Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)
arteri…(griech.)=Schlagader; hyper…(griech.)=über, übermäßig; ton…(griech.)=Spannung, Spannkraft
Krankheitsbild
Der wegen seines häufigen Auftretens in der Bevölkerung auch als “Volkskrankheit” bezeichnete Bluthochdruck wird nach der Weltgesundheitsorganisation WHO definiert als ein Blutdruck von über 160 mmHg systolisch und über 95 mmHg diastolisch (160/95). Als normal gelten Blutdruckwerte bis 140/90. Als grenzwertig gilt ein Blutdruck zwischen 140/90 bis 160/95, sog. Grenzwerthypertonie. In den westlichen Industrienationen leidet etwa jeder fünfte unter einer arteriellen Hypertonie!
Bei den für die arterielle Hypertonie typischen Symptomen handelt es sich oft um uncharakteristische Beschwerden, wie beispielsweise frühmorgendlicher Kopfschmerz (v. a. im Bereich des Hinterkopfes), Schwindel, Ohrensausen, Nervosität, Herzklopfen, Nasenbluten oder auch Atemnot bei Belastung.
Diagnose
Die Diagnose einer Hypertonie stellt der Arzt aufgrund der vom Patienten geschilderten Beschwerden, der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten bezüglich früherer Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Herz-Kreislauferkrankungen in der Familie (z. T. vererbbar) und einer eingehenden Untersuchung. Diese besteht i. d. R. aus mehreren Blutdruckmessungen an verschiedenen Tagen (u. U. auch über 24 Stunden mit einem tragbaren Meßgerät), Tasten der Pulse, Spiegelung des Augenhintergrundes, Urinuntersuchung, Blutuntersuchung, EKG, Echokardiographie und Röntgen. Eventuell wird dem Patienten zusätzlich die Blutdruckselbstmessung zu Hause empfohlen, auch zur Überwachung der Therapie.
Krankheitsverlauf
Die Gefahr der Hochdruckkrankheit liegt zum einen darin, daß sie nicht oder zu spät erkannt wird oder, was häufig der Fall ist, vom Patienten bagatellisiert wird. In den seltensten Fällen nämlich fühlen sich die Erkrankten wirklich krank, zumindest im Anfangsstadium können die Patienten völlig beschwerdefrei sein. Die häufig nur geringen Befindlichkeitsstörungen sind für viele Patienten kein Anlaß einer ärztlichen Konsultation. Und selbst wenn der Arzt die Diagnose Bluthochdruck gestellt hat, wird die notwendige Therapie oft aufgrund des schwachen Leidensdruckes vernachlässigt. Wegen der zahlreichen und mitunter auch lebensbedrohlichen Komplikationen der Hochdruckkrankheit ist eine adäquate Therapie jedoch unbedingt erforderlich. Durch die chronische Belastung des Herz-Kreislaufsystems kommt es bei einem Großteil der Patienten frühzeitig zu einer Arteriosklerose. Diese “Arterienverkalkung” ist dann wiederum Ursache weiterer Schädigungen, wie Veränderungen des Augenhintergrundes mit schweren Sehstörungen, koronare Herzkrankheit (Arteriosklerose der Herzkranzgefäße) mit der Gefahr eines Herzinfarktes, Arteriosklerose der Hirngefäße ebenfalls mit der Gefahr eines Infarktes des Gehirns (“Schlaganfall”), Nierenversagen, Bauchaortenaneurysma (gefährliche Aussackung der Körperschlagader, die dort einreißen kann – oft tödlicher Verlauf!) u. a. Weiterhin kann die permanente Druckbelastung zu einer krankhaften Vergrößerung des Herzens führen und schließlich, häufig verstärkt durch die koronare Herzkrankheit (s. o.), die Ausbildung einer irreversiblen Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bedingen.
