Durchfall und Durchfallerreger
Es gibt eine ganze Reihe von Keimen (z. B. Bakterien, Viren, Pilze, tierische Einzeller und Parasiten), die in der Lage sind, Durchfälle (Diarrhoen) auszulösen. Hier sollen nur die wichtigsten und häufigsten Erreger besprochen werden.
Dies sind bakterielle Keime wie z. B. die Salmonellen, die Cholerabakterien, die Shigellen, bestimmte Eitererreger, wie z. B. Staphylokokkenarten und Escherischia coli. Sie werden unter dem Namen Enterobakterien zusammengefasst. Zu den Viren, die Durchfälle auslösen können, gehören die Coxsackie-Viren, die Entero-Viren und die Rota-Viren. Weiterhin sollen die Amöben als tierische Einzeller besprochen werden.
Durchfallserkrankungen häufen sich in der Regel in den Sommermonaten, auch sind viele Reisende in südlichen Ländern betroffen, vor allem in südlich-warmen Ländern mit niedrigem hygienischen Standard. Man schätzt, dass über 30% der Reisenden in tropische und subtropische Länder eine sog. Reisediarrhoe erleiden.
Was versteht man unter Durchfall?
Man spricht von Durchfall bei mehr als drei Entleerungen ungeformter bis wässriger Stühle pro Tag. Bei manchen Erkrankungen finden sich Blut-, Schleim- und Eiterbeimengungen. Die Schwere des Krankheitsbildes und der Verlauf können in weiten Grenzen schwanken: zwischen schnell vorübergehenden und keiner Behandlung bedürfenden Durchfällen über schwere Diarrhoen mit zusätzlichen körperlichen Krankheitssymptomen (vor allem Kreislaufregulationsstörungen) bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Austrocknung, Kollaps, Nierenversagen und Schock.
Weitaus die meisten Erkrankungen verlaufen leicht und klingen mit und ohne Therapie in wenigen Tagen von selbst wieder ab. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern jedoch kann heftiger Durchfall in kurzer Zeit zu lebensgefährlicher Entwässerung und bedrohlichen Veränderungen des Mineralstoffhaushaltes führen. Eine genaue Beobachtung von Durchfallskranken ist daher erforderlich, um gegebenenfalls eine Klinikeinweisung mit der Möglichkeit einer Infusionstherapie zur Wiederherstellung des Wasser- und Mineralstoffhaushaltes (Elektrolythaushaltes) einzuleiten.
Therapie
In schweren Fällen ist die wichtigste Maßnahme die Wiederzuführung der verlorenen Flüssigkeit und Elektrolyten. Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen sind schnell durch eine Austrocknung und Entgleisungen des Mineralstoffhaushaltes gefährdet. Je nach Situation und Schwere des Krankheitsbildes können Elektrolytlösungen entweder getrunken oder als Infusion verabreicht werden. Solche Elektrolytlösungen gibt es fertig im Handel, sie können jedoch auch selbst hergestellt werden.
Antibiotika müssen bei leichten Fällen von Reisediarrhoen nicht gegeben werden, die Durchfälle klingen in der Regel von selbst in wenigen Tagen ab. Auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme muss jedoch geachtet werden. Empfohlen wird eine leichte Kost mit Suppe, Brei, leichtem Gemüse, Bananen u.ä. Es gibt Medikamente, die die sog. Darmperistaltik, die Bewegungsschnelligkeit des Darmes, herabsetzen, diese Medikamente hemmen jedoch auch die Ausscheidung der Erreger und sollten daher nur kurzfristig, z. B. vor einer Flugreise eingenommen werden. Zusätzlich können krampflösende Mittel die oft heftigen Bauchschmerzen lindern. Bei blutigen, eitrigen Durchfällen, schweren Verläufen, bei begleitendem Fieber, bei Säuglingen und älteren Menschen müssen unter Umständen Antibiotika gegeben werden. Dies sollte möglichst gezielt nach einer Feststellung des auslösenden Erregers gemacht werden.
