Risikofaktoren
Einleitung
Es gibt eine Reihe von Umständen, die die Gesundheit untermauern. Oft sind es gewohnheitsbedingte Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen, die vermieden werden können. Nicht selten sind es aber auch – zum Teil ererbte – Anlagen zu Gesundheitsstörungen oder Krankheiten bzw. diese selbst, die bekämpft werden müssen.
In beiden Fällen ist die Bereitschaft unerlässlich, diese Faktoren, die lebensbedrohliche Folgeerkrankungen begünstigen oder auslösen und die man deshalb als Risikofaktoren bezeichnet, zu beseitigen. Die Bereitschaft wird nur aufbringen, wer ganz genau über die schädigenden Wirkungen der Risikofaktoren Bescheid weiß.
Der nächste Schritt ist, dieses Wissen auf sich zu beziehen und sich Gedanken um die eigene Gesunderhaltung zu machen. Und schließlich wird man das Wissen aktiv umsetzen, um gesund zu bleiben oder bereits bestehende Schäden zu beseitigen.
Da Herz-Gefäß-Erkrankungen, die infolge einer Arteriosklerose auftreten, an der Spitze der Todesursachen bei uns stehen, ist die Kenntnis ihrer Entstehung und Verhütung von größter Bedeutung. Im Folgenden wird deshalb vor allem von Arteriosklerose und ihren Risikofaktoren die Rede sein, besonders von jenen, die von einem jeden selbst beeinflusst werden können.
Außerdem werden bei der Besprechung der einzelnen Risikofaktoren auch Symptome oder Krankheiten genannt, die neben der Arteriosklerose auftreten können, und der Zusammenhang der Risikofaktoren untereinander wird aufgezeigt.
Die Arteriosklerose
Arteriosklerose wird in der Umgangssprache als Arterienverkalkung bezeichnet. Sie ist eine Verschleißerscheinung des Alterns, die mehr oder weniger schnell fortschreitet, sich im allgemeinen erst nach dem 40. Lebensjahr bemerkbar macht und Männer eher als Frauen (Östrogenschutz) betrifft. Sie kann durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt bzw. beschleunigt werden, die weiter unten besprochen werden.
Die 4 charakteristischen Merkmale der Arteriosklerose sind:
- Elastizitätsverlust
- Verdickung und
- Verhärtung der Arterienwände
- Einengung der Arterienlichtung.
Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO: World Health Organization) teilt man die Arteriosklerose in Stadien ein.
Stadium 0: Gesund – elastische, nicht eingeengte Arterien
Stadium I: Frühe Wandschädigung – streifenartige Fetteinlagerungen
Stadium II: Fortgeschrittene Wandschädigung – mit bindegewebigen Platten
Stadium III: Komplizierte Wandschädigung – massive Arterienverengung mit bereits bestehender Folgeerkrankung
Warum und wie kommt es bei dem Vorhandensein einer Arteriosklerose zu Krankheiten?
Durch die gesunden Arterien fließt das Blut ungehindert zu den Geweben, die die Organe des menschlichen Körpers bilden. Das Blut transportiert neben anderen Substanzen den wichtigen Sauerstoff, ohne den die Gewebezellen nicht leben können. Wenn die Arterienwände starr statt elastisch und zudem auch noch eingeengt sind, kann das Blut nur eingeschränkt zu den Organen gelangen. Das bedeutet eine Minderdurchblutung und dadurch bedingte Sauerstoffunterversorgung im betroffenen Gebiet. Deshalb sind nun die Gewebezellen in ihrer Funktion beeinträchtigt und sterben ab. Es kommt zu Organschäden, die die Gesundheit empfindlich stören und zum Tode führen können.
