Medizinstation im Senegal in privater Initiative saniert
Mehrere private Veranstaltungen im Hause Schneider sowie eine Sammelaktion hatten eine beträchtliche Kapitalsumme ergeben, um die Basis zur Sanierung der Medizinstation in Nianingh, Senegal, zu schaffen. Dieser Komplex in der Dorfmitte besteht aus drei einstöckigen Gebäuden und wird von dem Chefsanitäter Gana Diuf, einem Krankenpfleger geleitet. Für die 1750 Einwohner von Nianingh und den 11 Randdörfern steht kein Arzt zur Verfügung. Hier ist der Sammelpunkt für Kranke, mit Fieber und Malaria sowie Infektionen jeder Art, mit Durchfall und Erbrechen, frisch Verletzte mit größeren oder kleineren Wunden, Gelenkverrenkungen, außerdem Schwangere, die im Warteraum auf Bänken hocken und liegen. Alle Patienten sind minderbemittelt und können eine Behandlung im Krankenhaus in der 15 km entfernten Bezirksstadt Mbour (120000 Einwohner) nicht bezahlen. Es existiert im Senegal keine Sozial- und keine Krankenversicherung.
In einem sehr kleinen Lagerraum, als Apotheke ausgewiesen, sind diverse Medikamente deponiert, alle von Touristen zur Verfügung gestellt. Ausdrücklich wurde betont, dass weder von staatlicher noch von kommunaler oder sozialer Stelle Medikamente bereitgestellt werden.
In der angrenzenden chirurgischen Ambulanz werden Wundversorgungen unter desolaten hygienischen Verhältnissen vorgenommen: Die Behandlungsliege ist instabil und wackelt, die Auflage mit Plastikabdeckung total verschlissen. Die Instrumente sind verrostet, das Nahtmaterial besteht aus undeffinierbarem Material, der Infusionsständer aus ungehobeltem Holz. Ein von einem französischen Touristen gespendeten Heißluftsterilisator zur Desinfektion der Instrumente kann nicht betrieben werden, da dieser zu viel Strom verbraucht. Es ist zu erfahren, dass die Unterhaltungskosten der Station wie Strom, Wasser, Reinigung der Räumlichkeiten u.a. vom Gehalt des Leiters abgezweigt, also von der kommunalen Behörde nicht separat zur Verfügung gestellt werden.
192 Entbindungen pro Jahr
Im separaten angrenzenden Gebäude befindet sich die Entbindungsstation, ein Kreiß-Saal und weitere 6 kleine Räume mit insgesamt 15 Betten, alle belegt. Im gesamten Trakt ist der Fußboden grob betoniert und mit rotbrauner Farbe überstrichen. Die Wände sind mit gelblicher nicht abwaschbarer Farbe überstrichen und total verschmutzt. Sämtliche Betten, nicht fahrbar, sind mit verschlissenen Matratzen belegt, manche mit zerfetztem Bettuch überdeckt. Die einzige Entbindungsliege im Kreißsaal zeigt eine aufgerissene Oberfläche mit seitlich herabhängenden Kunststoff-Fetzen und bloßliegendem verschmutzen Schaumstoff. Stärkste infektiöse Komplikationen vor, während und nach der Entbindung sind für Mutter und Kind vorprogrammiert. Durchschnittlich finden hier pro Jahr 192 Geburten statt, praktiziert von einem Sanitäter, der selbst infolge einer Kinderlähmung behindert ist und die Medizinstation rund um die Uhr versorgt und oft bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit arbeitet.
Nach dieser schockierenden Inspektion wurde zunächst von Dr. Schneider und Frau Helga der Entschluss gefasst, den für 1 Woche gebuchten Urlaub zu verlängern, umgehend die Aufträge zur Basis-Renovierung zu erteilen und anschließend Ausstattung und Einrichtung vorzunehmen. Man war sich darüber im klaren, dass das zur Verfügung stehende Eigenkapital und die Spendengelder nicht ohne Überwachung eingesetzt werden durften. In Tag- und Nachtarbeit wurden zunächst in der Entbindungsstation in 5 Räumen und im Flur 50 qm Fließen verlegt, die Wände ausgebessert und das gesamte Gebäude einer gründlichen Reinigung unterzogen.
Projektleiter Abdou Sow hatte zwischenzeitlich in der Hauptstadt Dakar mehrere Untersuchungsliegen, eine moderne Entbindungsliege, Kunststoff-Auflagen, Matratzen für fast alle Betten, Regale und diverse Instrumente eingekauft. In die Apotheke wurden die aus Deutschland mitgebrachten Medikamente, Fieberthermometer, Blutdruckmesser, Verbandmaterial, elastische Binden, Desinfektionsmittel u.a. eingelagert.
Pünktlich wie vereinbart, fand am Tage vor der Abreise von Dr. Schneider und Frau die feierliche Übergabe der Medizinstation statt. In Anwesenheit des Präsidenten der Bezirks-Krankenhausgesellschaft, Monsieur BAM, des Bürgermeisters mit dem gesamten Gemeindevorstand von Nianingh sowie zahlreicher Bürgerinnen und Bürger erstattete Dr. Schneider zunächst Bericht über den Hintergrund zum Entschluss der Hilfeleistungen für die 3. Welt, insbesondere seit 1997 aussschließlich für Nianingh.
Bürgermeister und Gemeindevorsteher dankten in bewegenden Worten und brachten zum Ausdruck, dass infolge fast keinerlei staatlicher Subvention solche Hilfe aus Deutschland im Senegal ganz besondere Beachtung finde. Großer Beifall und mannigfaltige Ehrenbekundungen sowie Freudentränen wurden registriert, als nach der Besichtigung der im vollen Glanz erstrahlenden Medizinstation Dr. Schneider die Übergabe an den Chef Gana Diuf vollzog mit der dringenden Bitte und Mahnung zur Schonung und Pflege der Räumlichkeiten und zum sorgfältigen Umgang mit der gesamten Einrichtung.
1. Entbindung unter (fast) sterilen Verhältnissen
Wenige Minuten später wurde eine Schwangere in Wehen eingeliefert und im renovierten Kreißsaal auf einer nagelneuen Entbindungsliege untersucht und Wehentätigkeit und Kreislaufverhältnisse überprüft. In der folgenden Nacht erblickte ein gesundes Mädchen bei bestem Befinden der Mutter das Licht der Welt.
Dr. Schneider und Frau Helga sind sich bewusst, dass in Nianingh im westafrikanischen Senegal lediglich die Basis für etwa vergleichbares medizinisches Handeln im Bereich eines kleinen Dorfes irgendwo in Europa geschaffen wurde. In dieser klinischen Station bleibt noch viel zu tun, wie überall im Senegal, wie überall in der 3. Welt. Es ist schon einiges erreicht, wenn zum Beispiel für Impfungen ein Desinfektionsmittel für die Injektion zur Verfügung steht, eine Wunde ordentlich versorgt, eine Gelenkverrenkung mit fachgerechtem elastischen Material behandelt und eine Schwangere in hygienisch einwandfreier Umwelt ein Kind gebären kann.
Spenden für den weiteren Ausbau der Medizinstation in Nianingh sind herzlich willkommen!
Kontaktadresse:
Dr. med. Karl-Heinz Schneider, Laufdorfer Weg 89, 35578 Wetzlar
Telefon: 06441/921170
Fax: 06441/921171
E-Mail: drkhschneider@t-online.de