Prophylaxe (Vorbeugung)
Zur Vermeidung einer Reisediarrhoe ist die Trinkwasser-, Nahrungsmittel- und persönliche Hygiene am wichtigsten. Weitgehend unbedenklich sind der Genuss von abgekochtem oder entkeimtem Wasser (auch zum Zähneputzen!). Getränke sollten nur aus original verschlossenen Flaschen zu sich genommen werden. Speisen sollten gekocht oder gebraten und frisch zubereitet konsumiert werden. Vermeiden sollte man ungekochtes Wasser, auch Eiswürfel in Getränken, Speiseeis, rohe oder halbgegarte Speisen, insbesondere Mayonnaisen und Salate. Ein bewährter Merksatz zur Vermeidung von Reisedurchfällen lautet: “Cook it, boil it, peel it or leave it” , d. h. Kochen, Braten, Schälen oder sein lassen.
Zur Vermeidung einer Infektion gilt es einige wichtige Regeln zu beherzigen:
- Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor dem Kontakt mit Lebensmitteln.
- Durchgängige ausreichende Kühlung gefährdeter Lebensmittel (v. a. Eier, Geflügel, Hackfleisch u.ä.), bei Geflügel das Auftauwasser wegschütten.
- Gründliche Küchenhygiene (regelmäßiges Waschen und Auswechseln von Spültüchern, gründliche Reinigung von Arbeitsplatten, Schneidbrettern, Messern usw.).
- Gründliches Erhitzen bzw. Durchbraten von Speisen, die häufig mit Keimen befallen sind (v.a. Geflügel).
- Besondere Vorsicht beim Verzehr von Speisen mit rohen Eiern (z. B. Aioli, Tiramisu, frische Mayonnaise, Zabaione).
Reisende in Länder mit ungenügendem hygienischen Standard oder in sehr warme Länder sollten die oben erwähnten Hygieneregeln beachten.
Weitere Infos zu Usachen, Symptomen und der richtigen Therapie bei auftretender Durchfallerkrankung finden Sie ergänzend auf www.docjones.de.
Beschreibung einzelner Durchfallserkrankungen
1. Durchfälle, die durch Bakterien ausgelöst werden
- Salmonellen
Bei den Salmonellen muss man zwei Gruppen unterscheiden. Eine Unterart der Salmonellen verursacht den Typhus, eine schwere Allgemeininfektion von mehreren Wochen Dauer, die fast ausschließlich aus den Tropen mitgebracht wird. Daneben gibt es etwa 200 andere Unterarten, die eine Dünndarminfektion mit Brechdurchfällen von einigen Tagen Dauer auslösen können (eine sog. Enteritis).- Typhus
Der Typhus beginnt nach einer ca. 2-3wöchigen Inkubationszeit mit langsam steigendem Fieber, d. h. die Patienten haben keinen Schüttelfrost. Typisch ist eine Verlangsamung der Herzfrequenz trotz bestehendem Fieber (normalerweise steigt die Herzfrequenz bei Fieber an). Es folgen Kopfschmerzen, Husten, Ausschläge auf der Bauchhaut, eine Vergrößerung der Milz und eventuell Benommenheit. Zu erbsbreiartigen Durchfällen kommt es jedoch erst in der 2. Krankheitswoche.
Die Therapie erfolgt symptomatisch mit Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr und der Gabe von Antibiotika. - Salmonellen-Gastroenteritis
Nach einer Inkubationszeit von 12-48 Stunden nach dem Genuss infizierter Speisen (vor allem rohe Eier, Fleisch, Geflügel, Muscheln) kommt es zu rasanten Brechdurchfällen, Bauchkrämpfen, oft begleitet von heftigen Kopfschmerzen.
Die Durchfälle sind erbsbreiähnlich-grünlich. Problematisch kann die Entwicklung einer Austrocknung mit Kollapsneigung sein. Die Therapie erfolgt durch eine Auffüllung des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Antibiotika sind in leichten Fällen nicht erforderlich.
- Typhus
- Shigellen
Die Shigellen sind Auslöser der bakteriellen Ruhr. Die Ruhr ist eigentlich eine Erkrankung in Kriegs- und Notzeiten, wenn schlechte hygienische Verhältnisse herrschen. Bei uns ist die Ruhr daher sehr selten geworden, in Massenquartieren bei mangelnder Hygiene tauchen ab und zu Fälle auf (siehe auch Reisemedizin).
