Gelbsucht (Ikterus)
Von Ikterus oder Gelbsucht spricht man, wenn es zu einer Gelbfärbung von Haut und Augen kommt. Ursache ist ein Anstieg der Konzentration eines Blutabbauprodukts im Körper. Ein Ikterus kann in jeder Altersgruppe vom Neugeborenen bis zum alten Menschen auftreten. Der Ikterus ist ein Symptom, dem eine Vielzahl von Erkrankungen zugrunde liegen können, die völlig harmlos oder akut lebensgefährlich sein können.
Deshalb ist es zwingend notwendig, beim Auftreten einer solchen Gelbfärbung der Haut oder der Augen umgehend einen Arzt aufzusuchen!
Was ist Bilirubin?
Die Substanz, die zur Verfärbung von Haut und Augen beim Ikterus führt, ist Bilirubin. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Es entsteht beim Abbau roter Blutkörperchen (Erythrozyten), der ständig in der Milz, im Knochenmark und in der Leber stattfindet. Das Bilirubin wird auf dem Blutweg zur Leber transportiert, wo es in den Leberzellen in eine besser lösliche Form überführt wird. Das lösliche Bilirubin wird zu 99% von der Leber in die Galle abgegeben und gelangt über den Gallengang in den Darm. Darmbakterien verändern das Molekül noch weiter, wobei Farbstoffe entstehen, die dem Stuhl die Farbe verleihen. 1% des löslichen Bilirubins gelangt auf dem Blutweg zu den Nieren, wo es mit dem Harn ausgeschieden wird. Dies erklärt die gelbe Farbe des Urins.
Durch diese Mechanismen gelingt es dem Körper, die Bilirubin-Konzentration im Blut niedrig zu halten. Ein Ikterus entsteht, wenn die Bilirubin-Konzentration im Blut zu sehr ansteigt.

Abbildung 1: Das Bilirubin-Molekül
Woher kommt die gelbe Hautfarbe beim Ikterus?
Ein Ikterus entsteht, wenn die Konzentration von Bilirubin so stark ansteigt, dass sich die gelbe Substanz in der Haut und im Augenweiß ablagert (Das gleiche passiert, wenn das Blut eines zunächst „blauen“ Flecks – der nichts anderes als eine kleine Einblutung in die Haut ist – abgebaut wird: Nach einigen Tagen verfärbt sich der Fleck gelb).
Es gibt drei Ursachen für einen so starken Anstieg des Bilirubins im Körper:
- Es fällt soviel Bilirubin an (d. h. es werden so viele rote Blutkörperchen abgebaut), dass die Leber nicht in der Lage ist, alles in die lösliche Form zu überführen und auszuscheiden;
- Die Funktion der Leber ist aufgrund einer Erkrankung oder sonstigen Störung so eingeschränkt, dass sie die Verstoffwechselung des Bilirubins und/oder die Ausscheidung des löslichen Bilirubins in die Galle nicht mehr schafft;
- Die bilirubinhaltige Galle kann wegen einer Verengung oder Verstopfung in der Leber oder im Gallengang nicht mehr ausgeschieden werden; das Bilirubin staut sich bis ins Blut zurück.
Die Ablagerung von Bilirubin in der Haut führt oft zu quälendem Juckreiz. Außer beim Fötus und Neugeborenen (wo sich das Bilirubin im Gehirn ablagern und dort zu schweren bleibenden Schäden führen kann) ist der Anstieg von Bilirubin im Blut und die Ablagerung in der Haut nicht gefährlich. Der Ikterus ist aber ein deutlicher Hinweis auf eine möglicherweise ernste Störung von Blutabbau, Leberfunktion oder Gallenausscheidung!
Welche Ursachen kann ein Ikterus haben?
