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Karpaltunnelsyndrom (Medianuskompressionssyndrom)

Eingetragen von Medizin-Netz am 23. August 2006 Ein Kommentar

Definition

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine durch Traumen, Entzündungen oder durch degenerative Veränderungen aufgetretene Schädigung des Medianusnerves, die zu einer Atrophie (zur Rückbildung oder zum Schwund) der Daumenballenmuskulatur führt.

Anatomie

Der Medianusnerv ist ein Ast aus dem Armgeflecht, der teilweise für die Beugung der Finger und für die nervale Versorgung der Daumenballenmuskulatur verantwortlich ist.
Außerdem wird die Sensibilität (die Berührungsempfindlichkeit) der Daumen-, Zeige- und Mittelfingerkuppen auf der Rückhand und fast der gesamten Hohlhand (außer dem Kleinfinger, der Hälfte vom Ringfinger und der Außenseite des Daumens) durch diesen Nerv gesichert.

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Der Medianusnerv entsteht durch die Vereinigung eines seitlichen und inneren Astes des Armgeflechts. Die dadurch gebildete Medianusgabel liegt in der Ellenbeuge. Hier wendet er sich leicht nach innen (körperwärts) und zieht bis in die Loge der Beugemuskeln des Unterarmes. Nach einem kurzen Verlauf zwischen den oberflächlichen und tiefen Fingerbeugern tritt der Medianusnerv durch den Karpaltunnel in die Hand.
Der Karpaltunnel (auch als Handwurzelkanal bekannt) ist der Raum, der zwischen dem Handwurzelknochen und einem querliegenden Bindegewebestrang (das Retinaculum flexorum) liegt. Er enthält die Sehnen der langen Fingerbeuger und den Medianusnerv. In dieser Region liegt der Medianusnerv sehr oberflächlich (siehe untere Abbildung).

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Krankheitsentstehung

Beim Karpaltunnelsyndrom führt eine Schwellung oder Verdickung der sehnenbegleitenden Bindegewebehüllen zu einer Kompression (Zusammendrücken) des Medianusnervs. Diese Kompression kann auch als Folge eines früher stattgefundenen Traumas, das einen Bluterguss oder eine arterielle Thrombose verursachte, auftreten. Ahnlich können Luxationen (Ausrenkungen) der Handwurzelknochen durch Narbenbildungen, Entzündungen sowie Tumoren die selbe Symptomatik hervorrufen. Weitere auslösende Faktoren sind rheumatische Veränderungen, Schwangerschaft und die Menopause.

Symptome

Am häufigsten klagt der Patient über:

  • Nächtliche Schmerzen, die meist 4-5 Stunden nach dem Schlafengehen erscheinen. Die Hand weist eine Schonhaltung auf. Die Überstreckung im Handgelenk ist schmerzhaft = “Phalen Zeichen”
  • Pelzigkeitsgefühl im Versorgungsgebiet des Medianusnervs (siehe Abbildung des Versorgungsgebietes).
  • Morgensteifigkeit der Finger, bzw. die Beweglichkeit der Finger ist morgens stark eingeschränkt. Es bedarf mehrerer Gymnastikübungen, so dass der Griff mit der Hand wieder möglich ist.
  • Die Atrophie (das Zurückbilden, der Schwund) der Daumenballenmuskeln ist eine Erscheinung, die im fortgeschrittenen Stadium auftritt.

Diagnose

Schon allein die Symptome, bzw. das Pelzigkeitsgefühl in der Hohlhand und der Finger I-III einschließlich der Außenseite des IV. Fingers sowie die Schrumpfung der Daumenballenmuskulatur deuten auf ein Karpaltunnelsyndrom hin.
Dennoch ist zur Feststellung einer exakten Diagnose die Durchführung einiger neurophysiologischen Untersuchungen erforderlich. Diese sind die sog. Elektromyographie und die Elektroneurographie. Beide werden vom Neurologen durchgeführt.

Bei der Elektromyographie lassen sich mit Nadelelektroden (haarfeine Nadeln), die in die Daumenballenmuskeln gestochen werden, die Aktionspotentiale einzelner motorischer Einheiten registrieren. Im Falle eines Karpaltunnelsyndroms ist im Anfangsstadium die distale Latenz erhöht, später stellt man Denervierungszeichen der Daumenballenmuskulatur fest.

