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Erbrechen (Emesis)

Eingetragen vonMedizin-Netzam23. August 2006 Kein Kommentar

Syn. Emesis, Vomitus; vomere (lat.) = sich erbrechen

Krankheitsbild

Beim Erbrechen wird Speiseröhre-, saurer Magen- oder eventuell auch Dünndarminhalt nach außen befördert. Dies ist ein aktiver Vorgang. Abzugrenzen hiervon ist die Regurgitation: Dabei strömt passiv Nahrung aus der Speiseröhre in den Mund- und Rachenraum.
Das Erbrechen ist ein wichtiger Schutzreflex, der durch das Brechzentrum im verlängerten Rückenmark gesteuert wird. Dies geschieht durch Nervenimpulse, die an die Atem- und Bauchmuskulatur gesendet werden.

Diagnose

Übelkeit und Erbrechen sind häufige und meist uncharakteristische Begleitsymptome, die den Arzt vor eine Vielzahl möglicher Ursachen stellen. Erschwert wird diese Situation dadurch, dass sowohl Übelkeit als auch Erbrechen die eigentlich zugrunde liegende Ursache maskieren können.
Ein sehr wichtiger diagnostischer Schritt ist die genaue Befragung des Patienten (Anamnese). Hierbei finden folgende Gesichtspunkte eine besondere Beachtung: Verlaufsform (plötzlich, einmalig oder wiederkehrend), gleichzeitig bestehende Grund- oder Vorerkrankungen oder eine bestehende Schwangerschaft.
Außerdem sind eventuell vorhandene Begleitsymptome besonders zu beachten. Dies können zum Beispiel sein: Gewichtsverlust und Abmagerung, Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall, Gelbfärbung der Hautoberfläche (Ikterus), Schwindel sowie Seh- und Hörstörungen. Auch Erkrankungen im weiteren privaten Umfeld oder eine kürzlich gemachte Reise sind wichtige Hinweispunkte auf mögliche Ursachen. Weiterhin spielen eingenommene Medikamente, Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum eine häufige Rolle.
Der Zeitpunkt, an dem das Erbrechen auftritt, ist ebenso wie dieser der Nahrungsaufnahme ein wichtiger Hinweisgeber. Auch aus dem Aussehen, dem Geruch, sowie der Menge und eventuell bestehenden Beimengungen des Erbrochenen kann der Arzt wichtige Hinweise ableiten.
Es schließt sich eine ausgiebige körperliche Untersuchung an. Auch zählt eine Blutabnahme zur Basisdiagnostik und kann bei der Formulierung einer Verdachtsdiagnose sehr helfen. Hierbei können Veränderungen im Blut sowie an der Funktion verschiedener Organsysteme beobachtet werden.
Eventuell ist eine erweiterte Diagnostik unter Umständen auch durch Arzte anderer Fachrichtungen (z. B. Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Augenarzt, Neurologe) nötig. Dies kann zum Teil durch speziellere Blutuntersuchungen oder auch verschiedene röntgenologische Verfahren ergänzt werden.

Krankheitsverlauf

Es sind grundsätzlich zwei Bereiche zu unterscheiden. Zum einen führt die Grunderkrankung selbst zu Veränderungen im Organismus, die vielfältig sein können. Zum anderen verursacht der Vorgang des Erbrechens direkt Veränderungen im Körper.
Das Erbrechen beginnt normalerweise mit einer tiefen Einatmungsbewegung, hiernach wird die Luftröhre und der Nasen-Rachenraum durch spezielle Muskulatur verschlossen. Dies verhindert ein Eindringen der Nahrung in die Luftröhre (Aspiration). Die Speiseröhre wird weit und die Muskulatur des Mageneingangs erschlafft. Danach werden Magen, Zwerchfell- und Bauchmuskulatur angespannt, wodurch der Mageninhalt hinausbefördert wird.
Dem Erbrechen kann ein Gefühl der Übelkeit vorausgehen. Langandauernd kann dies zu einer physischen und psychischen Belastung führen. Durch anhaltendes und sehr häufiges Erbrechen (protrahierte Form) kommt es zum fortschreitenden Nahrungs- und Flüssigkeitsverlust, es entwickelt sich so eine Entgleisung des Stoffwechselgleichgewichtes. Dies zeigt sich im Gewichtsverlust, in einer Verschlechterung des Blutzucker- und Energiehaushaltes, in Blutdruckveränderungen sowie in einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion. In der Folge können sich Elektrolytverschiebungen ergeben. Dabei handelt es sich um elektrisch geladene Teilchen (z. B. Natrium, Kalium oder Chlorid), die unter anderem für die Erregungsleitung im Nerven wichtig sind. Sie sind außerdem für einen normalen Herzrhythmus entscheidend.
Bei der weniger schwerwiegenden Form des Erbrechens werden durch körpereigene Abwehrmechanismen die Ursachen bekämpft, im günstigsten Fall hört das Symptom Erbrechen nach einigen Tagen von selbst auf.
Begleitsymptome sind vermehrte Speichelabsonderung und eine verlangsamte Atmung. Würgen unter unkoordinierten Atembewegungen gehört außerdem dazu.

