Tips für Eltern Teil 2
2. Ehe Sie weiterlesen
Manche Eltern fühlen sich schuldig, weil Ihr Kind übergewichtig ist. Sie meinen, daß sie selbst maßgeblich an der Entstehung des Übergewichts beteiligt sind bzw. waren. Aus medizinischer Sicht ist diese Aufassung jedoch nicht haltbar. Wir wissen heute, daß Übergewicht nicht eine einzige Ursache hat. Erbliche Faktoren sind ebenso wie Umwelteinflüsse beteiligt. Vergegenwärtigen Sie sich, ob Sie Schuldgefühle gegenüber Ihrem Kind haben. Mutmaßlich wird es Ihnen gelingen, besser mit dem Übergewicht Ihres Kindes zurecht zu kommen, wenn Sie sich dieser Schuldgefühle bewußt sind.
Es gibt Zeiten und Umstände im Leben, die es unmöglich machen, allen Bedürfnissen eines Kindes gerecht zu werden. So kann man beruflich so eingespannt sein, daß keine Zeit übrigbleibt, um über das absolut Notwendige hinaus zu denken und zu handeln. Unter Umständen hat man selbst erhebliche Sorgen privater oder beruflicher Art, die einen bereits vollständig “auffressen”. Auch kann eine körperliche oder seelische Erkrankung dazu führen, daß man nicht die Möglichkeit hat, sich auf sein Kind so einzustellen, wie man möchte. In manchen Familien ist der Kontakt zwischen Eltern und Kindern vorübergehend oder dauerhaft abgerissen. Falls auf Sie eine dieser geschilderten Situationen zutrifft, sollten Sie sich dies eingestehen. Wenn Sie heute nicht die Möglichkeit haben, auf die Probleme Ihres Kindes einzugehen, kann dies morgen vielleicht schon anders sein. Unter Umständen können Sie Ihrem Kind am meisten helfen, indem Sie sich zunächst selber Hilfe suchen. Sprechen Sie mit Freunden, Angehörigen und/oder Ihrem Arzt, was Sie für sich tun können.
Der erfolgreiche Umgang mit dem Übergewicht Ihres Kindes setzt unter anderem Zeit, Geduld, Ideenreichtum und die Fähigkeit, neue Wege auszuprobieren, voraus. Nachdem wir die folgenden Seiten zusammengestellt hatten, war uns bewußt, wie schwierig die Zusammenhänge sind, die Übergewicht im Kindes- und Jugendalter bedingen. Auch ist uns richtig bewußt geworden, was von den Eltern alles verlangt wird. Jede Mutter, jeder Vater weiß, wie schwierig es beispielsweise sein kann, daß ein Kind dazu gebracht wird, regelmäßig sein Zimmer aufzuräumen. Deshalb soll an dieser Stelle deutlich ausgesprochen werden, daß Sie sich nicht unter Druck setzen lassen sollen. Sie können auch dazu stehen, daß bestimmte Umstände Sie daran hindern, auf das Übergewicht Ihres Kindes einzugehen. Vielleicht möchten Sie sich auch aus bestimmten Gründen hiermit nicht oder nicht mehr auseinandersetzen. Sie dürfen dann an dieser Stelle aufhören, weiterzulesen!
Möchten Sie etwas verändern, sollten Sie sich nach dem Durchlesen der folgenden Seiten noch einmal überlegen, wieviele verschiedene Bereiche angesprochen wurden. Keinesfalls können mehrere Veränderungen gleichzeitig dauerhaft in Gang gesetzt werden. Vielleicht können Sie sich vorstellen, mit einem ganz bestimmten Aspekt zu beginnen. Da das Problem Übergewicht so schwierig ist, könnten Sie auch das Bedürfnis haben, sich mit anderen Personen auszutauschen.
- Kennen Sie beispielsweise Eltern eines ebenfalls übergewichtigen Kindes? Vielleicht ist es lohnenswert, mit diesen ins Gespräch zu kommen.
- Glauben Sie, daß sie fachliche Unterstützung brauchen? Sprechen Sie hierüber mit Ihrem Arzt oder dem Kinderarzt.
- Welche Hilfsangebote gibt es für Sie vor Ort?
- Wollen Sie die Möglichkeit der Vorstellung in einer Erziehungsberatungsstelle nützen?
- Erscheint eine Familientherapie sinnvoll?
Den nächsten Teil finden Sie hier: Tips für Eltern Teil 3
Prof.Dr.med. Johannes Hebebrand, LVR-Klinikum Essen, Kliniken/Institut der Universität Duisburg-Essen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Virchowstrasse 174, 45147 Essen.

