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Zöliakie (Sprue)

Eingetragen von Medizin-Netz am 31. August 2006 2 Kommentare

Zöliakie (gr. koilakos = an der Verdauung leidend)

Krankheitsbild

Die Sprue ist eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Überempfindlichkeit gegenüber Getreidebestandteilen ausgelöst wird. In den bei uns herkömmlichen Getreidesorten Weizen, Roggen, Hafer und Gerste kommen sogenannte Kleberproteine (Gluten) vor, die dem Mehl die eigentliche Backfähigkeit geben. Dieses Gluten bewirkt bei Sprue-Kranken eine fortschreitende Abnahme (Atrophie) der Dünndarmzotten und der in ihnen vorhandenen Verdauungsenzyme. Die Folge ist eine unzureichende Aufspaltung (Maldigestion) der Nahrung und eine mangelhafte Aufnahme (Malabsorption) der Nährstoffe aus dem Darm ins Blut. Typische Symptome der unverdauten Nahrung sind starke, unangenehm riechende Durchfälle mit hoher Fettausscheidung (Steatorrhö), ein aufgeblähter Bauch (Meteorismus) und Gewichtsverlust. Im Kindesalter nennt man das entsprechende Krankheitsbild Zöliakie, wobei die betroffenen Kinder zusätzlich häufig Muskelschwäche und Misslaunigkeit zeigen.

Ähnliche Symptome gibt es zum Beispiel auch bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, bei Kuhmilchunverträglichkeit oder bei Darminfektionen. Die Häufigkeit der Sprue/Zöliakie liegt etwa bei einem Erkrankten auf 1000 Einwohner und betrifft öfters Frauen. Unter einer konsequenten glutenfreien Diät, die lebenslang eingehalten werden muss, ist in 90% der Fälle ein beschwerdefreies Leben möglich.

Diagnose

Durch die Anwendung verschiedener Untersuchungsverfahren kann die Sprue/Zöliakie sicher festgestellt werden. Einen ersten wichtigen Anhaltspunkt kann ein Dünndarmfunktionstest ergeben, bei dem die Aufnahmefähigkeit des Darmes überprüft wird. Dabei muss der Erkrankte eine Lösung mit Lactose oder Xylose zu sich nehmen. Anschließend werden in zeitlichen Abständen Blut oder auch Atemgase gewonnen und die Konzentration der verabreichten Substanzen bestimmt. Wenn man im Blut bestimmte Antikörper nachweisen kann, ist dies ebenso richtungsweisend. Unverzichtbar ist aber auch eine Begutachtung des Darmes und die Entnahme von Gewebeproben. Bei Vorliegen einer Sprue/Zöliakie ist eine starke Schleimhautveränderung und eine Abnahme der Dünndarmzotten zu erkennen. Bei Säuglingen ist vor allem die Vorgeschichte für die Erkrankungsfindung von Bedeutung. Sehr verdächtig sind Hinweise auf schwere Durchfälle, auf verzögerter Entwicklung und auf eine innere Unruhe seit Beginn der Breizufütterung.

Krankheitsverlauf

Der Zeitraum vom Beginn der ersten Symptome bis zur eigentlichen Diagnose der Sprue/Zöliakie ist sehr variabel. Er reicht von wenigen Monaten bis zu 30 Jahren. Oftmals sind die Beschwerden erst im Erwachsenenalter voll ausgeprägt. Bei anhaltender Zufuhr von glutenhaltiger Nahrung kommt es dann zur völligen Reduzierung der funktionstüchtigen Darmschleimhaut. Möglicherweise führen nicht die Verdauungsprobleme zum ersten Arztbesuch, sondern die Beschwerden, die durch die mangelhafte Nährstoff- und Vitaminaufnahme des Darmes zustande kommen. Bleibt die Sprue/Zöliakie unerkannt, führt bei Kleinkindern ein Vitamin-D-Mangel zur Rachitis. Heranwachsende bleiben wegen der möglichen Unterernährung im Wachstum zurück und die Pubertät ist verzögert. Ungenügende Eisenaufnahme führt zu Blutarmut, Vitamin-K-Mangel zu Beeinträchtigungen der Wundheilung und Vitamin-A-Mangel zu Sehstörungen.

Durch eine glutenfreie Diät sind alle diese Störungen weitgehend wieder rückgängig zu machen. Nur in seltenen Fällen entwickelt sich eine sogenannte “Kollagensprue”, die schwer zu therapieren ist und eine schlechte Prognose hat. Bleibt die Sprue/Zöliakie unbehandelt, ist die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung bösartiger Lymphknotenvergrößerungen deutlich erhöht.

Therapie

Die Therapie besteht in einer lebenslang durchgeführten glutenfreien Diät unter Vermeidung von Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Erlaubt sind beispielsweise Nahrungsmittel aus Reis, Mais, Hirse oder Soja. Zu Beginn der Behandlung müssen eventuell zusätzlich Vitamine und Eisen zugeführt werden. In etwa 90% der Fälle stellt sich dann nach einigen Wochen eine deutliche Besserung der Symptome ein und ermöglicht ein beschwerdefreies Leben. Bei den wenigen Erkrankten, bei denen ein Glutenentzug kein Erfolg erbringt, wird mit Kortisonpräparaten versucht, die Krankheit zu lindern.

Ursache

Die Entstehung der Sprue/Zöliakie ist noch nicht restlos geklärt. Man geht aber davon aus, dass eine gestörte Immunreaktion auf die Kleberproteine zu dem Rückgang der Dünndarmzotten führt. Da die Sprue familiär gehäuft vorkommt und vermehrt bei Menschen mit dem HLA-B8-Gen auftritt, ist eine erbliche Veranlagung sehr wahrscheinlich.

Vorbeugung

Aufgrund der noch nicht eindeutig erwiesenen Ursachen sind keine konkreten Vorbeugemaßnahmen möglich. Neuere Studien zeigen einen Rückgang der Erkrankung, der möglicherweise auf einer erst im späteren Säuglingsalter begonnenen Verfütterung von getreidehaltiger Nahrung beruhen soll.

Bitte informieren Sie sich auch über Selbsthilfegruppen.

Abbildung: Darstellung der Dünndarmzotten, die bei der Zöliakie/Sprue betroffen sind.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross.

zotte

(mr)

Lesen Sie auch “Häufige Bauchschmerzen bei Kindern“.

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2 Kommentare »

  • Nessa sagt:

    Ich finde den Bericht recht gut, allerdings ein wenig kurz gefasst. Aus dem Artikel lässt sich z.B. nicht erkennen, mit welchen Problemen Menschen mit Zöliakie konfrontiert sind. Es fängt schon an bei einfachen Themen wie Lebensmittelbeschaffung. Es ist unlängst schwerer und wesentlich teurer seinen Alltag zu bestreiten. Ausweichprodukte kosten zum Teil das 10-Fache von normalen Produkten. Noch Problematischer ist allerdings die Beschaffung. Für einen Einkauf muss ein Zöliakie Kranker zum Teil 3-4 Geschäfte aufsuchen um alle gewünschten Produkte zu bekommen. Eine schöne Alternative zu Supermarkt (z.B. Real und Kaufland) und Reformhaus bieten hier Online-Shops wie z.b. http://www.glfparadies.de , die eine breite Produktepalette bieten und sich auf die Thematik spezialisiert haben.

  • MikeMe sagt:

    Kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen. Ich kann noch den Online-Shop querfood.de empfehlen.
    Habe bis jetzt nur gute Erfahrungen damit gemacht.

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