Angststörungen (Phobien, Angstneurose)
Krankheitsbild
Angst ist ein normales und natürliches Gefühl, das absolut lebenswichtig ist: Ein Mensch, der keine Angst empfindet, würde sich in ständiger Lebensgefahr befinden. Die Angst hält uns davon ab, uns in Situationen zu begeben, die eine Bedrohung für unser Wohlbefinden bedeuten und die wir nicht bewältigen können. Andererseits gibt es eine Vielzahl chronischer Angststörungen. Unterteilen lassen sich diese in Phobien, den Angsten vor konkreten Objekten oder Situationen (beispielsweise Spinnen oder enge Räume) einerseits und “diffuse” Angste, die nicht an einen bestimmten Auslöser gebunden sind, andererseits. Bis zu 10 Prozent der Bevölkerung machen im Laufe ihres Lebens eine schwerwiegende Angststörung durch.
Diagnose
Wird die Verdachtsdiagnose einer “Angstneurose”, also einer ständigen oder anfallsweise auftretenden Angst ohne einen objektiv nachvollziehbaren Grund gestellt, so müssen zunächst einmal organische Ursachen für die Symptome ausgeschlossen werden. So lässt sich etwa eine Überfunktion der Schilddrüse ohne eine sorgfältige körperliche Untersuchung mit Kontrolle der Blutwerte oft kaum von einer Angststörung unterscheiden. Auch Nebennierentumoren und andere körperliche Erkrankungen können durch eine vermehrte Ausschüttung von “Stresshormonen” wie Adrenalin Symptome wie Herzjagen, Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Flimmern vor den Augen und Atemnot hervorrufen, die auch deutliche Zeichen einer Angstreaktion sind.
Sind organische Ursachen ausgeschlossen, so ist die weitere Diagnostik Aufgabe eines ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten. Konkrete angstauslösende Objekte oder Situationen finden sich im Laufe einer Psychotherapie meist auch bei den Patienten, die an sogenannten “frei flottierenden” Angsten leiden. Im Laufe der Gespräche wird nicht nur nach den angstauslösenden Situationen, sondern auch schon nach möglichen Ursachen der Störung geforscht werden.
Krankheitsverlauf
Chronische Ängste bedeuten für die Betroffenen meist eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. So sind “Agoraphobiker”, die Angst vor weiten Plätzen oder Menschenmassen haben, im schlimmsten Fall nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen. Nur in ihren eigenen vier Wänden, ihrer kleinen, überschaubaren Welt können sie noch leben.
Ohne Behandlung bilden sich Angststörungen nur selten zurück. Vielmehr kommt es zusätzlich zu der eigentlichen Angst in bestimmten Situationen zur Angst vor einem neuen Angstanfall. Als Folge davon sind Patienten mit Angststörungen schließlich nicht mehr fähig, sich einer aus ihrer Sicht möglicherweise bedrohlichen Situation auszusetzen.
Durch dieses Vermeidungsverhalten nehmen sich die Betroffenen allerdings die Chance, selbst zu erleben, dass von den Menschen im Kaufhaus oder einer Spinne eben keine tödliche Gefahr ausgeht. Die Angst bleibt bestehen und verfestigt sich weiter.
Therapie
Da Angststörungen eine erhebliche Einschränkung im täglichen Leben bedeuten und zudem mit zunehmender Dauer schwerer zu behandeln sind, sollten die Betroffenen sich möglichst bald um eine Psychotherapie bemühen. Dabei können vor allem bei den Phobien verhaltenstherapeutische Verfahren relativ schnell erfolgreich sein. Dabei wird der Patient vom Therapeuten Schritt für Schritt in angstauslösende Situationen geführt und muss lernen, seine Angst auszuhalten und zu kontrollieren. So wird es ihm auch möglich, selbst zu erfahren, dass ihm keine wirkliche Gefahr droht.
Anders arbeitet die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Hier geht es darum, die tieferliegenden seelischen Konflikte aufzudecken und zu bearbeiten, die schließlich zum Auftreten einer Angststörung geführt haben. Welches Verfahren für welchen Patienten geeignet ist, muss im Einzelfall vom behandelnden Arzt und/oder Psychologen entschieden werden.
Hilfreich kann in der Anfangsphase der Therapie auch eine medikamentöse Behandlung sein. So ist bei vielen Betroffenen eine unterstützende Behandlung mit beruhigend wirkenden Antidepresiva wie Imipramin wirksam. Bei akuten Angstanfällen wird man manchmal auch Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, zu denen auch Valium® gehört, einsetzen.
Wichtig ist dabei jedoch, dass Medikamente immer nur eine Unterstützung der Psychotherapie sein dürfen; insbesondere ein längerer Gebrauch von Benzodiazepinen heilt die Angststörung nicht, sondern kann allenfalls zusätzlich zu einer Medikamentenabhägigkeit führen.
Ursache
Die Ursachen von Angststörungen können sehr komplexe seelische Konflikte sein, die sich von Patient zu Patient erheblich unterscheiden.
Vorbeugung
Es gibt keine allgemeinen Regeln, wie man dem Auftreten von Phobien und Angstneurosen vorbeugen könnte. Es gilt jedoch in jedem Fall: Wer in objektiv ungefährlichen Situationen Angst oder gar das Gefühl von Panik empfindet, sollte möglichst bald zum Arzt gehen und auch nicht zögern, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen.
(to)
Lesen Sie auch den ausführlichen Artikel zur Angst.

