Schultereckgelenk Verrenkungen
2. Verrenkungen im Schultereckgelenk
Ursache
Durch direkten Aufprall auf die Oberseite der Schulter, durch Zusammenprall mit einem Gegner beim Sport oder durch den Aufprall eines Gegenstandes auf die Ober- oder Rückseite der Schulter kann es zu einer Verrenkung (=Sprengung) im Schultereckgelenk (lateinisch: Acromioclaviculargelenk, abgekürzt AC-Gelenk) kommen. Das Schultereckgelenk ist eine gelenkartige Verbindung zwischen äußeren Schlüsselbeinende und zwei Knochenvorsprüngen des Schulterblattes, dem acromion und dem Rabenschnabelfortsatz (processus coracoidus).
Das Gelenk wird durch zwei Bandverbindungen zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt gesichert. Sie heißen Ligamentum acromioclaviculare und Ligamentum coracoclaviculare.
Einteilung
Bedeutsam für die Einteilung in Schweregrade (in der Regel nach TOSSY) ist die Verletzung der Bandstrukturen in diesem Bereich. Zwei Bänder sind hier von Bedeutung: Es sind die oben genannten Bänder Ligamentum acromioclaviculare und Ligamentum coracoclaviculare. Die Abbildungen veranschaulichen die Einteilung und die Anatomie. Das Röntgenbild zeigt eine Verletzung vom Schweregrad III mit sichtbarem Hochstand des Schlüsselbeines.

Beim Schweregrad I ist die Gelenkkapsel gerissen und es liegt lediglich eine Teilruptur des Ligamentum acromioclaviculare vor.

Beim Schweregrad II ist das Ligamentum acromioclaviculare zerrissen, das Ligamentum coracoclaviculare erhalten oder nur teilweise zerrissen.

Beim Schweregrad III sind alle Bandstrukturen zerrissen. Das Schlüsselbein steht ab und kann wie eine “Klaviertaste” nach unten gedrückt werden (Klaviertastenphänomen).

Zur Diagnosesicherung des Schweregrades müssen häufig Röntgenaufnahmen mit Belastung angefertigt und mit der unverletzten Seite verglichen werden. Der Patient steht vor dem Röntgenschirm und hält mit herabhängendem Arm auf jeder Seite ein 10 Kilo Gewicht. Mit einem Panoramaröntgenfilm werden dann gleichzeitig verletzte und gesunde Schulter von hinten geröntgt.
Therapie
Verletzungen ersten Grades werden ohne Operation im Rucksackverband behandelt, bei zweitgradigen Verletzungen wird meist eine Operation empfohlen, bei drittgradigen Verletzungen ohne Schlüsselbeinbruch wird für Sportler und körperlich aktive Menschen eine Operation angeraten, bei älteren Menschen und sportlich Inaktiven kann konservativ behandelt werden. Es verbleibt allerdings auf Dauer ein sichtbarer Schlüsselbeinhochstand, der kosmetisch störend sein kann. Bei der Operation wird das zerrissene Band genäht und das äußere Ende des Schlüsselbeines am Schulterblatt fixiert. Hierfür gibt es verschiedene Operationsverfahren, auf die nicht näher eingegangen werden kann. Beispielsweise kann man für drei Monate das Schlüsselbein mit einer Schraube am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblattes befestigen und die Schraube dann wieder entfernen. Problem aller Operationen im Schlüsselbeinbereich ist allerdings die häufig unschöne Narbenbildung. Sie erklärt sich durch die mangelnde Ruhestellungsmöglichkeit im Schulterbereich durch Verbände aller Art.
Schlüsselbeinbrüche im äußeren Drittel sind anatomisch funktionell meist einer Schultereckgelenksprengung gleichzusetzen und müssen häufig operiert werden.
Dr. med. Joachim Breinig
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