Regionalanästhesie: Periphere Regionalanästhesie
Periphere Regionalanästhesie
Darunter versteht man die Blockade einzelner Nerven oder zusammenverlaufender Nervengruppen durch Lokalanästhetikum. Eine andere Bezeichnung ist „Leitungsanästhesie“. Diese Form der Anästhesie kann für Operationen an den unteren und oberen Extremitäten angewandt werden. Davon auszuklammern sind die typischen „lokalen Anästhesien“, in der Form, dass an den unterschiedlichsten Körperstellen Lokalanästhetikum gespritzt werden kann, um z. B. kleine Gewebeteile zu entfernen.
Im folgenden werden die gebräuchlichsten Formen der Leitungsanästhesie besprochen. Prinzipiell kann jeder Nerv der oberen und unteren Extremitäten für sich allein blockiert werden.
1. Armplexusanästhesie
Diese Form der Regionalanästhesie führt zu einer Betäubung des Armes und kann für alle Arten von Operationen der oberen Extremität benutzt werden. Es kann auch eine Kathetertechnik angewandt werden.

Abb: Schematischer Verlauf der Nerven und Gefäße zur Versorgung der oberen Extremität.
Die Nerven und Gefäße, die die obere Extremität versorgen, verlassen die Region der Halswirbelsäule bzw. der großen Halsgefäße und verlaufen gemeinsam unter dem Schlüsselbein, durch die Achselhöhle zum Oberarm weiter und verzweigen sich auf ihrem Weg zu ihrem Bestimmungsort. Dabei werden sie während ihres gemeinsamen Verlaufs von dichtem Bindegewebe umhüllt, der sogenannten Gefäß-Nervenscheide. Die Armplexusanästhesie basiert auf der Technik, in diese Gefäß-Nervenscheide Lokalanästhetikum zu spritzen, das dann in die Nervenbahnen eindringt und die Weiterleitung der Erregung, ob Schmerzen, Gefühl oder Bewegung, blockiert. Diese Form der Blockade kann nun an unterschiedlichen Stellen ausgeführt werden, so z. B. am Hals, unter dem Schlüsselbein oder in der Achselhöhle. Die Punktionsstelle ist abhängig von der Art der geplanten Operation und der Technik des Anästhesisten.
Die Punktionskanüle wird an einen Nervenstimulator angeschlossen; die Stimulation erzeugt eine Muskelbewegung. Somit kann die Lage der Nerven bestimmt und die richtige Position zur Injektion des Lokalanästhetikums ermittelt werden. Bis zur kompletten Betäubung des Armes können bis zu 20 min vergehen.
2. Hand- und Fußblock
Für Operationen an Händen oder Füßen kann eine Form der peripheren Regionalanästhesie angewandt werden, die die Erregungsweiterleitung in den Nervenbahnen nur der Hände oder der Füße blockiert.
Für die regionale Betäubung der Hand müssen drei größere Nervenstränge blockiert werden. Damit am Fuß schmerzfrei operiert werden kann, müssen zwei größere Nervenstränge und mehrere kleinere Hautnerven anästhesiert werden. Die Durchführung der regionalen Anästhesie von Nerven beim Hand- und Fußblock ist gleich. Es wird in die Nähe der Nerven eine bestimmte Menge an Lokalanästhetikum injiziert. Dieses Lokalanästhetikum dringt in die Nervenbahnen ein und blockiert die Erregungsweiterleitung. Die größeren Nerven der Hand und des Fußes werden immer von Blutgefäßen begleitet, an deren Pulsation man sich orientieren kann.
Welche Komplikationen können auftreten, was ist zu beachten?
- Allergische Reaktion auf Lokalanästhetika
Diese reichen von Hautreaktionen, d. h. rote Punkte oder Quaddeln auf der Haut, bis hin zu Kreislaufreaktionen im Sinne eines Schocks. - Infektionen
Wird durch eine Haut gestochen, besteht die Gefahr, dass Hautbakterien in die Tiefe verschleppt werden und in sensiblem Gebiet zu Infektionen führen. Auch hier gilt die Notwendigkeit einer gründlichen Desinfektion und des Arbeitens mit sterilen Instrumenten und Medikamenten. - Verletzung von Blutgefäßen
Die Blutgefäße und die Nerven verlaufen gemeinsam in der Gefäß-Nervenscheide, in die das Lokalanästhetikum injiziert wird. Auch hier gilt das Gebot der Kontrolle der Blutgerinnungsparameter vor der Operation und die Informationsweitergabe vom Patienten an den Narkosearzt über in der Vergangenheit abgelaufene unerklärbare Blutungsereignisse. - Verletzungen von Nerven
Diese ist durch die Verwendung von Nervenstimulatoren sehr selten.
Die Blockaden der peripheren Regionalanästhesie sind in der täglichen Routine ebenfalls sehr komplikationsarme Verfahren zur Betäubung einzelner Körperteile, um Operationen zu ermöglichen.
Über die Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren in Bezug auf jeden einzelnen Patienten und hinsichtlich der Operation muss mit dem Narkosearzt vor der Operation gesprochen werden, um das beste Verfahren zu wählen.
Dr. med. M. Oberndorfer