Die Elektroneurographie ist eine Methode zur Bestimmung der Nervenleitungsgeschwindigkeit. Diese wird ähnlich wie die Elektromyographie durchgeführt: Durch zwei Stimulationselektroden, die in zwei verschiedenen Stellen den Nerv reizen, wird das Muskelantwortpotential abgeleitet.
Bei einer Kompression des Medianusnervs ist die Nervenleitungsgeschwindigkeit verzögert. Beide Methoden sind bis auf einen kleinen Stich schmerzlos.

Therapiemethoden

Im Anfangsstadium kann eine konservative Therapie versucht werden. Durch das nächtliche Auflegen einer Gipsschiene wird die Hand ruhig gestellt. Zum Abschwellen ist eine medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Mitteln gerechtfertigt.

Operationsindikation

  • Eine dringende Operationsindikation besteht bei akut auftretenden Kompressionen des Nervs, die meistens infolge von Unfällen oder Entzündungen vorkommen.
  • Eine chirurgische Therapie ist auch nach dem Scheitern einer konservativen Therapie (mit entzündungshemmenden Medikamenten in Form von Kortison oder nicht-steroidale Entzündungshemmern) indiziert.

Chirurgische Kontraindikation

Man sollte vor dem chirurgischen Eingriff ein C 6-Syndrom (eine durch degenerative Veränderungen verursachte Kompression der Nervenwurzel in der Höhe des 6. Wirbelgelenkes) sowie eine durch den “Pronator teres” Muskel hervorgerufene zu ausgeprägte Einengung des Nervs in der Höhe der Ellenbeuge ausschließen.

Operationsmethoden

Die klassische Methode ist die offene Operation, die in Leitungsanästhesie (durch Nervenblockade) oder auch in Allgemeinnarkose durchgeführt wird.
Die Operation wird meist in Oberarmblutleere (das Abdrücken der Oberarmarterie durch eine Gummimanschette) vorgenommen. Der Arm wird auf einen Nebentisch gelagert.
Nach der Desinfektion erfolgt ein Z-förmiger vom Daumenballen ausgehender Schnitt, der schräg auf die Beugefalte des Handgelenkes läuft.
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Man versucht eine vorsichtige Freilegung des Medianusnervs, indem man das einengende Bindegewebe mit feinen Instrumenten vorsichtig abträgt. Bevor die Operation beendet wird, öffnet man die Blutleere und führt eine sorgfälltige Blutstillung vor. Ebenso wird eine Saugdrainage unter die Haut eingelegt.
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Das endoskopische Verfahren ist eine Operationsmethode, bei welcher das Retinaculum flexorum über zwei kleine Schnitte, durch die schmale Röhrchen unter die Haut gelegt werden, gespalten wird. Die Vorteile dieser Operationsmethode sind die kleineren Narben und die geringere Gefahr einer postoperativen Bewegungseinschränkung durch Narben.

Postoperative Behandlung

Postoperativ ist eine Ruhigstellung des Handgelenkes in etwa 30° nach hinten gebogen in einer Gipsschiene erforderlich. Diese Maßnahme wird über 10 Tage vorgenommen, um den Medianusnerv in seine ursprüngliche Position in den Karpaltunnel zu zwingen.
Eine Vollbelastung der Hand und des Fingers ist erst nach dem Ablauf der 3. Woche möglich.

Komplikationen

Intraoperativ können folgende Komplikationen auftreten:

  • Verletzungen von Nerven und deren Aste sind mit postoperativ auftretenden vorübergehenden, sogar bleibenden Berührungsempfindungsstörungen oder Bewegungseinschränkungen verbunden.
  • Blutungen, die durch Verletzungen von den Unterarmarterien zustande kommen, sind seltener und treten meistens bei entzündlichen Verwachsungen zwischen Medianusnerv und Gefäße auf.
  • Die Narbenkeloide (Wulstnarben) sind seltener und besonders bei Patienten, die eine Neigung zur Keloidbildung haben, vorzufinden. Sie können eine Einschränkung der Bewegung verursachen.

Dr. med. Monika Szombath

Lesen Sie auch die Kurzinformation zum Karpaltunnelsyndrom!

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