Der Organismus versucht, Durchblutungsstörungen auszugleichen, was ihm zum Teil eher begrenzt gelingt:
- durch das Ausbilden von Umgehungskreisläufen (Kollateralkreisläufe), das sind dünne Gefäßäste großer Arterien, die untereinander Verbindungen bilden und in die das Blut bei verengten und verschlossenen Arterien umgeleitet wird;
- durch den Mechanismus des “Stehlens” als Steal-Syndrom bezeichnet. Bei Verengung oder Verschluss in einem Gefäßsystem, das ein bestimmtes Organ oder eine Gliedmaße versorgt, kann einem benachbarten Organ aus dessen Gefäßsystem Blut zugunsten des minderdurchbluteten Gebiets entzogen werden. So kann bei betreffenden Arterienverengungen oder -verschlüssen Armarbeit wie das Schreiben eine Durchblutungsstörung des Gehirns z. B. mit Schwindel bzw. Beinarbeit wie das Rennen Bauchbeschwerden auslösen.
Arteriosklerose ist überall im Körper möglich. Bei ihrer fortgeschrittenen Form sind dramatische Krankheitsverläufe zu beobachten.
An dieser Stelle werden zwei Organe und die Beine erwähnt.up
Das Herz
Das Herz wird durch Herzkranzgefäße (Koronararterien) mit Blut versorgt. Wenn der Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur größer ist als das Sauerstoffangebot durch die Kranzgefäße, was vor allem bei ihrer Verengung durch Verkrampfung oder Verkalkung oft bei einer Mehrbelastung des Herzens geschehen kann, kommt es zu Schmerzen, die häufig hinter dem Brustbein zu spüren sind, in Schulter, Arm, Hals oder Unterkiefer links (selten rechts) ausstrahlen und bis zu einigen Minuten bestehen.
Dauert eine Mangeldurchblutung in einem Herzmuskelbereich an, stirbt Gewebe ab und es kommt zum Herzinfarkt. Dieser Vorgang kann durch körperliche bzw. psychische Belastung oder Verschluss eines verkalkten Kranzgefäßes durch Thrombose ausgelöst werden. Die Krankheitszeichen sind ähnlich, jedoch dramatischer als bei der Angina pectoris. Desweiteren werden Erstickungsgefühl, Atemnot und Todesangst beobachtet, häufig von Hautblässe, Kaltschweißigkeit, schnellem Puls und niedrigem Blutdruck begleitet. Komplikationen können den Verlauf verschlechtern.
Beim Auftreten der genannten Symptome muss sofort der Arzt gerufen werden.
Herzinfarkt kann tödlich verlaufen, aber auch heilbar sein. Das Risiko einer Wiederholung wird durch eine gesunde Lebensführung vermieden.
Das Gehirn
Der Schlaganfall (Apoplexie) ist die Folgeerscheinung einer Mangeldurchblutung des Gehirns durch Arterienverkalkung, Thrombose oder Embolie oder eines Gefäßdurchbruchs vor allem infolge einer Arterienwandausbuchtung (Aneurysma) bzw. bei bestehendem Bluthochdruck oder Arterienverkalkung.
Bei der Mangeldurchblutung entsteht ein Hirninfarkt (Hirnerweichung), bei dem Gefäßdurchbruch eine Hirnblutung und dadurch bedingte Gewebsschädigung.
Plötzliche Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Doppelsehen, Seh-, Geh-, Sprach-, Schluckstörungen können unter anderem Vorboten eines Schlaganfalls sein. Diese Warnsignale sollten dazu bewegen, den Arzt aufzusuchen.
Krankheitszeichen des Schlaganfalls sind Bewusstseinsstörung, Halbseitenlähmungen, Sprachstörung, epileptische Anfälle, die, je nach Ausmaß des betroffenen Gehirngebiets mehr oder weniger stark ausgeprägt sind oder vereinzelt fehlen. Bei diesen Symptomen muss der Arzt sofort gerufen werden. Die Behandlung erfolgt stationär, bei Bedarf mit anschließender Wiederherstellungstherapie in einer Rehabilitationsklinik.
Die Beine
Je nach Grad der Arterienverkalkung der Beine kommt es zu weniger bis stark ausgeprägten Krankheitszeichen.