Die Ruhr äußert sich nach einer Inkubationszeit von 2-7 Tagen mit blutig-schleimig-eitrigen Durchfällen, Darmkrämpfen und Fieber. Die Therapie besteht auch hier im Ausgleich des Wasser- und Elektrolytverlustes und der Gabe von Antibiotika. - Cholera
Der Erreger der Cholera ist ein Bakterium namens vibrio cholerae. Die Cholera ist eine Erkrankung in Ländern mit geringem hygienischen Standard und auch dort sind meist unterernährte Menschen mit anderen Vorerkrankungen betroffen.Die Cholera tritt auf nach einer Inkubationszeit von einigen Stunden bis wenigen Tagen nach der Aufnahme der Erreger durch kontaminiertes Trinkwasser oder befallenen Lebensmitteln. Die Erkrankung kann sich in einer großen Bandbreite äußern: von leichten Fällen, die nicht von anderen Durchfallserkrankungen unterschieden werden können, über die schwere Form mit 20 bis 30 Entleerungen sog. “Reiswasserstühlen” pro Tag mit Erbrechen, schwerer Austrocknung und Einstellung der Urinproduktion bis zu den schwersten Fällen mit Tod innerhalb von wenigen Stunden.Die Therapie umfasst die sofortige Isolation des Kranken, Ausgleich des Wasser- und Elektrolytverlustes und die Gabe von Antibiotika. Ein früher Beginn der Therapie bestimmt ganz wesentlich den Verlauf der Erkrankung. So beträgt bei rechtzeitiger Therapie die Sterblichkeit etwa 2%, bei unbehandeltem schweren Verlauf kann sich die Letalität auf über 50% erhöhen.
- StaphylokokkenHierbei handelt es sich genau genommen nicht um eine Infektion, sondern um eine Lebensmittelvergiftung. Die Staphylokkokken sind in der Lage, ein Gift zu produzieren, das heftiges Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Darmkrämpfe auslöst. Nach kurzer Zeit klingt die Erkrankung in der Regel auch ohne Therapie ab, außer Flüssigkeits- und Elektrolytgaben ist keine weitere Therapie erforderlich.
- Weitere, jedoch seltener Durchfälle auslösende Bakterien sind z. B. Yersinien, Clostridium botulinum, Campylobakter jejuni und E. coli.
2. Durch Viren ausgelöste Durchfallserkrankungen
Die häufigste Ursache infektiöser Durchfälle sind allerdings Viren, meist Rotaviren, Coxsackieviren und Adenoviren.
Vor allem bei Kindern, und hier gehäuft in den Wintermonaten, führen diese Viren zu teilweise heftigen Durchfällen, oft mit Erbrechen kombiniert. Außer der bereits erwähnten Flüssigkeitszufuhr, wenn erforderlich mit Hilfe von Infusionen, ist meist keine Therapie erforderlich. Bis der Erreger durch Stuhluntersuchungen nachgewiesen ist, sind die Durchfälle oft bereits wieder abgeklungen.
3. Die Amöbenruhr
Amöben sind tierische Einzeller, die in den Tropen und Subtropen relativ häufig angetroffen werden (man schätzt, dass etwa 70% der dort lebenden Menschen symptomlose Dauerausscheider sind). Die Amöben werden mit verunreinigtem Wasser und Nahrungsmitteln aufgenommen und verursachen eine geschwürige Dickdarmentzündung. Die akute Amöbenruhr äußert sich mit himbeergeleeartigen, breiigen Durchfällen mit Schleim und Blutspuren. Jeder anhaltende Durchfall bei Patienten, die einen Tropen/Subtropenaufenthalt hinter sich haben, ist u. a. verdächtig auf einen Amöbenbefall! Die wichtigste Komplikation einer Amöbenruhr ist die Entwicklung von Leberabszessen. Dann haben die Patienten in der Regel Fieber, Druckschmerzen im rechten Oberbauch, und eventuell eine Gelbverfärbung der Haut (Ikterus). Zwischen der Erstinfektion und der Entwicklung solcher Abszesse können viele Monate liegen.
Dr. med. M. Czioska


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