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Alzheimersche Krankheit (Senile Demenz vom Alzheimer-Typ)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 13. Oktober 2008 Kein Kommentar

Einleitung

Unter dem Begriff der Demenz versteht man Abbauprozesse des Gehirns, die im höheren Lebensalter von den normalen Alterungsprozessen abgegrenzt werden müssen. In einem gewissenAlter nimmt bei allen Menschen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab. Merkfähigkeit, Auffassungsgabe und intellektuelle Beweglichkeit lassen nach, die Gemütsregungen werden flacher, der Interessenkreis engt sich ein. Demente Menschen zeichnen sich durch ein verfrühtes Einsetzen oder ausgeprägtes Vorliegen dieser Befunde aus.
Der Prozentsatz alter Menschen in der Gesamtbevölkerung nimmt durch die Fortschritte in der Medizin ständig zu. Damit erhöht sich auch die Anzahl der Menschen, die an einer Alzheimerschen Krankheit leiden.
Die Krankheit trägt den Namen des bayrischen Nervenarztes Alois Alzheimer, der sie 1906 erstmals beschrieben hat.

Symptomatik und Verlauf

Das Erkrankungsalter liegt bei der Alzheimerschen Form im 5. oder 6. Lebensjahrzehnt. Die Krankheit nimmt meist einen raschen Verlauf und führt in 4-5 Jahren zu einer schweren Demenz. Die Häufigkeit ist in der Bevölkerung bei 70jährigen 1%.
Das Erscheinungsbild der Erkrankung ändert sich während des Verlaufs. Es unterscheidet sich auch von Patient zu Patient. Dennoch gibt es charakteristische Kennzeichen. Man unterscheidet demnach drei Stadien:

  • Frühes Stadium
    Störungen des Kurzzeitgedächtnisses stehen im Vordergrund: Fragen wiederholen sich, Vereinbarungen werden vergessen. Zugleich bestehen Schwierigkeiten beim Denken. Anspruchsvolle Tätigkeiten können nicht mehr ausgeübt werden. Das Nachlassen der Leistungsfähigkeit wird unter beruflichen Anforderungen früher bemerkt als in häuslicher Umgebung. Bei den meisten Patienten verliert die Sprache an Präzision. Die Wortfindung wird erschwert, der Informationsgehalt der Mitteilungen nimmt ab. Störungen der Wahrnehmung räumlicher Verhältnisse äußern sich in Unsicherheiten beim Autofahren, beim Anziehen oder bei handwerklichen Arbeiten.
  • Mittleres Stadium
    Die Einschränkungen des Gedächtnisses und des Denkvermögens erreichen einen Grad, der die Patienten von fremder Hilfe abhängig werden lässt. Zuerst in fremder, dann auch in vertrauter Umgebung finden sie sich nicht mehr zurecht. Unterstützung wird notwendig beim Baden, beim An- und Auskleiden und bei den Mahlzeiten.

    Die Sprache besteht immer mehr aus inhaltsarmen Floskeln. Zunehmend verblasst die Erinnerung an frühere Ereignisse. Weitere Begleitsymptome sind ziellose Unruhe, Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, verminderte Beherrschung von Gefühlsreaktionen und Harninkontinenz.

  • Spätes Stadium
    Hilfe ist bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens notwendig. Der sprachliche Ausdruck beschränkt sich auf wenige Worte. Die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu äußern ist dagegen weitgehend erhalten. Meist treten körperliche Symptome hinzu mit Schluckstörungen, Krampfanfällen, Verlust der Kontrolle über die Körperhaltung sowie über die Blasen- und Darmfunktion.

    Jede der Krankheitsstadien dauert durchschnittlich 3 Jahre. Die Alzheimer Krankheit kann im Einzelfall jedoch auch rascher oder erheblich langsamer voranschreiten.

Veränderungen im Gehirn

Den Symptomen der Alzheimer-Krankheit liegt ein Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten zugrunde. Zu dieser Zerstörung kommt es, weil zwei Zellbestandteile fehlerhaft verarbeitet werden: das sog. Amyloid-Vorläuferprotein (Amyloid= auf der Zellaussenseite liegender, für die Struktur verantwortlicher Gerüstbaustein) und das Tau Protein.