Der französische Chirurg René Fontaine hat eine Stadieneinteilung der arteriosklerosebedingten Beinerkrankungen vorgenommen, die zum Teil der allgemeinen Stadieneinteilung der Arteriosklerose durch die WHO ähnelt:
Stadium I: Leichte Arterienwandverdickung – keine Beschwerden, jedoch fehlende Fußpulse
Stadium II: Stärkere Wandverdickung – Belastungsschmerz mit zeitweisem Hinken (Claudicatio intermittens) und Stehenbleiben oft vor Schaufenstern, um sich auszuruhen und den Schmerz zu beseitigen (Schaufensterkrankheit) ab einer bestimmten Gehstrecke
Stadium III: Erhebliche Arterienverengung – Ruheschmerz vor allem bei Beinhochlagerung, mögliche zeitweise Besserung bei Tieflagerung
Stadium IV: Arterienverschluss – Geschwürsbildung, Absterben von Gewebe
Eine ärztliche medikamentöse oder chirurgische Behandlung und Gehtraining sind mit der Ausschaltung bzw. Behandlung von Risikofaktoren unbedingt zu kombinieren.
Die Risikofaktoren
1. Übergewicht
Übergewicht besteht, wenn das Normalgewicht (Broca-Formel) um 10% und mehr überstiegen wird.
Es gibt verschiedene Verfahren, die Normalgewichtigkeit und ihre Abweichungen zu errechnen. Die Broca-Formel ist die einfachste.
| Normalgewicht | Körpergröße in cm minus 100 |
| Idealgewicht | Normalgewicht minus 10% bei Männern |
| Normalgewicht minus 15% bei Frauen | |
| Übergewicht | Normalgewicht plus 10% |
| Soll-Gewicht (Wohlgefühlgewicht) |
Normalgewicht plus/minus 10% bei Männern |
| Normalgewicht plus 10%/minus 15% bei Frauen |
| Beispiel: Körpergröße 175 cm |
|
| Normalgewicht | 175-100 = 75 kg |
| Idealgewicht | 75 kg – 7,50 (10%) = 67,50 kg bei Männern |
| 75 kg – 11,25 (15%) = 63,75 kg bei Frauen | |
| Übergewicht | 75 kg + 7,50 (10%) = 82,50 kg |
| Soll-Gewicht (Wohlgefühlgewicht) |
zwischen 67,50 und 82,50 kg bei Männern |
| zwischen 63,75 bis 82,50 kg bei Frauen |
Übergewicht verringert die Lebenserwartung besonders dann, wenn es mit anderen Risikofaktoren vergesellschaftet ist. Es kann andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfette, Gicht begünstigen und zur Entstehung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Herzinfarkt, Schlaganfall, Gallensteinen, Krampfadern, Gelenkverschluss (Arthrose) beitragen.
Um diesen Risikofaktor zu beseitigen, ist eine Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten, und ausreichende Bewegung notwendig. Dies allein genügt oft bei einer richtigen Fettsucht (Adipositas) nicht. Deshalb sollte unbedingt der Arzt zu Rate gezogen werden. Die nachfolgend aufgezählten Möglichkeiten sind mit ärztlicher Hilfe ggf. stationär durchführbar: Joule (Kalorien)-reduzierte Mischkost, Formula-Diät (industriehergestellte Nährstoffgemische), Null-Diät, chirurgische Eingriffe. Sind andere Ursachen als Überernährung für die Adipositas verantwortlich wie Hormonstörungen oder Wasseransammlungen (Ödeme) bei verschiedenen Organschäden, müssen die Grundkrankheiten behandelt werden.
Eine üble Kombination sind auch Adipositas und
2. Rauchen
Es gibt 2 Arten des Rauchens: Mund- und Lungenrauchen und es gibt das Schnupfen. Alle Zuführungsformen: Zigaretten, Zigarren, Pfeifen-, Schnupftabak sind aus Tabak hergestellt.
