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Tollwut (Rabies, Lyssa, Hundswut)

Eingetragen von Medizin-Netz am 31. August 2006 4 Kommentare

Bei der Tollwut handelt es sich um eine bei uns seltene, akute Infektions-krankheit von Säugetieren, besonders von Fleischfressern, die das Zentrale Nervensystem befällt. Charakteristisch sind Verhaltensveränderungen, gefolgt von Lähmungen und Tod. In Ländern der Dritten Welt kommt die Krankheit wesentlich häufiger vor als bei uns.

Übertragung und Krankheitsentstehung

Der Erreger der Tollwut ist das Tollwut-Virus, auch Rabies- oder Lyssavirus genannt. Diese relativ großen Viren sind stäbchenförmig, mit einem geraden und einem abgerundeten Ende (sie sehen aus wie ein Geschoss).
Tollwütige Tiere (oder auch Menschen) scheiden das Virus mit ihrem Speichel aus. Der Mensch infiziert sich in der Regel durch den Biss eines erkrankten Tieres oder das Belecken einer verletzten Hautstelle oder Schleimhautstelle. Eine Übertragung des Virus über kontaminierte (mit Keimen befallene Gegenstände) ist äußerst selten. Die meisten Infektionen werden von Hunden übertragen, neben Katzen, Füchsen und Rehen. In seltenen Fällen können aber auch Maulwürfe, Marder oder andere Kleintiere die Krankheit übertragen. Tollwütige Tiere zeigen entweder die „rasende Tollwut“, gekennzeichnet durch Unruhe und Bösartigkeit, gefolgt von Lähmung und Tod, oder die „stumme Tollwut“, bei der ausgeprägte Lähmungen im Vordergrund stehen. Infizierte wildlebende Tiere fallen oft auf durch ein verändertes Verhalten, z. B. Tagesaktivität bei normalerweise nachtaktiven Tieren (Füchse, Fledermäuse) oder dem Verlieren der natürlichen Scheu vor dem Menschen.
Sind Viren durch eine Bisswunde eingetreten, wandern diese entlang der Nervenbahnen bis zum Gehirn und führen dort zu einer Entzündung der Nervenzellen. Vom Gehirn aus verbreitet sich das Virus wiederum in die Körperorgane, z. B. in die Speicheldrüse und die Nieren. Das Besondere an einer Tollwuterkrankung ist, dass sie, wenn einmal die typischen Symptome ausgebrochen sind, nicht mehr heilbar ist und tödlich verläuft.

Symptome und Krankheitsstadien

Die Zeit zwischen dem Eintreten der Krankheitskeime und dem Auftreten der typischen Krankheitssymptome nennt man Inkubationszeit. Beim Menschen wurden Inkubationszeiten bei der Tollwut zwischen 10 Tagen und einem Jahr beschrieben, am häufigsten liegt sie bei 30-50 Tagen. Sie ist bei Patienten mit ausgedehnten, großflächigen Bissen am kürzesten.

Die Krankheit verläuft in drei Stadien:

Prodromalstadium (Vorstadium): Dieses ist gekennzeichnet durch ein Kribbeln und Brennen an der Wunde, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel und manchmal einer leicht depressiven Gemütsverfassung, Unruhe und Unwohlsein.

Exzitationsstadium (Erregungsstadium): Die Unruhe steigert sich zur unkontrollierten Erregung, nun stehen Krämpfe und Spasmen der Schlund-, Rachen- und Kehlkopfmuskulatur im Vordergrund. Die Spasmen können alleine durch den Anblick von Getränken hervorgerufen werden. Dies nennt man „Hydrophobie“. Die Patienten werden durch einen übermäßigen (exzessiven) Speichelfluss gequält, das Schlucken selbst wird jedoch durch die Muskelkrämpfe sehr schmerzhaft bis unmöglich. Der Patient kann folglich nicht oder nur ganz wenig trinken, obwohl er großen Durst hat. Der starke Speichelfluss zusammen mit der Unfähigkeit zu schlucken führt zum typischen Speichelfluss aus dem Mund. Die erkrankten Menschen können vollkommen unvorhersehbar auf Geräusche, Ansprache oder optische Reize reagieren. Die Bandbreite reicht über Krampf- und Wutanfälle bis zu Toben, Schreien, Schlagen, Beißen, Treten, Schlagen und anderen Gewaltäußerungen. Ohne moderne Behandlungsmethoden kann innerhalb von 3-4 Tagen der Tod durch Erschöpfung oder Ersticken eintreten. Überlebt der Patient dieses Stadium, kann sich das

