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Blasenentzündung, aufsteigende Harnwegsinfektion (akute Zystitis, Pyelitis, Pyelonephritis)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 31. August 2006 2 Kommentare

Krankheitsbild

Die “Blasenentzündung”, die akute Zystitis, ist eine sehr häufige Erkrankung. Jede fünfte Frau macht mindestens einmal in ihrem Leben eine Infektion der Harnwege durch, beim männlichen Geschlecht ist diese Zahl dagegen verschwindend gering, eine Ausnahme bilden hier allerdings Patienten mit einem Blasenkatheter. Ursache der Erkrankung ist meist eine bakterielle Infektion durch die Harnröhre. Die akute Blasenentzündung der Frau ist, wenn sie rechtzeitig behandelt wird, in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer. Gelegentlich kommt es jedoch als Komplikation zu Entzündungen der Nieren.

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Diagnose

Typisches Zeichen der akuten Zystitis ist eine deutlich erhöhte Konzentration von Bakterien im Urin: Es finden sich mehr als 100.000 Keime je ml. Die Diagnose wird jedoch erst dann gestellt, wenn auch die typischen Symptome der Entzündung hinzukommen; auch deutlich erhöhte Bakterienkonzentrationen ohne Beschwerden sind (in ca. 15% der Fälle) möglich.

Charakteristisch für die Blasenentzündung ist die schmerzhafte und erschwerte Harnentleerung bei gleichzeitig gesteigertem Harndrang. Zudem kommt es zu Schmerzen im Unterleib, gelegentlich findet sich Blut im Urin.

Große Bedeutung kommt der Sonographie, also der Ultraschalluntersuchung, beim Verdacht auf eine Beteiligung der Nieren oder Störungen des Harnabflusses zu. Hier kann der Arzt die Größe der Nieren, Veränderungen der Nierenoberfläche oder Harnstauungen sehr genau erkennen. Zudem stehen hier auch noch weitere Untersuchungsmethoden wie beispielsweise verschiedene Röntgenverfahren zur Verfügung.

Ebenfalls finden sich bei Beteiligung der Nieren entsprechende Zeichen bei der Blutuntersuchung. Die Blutsenkung ist erhöht, ebenso die Zahl der weißen Blutkörperchen: Beides sind deutliche Signale für eine größere Entzündung.

Krankheitsverlauf

Die unkomplizierte Blasenentzündung der Frau ist eine relativ leichte Erkrankung, die ohne deutliche Zeichen einer allgmeinen Schwäche abläuft und sich innerhalb weniger Tage erfolgreich behandeln lässt. Anders sieht es dagegen aus, wenn ein Mann betroffen ist und/oder sich Komplikationen einstellen – also eine aufsteigende Entzündung des Nierenbeckens (akute Pyelitis) oder zusätzlich des Nierengewebes (akute Pyelonephritis) auftritt.

In diesen Fällen kann es zu hohem Fieber kommen. Während eine Zystitis stets mit schmerzhaftem und erschwertem Wasserlassen verbunden ist, können diese Symptome bei der Pyelitis und Pyelonephritis komplett fehlen. Stattdessen stehen hier das Gefühl allgemeiner Schwäche, Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen im Vordergrund.

Therapie

Die Therapie der Harnwegsinfektionen richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Bei der unkomplizierten Zystitis der Frau werden Antibiotika entweder einmalig in einer hohen Dosis oder über ein bis drei Tage in der Standarddosis gegeben, eine wichtige Unterstützung der Therapie ist eine ausreichende “Durchspülung” durch reichliche Flüssigkeitszufuhr. Gegen die Schmerzen kann bei Bedarf ein krampflösendes Mittel wie Buscopan® gegeben werden.

Bei schweren Verläufen mit hohem Fieber, wie es etwa beim Mann oder bei einer aufsteigenden Entzündung der Nieren auftreten kann, wird jedoch oft eine stationäre Behandlung, zumindest aber Bettruhe, erforderlich. Die Antibiotikatherapie dauert hier in der Regel mindestens 2 bis 3 Wochen, in Sachen Flüssigkeitszufuhr und Schmerzbehandlung gilt dasselbe wie bei der unkomplizierten Zystitis der Frau.

Ursache

Ursache der Harnwegsinfekte ist meist eine bakterielle Infektion über die Harnröhre. Die auslösenden Bakterien stammen zumeist (70 bis 90%) aus der Familie der Escherichia Coli. Die verbleibenden 10 bis 30 Prozent teilen sich diverse andere Bakterienarten. Darunter befinden sich z. B. Proteus und Pseudomonas aeruginosa, zwei Keime, die auf Behandlung mit Antibiotika schlecht ansprechen.

Der Infektionsweg erklärt auch, weshalb Frauen häufiger von der Erkrankung betroffen sind als Männer: Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten ist ihre Harnröhre sehr viel kürzer als die männliche. Gleichzeitig befindet sich die Harnröhrenmündung in unmittelbarer Nachbarschaft des Scheideneingangs, was eine bakteriellen Infektion noch zusätzlich begünstigt. So ist Medizinern etwa das Phänomen der “Honeymoon-Zystitis”, der “Flitterwochen-Blasenentzündung”, bestens bekannt: Nach sexueller Aktivität tritt die Erkrankung außergewöhnlich häufig auf.

Ein weiterer begünstigender Faktor für die Entstehung von Harnwegsinfektionen sind Störungen des Harnabflusses aller Art: Von Blasensteinen und -tumoren über Prostatavergrößerungen beim Mann bis hin zur Querschnittslähmung reichen die Faktoren, die durch einen Harnstau die Vermehrung der Keime in der Harnblase fördern. Zudem kommt es bei katheterisierten Patienten außergewöhnlich häufig zu Harnwegsinfekten, da hier mit dem Katheter auch Keime in die Blase eindringen können.

Vorbeugung

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Zystitis und damit auch der Komplikationen Pyelitis und Pyelonephritis ist neben einer sorgfältigen Intimhygiene die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. So werden die Gefahren einer Verschleppung von Bakterien in die Harnblase und der Vermehrung der Bakterien über ein normales Maß zumindest vermindert. Schließlich sollen auch Grunderkrankungen, die den Harnabfluss behindern oder die Abwehrkräfte schwächen (Diabetes mellitus!) frühzeitig und fachgerecht behandelt werden.

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Abb.: Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Haus&Gross

(to)

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