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Magersucht (Anorexia nervosa)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 23. August 2006 Kein Kommentar

Krankheitsbild

Der Fachausdruck “Anorexia nervosa” bedeutet wörtlich übersetzt “nervöse Essunlust”. Bekannt ist die Krankheit jedoch unter dem Begriff “Magersucht“. Die Kranken verweigern die Nahrungsaufnahme, verlieren dramatisch an Gewicht und kapseln sich von ihrer Umwelt ab. Im Gegensatz zur Bulimie kommt es nicht zu Heisshungerattacken. Mädchen und junge Frauen leiden bis zu 30mal so häufig an Magersucht wie ihre männlichen Altersgenossen, etwa ein Prozent der jungen Frauen zwischen 15 und 25 Jahren ist von der Erkrankung betroffen.

Diagnose

Typisch für die Magersucht ist der enorme Gewichtsverlust von mindestens 25 Prozent des Ausgangskörpergewichts. Die Betroffenen nehmen ausschließlich kalorienarme Nahrung wie Obst und Salat zu sich, lassen Mahlzeiten aus oder essen überhaupt nicht mehr. Magersüchtige werden vom Gefühl des Nicht-Essen-Wollens beherrscht, oft wird jeder Bissen als persönliche Niederlage empfunden.

Sie empfinden sich als “zu fett” – auch dann noch, wenn längst ein bedrohliches Untergewicht erreicht ist. Nicht selten erreicht der Patient ein Gewicht unter 30 kg, sieht seinen Zustand aber selbst nicht als krankhaft an und will im Gegenteil noch weiter abnehmen – Arzte und Psychologen sprechen hier von einer “Körperschema-Störung”. Gleichzeitig beschäftigen die Kranken sich häufig intensiv mit allem, was mit Essen zusammenhängt, horten Lebensmittel oder kochen Menüs und erklären dann, sie hätten keinen Appetit. Sollte sich die Nahrungsaufnahme nicht vermeiden lassen, etwa weil Angehörige misstrauisch werden und sie zum Essen drängen, erbrechen die Betroffenen oft und nehmen Abführmittel.

Krankheitsverlauf

Die dauerhafte Unterernährung führt in den meisten Fällen zu schweren körperlichen Komplikationen: Die Körpertemperatur, Puls und Blutdruck sinken-Mediziner sprechen hier von einer “vita minima”, gewissermaßen einem Leben auf Sparflamme. Weiterhin kann es zum Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhoe), Einschränkungen der Nierenfunktion, Blutungsneigung (Thrombozytopenie), Veränderungen der Haut und zu einer Schwächung der Knochen (Osteoporose) kommen.

Diese körperlichen Veränderungen bilden sich nach therapeutischen Maßnahmen meist vollständig zurück. Etwa die Hälfte der Patientinnen weist nach Abschluss der Therapie keine körperlichen Symptome mehr auf. Viele der Betroffenen haben jedoch noch lange nach der Behandlung psychische Probleme, die sich etwa in Depressionen oder Suchterkrankungen zeigen. In jedem Fall ist die Anorexia nervosa eine schwere Erkrankung-knapp 10 Prozent der Betroffenen sterben an den körperlichen Folgen ihrer Essstörung oder durch Selbsttötung.

Therapie

Die Heilungschancen sind um so größer, je jünger der Patient ist und je früher eine Therapie begonnen wird. Daher sind, zumal der Magersüchtige selbst seinen Zustand meist nicht als krankhaft ansieht, auch Angehörige und Freunde gefordert: Sie müssen mit Nachdruck dafür sorgen, dass ein Arzt aufgesucht wird, der die Krankheit sicher feststellen und die Therapie einleiten kann.

In der Regel wird eine Behandlung im Krankenhaus beginnen, wo die körperlichen Folgen der Erkrankung behandelt werden und das Gewicht des Patienten schrittweise erhöht wird. Gleichzeitig beginnt die psychotherapeutische Behandlung, die den Patienten bei dem Finden des normalen Körpergefühls begleitet. Dabei können sowohl Verfahren aus der Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen, mit deren Hilfe wieder ein normales Essverhalten erlernt wird, als auch solche aus der Tiefenpsychologie, um die seelischen Konflikte aufzudecken, die der Essstörung zugrunde liegen.

Eine längerfristige Betreuung oder auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe können helfen, den Erfolg der Therapie zu festigen.

Ursache

Es werden zahlreiche Gründe für die Entstehung der Magersucht genannt. Sicherlich spielen gängige Schönheitsideale eine Rolle, weitere Ursachen werden etwa in der Familiensituation der Betroffenen vermutet. Zudem akzeptieren die Kranken oftmals die körperlichen Veränderungen in der Pubertät nicht. Aus der Verdrängung dieser Probleme heraus resultiert eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme.

Vorbeugung

Eindeutige Empfehlungen zur Vorbeugung gibt es bei der Magersucht aufgrund der komplexen Ursachen nicht.

(to)

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