Tabak enthält eine Menge von Schadstoffen wie
- Nikotin ist ein schweres Pflanzengift. Es ist für die abhängigkeitsauslösende Wirkung des Tabaks verantwortlich und kann, vor allem mit anderen Risikofaktoren gemeinsam, zu Herz- und Gefäßerkrankungen und deren Folgeerscheinungen wie Herzinfarkt, Schlafanfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen (Raucherbeine) führen. Auch Magen-Darmerkrankungen werden durch Nikotin beeinflusst.
- Gase und Dämpfe mit reizender Wirkung z. B. Formaldehyd, Ammoniak lösen Raucherhusten aus.
- Durch Kohlenmonoxid kann es zu einer schleichenden Kohlenmonoxidvergiftung mit vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut kommen. Dadurch entsteht eine Leistungsminderung, die sich bei Herzkranken besonders stark bemerkbar macht.
- Freie Radikale befinden sich außer im Tabak auch in der Luft und in der Nahrung oder entstehen im Körper selbst. Sie sind sehr reaktionsfreudig, verbinden sich mit körpereigenen Fetten, Eiweißen, gentragenden Kernsäuren und schädigen diese Substanzen. Durch die Oxidation des LDL-Cholesterins, das sich in oxidierter Form an Arterienwände lagert, trägt es zur Arteriosklerose bei. Durch die Genschädigung können möglicherweise Krebse entstehen.
- Von krebserregenden Stoffen ist vor allem Teer im Tabak enthalten. Er löst verschiedene Krebse, so auch Mund-, Kehlkopf- und Lungenkrebs aus. Bei Rauchern kann es nach 15-20 Jahren zur Krebsmanifestation kommen.Rauchen in der Schwangerschaft erhöht die Gefahr einer Frühgeburt. Rauchen kann zur Störung der Spermienbildung und zu Potenzschwierigkeiten beim Mann führen.
Wenn man die beschriebenen Schäden bedenkt und weiß, dass etwa 100.000 Menschen jährlich infolge ihres Rauchens an Spätschäden sterben, wird man sich mit den Möglichkeiten der Raucherentwöhnung sicher vertraut machen wollen. Es bieten sich an:- Pflaster oder Kaugummi als Nikotinersatz
- Ohrakupunktur
- Psychotherapie, evtl. Hypnose- oder Suggestionsbehandlung
3. Stoffwechselstörungen
- Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) ist eine Stoffwechselstörung, die auf einem Insulinmangel (Insulin: Bauchspeicheldrüsenhormon) beruht, durch den es zu einem Ungleichgewicht im Stoffwechsel kommt. Wichtiges Merkmal ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Die Veranlagung zum Diabetes wird vererbt. Man spricht auch von “Erbleiden”. Bei der Erkrankung spielen jedoch auch äußere Faktoren eine Rolle. Der wichtigste ist die Überernährung. 9 von 10 Zuckerkranken des Typs II haben Übergewicht.
Diabetes mellitus Typ I wurde früher auch als juveniler oder jugendlicher Diabetes bezeichnet. Er ist durch die Zerstörung der Insulin produzierenden B-Zellen der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet.
Diabetes mellitus Typ II wurde früher als Erwachsenen- oder Altersdiabetes bezeichnet. Bei ihm kommt es vor allem zu einer verminderten Insulinabsonderung aus den B-Zellen.
Es gibt noch andere Diabetes-Typen, denen unterschiedliche Erkrankungsursachen zugrunde liegen wie bestimmte Gendefekte, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Infektionen, Hormonstörungen, Hormonumstellungen z. B. in der Schwangerschaft (Schwangerschaftsdiabetes).
Neben den möglichen Krankheitszeichen (Symptomen) wie vermehrter Urinabgang, starker Durst, Hautjucken; Gewichts- und Kräfteverlust beim Typ I gibt es krankheitsbedingte Komplikationen wie Schock bei Unterzuckerung (hypoglykämischer Schock) und Koma bei hohen Blutzuckerwerten (hyperglykämisches, diabetisches Koma) und Spätmanifestationen vor allem Gefäßerkrankungen in Form von Arteriosklerose, die große Arterien betreffen: Makroangiopathien und jene, die sich an kleinen Gefäßen bemerkbar machen: Mikroangiopathien.
