Herzklappenfehler, Entzündungen des Herzens, Herzneurose
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an erster Stelle der Todesursachen – allen voran die Erkrankung der Herzkranzgefäße. Je mehr Sie über Herzerkrankungen wissen, desto besser können Sie sich selbst vor ihnen schützen.
In der Statistik der Ursachen, an denen die Menschen in der Bundesrepublik sterben, stehen die Herz-Kreislauf-Krankheiten vor allen anderen mit weitem Abstand an erster Stelle.
Herzklappenfehler
Die vier Herzklappen im Herzinnern steuern den Blutstrom und sorgen dafür, dass das Blut stets nur in eine bestimmte Richtung fließt. Sie arbeiten dabei nach den Prinzipien eines Rückschlagventils, öffnen und schließen sich also jeweils unter dem Druck des ein- oder ausströmenden Blutes. Jeder Defekt am Klappenmechanismus kann, je nach Schwere des Defekts und je nach Leistungsanforderung an das Herz, mehr oder minder folgenschwer sein. Die meisten Klappenfehler stellen sich im Laufe des Lebens ein, die wenigsten sind angeboren. Geringe Klappendefekte können ein ganzes Leben lang ohne störenden Einfluss bleiben, besonders dann, wenn der Betroffene keine schwere körperliche Arbeit zu machen hat. Ist der Defekt größer, wird dadurch der Herzmuskel auf Dauer so beansprucht, dass sich eine Pumpschwäche des Herzens einstellen kann. Bei der Verengung einer Herzklappe (Stenose) beruht die Überlastung des Herzmuskels auf dem erhöhten Druck, den die vor dieser Klappe liegende Kammer aufbringen muss, um das Blut durch die eingeengte Klappe drücken zu können.
Herzklappenfehler müssen meistens operativ behoben werden. Beispielsweise lassen sich durch Narben veränderte Herzklappen regelrecht aufsprengen, etwa mit dem Finger oder mit speziellen Schneidinstrumenten. Routine ist auch der Ersatz defekter Herzklappen. Unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine werden am vorübergehend stillgelegten und geöffneten Herzen künstliche Klappen aus Kunststoff und Metall oder präparierte Herzklappen von Schweinen eingesetzt. Neuerdings werden in Einzelfällen auch sogenannte Homografts verwendet, das sind Herzklappen von verstorbenen Menschen, die vorher eine besondere Behandlung erfahren und in Zentralstellen tiefgekühlt gelagert werden.
Der angeborene Herzfehler – für alle Eltern, wenn er kurz nach der Geburt festgestellt wird, ein schwer fassbarer Schicksalsschlag – lässt sich auch heute noch nicht verhindern, wohl aber sehr viel besser behandeln als früher. Es handelt sich dabei um Fehlentwicklungen beim Herzwachstum während der frühen embryonalen Phase. Ursachen sind unter anderem genetische Vorgaben, Auswirkungen von Infektionen, besonders Scharlach, aber auch Masern, Mumps und Röteln, Strahlen- und Medikamentenschäden, Sauerstoff- und Vitalstoffmangel. Am häufigsten sind die “Fallotschen Kardiopathien”, vier verschiedene Herzmissbildungen, von denen die “Fallotsche Tetralogie” die größte Bedeutung hat. Es ist das “Loch in der Scheidewand”, also ein Defekt an der Trennwand zwischen linker und rechter Herzkammer. Das hat zur Folge, dass sich sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut mischen können und die Kinder unter einer fortdauernden Sauerstoffnot leiden. Sie haben deswegen eine bläuliche Hautfarbe und werden auch “blue babies” genannt. Dank der Fortschritte in der Herzchirurgie und in der Narkosetechnik können diese Kinder heute frühzeitig, falls erforderlich sogar bald nach der Geburt erfolgreich operiert werden. Recht häufig treten beim embryonalen Herzwachstum auch Fehler an den Herzklappen auf, die aber ebenso wie der Scheidewanddefekt operativ gut zu korrigieren sind.
