Hepatitis
Einleitung
Es gibt eine Reihe von Leberentzündungen, die unter dem Begriff Hepatitis (von griechisch hepar, die Leber) zusammengefasst werden. Meistens handelt es sich dabei um infektiöse, d.h. ansteckende Erkrankungen. Es gibt jedoch auch nichtansteckende Entzündungen, z. B. im Gefolge anderer Erkrankungen, als Folge eines Alkoholmissbrauchs oder auch in seltenen Fällen als Komplikation während einer Schwangerschaft.
Bei den infektiösen Hepatitiden unterscheidet man unter anderem solche, die durch Viren (die bei weitem häufigste Ursache), Bakterien oder tierische Einzeller ausgelöst werden.
Im folgenden werden die Virushepatitiden im Detail beschrieben.
Virushepatitis
Es handelt sich bei der Virushepatitis um eine nichteitrige Leberentzündung, die durch eines von mindestens 5 verschiedenen Viren verursacht wird. Wissenschaftler vermuten, dass es noch weitere Erreger gibt. Die bisher bekannten 5 Viren werden mit den Großbuchstaben A bis E bezeichnet, folglich unterscheidet man eine Hepatitis A bis Hepatitis E. Die Häufigkeit der einzelnen Erkrankungen ist recht unterschiedlich: in Deutschland infizieren sich etwa 50-55% mit einer Hepatitis A, ca. 30-35% mit einer Hepatitis B, ca. 10% mit Hepatitis C, die restlichen mit den ganz seltenen Untergruppen D und E .
Die Symptomatik der einzelnen Hepatitisarten ist sehr ähnlich.
Typisch zu Beginn der Erkrankung sind zum Beispiel folgende Beschwerden:
- zuerst “grippale Symptome”, d.h. leicht erhöhte Temperaturen bis ca. 38 °C, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, manchmal Gliederschmerzen,
- dazu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Druckschmerzen im rechten Oberbauch.
Erst später im Verlauf der Erkrankung zeigen sich dann oft die “typischen” Hepatitissymptome wie Dunkelfärbung des Urins, Gelbfärbung der Haut und der Augen (daher nannte man die Erkrankung früher auch Gelbsucht), Hellfärbung des Stuhls, Juckreiz. Der Arzt kann oft eine Lebervergrößerung feststellen.
Sämtliche Symptome können jedoch auch ganz fehlen, vor allem die Gelbfärbung der Haut bleibt in 2/3 der Fälle aus. Das Fehlen hepatitistypischer Symptome und Beschwerden macht die Diagnose oft schwierig und führt dazu, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Patienten eine Hepatitis durchmacht, ohne die Erkrankung überhaupt zu bemerken.
In den meisten Fällen heilt eine Virushepatitis nach einigen Wochen bis Monaten aus, die Dauer der Erkrankung hängt ab von der Art des Erregers (z. B. dauert eine Hepatitis B in der Regel länger als eine Hepatitis A) und der Schwere der Erkrankung. Eine durchgemachte Hepatitis hinterlässt Antikörper gegen den auslösenden Erreger, der Patient ist dann gegen eine wiederholte Infektion geschützt, d. h. er ist immun geworden. Eine durchgemachte Hepatitis A bedeutet allerdings auch lediglich Schutz vor einer erneuten Hepatitis A, an einer Hepatitis durch andere Erreger kann dieser Patient jederzeit zusätzlich erkranken.
Besonderheiten der einzelnen Hepatitisarten
Hepatitis A
Das Hepatitis A-Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden, folglich kann man sich von Mensch zu Mensch (über Sexualkontakte, gemeinsam genutzte Toiletten usw.), über kontaminierte (d. h. mit Keimen befallene) Lebensmittel oder Wasser anstecken. Häufig infizieren sich Touristen in südlichen Urlaubsländern auch über Muscheln, andere Meerestiere und kontaminiertes Wasser, z. B. in Eiswürfeln. Dieser Übertragungsweg heißt “fäkal-oral” = von Stuhl über Nahrungsmittel oder beschmutzte Hände in den Mund.
Nach ca. 15-50 Tagen zeigen sich dann die typischen Symptome. Der betroffene Patient scheidet jedoch schon vor Ausbruch der Erkrankung Viren mit dem Stuhl aus, ist also für seine Umwelt eine Infektionsquelle. In der Praxis bedeutet dies, dass z. B. Kinder, die Kontakt zu Hepatitiskranken hatten, 4-5 Wochen ihren Kindergarten oder die Schule nicht besuchen sollten, um zu verhindern, dass vor dem Auftreten von Krankheitssymptomen diese Kinder als Virusausscheider größere Gruppen von Menschen anstecken.
Die Hepatitis A ist weltweit verbreitet, häufiger in Ländern mit geringem hygienischen Standard. Folglich werden die meisten Erkrankungen von Urlaubsreisen in südliche Länder mitgebracht.
Nach der Infektion mit Hepatitis A wird eine körperliche Schonung, evtl. Bettruhe und der Verzicht auf alle leberschädigenden Stoffe empfohlen, z. B. auf Alkohol und bestimmte Medikamente.
Nach 2-5 Wochen ist in der Regel die Heilung abgeschlossen, chronische Fälle gibt es praktisch nicht.