Die Ursachen eines Ikterus sind äußerst zahlreich. Die meisten lassen sich in die o. g. drei Bereiche einteilen:
- Gesteigerte Bildung von Bilirubin aufgrund eines erhöhten Abbaus von roten Blutkörperchen (= Hämolyse):
- angeborene Defekte der roten Blutkörperchen, die zum gesteigerten Abbau führen, z. B. Sichelzellanämie, Thalasämie, Kugelzellanämie, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
- Angriff eigener roter Blutkörperchen (sog. Autoimmun-Hämolyse) oder fremder roter Blutkörperchen nach Blutübertragung durch das Immunsystem
- Zerstörung der roten Blutkörperchen, z. B. durch Malaria-Erreger
- Zerstörung der roten Blutkörperchen als unerwünschte Wirkung mancher Arzneimittel
- Lebererkrankungen
- durch Viren verursachte Leberentzündung (v. a. Hepatitis-Viren, aber auch Epstein-Barr-Virus und viele „exotische Erreger“ nach Auslandsaufenthalten)
- Alkohol
- Leberzirrhose
- leberschädigende Medikamente, auch die „Pille“
- Gifte, die die Leber zerstören (z. B. Gift des Knollenblätterpilzes)
- Lebertumoren
- Störungen der Galleausscheidung
- Gallensteine
- Vernarbungen nach einer Gallen- oder sonstigen Bauchoperation
- Autoimmunerkrankungen, die die Gallenwege angreifen
- Entzündungen der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse
- Tumoren von Leber, Gallenwegen oder Bauchspeicheldrüse.
Die Aufzählung ist keineswegs vollständig; es gibt noch viele andere (seltenere) Ursachen.
Leber und Gallenblase

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Groß
Welche Untersuchungen sind zur Ursachenklärung nötig?
Beim Ikterus ist eine genaue und ehrliche Auskunft des Betroffenen zur schnellen Klärung der Ursache nötig. Besonders wichtig sind exakte Auskünfte zu Medikamenten, Alkoholkonsum, Auslandsreisen, Blutübertragungen, giftigen Stoffen am Arbeitsplatz und früheren Lebererkrankungen bei sich oder in der Familie. Angaben zu anderen Krankheitsbeschwerden (z. B. Schmerzen, Fieber) und die körperliche Untersuchung liefern dem Arzt weitere wichtige Hinweise.
Eine Reihe von Blutuntersuchungen sind sinnvoll, um die Ursache des Ikterus zu erkennen und das Ausmaß einschätzen zu können. Beispielsweise lässt sich so ein gesteigerter Abbau von roten Blutkörperchen von einer Erkrankung der Leber oder der Gallenwege abgrenzen. Im Blut ist auch der Nachweis von leberschädigenden Krankheitserregern oder gegen sie gerichtete Antikörper möglich (z. B. Hepatitis-Viren).
Neben einer Ultraschalluntersuchung der Leber und der angrenzenden Organe ist manchmal eine Untersuchung des Gallenganges und des Ausführungsgangs der Bauchspeicheldrüse im Rahmen einer Magen-Zwölffingerdarm-Spiegelung (sog. ERCP oder ERC) nötig. Vor allem Gallensteine, aber auch eine Reihe anderer Erkrankungen können so aufgespürt werden. Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungen nötig werden.up
Kurzdarstellung häufiger Erkrankungen, die mit einem Ikterus einhergehen
- Leberzirrhose
Bei der Leberzirrhose kommt es als Folge anderer Erkrankungen zum Untergang von Leberzellen, die durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt werden. Am häufigsten wird die Erkrankung in Deutschland durch die chronische Virus-Hepatitis (Hepatitis B oder C) und durch Alkoholismus verursacht. Neben vielen anderen Problemen, die diese Erkrankung nach sich zieht, nimmt auch die Fähigkeit der Leber, Bilirubin zu verarbeiten, stark ab und es kann zum Ikterus kommen. Eine Leberzirrhose ist nicht rückgängig zu machen, sondern allenfalls zu stoppen. Dazu muss alles unterlassen werden, was die Leber schädigen kann (Alkohol, Medikamente, Arbeitsstoffe). - Gallensteine
Wenngleich die Mehrzahl der Träger von Gallensteinen keinerlei Beschwerden haben, kann ein Gallenstein gelegentlich den Gallengang oder die gemeinsame Mündungsstelle von Gallengang und Bauchspeicheldrüse in den Darm verstopfen und einen Rückstau der Galle verursachen. Die Folge ist (zumeist neben starken Koliken) u. a. ein Bilirubinanstieg im Blut, der zum Ikterus führt. Im Rahmen einer Magen-Zwölffingerdarm-Spiegelung mit Untersuchung des Gallengangs (sog. ERCP oder ERC) kann der Stein in den meisten Fällen entfernt werden. Nach Abklingen der akuten Beschwerden ist eine operative Entfernung der Gallenblase angezeigt, um eine Wiederholung zu verhindern. - Virus-Hepatitis
Hepatitis-Viren können zu einer akuten oder chronischen Schädigung der Leber führen, die zu einem Ikterus führen kann. Hepatitis A und E werden durch kontaminierte Lebensmittel von Mensch zu Mensch übertragen (v. a. in ärmeren Ländern). Hepatitis B, C und D können nur durch Blutübertragung oder ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten übertragen werden. Neben Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gliederschmerzen u. ä. kommt es häufig zu einem Ikterus. Die Therapie und Prognose einer Hepatitis hängt vom Erreger ab. Die B- und C-Hepatitis können einen chronischen Verlauf nehmen, die zur Leberzirrhose führen kann.