Makroangiopahtien äußern sich durch Gefäßverkalkungen großer Arterien in verschiedenen Organen vor allem am Herzen (Herzinfarkt), im Gehirn (Schlaganfall) und an den Gliedmaßen. Durchblutungsstörungen der Beine sind häufig mit einem trockenen schwarzen Brand (Gangrän: Schwarzwerden der Zehen; weitere Ausdehnung möglich) gepaart. Bei Infektionen kann die trockene Gangrän in eine feuchte übergehen. Bei der Gangrän können auch kleine Gefäße beteiligt sein (Mikroangiopathie).
Die Mikroangiopathie befällt kleine und kleinste Gefäße vor allem der Augen (mögliche Erblindung) und Nieren (Bluthochdruck, Nierenschwäche).
Beim unbehandelten oder schlecht eingestellten Patienten (trotz Behandlung hohe Blutzuckerwerte) ist eine Leistungsminderung zu beobachten und eine Verkürzung der Lebensdauer zu erwarten.
Bei Diabetes mellitus in der Familie sind ärztliche Kontrolluntersuchungen der Blutzuckerwerte und eine gesunde Lebensführung mit Vermeidung eines Übergewichts schon in jungen Jahren wichtig. - Die Hypercholesterinämie, d. h. die Erhöhung des Cholesterins im Blut gehört zu den Fettstoffwechselstörungen, die ererbt sein können, als Begleiterscheinung verschiedener Krankheiten wie Diabetes mellitus (auch Übergewicht), Nieren-, Leber-, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Überfunktion der Schilddrüse u. a. vorkommen und/oder vor allem durch einseitige, cholesterin- und fettreiche Überernährung auftreten.
Cholesterin ist eine fettartige Substanz, die im eigenen Organismus aufgebaut und durch tierische Nahrung zugeführt wird. Es ist zum einen Struktursubstanz von Zellmembranen, zum anderen Vorstufe von bestimmten Hormonen, den Gallensäuren und dem Vitamin D3.
Im Blut kommt es vor allem als HDL- und als LDL-Cholesterin vor. HDL und LDL sind Fett-Eiweiß-Komplexe mit verschiedener Dichte. Die high density lipoproteins (HDL) sind Fett-Eiweiße mit hoher Dichte und bestehen zu 50% aus Fetten und zu 50% aus Eiweiß (Protein). Die low density lipoproteins (LDL) sind zu 75% aus Fetten und 25% aus Proteinen zusammengesetzt.
Das LDL-Cholesterin kann, wenn es durch freie Radikale angegriffen und oxidiert wird, zur Arteriosklerose und ihren Folgekrankheiten beitragen. - Der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie) betrifft bis zu 25% der Familienmitglieder Gichtkranker und kommt bei unter 1% der Gesamtbevölkerung vor.
Die Hyperurikämie ist eine ererbbare Stoffwechselstörung oder entsteht durch eine vermehrte Bildung der Harnsäure (z. B. bei einer bestimmten Leukämieform) bzw. durch verminderte Ausscheidung (z. B. Nierenschwäche, Alkoholvergiftung).
Die Hyperurikämie selbst ist symptomlos. Erst wenn die Harnsäure nadelförmige Kristalle in Geweben bildet und abgelagert wird, kommt es zur Gicht. Ausgelöst kann ein Gichtanfall durch purinreiche Ernährung: Spinat, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Innereien, Alkohol, übermäßige körperliche Anstrengung u. s. w. werden.
Beim akuten Gichtanfall wird meistens zunächst ein Gelenk, vor allem das Großzehengrundgelenk (aber auch Daumengrund-, Hand-, Knie-, Sprunggelenke u. s. w.) befallen. Im chronischen Stadium sind Deformitäten mehrerer Gelenke gleichzeitig zu verzeichnen und es kann zu Gichtknoten, genannt Tophi, kommen, die sich in verschiedenen Geweben manifestieren. Charakteristisch sind sie an den Ohrmuscheln. Neben den Gelenkerkrankungen und Tophiablagerungen können Nierenerkrankungen, zum Teil mit dem Einhergehen von Blutdruck und Nierensteinbildung bestehen.
