ist fast immer die Entzündung der Appendix gemeint.
Die Appendizitis ist eine ernstzunehmende, potentiell lebensgefährliche Erkrankung. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Laufe des Lebens daran zu erkranken, beträgt ca. 40 %. Damit ist die Appendizitis die mit Abstand häufigste Ursache für eine Bauchoperation. Am häufigsten erkranken Kinder und Jugendliche.
Die typischen Beschwerden einer akuten Appendizitis sind anfangs im Nabelbereich oder Oberbauch lokalisierte Schmerzen, die nach einigen Stunden in den rechten Unterbauch wandern. In der Regel sind die Schmerzen von Übelkeit mit Erbrechen, sowie von leichtem Fieber begleitet. Es kann zu Durchfällen, oder auch zu Verstopfung und Blähungen kommen. Insbesondere bei alten Menschen kann die akute Appendizitis sehr viel weniger Beschwerden machen.
Diagnose
So häufig die Appendizitis auch ist, so schwierig ist ihre Diagnose. Neben den beschriebenen Symptomen helfen dem Arzt bei der Untersuchung bestimmte, schmerzprovozierende Tastpunkte. Fieber, eine in der Blutuntersuchung festgestellte Erhöhung der Leukozyten (weißen Blutkörperchen) und eventuell eine Ultraschalluntersuchung der Appendix liefern wertvolle diagnostische Hinweise. Es kommen jedoch, je nach Geschlecht und Alter des Patienten, viele andere Diagnosen, von funktionellen Darmbeschwerden (z. B. durch Stress) über die Nierenkolik bis zur Eileiterschwangerschaft, in Frage. Durch zusätzliche Untersuchungen (z. B. Urintest, Schwangerschaftstest) werden andere Erkrankungen möglichst ausgeschlossen. Im Zweifelsfall muss auf Verdacht hin operiert werden.
Krankheitsverlauf
Die früh diagnostizierte und rechtzeitig operierte Appendizitis heilt in aller Regel folgenlos aus. Wird bei zunächst komplikationslosem Verlauf die Diagnose und Therapie verschleppt, kann es zu einer Perforation der Appendix kommen („Blinddarmdurchbruch“). Eher selten hat der Patient kaum Beschwerden, bevor es plötzlich zur Perforation kommt. Der Patient klagt dann über stärkste Schmerzen, hat hohes Fieber und zeigt zunehmende Anzeichen eines Schocks (kaltschweissige Haut, Herzrasen, Bewusstseinseintrübung). Die Perforation stellt einen unmittelbar lebensgefährlichen Zustand dar, weil Darmkeime nun die gesamte freie Bauchhöhle besiedeln und in die Blutbahn übertreten können. Trotz Operation beträgt die Letalität (=Sterberate) bei der Perforation ca. 10 %.
Therapie
Nur bei der leichtesten Form der Appendizitis kann versucht werden, unter engmaschiger Überwachung im Krankenhaus durch Nahrungskarenz, Eisblase und Antibiotika-Therapie um eine Operation herumzukommen. In aller Regel zwingt die (Verdachts-)Diagnose Appendizitis zur dringlichen (d. h. in den nächsten Stunden) oder sofortigen Operation. Nach Eröffnung der Bauchhöhle mit einem Schnitt von wenigen cm Länge wird der entzündete Wurmfortsatz freipräpariert und komplett entfernt; der Übertritt zum Blinddarm wird vernäht. Im Frühstadium der Erkrankung ist das Operationsrisiko gering.
Wie bei der Entfernung der Gallenblase ist auch bei der Appendizitis ein laparoskopischer Eingriff („Schlüssellochtechnik“) möglich; sie wird hier aber seltener angewandt.
Nach Kostaufbau und baldiger Mobilisierung kann der Patient bei komplikationslosem Verlauf nach 7 bis 10 Tagen das Krankenhaus verlassen, nach laparoskopischer Operation noch etwas früher. Die Wundfäden werden nach ca. 10 Tagen gezogen. Schweres Heben muss aufgrund der Operationswunde noch einige Wochen unterlassen werden.
Ursache
Für die Entstehung einer Appendizitis sind mehrere Ursachen verantwortlich. Der Wurmfortsatz ist allein aus anatomischen Gründen für eine Entzündung prädestiniert. Kotsteine oder Wurmeier können den Übergang zwischen Wurmfortsatz und Blindarm verlegen. Auch eine schlechte allgemeine Abwehrlage des Patienten kann die Erkrankung begünstigen. Die dichte bakterielle Besiedlung des Dickdarms führt letztlich zu der Entzündung.
Bei mikroskopischer Betrachtung der entzündeten Appendix können verschiedene Stadien der Entzündung unterschieden werden. Im leichtesten Fall ist die Appendixwand nur entzündlich aufgequollen, die Schleimhaut kann aber auch geschwürig aufbrechen. Schließlich kann die Wand auch völlig perforieren (=„Blinddarmdurchbruch“), was das Übertreten von Darminhalt in die freie Bauchhöhle ermöglicht.
Vorbeugung
Eine Vorbeugung der Appendizitis ist wahrscheinlich nicht möglich, da eine Hauptursache der Erkrankung in der Anatomie des Organs liegt. Womöglich senkt ballaststoffreiche Kost durch eine Erhöhung der Darmarbeit und eine Beschleunigung der Darmpassage das Erkrankungsrisiko.
Der Dickdarm

Abb.: Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Groß
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