Arthrose: Sporttips für Arthrosepatienten und Patienten nach Gelenkersatzoperation
Was ist Arthrose?
Unter Arthrose wird ein Gelenkverschleiss im weiteren Sinne verstanden. Zunächst finden sich Verschleisserscheinungen im Bereich des knorpeligen Überzuges der Gelenkflächen. In zweiter Linie werden dann auch andere Gelenkbestandteile betroffen. Arthrosen finden sich außerordentlich häufig und bilden ca. 1/3 der Gesamterkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter den Anlässen für eine Rehabilitationsmaßnahme stehen die Arthrosen mit 42% an der Spitze.
Die Ursache liegt ganz allgemein an einem langfristigen Missverhältnis zwischen Belastbarkeit und Belastung. Oft tritt eine Arthrose als „normale“ Alterserscheinung auf. Häufige Gründe sind außerdem: Knochenbrüche mit Befall eines Gelenkes, wiederholte Verrenkungen, Beinachsenabweichungen (X- oder O-Bein), dauerhafte und einseitige Überbelastung etc.
Am häufigsten werden das Hüft- und Kniegelenk von einer Arthrose betroffen. Seltener werden Verschleisserscheinungen der Sprunggelenke und der Gelenke der oberen Extremitäten beobachtet.
Wie tritt eine Arthrose in Erscheinung und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine Arthrose verursacht Schmerzen im betroffenen Gelenk, die zunächst bei höherer Belastung auftreten. Bei weiterem Fortschreiten des Gelenkverschleisses reduziert sich die Belastbarkeit und Schmerzen treten schon bei geringen Belastungen oder gar in Ruhe auf. Bewegungseinschränkungen, Kraftdefizite, Fehlhaltungen und Gelenkschwellungen stellen ebenfalls Symptome einer fortgeschrittenen Arthrose dar.
Die Therapie wird in den meisten Fällen zunächst nichtoperativ gestaltet und schließt folgende Maßnahmen ein:
- Schmerzmittel (sogenannte Antirheumatika) in Salben- oder Tablettenform je nach Bedarf,
- Kühlung bei akuten Schmerzschüben und Gelenkschwellungen,
- Wärmeanwendungen in chronischen Stadium,
- Entlastung, z. B. durch Gehstock oder Pufferabsatz,
- Bewegungstherapie zur Verbesserung, aber mindestens zur Erhaltung der Gelenkfunktion.
Über Knorpelaufbaustoffe wird viel berichtet. Die Möglichkeiten sind aber sicherlich noch Gegenstand der Forschung, so dass das Potential dieser Mittel noch unklar ist. Insgesamt ist der Stoffwechsel des Knorpels aber träge und daher nur schwierig zu beeinflussen.
Erst nachdem sich unter Ausschöpfung aller nichtoperativen Maßnahmen keine befriedigende Besserung für den individuellen Patienten eingestellt hat, kommt eine Operation in Betracht. Obwohl sich die Operationstechnik in den letzten Jahrzehnten immer weiter verbessert hat, sind Restrisiken trotzdem unvermeidbar. Folgende Maßnahmen kommen dabei in Frage:
- Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit begleitender Knorpelglättung und Gelenkspülung (v. a. im Kniebereich),
- Umstellungsoperationen (z. B. Korrektur eines O- oder X-Beines),
- Implantation einer Gelenkprothese (sogenannte Endoprothese oder Alloarthroplastik),
- Gelenkversteifung.
Sport bei Arthrose und nach Gelenkprothesenoperation
Wer rastet, der rostet – dieses alte Sprichwort unterstreicht die Bedeutung von Sport – auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Das „Wie?“ spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Noch mehr als beim Gesunden ist die Auswahl der richtigen Sportart für den Arthosepatienten für eine positive Beeinflussung der Erkrankung besonders wichtig. Bewegung sollte ohne große Belastung ausgeübt werden. Zusätzlich zu positiven Wirkungen auf den Bewegungsapparat darf der Trainingseffekt für das Herz-/Kreislaufsystem nicht vergessen werden, so dass das angepasste Betreiben geeigneter Sportarten in jedem Lebensalter empfohlen werden kann.
Moderne Gelenkprothesen sind für Alltagsbelastungen konzipiert. Bei wiederkehrenden Spitzenbelastungen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Lebensdauer einer solchen Prothese verkürzt und ein vorzeitiger Wechsel notwendig wird. Für entsprechend operierte Patienten gelten die nachfolgenden Empfehlungen daher in besonderer Weise.
Insgesamt muss differenziert werden, ob die Technik einer Sportart bereits beherrscht oder neu erlernt wird. Mit guter Technik lassen sich sicherlich auch weniger geeignete Sportarten zu einem gewissen Maß betreiben. Beschwerden beim Sport zeigen aber eindeutig an, dass die jeweilige Sportart zum Zeitpunkt ungeeignet ist. Das berühmte „Fitspritzen“ von Leistungssportlern sollte im Breitensport unterbleiben, da es lediglich Symptome unterdrückt, obwohl die Belastung weiterhin besteht und das Gelenk weiter geschädigt wird.
Empfehlenswert sind kontinuierliche Belastungen mit geringer bis mäßiger Intensität. Hierzu eignen sich z. B. folgende Sportarten:
- gut geeignet:
- Radfahren
- Schwimmen (v. a. Rückenschwimmen)
- Gymnastik
- kürzere Wanderungen in der Ebene
- bedingt geeignet:
- Jogging mit guter Ausrüstung auf weichem Boden
- längere Wanderungen im Gebirge
- Sportarten mit Gegnerkontakt oder Spitzenbelastungen sind ungeeignet. Hierunter fallen:
- Ballsportarten: Fußball, Handball, Basketball
- Rückschlagsportarten: Tennis, Squash etc.
Arthrose durch Sport?
Sport soll dem Erhalt von Lebensfreude und Gesundheit dienen. Belastungsintensitäten des Breitensports erfüllen diesen Zweck sehr gut und führen im Allgemeinen nicht zu einer Arthrose, wenn nicht andere begünstigende Faktoren hinzutreten. Einseitige und starke Belastungen des Leistungssports können Schäden am Bewegungsapparat hervorrufen, insbesondere dann, wenn Verletzungen auftreten.
Dr. med. Christian Plafki
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