Das bei etwa der Hälfte der Gichtpatienten vorhandene Übergewicht ist teilweise mit Diabetes mellitus verbunden.
Gicht, seltener schon die sonst symptomlose Hyperurikämie sind, vor allem in Verbindung mit anderen Risikofaktoren, an der Entstehung von arteriosklerotischen bedingten Herz- und Gefäßerkrankungen beteiligt. Die häufigsten Komplikationen sind Herzinfarkt und Schlaganfall.
Um die Harnsäurewerte im Normbereich zu halten und Gichtanfälle zu vermeiden, ist eine purinarme Kost und Alkoholeinschränkung sowie Gewichtsreduktion bei Adipositas äußerst wichtig. Auch eine medikamentöse Behandlung kann erforderlich werden. Regelmäßige Harnsäureblutkontrollen, Medikamenteneinstellung und Behandlung der Gicht in ihren verschiedenen Auswirkungen und Phasen kann nur ärztlich erfolgen.
4. Bluthochdruck
Bluthochdruck (Hypertonie) besteht laut Weltgesundheitsorganisation, wenn der systolische (1. gemessene) Wert 160 mm Hg (Quecksilbersäule) und mehr und/oder der diastolische (2.) Messwert 95 mm Hg und mehr beträgt. Liegt der systolische Blutdruck zwischen 140 und 160 mm Hg, spricht man von Grenzwerthypertonie.
Es gibt 2 Arten von Bluthochdruck:
Der primäre oder essentielle (ohne erkennbare Ursache): etwa 80% der Hypertonie; der sekundäre, durch Krankheiten wie Nieren-, Herz-, Gefäßerkrankungen, Hormonstörungen u. s. w. bedingte Bluthochdruck. Auch spielen die Ernährungsweise, Stress und bestimmte Medikamente wie z. B. empfängnisverhütende eine Rolle. Übergewicht begünstigt, wie bereits erwähnt, die Blutdruckentstehung. Der essentielle Bluthochdruck besteht oft schon lange, bevor er sich durch Krankheitszeichen bemerkbar macht. Er wird häufig bereits in dieser Phase – oft routinemäßig – erkannt. Symptome treten meistens erst auf, wenn schwerwiegende Gesundheitsschäden bestehen: Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Herzklopfen auch in Schläfen und Hals empfunden, Angstgefühle, ein rotes Gesicht (demgegenüber findet sich bei nierenbedingter Hypertonie nicht selten eine blasse Gesichtsfarbe), Schlafstörungen lassen auf einen Bluthochdruck schließen. Ein dramatischer Spätschaden ist die Arterienverkalkung großer und kleiner Gefäße im Herz (Kranzgefäße)-, Hirn-, Nierenbereich sowie der Gliedmaßen und ihre Komplikationen. Den Schweregrad der Bluthochdruckkrankheit kann man u. a. durch Augenhintergrunduntersuchungen der sich dort befindlichen kleinen Gefäße und ihrer krankhaften Veränderungen feststellen.
Die Heilungschance des Bluthochdrucks ist um so besser, je früher man ihn erkennt und je eher man etwas dagegen unternimmt. Wer übergewichtig ist, sollte vor allem sein Gewicht (unter ärztlicher Kontrolle) reduzieren. Salzarme Kost, d. h. die Salzaufnahme sollte 5 g am Tag nicht überschreiten (3-5 g/Tag), richtige Ernährung und Änderungen im Tagesablauf, Stressabbau und Ruhephasen sind für die Blutdruckeinstellung von großer Bedeutung. Lassen sich die Blutdruckwerte durch diese Maßnahmen allein nicht senken, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig.