  • Die Spaltung des Amyloid-Vorläuferproteins an falscher Stelle führt zur Freisetzung von Amyloidbruchstücken. Diese lagern sich ausserhalb der Zelle zu einer unlöslichen Masse zusammen. In der unmittelbaren Nachbarschaft dieser Ablagerungen kommt es zu einer Verkümmerung von Nervenzellfortsätzen und zur Ansammlung von Abwehrzellen. Diese Komplexe werden als Plaques bezeichnet. Die Plaques schieben sich zwischen die Nervenzellen und unterbrechen auf diese Weise ihre gegenseitigen Kontakte.
  • Das Tau Protein dient der Stabilisierung von röhrenförmigen Transportstrukturen der Zelle. Bei der Alzheimer-Krankheit löst es sich von den Transportröhren ab und leitet einen Zellverfall ein, indem die abgelösten Partikel zunehmend die Zellen ausfüllen.

Diese Veränderungen und der Nervenzelluntergang treten vermutlich viele Jahrzehnte vor dem Einsetzen der ersten Krankheitszeichen auf.

Ursachen der Veränderungen

Nur in einem kleinen Teil der Fälle sind die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bekannt. Man kennt mehrere Risikofaktoren, die mit einer erhöhten Krankheitswahrscheinlichkeit verbunden sind:

  • Erbfaktoren
    In einigen wenigen Familien wird die Alzheimer-Krankheit durch Veränderungen in den Abschnitten der Erbsubstanz hervorgerufen, die die Herstellung des Amyloid-Vorläuferproteins steuern. Durch diese winzigen Veränderungen im genetischen Bauplan ändert sich der Aufbau des Proteins. Erbfaktoren alleine können das Zustandekommen der Alzheimer-Krankheit meist nicht erklären.
  • Risikofaktoren
    Zu den heute bekannten Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit zählen hohes Lebensalter, Alter der Mutter bei der Geburt, schwere Schädel-Hirn-Verletzungen und Schilddrüsenunterfunktion in der Vorgeschichte.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Wegweisend für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit sind auch heute noch das klinische Erscheinungsbild und der charakteristische Verlauf.
Laborbestimmungen und technische bildgebende Verfahren können die Diagnose unterstützen, aber nicht beweisen.

Therapie

Die Vorgänge, die dem Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten zugrundliegen, können durch Medikamente heute noch nicht beeinflusst werden. Die Wirkung der verfügbaren Medikamente beschränkt sich darauf, Begleit- und Folgeerscheinungen abzumildern. Sie können Krankheitssymptome weder vollständig zur Rückbildung bringen noch ihr Fortschreiten dauerhaft aufhalten.
Zu den wichtigsten Wirkprinzipien gehören die Steigerung der Stoffwechselrate von Nervenzellen, der Schutz gegen übermäßig ausgeschüttete Botenstoffe zwischen Nervenzellen und die Neutralisierung von zellschädigenden Stoffwechselprodukten.
Die Medikamente sind in der Lage, bei Patienten im frühen und mittleren Krankheitsstadium grundlegende Leistungen wie Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen zu steigern. Sie verbessern auch den Gesamtzustand und das Befinden der Patienten. Leider sind die Auswirkungen der Behandlung auf die Leistungsfähigkeit im täglichen Leben meist sehr gering. In jeden Fall muss sorgfältig geprüft werden, ob die Behandlung dem Patienten nützt. Durchblutungsförderne Mittel sind bei der Alzheimer-Krankheit wirkungslos.

Eine sinnvolle Ergänzung der medikamentösen Therapie ist der Einsatz von Umwegstrategien, wie der regelmäßige Gebrauch eines Notizbuches mit den wichtigsten persönlichen Informationen für den jeweiligen Tag. Dadurch kann sich die Alltagsbewältigung spürbar steigern. Hilfreich und für die Patienten angenehm ist auch die intensive Beschäftigung mit Erinnerungen, unterstützt durch Fotos, Zeitungsausschnitte oder Musikstücke.

N. Körber-Hafner

Tipp:
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