Schistosomiasis (Bilharziose)
schisto- (gr.) gespalten, soma (gr.) Körper, Schistosomiasis=Erkrankung durch einen (Erreger mit einem) gespaltenen Körper. T. M. Bilharz, deutscher Arzt 1825-1862.
Krankheitsbild
Bei der Schistosomiasis handelt es sich um eine parasitäre Erkrankung, die durch die Infektion mit bestimmten Wurmarten (Schistosoma haematobium u.a.) verursacht wird. Die Erkrankung nimmt nach einem akuten fieberhaften Stadium einen jahrelangen Verlauf, der vor allem den Darm und die Harnwege in Mitleidenschaft zieht. Der Fortpflanzungszyklus des Erregers schließt neben dem Menschen auch bestimmte Wasserschnecken als Wirt ein, die nur in warmen, (sub-)tropischen Gegenden vorkommen. Die Erkrankung ist daher vor allem in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, der Karibik und dem Nahen Osten verbreitet. Weltweit leiden schätzungsweise über 300 Millionen (!) Menschen an der Bilharziose und ihren teilweise erheblichen Spätkomplikationen.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Bilharziose (also beim Auftreten der typischen Symptome nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet und nach Kontakt mit nicht aufbereitetem Süßwasser) wird der Urin oder Stuhl auf Eier des Erregers hin untersucht. Dies setzt jedoch voraus, dass der Betroffene bereits einige Wochen (s. Krankheitsverlauf) infiziert ist. Man kann auch das Blut des Betroffenen auf Antikörper gegen den Erreger testen. Auch dieser Test wird erst einige Wochen nach der Infektion positiv.
Krankheitsverlauf
Das Eindringen der Larven führt nach einigen Stunden zu lokalen Hautreizungen (”swimmer’s itch”), die sich wieder zurückbilden. 3-12 Wochen nach der Infektion – die Würmer haben sich inzwischen in den Venengeflechten des Darms und der Harnblase, sowie in Gefäßen von Milz und Leber angesiedelt – beginnt die Eiablage. Die Eier stellen einen starken Entzündungsreiz dar, gegen den sich das Immunsystem des Erkrankten heftig wehrt. Es kommt zunächst zu einer akuten Erkrankungsphase mit Fieber, juckendem Hautausschlag, Gliederschmerzen und Husten.
Unbehandelt kommt es je nach befallenen Organen zu Darmkoliken mit blutigen Durchfällen oder blutigem Urin. Diese chronischen Beschwerden können über viele Jahre immer wieder auftreten. Die nicht behandelte Erkrankung kann zu irreversiblen Schäden an den befallenen Organen führen: Vernarbungen und Verengungen des Darms, Verkalkung von Gewebe, Leberzirrhose mit Leberversagen. Die chronische Blasenbilharziose stellt einen Risikofaktor für das spätere Entstehen eines bösartigen Blasenkarzinoms dar.
Therapie
Die Therapie der Bilharziose erfolgt mit dem Medikament Praziquantel (z. B. Biltricide®, Cysticide®). Bei schwerem Befall kann zusätzlich die Gabe eines Cortison-Präparates in Frage kommen. Die medikamentöse Therapie hat nur wenige unerwünschte Wirkungen und tötet mit großer Sicherheit alle Erreger ab. Die durch die chronische Entzündung entstandenen Verkalkungen und Vernarbungen bilden sich jedoch nicht zurück. Deshalb ist eine schnelle und konsequente Therapie bei gesicherter Diagnose sehr wichtig.
Ursache
Der Mensch kann nur mit der Larve (Zerkarie) des Wurms infiziert werden, die sich durch die Haut oder Schleimhaut beim Baden oder beim Trinken des kontaminierten Wassers bohren kann. Aus den Zerkarien in den Blutgefäßen der Infizierten entwickeln sich die erwachsenen Würmer. Sie besiedeln insbesondere die Venengeflechte im Bereich von Darm und Harnblase, sowie die Blutgefäße der Leber und der Milz. Hier legen sie nach 3-12 Wochen Eier, die sich durch Darm- bzw. Harnblasenwand “bohren”. Die Eier gelangen mit dem Urin oder Stuhl eines Erkrankten ins Wasser. Hier schlüpft eine andere Larvenform (Mirazidien) aus den Eiern. Diese befällt bestimmte Wasserschnecken und vermehrt sich in ihnen, wobei Zerkarien entstehen, die wieder den Menschen infizieren können.
Für den Krankheitsverlauf entscheidend sind die Eier des Erregers. Sie stellen einen starken allergischen und dauerhaften entzündlichen Reiz dar. Nach der akuten Phase der Erkrankung kommt es daher zu Vernarbungen und Verkalkungen der befallenen Organe.
Vorbeugung
Bei der Schistosomiasis handelt es sich um eine Tropenerkrankung mit großer Verbreitung. Eine Ansteckung ist in Deutschland, auch beim Umgang mit Infizierten, ausgeschlossen, da die Wasserschnecke als Zwischenwirt in unseren Breitengraden nicht vorkommt. Eine Schutzimpfung gegen den Erreger gibt es nicht. Das Baden in Flüssen und Seen sollte vermieden werden; Swimmingpools sind unbedenklich. Auf keinen Fall darf unaufbereitetes Wasser getrunken werden.
Zur Vorbeugung gegen eine Unzahl von Infektionserkrankungen bei Reisen in die Tropen gilt neben dem Verzicht auf Baden in Süßwasser: “Cook it, peel it, or forget it!” (Koche es, schäle es oder lass es sein).

