Krankheitsbild
Die Basedow-Krankheit (beschrieben von dem Arzt Karl Adolf von Basedow) gehört zu den sog. “Autoimmunerkrankungen” (auto (gr.)= selbst, immun (lat.)= unempfindlich, hier: die Abwehr betreffend), welche dadurch gekennzeichnet sind, dass sich bestimmte Stoffe des Abwehrsystems gegen körpereigene Bestandteile richten und diese verändern oder zerstören. Im Falle der Basedow-Krankheit entstehen sog. “Auto-Antikörper” (anti (lat.)= gegen) gegen bestimmte Oberflächenstrukturen von Schilddrüsenzellen (TSH-Rezeptoren), die diese zu einer vermehrten Produktion von Hormonen veranlassen, was wiederum häufig zu einer Schilddrüsenvergrößerung und -überfunktion führt (Struma, Hyperthyreose). Weiterhin können sich diese Antikörper auch gegen andere Körperstrukturen richten, wobei hier meist die kleinen Augenmuskeln und deren Bindegewebe betroffen sind und seltener die vordere Schienbeinmuskulatur. Aufgrund einer nachträglichen Einwanderung bestimmter Abwehrzellen (Lymphozyten) kommt es zu einer Schwellung der betroffenen Gebiete. An den Augenmuskeln kann dies u.a. zum sichtbaren Hervortreten des Augapfels führen (endokrine Orbitopathie) und am Unterschenkel zu einer Verdickung der Vorderseite (prätibiales Myxödem). Während des Krankheitsprozesses kann es zu einem fortschreitenden Hervortreten der Augäpfel aus ihren Höhlen, zu verstärktem Tränenfluss, zu Rötung und Brennen, zu starrem Blick und zum Sehen von Doppelbildern kommen.
Die Überfunktion der Schilddrüse geht häufig mit folgenden Symptomen einher: schnellerer Herzschlag (Tachykardie), vermehrtes Schwitzen, Haarausfall, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsabnahme trotz ausreichenden Essens, Fingerzittern. Es erkranken etwa 2-3 Personen von 100 an einer Basedow-Krankheit. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei Frauen fünfmal häufiger betroffen sind als Männer.
Diagnose
Zur Erkennung einer Basedow-Krankheit muss vom Arzt, neben einer eingehenden Befragung zur Krankengeschichte, auch eine gründliche körperliche Untersuchung erfolgen. Danach wird zuerst eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchgeführt. Im Anschluss erfolgt eine Blutabnahme zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone (fT4, T3, TSH) und zum Nachweis möglicher Autoantikörper (TSH-R-AK, TPO-AK). Oft muss noch eine sog. “Szintigraphie” (scintilla (lat.)= Funke, Graph (gr.)= Aufzeichnung) der Schilddrüse bei einem Facharzt für Nuklearmedizin durchgeführt werden. Es wird hier eine bestimmte, schwach radioaktive Substanz über eine Vene verabreicht, die sich stark in der Schilddrüse anreichert und über eine Kameraaufnahme Hinweise über die Stoffwechselaktivität der Drüse liefert. Auch muss beim Hinweis auf eine Beteiligung der Augenmuskeln eine augenärztliche Untersuchung erfolgen, ggf. mit Ultraschall und/oder Kernspintomographie der Augenhöhlen.
Krankheitsverlauf
Wird die Basedow-Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt, können sich die vorgenannten Symptome im Laufe der Zeit verstärken und zu schweren Beeinträchtigungen führen. Allerdings kommt es bei etwa 50% allerPatienten irgendwann zu einer kompletten Rückbildung der Symptome, bei 20 bis 40% sogar bereits im ersten Jahr.
Therapie
Leider kann man heutzutage die Basedow-Krankheit noch nicht ursächlich behandeln. Gegen die Beschwerden stehen aber verschiedene erprobte Therapien zur Verfügung. Zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion bieten sich drei Verfahren an. Dies ist erstens die Therapie mit Medikamenten, welche die Hormonproduktion drosseln (Thyreostatika), zweitens die sog. ““, (hierbei wird eine Kapsel mit strahlendem Jod geschluckt, das meist innerhalb weniger Tage die erkrankten Schilddrüsenzellen zerstört, die gesunden aber nicht angreift) und drittens die operative Entfernung der Schilddrüse, falls die beiden anderen Verfahren nicht durchführbar sind oder wiederholt keinen Erfolg zeigen. Zur Behandlung des Augenleidens wird in schweren Fällen kurzzeitig ein Cortisonpräparat eingesetzt oder eine Bestrahlung des erkrankten Gewebes von außen versucht. Es bieten sich hier allgemeine Maßnahmen an, wie das Tragen von getönten Brillengläsern mit Windschutz und die Verwendung von Tränenersatzflüssigkeiten.
Ursache
Man geht heute davon aus, dass die Basedow-Krankheit vielfältige Entstehungsursachen hat. Beteiligt sind Erbfaktoren (HLA-B8 und HLA-DR-3 Gewebsantigene), Besonderheiten des Abwehrsystems, aber auch Umwelteinflüsse (Virusinfekte, Jodbelastung, Rauchen) und seelische Gründe (Grundeinstellung und psychischer Stress). Erst das Zusammenspiel dieser verschiedenen Parameter scheint eine Basedow-Krankheit entstehen zu lassen.
Vorbeugung
Ist die Erkrankung diagnostiziert worden, können bestimmte Maßnahmen zu einer Milderung des Beschwerdebildes führen. Rauchen sollte vermieden werden, da hierdurch das Augenleiden nachweislich verstärkt wird, ebenso wie eine verstärkte Jodzufuhr über die Nahrung (Meeresfische). Bei allen “Autoimmunerkrankungen” scheint die seelische Grundverfassung der Patienten eine große Bedeutung zu haben, so dass die Vermeidung psychischer (Stress) aber auch körperlicher Belastungen angezeigt ist.
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(mf)
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