Entzündungen des Herzens
Es gibt die Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), die Herzbeutelentzündung (Perikarditis) und die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Das Endokard ist die dünne Haut, mit der die Innenwand des Herzens und auch die Herzklappen überzogen sind, und man unterscheidet zwischen rheumatischer und bakterieller Endokarditis. Als Folgen der Entzündung bilden sich Narben, wodurch die Ränder der Herzklappen uneben werden, die Klappensegel schrumpfen oder verkleben und dadurch bewirken, dass sich die Klappen insgesamt nicht mehr exakt schließen oder öffnen lassen. Hinweise auf eine Endokarditis sind unter anderem nicht erklärbares Fieber bis 39 Grad mit und ohne Schüttelfrost, schweres Krankheitsgefühl, Blässe und Blutarmut, Herzjagen und andere Herzrhythmusstörungen. Einweisung ins Krankenhaus und Antibiotikatherapie sind unumgänglich. Als Begleiterscheinung anderer Krankheiten kann sich eine Perikarditis einstellen, eine Entzündung der Innenfläche der doppelwandigen Hülle, die das Herz umschließt. Tuberkulose, Gelenkrheumatismus und Virusinfektionen können beispielsweise die Entzündung auslösen. Der Patient klagt häufig über Luftnot, dadurch ausgelöst, dass die entzündete Innenfläche eine Flüssigkeit absondert, die den Beutel füllt. Das Herz wird, wenn sich im Herzbeutel eine größere Menge Flüssigkeit anzusammeln beginnt, in seiner Pumparbeit erheblich eingeschränkt. Die Entzündung kann ausheilen, sie hinterlässt jedoch gelegentlich Narben, die zusammen mit abgelagertem Kalk den Herzbeutel zu einem starren Panzer machen und den Arzt von einem Panzerherzen sprechen lassen. Dieser Panzer kann nur operativ entfernt werden. Im übrigen kann man den Herzbeutel punktieren und die Flüssigkeit absaugen. Entzündungshemmende und entwässernde Medikamente stehen zur Wahl.
Liegt eine Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels vor, ist eine Einweisung ins Krankenhaus unumgänglich. Ursache einer Herzmuskelentzündung sind häufig Virusinfektionen wie Grippe und grippeähnliche Erkrankungen, seltener bakterielle Infektionen oder rheumatische Ursachen. Der Patient leidet an Atemnot, Herzklopfen, Brustschmerz und Fieber. Weil meistens auch eine Herzschwäche besteht, muss er strikte Bettruhe einhalten.
Die Herzneurose
Bei der Herzneurose, die auch Herzangst-Syndrom oder funktionelle kardiovaskuläre Störung genannt wird, handelt es sich um eine psychosomatische, also leibseelische Erkrankung, die – obwohl sie nicht selten vorkommt – in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Es wird geschätzt, dass 30 bis 40 Prozent aller Patienten, die wegen Herzbeschwerden einen Arzt aufsuchen, an einer Herzneurose leiden, also über Schmerzen am Herzen klagen, für die der Arzt keine krankhaften Organbefunde finden kann. Meistens beginnt die Herzneurose mit zehn bis zwanzig Minuten andauernden Anfällen von Herzjagen mit Frequenzen bis zu 160 Schlägen in der Minute, also doppelt so schnell wie sonst. Gleichzeitig steigt der Blutdruck deutlich an, und es kommt zu Schwindel, Luftnot, Schweißausbrüchen und Herzschmerzen. Den Patienten überfallen panikartige Angste, das Herz könne stehen bleiben. Im Laufe der Zeit entwickelt er immer stärkere, auf das Herz konzentrierte Angstgefühle und daraus eine Schonhaltung, die einen Trainingsmangel und eine immer geringer werdende Belastbarkeit des Herzens nach sich ziehen. Auch der plötzliche Herztod einer nahestehenden, einer bekannten oder berühmten Person kann die Initialzündung für eine Herzneurose sein, also für die nicht begründete Angst, das Herz versage irgendwann plötzlich. Der verängstigte Patient fordert deswegen immer neue und weitergehende Untersuchungen seines organisch nicht kranken Herzens.
Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.
Lesen Sie auch die Artikel zu:
- Das Herz: Funktionen, Erkrankungen, Behandlung und Vorsorge
- Aortenklappeninsuffizienz
- Aortenklappenstenose (Verengung der Aortenklappe des Herzens)
- Mitralklappeninsuffizienz
- Mitralklappenprolaps
- Mitralklappenstenose
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung)