Auch andere Erreger können zu Krankheitsbildern führen, die u. a. mit einem Ikterus einhergehen, so z. B. das Epstein-Barr-Virus (Erreger der Mononukleose = Pfeiffer’sches Drüsenfieber); in den Tropen z. B. auch die Erreger von Gelbfieber, Leptospirose oder Malaria. - durch Medikamente verursachter Ikterus
Eine Vielzahl von Medikamenten können zum Ikterus führen. Je nach Mechanismus kann diese unerwünschte Wirkung harmlos oder sehr gefährlich sein. In jedem Fall sollte das Medikament (nach Absprache mit dem Arzt und ggf. Verwendung eines Ersatzmedikaments!) abgesetzt werden. Beispiele sind: Antibiotika (Sulfonamide, Tetrazyklin, Erythromycin), Schmerzmittel (Paracetamol, Phenylbutazon), orale Verhütungsmittel (die „Pille“), Mittel gegen Epilepsie (Valproat), Methotrexat u. a. - Ikterus in der Schwangerschaft
Neben allen Ursachen, die auch außerhalb der Schwangerschaft zu einem Ikterus führen können, gibt es einige Ursachen, die nur bei der Schwangeren auftreten. Am häufigsten ist der sog. „idiopathische Schwangerschaftsikterus“, dessen genaue Ursache nicht bekannt ist, der aber in aller Regel harmlos ist. Äußerst selten kommen in der Schwangerschaft oder unter der Geburt Leberschädigungen vor, die lebensgefährlich sein können. Ein Zeichen ist auch hier der Ikterus. - Neugeborenenikterus
Das Blut des Fötus (das ein etwas anderes Hämoglobin besitzt) wird innerhalb der ersten Tage nach der Geburt vollständig durch neues Blut ersetzt. Dadurch fällt innerhalb kurzer Zeit besonders viel Bilirubin an. Gleichzeitig ist die Leistungsfähigkeit der Leber noch nicht optimal. Dies führt bei manchen Neugeborenen zum Ikterus. Ein leichter Anstieg des Bilirubins ist harmlos. Bei sehr hohen Konzentrationen lagert sich Bilirubin jedoch im Gehirn das Neugeborenen ab. Dies kann zu schweren, bleibenden Gehirnschäden führen. Ab einer bestimmten Konzentration wird die Haut mit blauem Licht bestrahlt (die Lichtenergie spaltet das Bilirubin in besser lösliche Moleküle). Im Extremfall muss das Blut des Neugeborenen ausgetauscht werden.Bei bestimmten Konstellationen der Blutgruppen (Rhesus-Faktoren) von Mutter und Kind kann es zu einem Ikterus des Fötus bereits im Mutterleib kommen, der schwere Schäden am Kind verursachen oder tödlich verlaufen kann. Dieser Gefahr wird in Deutschland durch die routinemäßige Gabe eines spezifischen Antikörpers (Rhesogam®) bei gefährdeten Frauen vorgebeugt.



HI!
Alles klärchen, Bärchen? Bei mir NICHT :’(
Ich habe an meinem Arm einen blauen Fleck, der sich nun mittlerweile gelblich verfärbt hat. Ich habe jetzt MEGA-SCHISS, dass ich Gelbsucht habe…
KANN DAS SEIN?!
HIIIIILFEEEEE!!!!
Anonym.. HA