5. Chlamydia pneumoniae
Nach neueren Untersuchungen hat man festgestellt, dass auch Bakterieninfektionen zur Arteriosklerose führen können. Es handelt sich um Erreger namens Chlamydia pneumoniae. Eine Blutuntersuchung kann den Kontakt des Organismus mit den genannten Bakterien aufdecken. In diesem Fall ist eine Antibiotikabehandlung Mittel der Wahl im Kampf gegen die Arteriosklerose, wobei auch alle anderen evtl. vorhandenen Risikofaktoren beseitigt bzw. behandelt werden.
6. Alkohol
Alkohol ist kein Risikofaktor, der die Entstehung von Arterienverkalkung beschleunigt oder auslöst wie die weiter oben genannten. In kleinen Mengen hat z. B. Wein sogar eine Schutzfunktion gegen die gefährliche Sklerose. Aber wegen seiner organschädigenden, abhängigkeitsauslösenden Wirkungen, der Möglichkeit der Entstehung eines Gichtanfalls durch den Genuss großer Alkoholmengen soll Alkohol nicht unerwähnt bleiben.
Er wirkt auf das Zentralnervensystem wie ein Narkosemittel und kann in größeren Mengen die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen. Er vermindert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie die Selbstkritik und führt zu einer Erhöhung des Selbstbewusstseins. Die Reaktionsgeschwindigkeit wird verlangsamt.
Alkohol löst Depression, Aggressionen aber auch Glücksgefühle aus. Auf Haut und Schleimhaut wirkt Alkohol durchblutungsfördernd. Durch seine reizende Wirkung kann er nach längerer Zufuhr Schleimhautentzündungen und schließlich Krebs im Bereich des Rachens, der Speiseröhre und des Magens auslösen. Organschäden mit lebensbedrohlichen Komplikationen an Herz, Nieren, Leber und Gehirn sind ebenfalls Folgeerscheinungen des Alkoholmissbrauchs.
Die akute Alkoholvergiftung ist gekennzeichnet durch Störungen der Herztätigkeit, Kreislaufstörungen bis zum Kollaps, Rausch- und Erregungszustände, Atemstörungen, Atemlähmung, Kreislaufzusammenbruch und schließlich Atem- und Herzstillstand.
Erhöhter Alkoholgenuss kann wie bereits erwähnt, zum akuten Gichtanfall führen. Bei bestehender Alkoholabhängigkeit ist es wichtig, sich seiner Sucht bewusst zu sein und diese ablegen zu wollen, um einen Entzug durchzuführen. Der körperliche Entzug wird in der Klinik, der psychische Entzug im Rahmen einer Entwöhnungkur mit Psychotherapie stattfinden.
Vorbeugende Maßnahmen
Angeborene Risikofaktoren oder die Anlage dazu verdammen meistens nicht zu Krankheit, Siechtum und einer verkürzten Lebenserwartung. Jahrelange Verhaltensweisen werden den Gesundheitszustand beeinflussen. Was also tun, um vorbeugende Maßnahmen in sein Leben einzubringen?
Folgende Vorgehensweise ist empfehlenswert:
1. Erheben der Familienanamnese, d. h. sich mit der Krankengeschichte de Familie beschäftigen. Welche Risikofaktoren oder Krankheiten sind bei einem oder mehreren blutsverwandten Familienmitgliedern bekannt?
Wenn ein oder mehrere Risikofaktoren in der Familie vorhanden sind, sollte man schon in jungen Jahren den Arzt aufsuchen und um eine Untersuchung (Blutdruckmessen, körperliche Untersuchung) und eine Blutentnahme (vorwiegend der Wert, der auf den familiären Risikofaktor hinweist) bitten. Ärztliche Ratschläge sollten befolgt werden. Übrigens: Ab dem Alter von 35 Jahren ist gesetzlich eine als “Check up 35” bezeichnete Früherkennungsuntersuchung alle 2 Jahre vorgesehen. Ein jeder sollte sie in Anspruch nehmen.
2. Verhaltensweisen
Jeder Mensch beeinflusst durch seine Verhaltensweisen seinen Gesundheitszustand.
