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Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 13. Januar 2009 Kein Kommentar

Krankheitsbild

Beim Herzinfarkt verschließt ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Herzkranzgefäß (Koronararterie). Ein Teil des Herzmuskels (Myokards) wird dadurch nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Eine unmittelbar lebensbedrohliche Situation entsteht: Der Herzmuskel kann oft nur noch eine verminderte Leistung erbringen. Fast immer ist auch die elektrische Erregungsausbreitung in der Herzwand gestört, was zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.

Einen Herzinfarkt erleiden in Deutschland jährlich ca. 250.000 Menschen, er ist für etwa 25% aller Todesfälle verantwortlich. Die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter.

Das typische Zeichen eines Herzinfarktes ist ein heftiger Schmerz hinter dem Brustbein, der in Rücken, Arm oder Hals ausstrahlen kann. Der Schmerz wird häufig von großer Angst, Unruhe, Schweißausbrüchen, Atemnot oder Erbrechen begleitet. Patienten, die vor dem Herzinfarkt an einer Angina pectoris (anfallsweise in der Herzgegend auftretender Schmerz) litten, und diese mit Nitratspray gut beherrschen konnten, erreichen durch dieses Medikament beim Infarkt keine Beschwerdefreiheit mehr. Insbesondere bei alten Menschen kann der Infarkt auch völlig asymptomatisch (ohne Symptome) verlaufen.

Diagnose

Beim geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt muss sofort ein Notarzt gerufen werden!
Er leitet die Soforttherapie ein und begleitet den Patienten zur Diagnosesicherung und weiteren Therapie ins Krankenhaus.

Die Diagnose beruht auf dem Feststellen der typischen Beschwerden, auf körperliche Untersuchungsbefunde, Blutuntersuchungen und der Elektrokardiographie (EKG). Im Blut werden insbesondere die „Herzenzyme“ bestimmt, wie Troponin I, Kreatinkinase, GOT und LDH. Diese Substanzen werden aus dem geschädigten Herzmuskel in die Blutbahn freigesetzt und sind im Blut erhöht. Im EKG kann der Arzt häufig infarkttypische Veränderungen der Herzströme erkennen. Außerdem wird er im EKG auf etwaige Herzrhythmusstörungen aufmerksam, die möglicherweise behandelt werden müssen.

Zahlreiche Erkrankungen können dem Herzinfarkt im Beschwerdebild sehr ähnlich sein, z. B. Lungenembolie, Erkrankungen im Oberbauch, Herzbeutel- oder Rippenfellentzündung, Herzangstneurose. Eine schnelle Diagnostik in der Klinik ist daher unerlässlich.

Krankheitsverlauf

Zwischen dem völlig asymptomatischen kleinen Infarkt, den der Hausarzt erst Jahre später an einem Routine-EKG abliest, und einem schweren, unmittelbar tödlichen Infarkt sind alle Verläufe möglich. Entscheidend sind im Akutstadium insbesondere die Schwächung des Herzmuskels (Herzinsuffizienz) und die Rhythmusstörungen. Beide Komplikationen können unmittelbar oder in den ersten Tagen nach dem Infarkt durch ein Versagen der Pumpfunktion des Herzens zu schwerem Schock oder gar zum Tode führen. Seltenere, aber oft schwere Komplikationen sind die Ruptur der Herzwand, die Ausbildung einer Herzwandaussackung (Aneurysma), eine undichte Herzklappe (Mitralinsuffizienz) sowie die Entstehung von Blutgerinnseln im Herzen, die in anderen Organen zu Gefäßverschlüssen führen können (Embolien).

Langfristig heilt der Herzinfarkt unter Vernarbung das betroffenen Bereiches der Herzwand aus, was eine unterschiedlich deutliche Verminderung der Herzleistung zur Folge hat. Bleibende Herzrhythmusstörungen können diese Schwäche begünstigen.

Therapie

Im Krankenhaus versucht man, das verschlossene Koronargefäß so bald wie möglich wieder durchgängig zu machen, um den Schaden am Herzmuskel möglichst gering zu halten. Man nennt dies Reperfusionstherapie, Thrombolyse oder Fibrinolyse. Hierzu gibt man Substanzen, die Blutgerinnsel auflösen können (z.B. Streptokinase, Urokinase) in die Blutbahn. Möglich ist auch, einen Katheter von der Leiste her in das betroffene Koronargefäß einzuführen und das Gerinnsel mit den gleichen Medikamenten (über den Katheter gespritzt) oder durch Aufdehnen des Gefäßes wieder zu eröffnen. Begleitend wird durch die Gabe von Heparin und Acetylsalicylsäure eine Vergrößerung des Gerinnsels verhindert. Die Herzmuskelschwäche und die Rhythmusstörungen können den Einsatz zahlreicher weiterer Medikamente nötig machen.

Nach der Akuttherapie kann sich der Patient schrittweise mehr belasten. Gleichzeitig untersucht man, u. a. durch eine Herzkatheteruntersuchung, das Ausmaß des Herzschadens und forscht nach möglichen Ursachen des Infarktes, um langfristig durch konsequente Reduktion aller Risikofaktoren die Gefahr eines erneuten Infarktes zu minimieren. Hierbei ist die Mitarbeit des Patienten besonders wichtig. Bei weiteren Engstellen in den Koronargefäßen kommt nach der völligen Genesung des Patienten eine Bypass-Operation in Frage, bei der mit Venenstücken (aus dem Bein) „Umleitungen“ für die Engstellen konstruiert werden.

Ursache

Der Herzinfarkt beruht in aller Regel auf dem Verschluss eines Koronargefäßes durch ein Blutgerinnsel. Fast immer passiert dies auf der Grundlage einer Arteriosklerose der Gefäße (=„Gefäßverkalkung“). Arteriosklerose entsteht vermutlich aufgrund eines fehlerhaften Zusammenspiels verschiedener Komponenten der Gefäßwände und des Blutes. Risikofaktoren hierfür sind insbesondere Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Zigarettenrauchen und bestimmte Fettstoffwechselstörungen, sowie Übergewicht. Männer sind im Durchschnitt häufiger als Frauen betroffen. Arteriosklerose und damit auch der Herzinfarkt treten familiär gehäuft auf, was auf genetische Teilursachen schließen lässt.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung eines Herzinfarktes und insbesondere zur Vermeidung eines erneuten Infarktes gilt es, die anerkannten Risikofaktoren der Arteriosklerose zu minimieren:

  • Nicht Rauchen!
  • Behandlung eines Bluthochdrucks
  • Behandlung eines Diabetes mellitus
  • Behandlung einer vorhandenen Fettstoffwechselstörung, d. h., ggf. Gewichtsreduktion, ausgewogene Ernährung und körperliche Bewegung
  • starke körperliche Belastung und Stress vermeiden

Der Herzinfarkt

herzinfarkt

1=Rechte Herzkranzarterie
2=Linke Herzkranzarterie
3=Verschluss des Herzkranzgefäßes durch einen Thrombus
4=Infarktgebiet mit unterversorgtem Herzmuskel

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