Therapie

Es gibt grundsätzlich zwei Therapieziele. Das erste Ziel besteht in einer erfolgreichen Therapie der Grunderkrankung. Das zweite Ziel richtet sich auf das Beheben der körperlichen Folgen. Das Hauptziel hierbei ist, dem Körper wieder genügend Flüssigkeit zuzuführen, um den Kreislauf zu stabilisieren.
Ein geeignetes Auffanggefäß (z. B. Nierenschale, Papiertaschentücher und Zellstoff, sonstige Gefäße) sollte bereitgestellt werden. Eine aufrechte Lagerung hat sich bewährt. Bei Bewusstlosen oder komatösen Patienten bietet sich eine Seitenlage oder eine Kopfseitenlage an. Bei bestehenden Operationswunden sollte ein vorsichtiger Gegendruck ausgeübt werden, dies verhindert ein Aufbrechen des Wundverschlusses.
Medikamente gegen das Erbrechen (Antiemetika) sind ein möglicher Therapieansatz. Sie wirken antispastisch auf die beteiligte Muskulatur und haben einen beruhigenden Nebeneffekt im zentralen Nervensystem. Die Verabreichung erfolgt nach ärztlicher Empfehlung.
Bei der Flüssigkeitsaufnahme kann nach den Wünschen des Betroffenen entschieden werden. Eingeschränkt wird dies durch eventuell gleichzeitig bestehende Grunderkrankungen, z. B. eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Hier wird die Art und Menge der Aufnahme in Absprache mit dem Arzt erfolgen, der sich bei seinen Empfehlungen am Blutzuckerspiegel orientieren wird.
Die Menge des Flüssigkeitsersatzes kann entweder durch Trinken oder durch intravenöse Infusion erfolgen. Entscheidend ist hierbei die Dauer, die Häufigkeit und das Ausmaß des Erbrechens.

Ursache

Die vielfältigen möglichen Ursachen können in folgende Bereiche eingeteilt werden:

Ursachen im Bauchraum
Zu den häufigsten Ursachen zählen eine akute Magenschleimhautentzündung (Gastritis), eine Infektion im Bereich des Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis) oder eine Nahrungsmittelintoleranz. Wichtig sind außerdem ein Geschwür im Magen- oder Dünndarmbereich (gastroduodenales Ulkus). Eine infektiöse Leberentzündung (Hepatitis) zählt ebenfalls dazu wie Gallenwegserkrankungen (Gallensteine = Cholelithiasis, Gallenblasenentzündung = Cholezystitis). Eine Störung der Transportfunktion des Darmes (Subileus, Ileus) ist eine weitere, allerdings schwerwiegende Ursache. Denkbar sind außerdem bösartige Tumorerkrankungen.

Zentralnervöse Ursachen
Ein erhöhter Hirndruck führt zu einer Reizung des Brechzentrums und damit zu einem Erbrechen. Ursächlich sind hierbei ein vorangegangenes Hirntrauma, Blutungen innerhalb des Kopfes (intrazerebrale Blutung), eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder auch Hirntumore. Patienten mit einer Migräne berichten oftmals über ein Erbrechen. Eine Reizung der Gleichgewichtsorgane im Innenohr, etwa durch häufige Achterbahnfahrten oder bei Innenohrerkrankungen können mögliche Ursache sein.

Stoffwechselbedingte Ursachen
Oft zeigt sich eine bestehende Schwangerschaft durch häufig wiederkehrendes Erbrechen. Stoffwechselbedingte Ursachen können sein: Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Lebererkrankung, Störung der Nierenfunktion, Erkrankungen der Schilddrüse, Störungen der Nebennierenrindenfunktion oder der Nebenschilddrüse.

Medikamente, bzw. Gifte
Jedem bekannt ist Übelkeit nach übermäßigem Alkoholgenuss bekannt. Ebenso kann sich nach der Einnahme folgender Medikamentengruppen Übelkeit einstellen: Digitalis (=Herzmedikament), Antibiotika, Eisen- und Kaliumpräparate, Zytostatika oder z. B. das Asthmamedikament Theophyllin. Auch kann eine Schwermetallvergiftung zum Erbrechen führen.

Andere Ursachen
Häufig tritt bei Blutdruckstörungen Übelkeit mit Schwindel und Erbrechen auf. Auch nach einem Herzinfarkt oder bei nachlassender Herzfunktion (Herzinsuffizienz) kann es zum Erbrechen kommen. Augenerkrankungen mit Erhöhung des Augeninnendruckes können Übelkeit verursachen und einen augenärztlichen Besuch notwendig machen. Eine bestehende Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führt durch die Veränderungen innerhalb des Körpers zu Erbrechen. Ein großer Ursachenkomplex ist der Bereich der Psyche. Als Beispiele sollen hier genannt werden: die Depression, verschiedene Angstzustände sowie die Magersucht (Anorexia nervosa) oder die Bulimie.

Vorbeugung

Nach dem Erbrechen bessert sich das körperliche Befinden durch eine Mundspülung oder durch die Anwendung von kaltem Wasser auf Gesicht und Hände. Auch ein Wäschewechsel und gute Frischluftzufuhr sind sehr hilfreich.
Bei dem Nahrungsaufbau bietet sich der schrittweise Kostaufbau an. Am 1. Tag steht die Zufuhr von Flüssigkeit ganz im Vordergrund. Eine Nahrungskarenz wird meist von den Betroffenen selbst eingehalten. Am 2. und 3. Tag kann mit Tee begonnen werden, der mit Traubenzucker gesüßt wird. Geriebene Apfel, geschlagene Bananen können durch verschiedene Fruchtsäfte ergänzt werden. Als breiige Nahrung kann eine Schleimsuppe aus Reis- oder Gerstenschleim mit Zwieback zubereitet werden. Am 4. Tag kommen verschiedene Püree-Sorten aus Karotten oder Kartoffeln in Frage. Nach dem 5. Tag kann diese Kost je nach Bedarf durch eine Schonkost ergänzt werden.
Gleichzeitig wird die Kost in mehreren Stufen zur normalen alltäglichen Ernährung aufgebaut. Grundsätzlich handelt es sich immer um eine eher fettarme Kost, die aus leicht verdaulichen Eiweißträgern, leicht verdaulichen Fetten und Kohlehydraten besteht.

(cm)

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