Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa)
mononukleär = einkernig; infektiös = ansteckend
Krankheitsbild
Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine gutartige, durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die vorwiegend das lymphatische System (s. u.) betrifft. Sie wird auch “Kissing Disease” genannt, weil sie durch Speichel übertragen wird. Im Säuglings- und Kindesalter verläuft die Erkrankung meistens völlig unbemerkt und tritt vor allem bei jungen Erwachsenen gehäuft auf. Die Erkrankten klagen zu Beginn oft über Hals- und Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit. Im Verlauf der zwei bis dreiwöchigen Erkrankung kommt es zu Lymphknotenschwellungen, vor allem im Hals- und Nackenbereich, zu länger anhaltendem Fieber und eventuell zu einem Hautausschlag. Da diese Symptome auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen auftreten, ist eine Abgrenzung nicht immer leicht. So zeigen sich bei bakteriellen Halsentzündungen wie Angina tonsillaris oder Diphterie, aber auch bei Kinderkrankheiten wie Röteln und Mumps, ähnliche Beschwerden. In manchen Fällen kann ebenso eine Störung des Immunsystems (z. B. Rheuma) oder eine Tumorerkrankung (z. B. Leukämie) zu Grunde liegen.
Die Krankheit hat eine gute Prognose und führt zu einer lebenslangen Immunität.
Diagnose
Da das Beschwerdebild des Pfeifferschen Drüsenfieber nicht sehr charakteristisch ist, ist die Blutuntersuchung für die Diagnosestellung wichtig. Typisch ist ein Anstieg der weißen Blutzellen (über 10.000 Zellen pro Mikroliter), bei dem sogenannte mononukleäre (lymphoide) Zellen einen hohen Anteil (bis zu 80%) haben. Durch den Nachweis bestimmter Antikörper gegen Virusbestandteile wird die Diagnose gesichert.
Krankheitsverlauf
Beschwerden und Verlauf des Pfeifferschen Drüsenfiebers sind stark altersabhängig und zeigen eine große Variation. Während in den ersten Lebensjahren die Erkrankung fast immer unbemerkt oder als “banaler Infekt” verläuft, kommt es vor allem bei älteren Kindern und jungen Erwachsenen zu Symptomen.
Das Virus, das über den Speichel übertragen wird, vermehrt sich, nach einer Ansteckungszeit von einem bis zwei Monaten, zunächst in den Rachen- und Gaumenmandeln (=lymphatische System des Rachens), was Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden verursacht. Neben den Mandeln im Mundbereich zählen die über den ganzen Körper verteilten Lymphknoten, die Milz und auch die Leber zum lymphatischen System. Dieses System hat seinen Namen von den dort sehr gehäuft vorkommenden weißen Blutzellen, den Lymphozyten, die eine entscheidende Rolle im Abwehrsystem spielen. Nach der Vermehrung des Virus gelangt dieses über die Blutbahn in das lymphatische System und befällt bestimmte Lymphozyten. Durch diese Entzündungsreaktion kommt es zu Organveränderungen, z. B. zur Lymphknoten- und Milzschwellung oder zu einer Leberentzündung.
Seltene Komplikationen sind Blutveränderungen, Herzmuskelentzündung, Nervenstörungen oder ein Riss der Milz.
Als Zeichen der erfolgreichen Eindämmung des Virus klingen die Beschwerden nach zwei bis drei Wochen wieder ab, wobei der Krankheitsverlauf durch Medikamente kaum beeinflusst werden kann.
Therapie
Nur in ganz seltenen Fällen ist eine medikamentöse Therapie notwendig. Die Behandlung beschränkt sich in erster Linie auf die Linderung der Beschwerden, die durch Fieber, Heiserkeit und Abgeschlagenheit hervorgerufen werden. Nur bei ernsten Komplikationen kommen entzündungs- oder virenhemmende Medikamente zum Einsatz. Auf Sport sollte in den ersten Wochen verzichtet werden, um die Gefahr eines Milzrisses zu umgehen. Müssen Antibiotika aufgrund von Begleiterkrankungen eingesetzt werden, sollte auf Ampicillin verzichtet werden. Dieses ruft beim Pfeifferschen Drüsenfieber fast immer einen Hautausschlag hervor.
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Ursache
Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers ist das Epstein-Barr-Virus, das zur Gruppe der Herpesviren zählt. Da es durch Speichel übertragen wird, geht man davon aus, dass sich das Virus in Zellen des Mundbereichs oder der Speicheldrüsen einnistet. Ist eine unbemerkte Ansteckung nicht schon in den Kinderjahren erfolgt, kann im jungen Erwachsenenalter durch Küssen eine erstmalige Infektion erfolgen.
Vorbeugung
Eine gezielte Vorbeugung gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber ist nicht möglich. Aufgrund der sehr häufig unbemerkt durchgemachten Erkrankung kann man davon ausgehen, dass bis zu 90% der Erwachsenen schon immun gegen das Virus sind.
Das lymphatische System

Abb.: Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Groß
(mr)