Paralysestadium (Lähmungsstadium) anschließen. Hier herrschen Teilnahmslosigkeit und Lähmungen vor. Der Patient verstirbt nach kurzer Zeit an einer Atemlähmung.

Diagnose und Therapie

Während der Inkubationszeit kann das Virus nicht nachgewiesen werden. Deshalb ist es sehr wichtig zu wissen, ob das Tier, das den Patienten gebissen hat, an Tollwut erkrankt war. Ein Tier, welches selbst keine Symptome zeigt, sollte isoliert und 10 Tage beobachtet werden. Wenn das Tier dann gesund ist, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt des Bisses nicht infiziert war. Besteht nach einem Biss eines Tieres, das nicht eingefangen und beobachtet werden kann (z. B. Wildtiere), Tollwutverdacht, muss prophylaktisch (vorbeugend) gegen Tollwut geimpft werden, da nach Ausbruch von Tollwutsymptomen die Krankheit im Regelfall nicht mehr heilbar ist. Die Behandlung umfasst die Milderung der spezifischen Symptome, dazu gehören Medikamente zur Ruhigstellung der Patienten, Ernährung durch eine Magensonde und eventuell künstliche Beatmung. Der Patient sollte vor allen unnötigen Reizen geschützt werden, er braucht z. B. abgedunkelte Räume und völlige Ruhe. Da der Patient die Erkrankung bei vollem Bewusstsein erlebt, werden auch Medikamente zur Linderung der Schmerz- und Angstzustände eingesetzt. Pflegende Personen sollten Schutzkleidung tragen, einschließlich Schutzbrillen und Gesichtsmasken, da der Speichel der Patienten infektiös ist.
Die Krankheit verläuft bei Menschen und Tieren im Prinzip gleich. Typisch bei Tieren ist die auffällige Verhaltensänderung, wilde Tiere verlieren die Scheu vor den Menschen und zahme Haustiere werden aggressiv.
In der medizinischen Literatur wird von einigen wenigen Einzelfällen berichtet, in denen ein Patient durch eine konsequente Intensivtherapie von einer Tollwut genesen sei.

Prophylaxe

Man kann das Ausbrechen der Tollwut bei einem infizierten Menschen fast immer verhindern, wenn sofort nach dem Biss geimpft wird. Auch ist die lokale Wundbehandlung sehr wichtig: Die Wunde sollte sofort und ausgiebig gereinigt und desinfiziert werden. Ein Nähen der Bisswunden wird nicht empfohlen.
Eine prophylaktische Impfung sollte erfolgen:

  • Wenn das Tier tollwütig ist oder im Beobachtungszeitraum von 10 Tagen Tollwut entwickelt oder
  • wenn sich ein ansonsten zahmes Tier, das aber nicht weiter beobachtet werden kann, auffällig benimmt,
  • wenn ein Tier zugebissen hat, ohne provoziert oder geängstigt worden zu sein und in der Gegend Tollwutgefahr besteht.

Besonders anfällig für Tollwut sind in unseren Breiten Füchse und Fledermäuse, in Amerika zusätzlich Waschbären und Stinktiere. Einen Biss dieser Tiere sollte man so lange als tollwutgefährlich betrachten, bis das Gegenteil erwiesen ist. Im Zweifelsfall sollten prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden. Hasen, Mäuse und Ratten sind selten infiziert.