Da es eine ursachenbekämpfende Therapie nicht gibt, ist die Vorbeugung besonders wichtig. Das bedeutet in südlichen Ländern den Verzicht auf Leitungswasser in jeder Form, sei es Eis, Schalentiere, Salat usw.
Es gibt seit einigen Jahren eine sehr gut verträgliche Impfung. Diese Impfung stellt die wirksamste Maßnahme zur Verhütung einer Infektion dar. Für einen optimalen Schutz sind zwei Impfungen im Abstand von 6-12 Monaten erforderlich, auch Kinder nach dem ersten Lebensjahr können bereits mit einer geringeren Dosis geimpft werden.
Geimpft werden sollten Menschen, die in gefährdete Gebiete reisen, oder die beruflich einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind (das betrifft z. B. auch Mitarbeiter von Klärwerken, Betreuer in Kindergärten oder Kindertagesstätten o. ä.).
Hepatitis B
Die häufigsten Übertragungswege von Hepatitis B:
- Blut und Blutprodukte oder kontaminierte Instrumente (z. B. auch durch nicht ordnungsgemäß sterilisierte Tätowiernadeln, gemeinsam benutzte Injektionsnadeln u. ä.)
- Sexuelle Kontakte (50% der Hepatitis B-Infektionen werden sexuell übertragen)
- Infizierte Mütter übertragen das Virus auf ihr Kind.
Bei ca. 30% der Erkrankungen lässt sich kein Übertragungsweg feststellen.
Das Risiko für eine Erkrankung durch eine Bluttransfusion ist in den letzten Jahren dank besserer Kontrollen der Blutkonserven sehr gering geworden.
45 bis 160 Tage nach der Infektion zeigen sich die ersten Symptome der Erkrankung, in fast der Hälfte aller Fälle spürt der Patient jedoch nichts von seiner Leberentzündung. Bei älteren Menschen beobachtet man meist schwerere Verläufe. Bei komplikationslosem Verlauf ist das akute Krankheitsstadium nach 2 bis 6 Wochen überstanden, danach schließt sich meist eine mehrmonatige Erholungszeit mit verminderter Leistungsfähigkeit an, das sogenannte Rekonvaleszentenstadium.
Im Gegensatz zur Hepatitis A, die praktisch immer komplikationslos folgenlos ausheilt, existiert bei der Hepatitis B in 1% der Fälle eine schwere Verlaufsform, die tödlich enden kann. Bei 5 bis 10% aller erwachsenen Infizierten (d. h. auch bei den Patienten, die die Erkrankung durchmachen ohne Symptome zu entwickeln) geht die Infektion in eine chronische Hepatitis B über. Das Risiko für einen chronischen Verlauf hängt vom Alter der Erkrankten ab und ist bei jüngeren Patienten deutlich höher. Bei einer chronischen Hepatitis B erhöht sich das Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose oder eines Leberkrebses.
Die Möglichkeiten der Therapie entsprechen denen bei der Hepatitis A.
Auch für die Hepatitis B gibt es seit Jahren eine gut verträgliche Impfung. Diese Impfstoffe bauen in 90% der Fälle einen zuverlässigen Schutz auf und es ist ausgeschlossen, dass durch die Impfung eine Hepatitis B übertragen wird.
Für die Entwicklung eines ausreichend hohen Antikörperspiegels sind drei Impfungen notwendig, 4 Wochen nach der Erstimpfung erfolgt die zweite, nach 6-12 Monaten die dritte Injektion. Nach einer durchgeführten Impfung sollte der Impferfolg durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden.
Empfohlen wird die Impfung für alle Menschen mit einem erhöhten Risiko der Ansteckung. Dazu zählen medizinisches Personal, Patienten, die sich einer Blutwäsche (Dialyse) unterziehen müssen, Patienten, die Transplantate (Spenderorgane) empfangen und häufige Empfänger von Blutprodukten. Seit 1995 ist die Hepatitis B Impfung generell für alle Kinder bis zu 16. Lebensjahr empfohlen.
Seit einiger Zeit gibt es einen kombinierten Impfstoff gegen Hepatitis A und Hepatitis B.
Hepatitis C
Die Hepatitis C wird durch Blut, Blutprodukte, Instrumente, Sexualkontakte und während Schwangerschaft und Geburt von Mutter auf Kind übertragen. In Deutschland und Europa werden über 90% der bei Bluttransfusionen übertragen Hepatitisinfektionen durch das Hepatitis-C Virus ausgelöst.
90-95% der Fälle verlaufen symptomlos, trotzdem entwickelt sich bei 50-80% der Infizierten ein chronischer Verlauf. Auch hier besteht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Leberzirrhose oder einer Leberkrebserkrankung.
Eine Impfung existiert derzeit noch nicht.
Hepatitis D
Das Hepatitis D Virus ist ein bei uns sehr seltener Erreger, der sich nur in Verbindung mit dem Hepatitis B Virus vermehren kann. Übertragen wird es wie die Hepatitis B.
Hepatitis E
Die Hepatitis E wird fäkal-oral übertragen, d. h. über Nahrungsmittel, Wasser usw. (wie Hepatitis A). Auch diese Form der Hepatitis ist bei uns recht selten. Die Krankheit heilt in 90% der Fälle komplikations- und folgenlos aus, es gibt keine chronischen Verläufe.
In 10% entwickelt sich ein schwerer Verlauf, der meist tödlich endet.
Es gibt keine Impfung.
Marietta Czioska
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