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Tuberkulose (“Schwindsucht”)

Eingetragen von Medizin-Netz am 13. Januar 2009 Kein Kommentar

Krankheitsbild

Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch die sog. Tuberkelbakterien (v. a. Mycobacterium tuberculosis) verursacht wird. Die Tuberkulose befällt zunächst in aller Regel die Lungen, kann aber im Verlauf alle Organe betreffen.

Die Symptome der Tuberkulose sind anfangs meistens gering; oft bemerkt der Patient lange Zeit gar nichts von der Erkrankung. Mögliche Symptome sind leichtes Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Husten, eventl. mit blutigem Auswurf. Mit dem Befall anderer Organe können zahlreiche weitere Symptome auftreten, z. B. Bauchschmerzen und -krämpfe, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen der Knochen und Gelenke. Bei Befall der Hirnhäute und des Gehirns sind Kopfschmerzen, Sehstörungen und Wesensveränderung möglich.
Die Tuberkulose war und ist eine Erkrankung der ärmeren Bevölkerungsschichten. Früher war die Tuberkulose in Deutschland sehr häufig. Mit zunehmendem Gesundheitsstandard und besserer Ernährung nahm die Häufigkeit der Erkrankung bis etwa 1990 stark ab. Seither tritt die Erkrankung wieder etwas häufiger auf; in Deutschland werden momentan etwa 15.000 neue Fälle pro Jahr gemeldet. Weltweit geht man von ca. 10 Millionen Erkrankungen mit ca. 4 Millionen Todesfällen (!) jährlich aus.

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Diagnose

Durch einen einfachen Hauttest (z. B. Tine-Test®) kann man testen, ob jemand Kontakt mit Tuberkelbakterien hatte. Ein positiver Test beweist jedoch nicht die Erkrankung: In den meisten Fällen wurde der Erreger vom Immunsystem erfolgreich bekämpft; das Testergebnis ist eine Reaktion der Gedächtniszellen des Immunsystems. Eine Röntgenaufnahme der Lungen kann Hinweise auf mögliche Krankheitsherde liefern. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis der Tuberkelbakterien im Speichel, im Sekret oder Gewebe der Lunge (hierzu ist eine Bronchoskopie, d. h. eine Spiegelung der Atemwege, nötig), im Blut, Urin oder Magensaft. Der Nachweis lebender Tuberkelbakterien macht eine medikamentöse Therapie zwingend notwendig.

Krankheitsverlauf

In unseren Breiten führt die Erstinfektion nur selten zur Erkrankung. Der Erreger kann sich aber in der Lunge festsetzen und dann viele Jahre später, wenn das Immunsystem des Betroffenen durch hohes Alter, Alkoholismus oder andere Erkrankungen geschwächt ist, ausbrechen. In ärmeren Ländern führt die dort herrschende Mangelernährung bei vielen zu einem geschwächten Immunsystem. Entsprechend kommt es hier oft bereits bei der Erstinfektion zum Vollbild der Erkrankung.
Die alte Bezeichnung „Schwindsucht“ weist auf den Gewichtsverlust und Kräfteverfall im Verlauf der Tuberkulose hin. Die Erkrankung kann die Lunge stark schädigen. Im Verlauf können die Erreger alle Organe des Körpers befallen; entsprechend vielfältig sind dann die Beschwerden (s. o.). Unbehandelt verläuft die Tuberkulose oft tödlich. Wird sie überlebt, sind schwere bleibende Schäden an den Lungen oder an anderen befallen Organen zu erwarten.

Therapie

Die Therapie der Tuberkulose ist langwierig und zeigt viele Nebenwirkungen. Sie erfordert daher ein hohes Maß an Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Ziel der Behandlung ist es, die sehr hartnäckigen Tuberkelbakterien abzutöten. In der Regel müssen 2 bis 4 Arzneimittel mehrmals täglich über 6 bis 9 Monate eingenommen werden. Da viele Tuberkulosekranke aus ärmeren Schichten stammen, ist die konsequente Therapie auch in Deutschland oft schwierig (z. B. bei Obdachlosen), in den meisten Ländern der Welt schon allein aus Kostengründen völlig unmöglich. Die Folge ist, dass sich weltweit zunehmend Bakterienstämme ausbreiten, gegen die manche (insbersondere die verträglicheren) Medikamente inzwischen völlig unwirksam sind.

Ursache

Der Erreger der Tuberkulose, das Mycobaterium tuberculosis, wird in der Regel eingeatmet; angesteckt wird man von (oftmals symptomlosen) Trägern der Erreger. Nach der Infektion sind drei Verläufe möglich:

  • Bei guter Abwehr (der Normalfall) wird der Erreger abgetötet. Damit ist die Infektion abgewehrt, ohne dass es zur Tuberkulose-Erkrankung kommt. Zurück bleiben Gedächtniszellen des Immunsystems, die auf den Tuberkulin-Hauttest reagieren und den Kontakt mit den Bakterien lebenslang belegen.
  • Manchmal gelingt es einigen Bakterien, in einem kleinen Bereich der Lunge zu überleben. Sie werden vom Immunsystem abgekapselt, aber nicht abgetötet. Meistens sind auch diese Menschen beschwerdefrei; von ihnen geht in der Regel auch keine Ansteckungsgefahr aus. Die Bakterien können noch Jahrzehnte später zur Tuberkulose-Erkrankung führen, wenn das Immunsystem des Trägers geschwächt ist.
  • Nur bei bereits geschwächtem Immunsystem sind die Tuberkelbakterien in der Lage, eine schwere Tuberkulose-Erkrankung zu verursachen. Dies ist in armen Ländern häufig schon bei der Erstinfektion der Fall. In unseren Breiten kommt es meistens über die sog. endogene Re-Infektion („Wiederansteckung von Innen“) zur Tuberkulose-Erkrankung. Damit ist gemeint, dass die jahrelang vom Immunsystem im Schach gehaltenen Bakterien bei einer Schwächung der Abwehr durch eine andere schwere Erkrankung oder im Alter wieder die Oberhand gewinnen und sich in der Lunge oder im ganzen Körper ausbreiten können.

Der Kampf zwischen Bakterien und Immunsystem führt in der Regel zu schweren Schädigungen der betroffenen Gewebe mit Narbenbildung und Verkalkung. Diese Schäden bilden sich auch unter der Therapie nicht zurück, weshalb eine frühzeitige Behandlung der Ursache sehr wichtig ist.

Vorbeugung

Gegen die Tuberkulose kann man sich impfen lassen (sog. BCG-Impfung). Diese Impfung wird seit einigen Jahren nicht mehr allgemein empfohlen, da der Impfschutz nur bei etwa 80% liegt, und die Erkrankung in Deutschland inzwischen selten ist. Ein weiterer Nachteil der Impfung ist, dass die Geimpften einen positiven Hauttest aufweisen. Bei geimpften Menschen wird so die Diagnose einer Tuberkulose erschwert. Bei bestimmten Personenkreisen (z. B. medizinisches Personal, Familienangehörige von Infizierten), kann die Impfung nach wie vor sinnvoll sein. Hierüber berät im Einzelfall der Arzt.
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Tuberkulose ist jedoch eine ausreichende, gesunde Ernährung: Die Tuberkulose ist meist ein Indikator für die Armut eines Volkes! Außerdem ist es sehr wichtig, Infizierte konsequent (notfalls unter Isolierung) zu behandeln, bis von ihnen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht.

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