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Divertikel des Dickdarms

Eingetragen von Medizin-Netz am 13. Januar 2009 2 Kommentare

Divertikel: Ausstülpung der Wand eines Hohlorgans

Krankheitsbild

Unter einem Divertikel versteht man ganz allgemein eine Ausstülpung der Wand eines Hohlorgans (z. B. Darm, Harnblase, Speiseröhre) nach außen. Dickdarmdivertikel entstehen meistens in dem als Sigma bezeichneten Abschnitt des Dickdarms. Das Sigma liegt unmittelbar vor dem Enddarm und damit ca. 16-50 cm vom After entfernt.

Das Dickdarmdivertikel verursacht keine Beschwerden. Es kann sich aber entzünden, man spricht dann von der Divertikulitis. Die Divertikulitis verursacht starke Schmerzen im linken Unterbauch. Diese Beschwerden sind meist von Fieber und Übelkeit begleitet. Die Divertikulitis kann sehr gefährliche Komplikationen zur Folge haben.

Dickdarmdivertikel sind vor allem im höheren Lebensalter ein sehr häufiger Befund: Sie finden sich bei etwa 40% der über 60jährigen und bei 70 % der über 70jährigen. Häufig finden sich gleich mehrere Divertikel beim selben Menschen. Eine Divertikulitis tritt jedoch lediglich in jedem zehnten Fall auf.

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Diagnose

Ein symptomloses, nicht entzündetes Divertikel wird häufig zufällig bei einer Koloskopie (Darmspiegelung) oder einer Kontrastmittel-Untersuchung des Darmes (sog. Kolon-Kontrast-Einlauf) entdeckt.

Der Verdacht einer Divertikulitis kann sich beim Vorliegen der erwähnten Symptome bei der ärztlichen Untersuchung ergeben. Die Diagnose muss in der Regel im Krankenhaus gesichert und eventuelle Komplikationen erfasst werden. Hierzu sind neben einer Blutuntersuchungen zum Nachweis einer Entzündung eine Röntgenaufnahme des Bauches, eine Darmspiegelung und eine Ultraschalluntersuchung nötig.

Bei diesen Untersuchungen gilt es auch andere, möglicherweise bösartige Darmerkrankungen sicher auszuschließen und den Allgemeinzustand des Patienten für den Fall einer notwendigen Operation festzustellen.

Krankheitsverlauf

Divertikel können über viele Jahre bestehen, ohne Symptome zu verursachen. Die Divertikulitis hingegen verursacht erhebliche Beschwerden. Wird sie nicht behandelt, können schwerwiegende Komplikationen die Folge sein:

  • Wandphlegmone (Vereiterung der Darmwand mit hohem Fieber)
  • Perforation (Durchbruch der Darmwand mit Übertritt von Darminhalt in die freie Bauchhöhle und Schockgefahr)
  • Verengung des Darms bis hin zum lebensgefährlichen Darmverschluss (Ileus)
  • Blutung aus dem Divertikel
  • Fistel (Verbindung zwischen dem Darm und z. B. der Harnblase)

Diese Komplikationen zwingen in aller Regel zur (Not-)Operation.

Therapie

Nicht entzündete Divertikel bedürfen keiner Behandlung. Die unkomplizierte Divertikulitis wird unter engmaschiger (stationärer) Überwachung durch Nahrungskarenz, Antibiotika-Therapie und einer Eisblase behandelt, bis das Fieber sinkt. Kommt es bei einem Patienten immer wieder zu einer Divertikulitis, kann in einer vorbeugenden Operation der betroffene Darmabschnitt entfernt werden, bevor Komplikationen auftreten.

Wenn es zu einer Komplikation gekommen ist, muss häufig sofort operiert werden. In der Regel wird in einem ersten (Notfall-)Eingriff der betroffene Darmabschnitt entfernt und das vorgeschaltete Dickdarmende zunächst über einen künstlichen Darmausgang (Anus praeter) ausgeleitet. Nach etwa 3 – 6 Monaten wird in einer zweiten Operation der Anus praeter „rückverlagert“, d. h. die Verbindung zwischen Dickdarm und Enddarmstumpf wird wieder hergestellt.

Nach der Operation beginnt ein vorsichtiger Kostaufbau. Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes richtet sich sehr nach dem individuellen Verlauf.

Ursache

Divertikel entstehen in der Regel in dem als Sigma bezeichneten Abschnitt des Dickdarms. Der Druck im Innern des Darms ist hier besonders hoch, was Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Schwachstellen in der Wandmuskulatur des Darms führen kann. Die zunehmende Schwäche des Bindegewebes im Alter, vor allem aber unsere ballaststoffarme Ernährung mit der Folge von chronischer Verstopfung als „Zivilisationskrankheit“, begünstigen den Prozess.

Wenn sich Kot in einem Divertikel festsetzt, kommt es zur Reizung der Darmwand. Normalerweise harmlose Darmbakterien können in die Darmwand eindringen, und es kommt zur Divertikulitis. Schreitet dieser entzündliche Prozess fort, kann die entzündliche Schwellung zur Verengung, das Aufbrechen von Blutgefäßen zur Blutung und das tiefe Eindringen des entzündlichen Prozesses zur Perforation führen.

Vorbeugung

Eine ballaststoffreiche Ernährung, ergänzt durch körperliche Aktivität, steigert die Darmaktivität und senkt den Druck im Innern des Darms. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, Dickdarmdivertikel zu entwickeln. Eine Gewichtsreduktion senkt das Risiko zusätzlich.

Der Dickdarm

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Groß

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2 Kommentare »

  • Hartwig Mostert sagt:

    Sehr guter, auch für Laien verständlicher, Beitrag. Vielen Dank.

    Ich wurde vor etwa drei Jahren am Darm operiert. Meine mich, vor allem optisch, störenden Veränderungen am “äußeren” Annus habe ich jahrelang ignoriert. Auch mein Hausarzt fand daran nichts besonders schlimmes. Beschwerden hatte und habe ich kaum. Nicht mehr als jeder gesunde Mensch. Vor drei Jahren hat es dann öfter und länger geblutet. Frisches, helles Blut. NICHTS SCHLIMMES. Auf die nötige Untersuchung beim Spezialisten musste ich 9 (in Worten “neun”) Monate warten. Der Termin wurde dann kurz bevor er stattfinden sollte, noch einmal um einige Wochen verschoben. “da geh ich gar nicht erst ran, wir sehen uns in drei Tagen im OP” war dann die erste Diagnose des Spezialisten, Proffessor Haase. Kurz vor Krebs war die Diagnose nach der OP. Ein Taubenei wurde entfernt… “Wir wissen sicher, dass soetwas bösartig geworden wäre”. Heute war ich beim Arzt. Manchmal kann ich nicht richtig, sie wissen schon, aber nie ist es zu hart, eher zu weich. Mein Hausarzt war sehr sicher, es sind Divertikel. “das hat der Clown damals gar nicht untersucht, da hab ich mich damals schon drüber geärgert”. Hat er mir auch gesagt, ich erinnere mich. Und nix ist passiert.

    Verdammt noch mal… Da war doch schon mal was. Und nie hatte ich, für mich, ernsthafte Beschwerden. Aber, darf man mit einer solchen Vorgeschichte behandelt werden, wie jemand der nie was hatte?

    “Gesundheitsreform” in allen Ehren, aber nicht auf Kosten der Kranken

  • Johannes Löw sagt:

    Klar, verständlich und transparent erklärt.
    Durchaus sehr positive Seite!

    Mfg

    Johannes Löw – Krankenpflegeschüler -

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