Die Tollwutimpfung nach einem Biss eines mutmaßlich tollwütigen Tieres besteht aus einer sogenannten passiven und einer aktiven Impfung. Bei der passiven Impfung werden bereits vorgefertigte Antikörper gegen Tollwutviren gegeben, bei der aktiven Impfung werden die Antikörper im Körper des Patienten selbst gebildet. Eine aktive Impfung besteht aus einer Serie von 5 Einzelinjektionen und ist recht gut verträglich. Bei geringen Nebenwirkungen sollte die Impfserie fortgeführt werden. Seltene, schwere Impfreaktionen können im Einzelfall dazu führen, dass die Impfung abgebrochen werden muss.

Generell sollten Menschen mit engem Kontakt zu Wildtieren (z. B. Förster, Jäger, Tierärzte, Laborpersonal usw.) gegen Tollwut geimpft sein, aber auch Abdecker, Tierpräparatoren und Reisende in Dritte-Welt-Ländern mit Kontakt zu Hunden, Katzen u. ä.
Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn Tiere verhaltensauffällig werden, vor allem, wenn sich Tiere besonders zutraulich oder besonders aggressiv verhalten.

Dr. med. M. Czioska

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4 Kommentare »

  • hiri mara sagt:

    Hallo,

    Überall liest man, das die Tollwut in Deutschland nicht mehr da ist. Was mich interessieren wuerde, falls eine Katze durch ein Tier infiziert wurde, kann z.b. nur der Speichel schon eine Tollwut ausloesen? Das wird leider nirgends richtig beschrieben.

    lg hiri

  • ugg sagt:

    wenn Tiere verhaltensauffällig werden, vor allem, wenn sich Tiere besonders zutraulich oder besonders aggressiv verhalten??

  • snoopy sagt:

    Zitat im Artikel: ” Ein Tier, welches selbst keine Symptome zeigt, sollte isoliert und 10 Tage beobachtet werden. Wenn das Tier dann gesund ist, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt des Bisses nicht infiziert war. ”

    Kann man leider nicht so stehen lassen, denn die Inkubationszeit (Zeit von Infizierung
    bis zum Ausbruch der Krankheit) kann bei Tieren zwischen zwei Wochen und mehreren Jahren betragen!
    Alles was man über ein Tier sagen kann, welches auch nach 10 Tagen Beobachtung keine Symptome zeigt, ist dass es vor dieser Beobachtungsphase das Virus nicht durch einen
    Biss übertragen haben kann.
    Grund: das Virus tritt unmittelbar vor Ausbruch der Krankheit (maximal 10 Tage
    vor Ausbruch wurden beobachtet) im Speichel eines Tieres auf. Die 10-Tage Regel gilt allerdings auch nur bei Hunden und Katzen, da andere Tierarten nicht genug beobachtet worden sind.

    Die meisten Informationen findet man beim Robert-Koch-Institut:

    http://www.rki.de/cln_171/nn_504562/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Tollwut.html

    Der oben genannte Punkt ist allerdings auch dort nicht absolut klar dargestellt.
    Meine Angabe zu Inkubationszeiten habe ich auf Nachfrage beim Robert-Koch-Institut
    erhalten.

    @ hiri mara: Auf jeden Fall, wenn z.B. Speichel durch Lecken an eine Wunde deiner Hand
    kommt.

    @ ugg: Ich verstehe deine Verwirrung, gemeint ist das ein Tier sich gegensätzlich zu
    seinem normalen Verhalten benimmt. Das heißt ein scheues Tier ist plötzlich zahm
    (z.B. Fuchs) oder ein zahmes Tier wird plötzlich bissig und aggressiv (z.B.
    Hauskatze)

  • Moni sagt:

    Ich wurde von einer Maus gebissen, weil sie auf der Straße saß und nur ganz langsam weggelaufen ist. Als ich sie von der Straße setzen wollte habe ich ihr meine Hand hingehalten und dann hat sie mich gebissen. In unserem Dorf ist auch keine Tollwurt verbreitet. Die Maus hat auch keine Wunden hinterlassen und ich hatte Handschuhe an. Trotzdem habe ich Angst, dass die Maus Tollwut hat. Kann das sein??

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