Wichtig ist, auf die richtige Ernährung einschließlich Trinken, auf genügend Bewegung und ausreichend frische Luft, auf den richtigen Umgang mit Stress und positive soziale Kontakte zu achten. Von besonderer Bedeutung ist die Handhabung von – vor allem abhängigkeitsauslösenden – Genussmitteln.
Beim Essen ist auf eine abwechslungsreiche, ausgewogene, vollwertige Ernährung zu achten. Viel frisches Obst, Gemüse und frische Salate, Kartoffeln und Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, -reis, -nudeln sollten täglich auf den Tisch kommen. 2-3 mal wöchentlich mageres Fleisch, Fisch, vorzüglich pflanzliche Öle statt tierische Fette, wenig Süßspeisen tragen zu einer gesunden Ernährungsweise bei.
Beim Trinken sind Flüssigkeitsmenge, Getränkeart und -zusammensetzung zu berücksichtigen. Eine Flasche Mineralwasser, Früchte- und Kräutertees sollten Hauptbestandteil der 2l Flüssigkeit sein, die täglich aufgenommen werden. Milch sollte nicht fehlen. Genussmittel wie Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol sollten nur in kleinen Mengen genossen werden. Bei bestimmten Risikofaktoren z. B. Hyperurikämie sind Diäten mit dem Arzt zu besprechen. Bewegung vor allem in frischer, d. h. sauerstoffreicher Luft, ist für Herz-Kreislauf-Regulation, Bewegungsapparat (Knochen, Muskeln, Gelenke), Gewichtsregulation und Verdauung wichtig. Von den täglichen Kniebeugen über gymnastische Übungen und sportliche Betätigungen, in Vereinen durchführbar, kann ein jeder für sich heraussuchen, was er gern machen möchte oder sich zumuten kann (ggf. ärztlichen Rat einholen). Wichtig ist auch das Treppensteigen statt Aufzugfahren, der Weg zum Einkauf zu Fuß statt mit dem Auto.
Entspannungs- und Konzentrationsübungen wie autogenes Training, Yoga u. s. w. helfen unter anderem ruhiger zu werden und das tägliche Arbeitspensum ohne Hetze zu schaffen. Probleme sollten einen nicht erdrücken, sondern gelöst werden. Nur wer sich wirklich mit ihnen beschäftigt und nach Lösungen sucht, dem wird der richtige Umgang mit Stress gelingen.
Da der Mensch soziale Kontakte braucht, um nicht zu vereinsamen, wird ein positives Verhältnis zu den Mitmenschen die Lebensqualität steigern. Umgekehrt wird ein Missverhältnis mit der Umwelt psychosozialen Stress hervorrufen und zu Gesundheitsstörungen oder Krankheiten führen. Deshalb ist es wichtig, psychosozialen Stress abzubauen. Dies gelingt, wenn man bewusst ein gutes Verhältnis zu seinen Mitmenschen aufbaut. Eine Möglichkeit ist z. B. der Beitritt in einen Verein, an dessen Tätigkeit man Interesse hat.
Genussmittel können, in kleinen Mengen zugeführt, auf zweierlei Art gesundheitsfördernd sein: Sie tragen zu einer guten Lebensqualität bei, sie haben gesundheitsfördernde Wirkungen. So können 1-2 Tassen Kaffee, wenn keine Gesundheitsstörungen oder Krankheiten dagegensprechen, den Kreislauf in Schwung bringen, mehrere Tassen täglich zu unangenehmen Herzklopfen führen. Kleine Mengen Alkohol können schlaffördernd, harntreibend (z. B. Bier), gegen Arteriosklerose (Wein) wirken. Regelmäßig, also täglich zugeführte große Alkoholmengen in steigender Dosis sind abhängigkeitsauslösend und organschädigend.
Tabakgenuss sollte auf jeden Fall gemieden werden, weil Tabak keinerlei gesundheitsfördernde Wirkung hat. Deshalb ist es empfehlenswert, erst gar nicht mit dem Rauchen zu beginnen.
Dr. med. Selma M. Martin

