Home » Krankheiten

Polypen von Dick- und Enddarm (Kolon- und Rektumpolypen)

Eingetragen von Medizin-Netz am 13. Januar 2009 Kein Kommentar

Polyp (gr.) wörtlich: Tintenfisch; medizinisch: hervorragende Wucherung der Schleimhaut. Kolon: Dickdarm. Rektum: Enddarm

Krankheitsbild

Unter einem Polyp versteht man eine Wucherung der Schleimhaut, die sich in das Innere eines Hohlorgans (z. B. Harnblase, Magen-Darm-Trakt, Gebärmutter) vorwölbt. Polypen des Dickdarms und Enddarms sind häufig: Etwa 20% der über 60jährigen haben einen oder mehrere Dickdarmpolypen. In mehr als der Hälfte der Fälle sitzt der Polyp im Rektum (=Enddarm; die letzten 16 cm des Darms). Die Größe der Dickdarmpolypen liegt in der Größenordnung weniger Zentimeter.

Die Mehrzahl der Dickdarmpolypen machen keinerlei Beschwerden und werden zufällig – oder nie – entdeckt. Sie können aber auch durch Absonderung von Blut oder Schleim, der sich dann dem Stuhl auflagert, oder auch durch Schmerzen auffallen.

Polypen des Dickdarms sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil manche von ihnen das Potential haben, im Laufe von Jahren zum bösartigen Kolon- bzw. Rektumkarzinom zu entarten. Die sichere Diagnose und die baldige Entfernung des Polypen sind deshalb sehr wichtig.

Diagnose

Die Diagnose eines Darmpolypen wird meistens durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) gestellt. Dies ist bei ansonsten gesunden Menschen oft ambulant in der Arztpraxis möglich. Hierbei wird ein dünnes, biegsames fiberoptisches Instrument (Koloskop) über den After in den Darm eingeführt und langsam vorgeschoben. Mit dem Koloskop kann der Arzt die Schleimhaut des Darminneren betrachten. In der Regel ist so die Untersuchung des gesamten Dickdarms möglich. Über einen Arbeitskanal im Koloskop können Instrumente wie Fasszangen oder Drahtschlingen durch das Endoskop vorgeschoben werden, mit denen – in der Regel während der selben Untersuchung – ein eventuell entdeckter Polyp entfernt werden kann.

Zur Vorbereitung auf die Koloskopie muss der Darm mit einem Abführmittel oder Einlauf gründlich gesäubert werden. Vor der Untersuchung wird dem Patienten bei Bedarf ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel gespritzt. Die Untersuchung kann zwar unangenehm sein, ist aber in der Regel doch gut tolerierbar. Das Risiko ernster Komplikationen ist gering. Von der Entnahme von Gewebsproben oder dem Abtragen von Polypen spürt der Patient meistens gar nichts.

Alternativ zur Koloskopie ist auch eine besondere Röntgenuntersuchung des Darms unter Verwendung von Röntgen-Kontrastmittel, der als Einlauf verabreicht wird, möglich (Kolon-Kontrast-Einlauf). Nachteil dieses Verfahrens ist jedoch, dass bei Nachweis eines Polyps zusätzlich eine Koloskopie zu dessen Entfernung nötig wird.

Krankheitsverlauf

In etwa zwei Drittel aller Fälle bereitet ein Polyp des Dick- oder Enddarms bis ans Lebensende keine Beschwerden. Neben den genannten Symptomen kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen: Sehr große Polypen können das Darmlumen einengen und zu Verstopfung oder zum Darmverschluss führen; die Blutung eines Polyps kann akut gefährlich werden oder langfristig zu Blutarmut (Anämie) führen. Die Hauptgefahr der Dickdarmpolypen liegt aber in dem langfristigen Risiko einer Entartung zu einem bösartigen Tumor, weshalb sie in aller Regel entfernt werden sollten.

Therapie

Die Therapie der Wahl bei einem Polypen ist dessen vollständige Abtragung. Diese kann meistens bereits während der ersten Darmspiegelung durchgeführt werden. Nur bei sehr großen Polypen kann eine Operation zur Entfernung des Polypen nötig sein. Das entfernte Gewebe wird immer mikroskopisch untersucht, um die Diagnose zu sichern, und insbesondere, um einen bösartigen Tumor sicher auszuschließen.
Polypen können gelegentlich nachwachsen oder an anderer Stelle neu entstehen. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach der Entfernung eines Polypen sinnvoll.

Ursache

Die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes unterliegt bei jedem Menschen einer ständigen Erneuerung. Alte Schleimhautzellen schilfern ab und werden durch neue Zellen ersetzt. Den meisten Polypen liegt eine Störung dieses Gleichgewichts zugrunde: Es entstehen mehr neue Zellen, als alte absterben; die überzähligen Zellen wölben sich ins Darmlumen vor. Man spricht von hyperplastischen oder neoplastischen Polypen. Die gesteigerte Zellteilung kann zudem mit Zellveränderungen einhergehen.

Im Laufe der Jahre kann sich das Verhalten der Schleimhautzellen weiter verändern. Aus dem Polyp kann sich auf diese Weise ein in die Tiefe der Darmwand wachsender bösartiger Tumor entwickeln. Ob aber ein Polyp überhaupt jemals entartet, und wenn ja, wann, kann man im Einzelfall nicht vorhersagen.
Seltener sind Polypen bedingt durch angeborene Störungen. Solche Polypen können bereits in jungen Jahren in großer Zahl auftreten und mit anderen Gewebewucherungen vergesellschaftet sein.

Vorbeugung

Es gibt Hinweise darauf, dass die Entstehung von Dickdarmpolypen und damit auch von Dickdarmkarzinomen durch ballaststoffarme, fettreiche Kost begünstigt wird. Eine gesunde Ernährung (Vollkorn, Obst und Gemüse; weniger Fleisch, Fett und Zucker) kann das Risiko einer Erkrankung womöglich senken.

Besonders wichtig ist aber die von den Krankenkassen getragene Vorsorgeuntersuchung durch den Hausarzt, die für Frauen und Männer ab dem 45. Lebensjahr jährlich angeboten wird. Durch die Austastung des Enddarms durch den Hausarzt können bereits zahlreiche Polypen entdeckt werden. Der Schnelltest auf Blutbeimengung im Stuhl (z. B. Haemoccult ®) hilft, Polypen aufzuspüren, die nur schwach, d. h. unsichtbar, bluten. Bei Verdacht auf einen Polypen, bei familiären Risikofaktoren, sowie nach der Entfernung eines Polypen kann es sinnvoll sein, regelmäßige Darmspiegelungen durchzuführen. Darüber wird im Einzelfall der behandelnde Arzt entscheiden.

Suchen Sie nach ähnlichen Themen im Medizinlexikon:
Anzeige

Schreiben sie einen Kommentar!

Fügen sie unten ihren Kommentar hinzu, oder trackback von ihrer eigenen Seite.. Sie können außerdemAbonnieren sie diese Kommentarevia RSS.

Sei nett. Halt es sauber. Bleib beim Thema. Kein Spam.

Sie können diese HTML-Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dieser Blog hat Gravatar aktiviert. Um ihren eignen Avatar zu bekommen registrieren sie sich bitte unter Gravatar.