Tendinosis calcarea
Krankheitsbild
Die Tendinosis calcarea setzt sich aus den Worten verkalkte (=calcarea) und Sehnendegeneration (=Tendinosis) zusammen.
Da manchmal eine Ahnlichkeit mit einer Entzündung besteht, wird auch von einer Tendinitis gesprochen (die Endsilbe –itis steht für Entzündung in der medizinischen Fachsprache).
Die Tendinosis calcarea gehört zu den sogenannten periartikulären Schultererkrankungen, d. h. die anatomischen Strukturen betreffend, die das Schultergelenk umgeben. Das sind Sehnen, Gelenkkapsel, Schleimbeutel und Muskeln.
Die Patienten leiden teilweise unter stärksten Schmerzen im Schulter-, Arm-, oder Nackenbereich. Der Arm muss geschont werden (akute Phase). Es können aber auch lediglich Schmerzen bei Bewegung des Armes auftreten (chronische Phase).
Diagnose
Die genaue Diagnose sollte angesichts dieser vielfältigen Symptomatik durch einen Facharzt (für Orthopädie) gestellt werden und dazu gehört das Röntgenbild. Interessanterweise ist es nicht direkt der Kalk, der schmerzt, sondern ein Durchbruch des Kalks in den über der Sehnenplatte liegenden Schleimbeutel, bzw. Reizung desselben. Da aber ähnliche Symptome z. B. auch durch einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, einen Riss in der Sehne, eine Gelenkkapselschrumpfung oder neurologische Erkrankungen verursacht werden können, ist es für den Laien praktisch unmöglich, die Diagnose zu stellen. Der Arzt wird nach der Untersuchung, die neben der Bewegungsprüfung auch einzelne Muskeln und deren Sehnen überprüft, in der Regel ein Röntgenbild und/oder eine Ultraschalluntersuchung der Schulter durchführen. Da Kalk ähnlich wie unsere Knochen im Röntgenbild weiss erscheint, stellt er sich im normalen Röntgebild gut dar.
Krankheitsverlauf
Je nachdem, ob das Kalkdepot in den Schleimbeutel einbricht oder nicht, kann sich die Erkrankung entweder jahrelang ohne Beschwerden oder aber auch mit höllischen Schmerzen zeigen. Das Kalkdepot kann vom Körper aufgenommen werden. Der Arzt wird durch Hinweise in der Erscheinungsform im Röntgenbild den Verlauf abschätzen. Gerade deshalb kann zugewartet werden, wenn nicht chronische Schmerzen bestehen.
Therapie
Im akuten Stadium sollte der Arm ruhiggestellt und schmerzlindernde Mittel eingenommen werden. Eine Injektion mit cortisonhaltigen Medikamenten kann Wunder wirken. Zusätzlich wird mit Krankengymnastik versucht, die Beweglichkeit zu verbessern. Reizstrom und Eisbehandlung verbessern die Durchblutung und lindern die Schmerzen.
Wenn die Beschwerden nicht besser werden, kann durch die extrakorporelle Stoßwellentherapie der Kalk in kleine Teile zertrümmert werden. Damit beschleunigt sich die Auflösung durch körpereigene “Fresszellen”. Eine andere Möglichkeit ist die Zerkleinerung mit einer Nadel (“Needling”) oder Entfernung des Kalkdepots mit einer Operation, die auch dann überlegt werden sollte, wenn zusätzlich knöcherne oder bindegewebige Veränderungen der Schultergelenke vorliegen. Die Erfolgsaussichten aller Methoden betragen zwischen 60 und 80%.
Ursache
Die Ursache der Verkalkungen ist nicht geklärt. Einige Autoren sehen unabhängig von Geschlecht und Alter eine Teilursache im schlecht durchbluteten Sehnenansatz am Knochen, wo man den Großteil der Kalkdepots findet. Durch die Minderversorgung mit Sauerstoff kommt es zu einer Degeneration der Sehnenzellen, die später verkalken.
Weiterhin werden mechanische Ursachen diskutiert. So kommt es bei einem Teil der Patienten verstärkt durch einen engen anatomischen Raum zu wiederholten Quetschungen der Sehne, die degeneriert und schließlich verkalkt.
Vorbeugung
Eine erwiesen effektive Vorbeugung gibt es nicht, da die Durchblutung des Sehnenabschnitts durch unseren anatomischen Bauplan festgelegt ist und (noch) nicht beeinflusst werden kann.
Weiterführende Literatur:
Gärtner, J, Heyer, A Tendinosis calcarea der Schulter. Orthopäde (1995) 2:287-302.
(tw)