Therapie
Um diese und noch viele weitere Komplikationen zu vermeiden, sollte unbedingt eine probate Therapie durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Dabei ist zunächst einmal wichtig, die Hypertonie als solche zu erkennen und auch die oben angeführten unterschiedlichen Formen der Hypertonie richtig zu diagnostizieren, da sich die Therapie der einzelnen Typen grundlegend voneinander unterscheidet. Wie bereits angedeutet, lassen sich die sekundären Hypertonieformen i. d. R. kausal behandeln. Da sie insgesamt jedoch nur etwa ein Zehntel aller Hochdruckformen darstellen, soll auf die Behandlung der verschiedenen Subtypen nicht näher eingegangen werden. Die Mehrzahl der Fälle betrifft die essentielle Hypertonie, deren Behandlung den individuellen Gegebenheiten anzupassen ist. Allgemeine nichtmedikamentöse Therapieverfahren stellen die Basis einer jeden Hochdrucktherapie dar. Dazu gehören u. a. die Reduktion von Übergewicht, eine kochsalzarme Diät, Einstellen des Rauchens, körperliches Training, Entspannungsverfahren u. v. a. m. Viele milde Hypertonien lassen sich bereits durch konsequente Ausschöpfung dieser Allgemeinmaßnahmen normalisieren! Nur wenn diese Basismaßnahmen alleine nicht ausreichend greifen, muß eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Heutzutage kann der Arzt aus einem breiten Spektrum antihypertensiver Medikamente das eine oder auch eine Kombination mehrerer Medikamente heraussuchen, die für jeden Patienten individuell abgestimmt eine optimale und dauerhafte Absenkung des erhöhten Blutdruckes bewirken. Der Bluthochdruck ist eine chronische Erkrankung, daher ist bei jeglicher Therapie, medikamentös oder nicht, eine regelmäßige, kontinuierliche Anwendung erforderlich, im schlimmsten Falle lebenslang. In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle ist die Behandlung jedoch nicht oder kaum belastend für den Patienten, auch die häufig zu Unrecht befürchteten Nebenwirkungen der blutdrucksenkenden Medikamente sind bei den modernen Pharmaka in der Hand des erfahrenen Arztes meist gut tolerierbar.
Ursache
Die Ursache des Bluthochdrucks ist in über 90% der Fälle unbekannt, man spricht von sog. essentieller Hypertonie. Diese tritt meist erst jenseits des 30. Lebensjahres auf und wird meist auf genetische Faktoren zurückgeführt. Andere, die essentielle Hypertonie begünstigende Faktoren können sein: Übergewicht, zu hoher Kochsalzkonsum, hormonelle Faktoren (z.B. Wechseljahre der Frau) und viele andere. Die essentielle Hypertonie tritt häufig mit anderen Erkrankungen zusammen auf, die man in ihrer Gesamtheit auch als sog. metabolisches Syndrom (“Wohlstandssyndrom”) bezeichnet. Dazu gehören unter anderem Altersdiabetes, erhöhte Blutfettwerte und die Gicht. Die Diagnose “essentielle Hypertonie” ist eine Ausschlußdiagnose, d. h. sie darf nur gestellt werden, wenn andere, sog. sekundäre Formen des Bluthochdrucks ausgeschlossen sind.
Als sekundäre Hypertonien werden die Formen des Bluthochdrucks bezeichnet, die sich eindeutig auf bestimmte Ursachen zurückführen lassen. Sie sind daher, im Gegensatz zur essentiellen Hypertonie, meist auch kausal, also ursächlich behandelbar, oft sogar heilbar, während bei der essentiellen Hypertonie in der Regel lediglich das Symptom Bluthochdruck therapiert wird. Die sekundären Hypertonieformen stellen jedoch nur ca. 10% aller Hochdruckformen dar. Sie lassen sich in den meisten Fällen auf im wesentlichen drei Ursachen zurückführen, die im einzelnen nicht weiter erläutert werden sollen: 1. Nierenerkrankungen, 2. Erkrankungen der Hormondrüsen (Nebennieren, Hypophyse) und 3. angeborene Verengung der Körperschlagader, sog. Aortenisthmusstenose.
Vorbeugung
- Übergewicht abbauen
- salzarme Ernährung
- Sport betreiben, z. B. Jogging, Radfahren, Wandern
- für ausreichenden Schlaf sorgen
- Streß und Lärmbelastung vermeiden
- regelmäßige Blutdruckkontrolle beim Arzt oder in Apotheken
Die Blutdruckmessung

1=Diastolischer Wert: Die Herztöne verschwinden
2=Bereich, in dem die Herztöne noch hörbar sind
3=Systolischer Wert: Die Herztöne werden erstmals hörbar
(js)

