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Schlafstörungen (Hyposomnie, Insomnie)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 23. August 2006 Kein Kommentar

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Schlafstörungen

Krankheitsbild

Nahezu jeder Mensch wird einmal von Schlafstörungen geplagt. Die “Schlaflosigkeit”, Ein- und Durchschlafstörungen, können dabei verschiedenste Ursachen haben, wobei in den meisten Fällen keine schwere körperliche oder seelische Grunderkrankung zugrunde liegt. Von einer echten, behandlungsbedürftigen Insomnie spricht man, wenn “eine Schlafstörung mit einer ungenügenden Dauer oder Qualität des Schlafes über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt”. Dabei müssen allerdings Altersunterschiede bedacht werden: Altere Menschen brauchen in aller Regel weniger Schlaf, bei ihnen kann eine vermeintlich ungenügende Schlafdauer in Wahrheit vollkommen normal sein.

Diagnose

Es gibt verschiedene Formen von Schlafstörungen: Neben der Insomnie, der “Schlaflosigkeit”, um die es hier geht, gibt es auch das Schlaf-Apnoe-Syndrom (SAS), bei dem es in der Nacht zu kurzen Aussetzern der Atmung kommt. Diese Patienten bemerken von ihrem Leiden meist nur, dass sie am Morgen nicht erholt sind – zu längeren, akut bedrohlichen Atemstillständen kommt es beim SAS glücklicherweise nur relativ selten, es können durch den Sauerstoffmangel jedoch langfristig Schäden entstehen. Zudem führen einige Erkrankungen auch zu Schlafstörungen, bei denen das Schlafbedürfnis über ein normales Maß erhöht ist.
Bei der Insomnie handelt es sich meist um eine funktionelle Störung, d. h., ein Symptom ohne erkennbare Ursache. Trotzdem muss die Diagnose der Schlafstörungen immer mit dem Ausschluss möglicher körperlicher und seelischer Erkrankungen beginnen, deren Folge die Schlafstörung in einigen Fällen ist. Erst wenn feststeht, dass keine schweren Grunderkrankungen bestehen – in diesen Fällen ist die Schlaflosigkeit meist das einzige Symptom, über das die Patienten klagen – kann die Diagnose einer “primären Insomnie”, einer Schlafstörung ohne erkennbare Ursache, gestellt werden.
Eine letzte Unterscheidung erfolgt dann zwischen Ein- und Durchschlafstörungen. Patienten, die an Einschlafstörungen leiden, wälzen sich abends stundenlang im Bett und finden nicht in den Schlaf. Im Falle von Durchschlafstörungen kommt es zu häufigem nächtlichen Erwachen, das die Patienten immer wieder vor das Einschlaf-Problem stellt. Möglich, und nicht selten, sind auch Kombinationen beider Formen der Insomnie.
Erheblich erweiterte Möglichkeiten der Diagnose bieten mittlerweile in vielen Krankenhäusern eingerichtete “Schlaflabors”. Dort kann genau ermittelt werden, welche Phasen des Schlafes beim jeweiligen Patienten gestört sind, ob und welche Auffälligkeiten sich während der Nacht hinsichtlich der Funktion von Kreislauf, Atmung und Nervensystem zeigen.

Krankheitsverlauf

Leichte Schlafstörungen, die fast jeder irgendwann einmal erlebt, sind meist von kurzer Dauer. Besteht das Problem jedoch über längere Zeit, entwickelt sich häufig eine chronische Insomnie, die einer Behandlung bedarf: Patienten, die dauernd zu wenig schlafen, zeigen eine erhebliche Verminderung ihrer Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit am Tag. Zudem ist zu bedenken: Schlaf ist ein physiologisches Grundbedürfnis wie Essen und Trinken, der Organismus holt sich unter Umständen den Schlaf, den er nachts nicht bekommt, zu anderer Zeit. Der daraus folgende “Sekundenschlaf” kann im Alltag – etwa beim Autofahren oder am Arbeitsplatz – zu gefährlichen Situationen führen.
Unabhängig von der Ursache der Schlafstörung spielen im Verlauf der Erkrankung vielerlei psychologische Faktoren eine Rolle. Wird das Einschlafen über eine längere Zeit als “Quälerei” empfunden, setzen sich die Patienten dann noch unter Druck, zu einer bestimmten Zeit schlafen zu müssen, dann wird die Nacht früher oder später anstelle einer “Zeit der Erholung” als eine “Zeit starker psychischer Anspannung” empfunden. Die daraus folgende Schlaflosigkeit führt zur Angst, wieder nicht einschlafen zu können – und so weiter. Ein Teufelskreis ist entstanden.

Therapie

Jährlich werden in Deutschlands Apotheken “Schlafmittel” (Hypnotika) für 720 Millionen Mark verkauft, gut die Hälfte davon entfällt auf rezeptfrei erhältliche Mittel. Damit ist die “Schlaftablette” die mit Abstand bekannteste und auch bei den Patienten oft beliebteste, weil am einfachsten anzuwendende Therapieform. Seit 1988 ist der Umsatz für Schlaftabletten um 100 Prozent gestiegen.
Dass Ärzte in solch großen Umfang Hypnotika verordnen, entspricht eigentlich nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Zwar sind moderne Hypnotika wesentlich weniger gefährlich als die nahezu vom Markt verschwundenen Barbiturate, eine sinnvolle Dauertherapie der Insomnie stellen jedoch auch sie keinesfalls dar. Die heute meist eingesetzten Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, zu denen auch das bekannte Beruhigungsmittel Valium® gehört, bergen zwar kaum noch die Gefahr der akuten Vergiftung; bei längerer Anwendung führen sie jedoch zur Gewöhnung und nicht selten zur Abhängigkeit.
Schon nach einigen Tagen kann die Wirkung nachlassen, daher sollte die Anwendung dieser Mittel – wenn sie denn im Einzelfall überhaupt unbedingt notwendig wird – möglichst auf eine einmalige Gabe beschränkt werden. Die Dauerbehandlung mit solchen “Schlafmitteln” bezeichnen manche Experten als Kunstfehler. Nach neueren Studien hat jedoch die Kava-Wurzel (enthalten z. B. in Kavasedon®) als Naturheilmittel eine ähnliche Wirkung wie die Benzodiazepine, führt dabei aber weder zur Gewöhnung noch zur Abhängigkeit. Auch der Einsatz von Präparaten aus Baldrian und/oder Johanniskraut (Sedariston®, Baldriparan®) kann eine sinnvolle Ergänzung zu anderen, nicht medikamentösen Therapien sein.
Wichtig ist es, einen normalen Schlaf-Wach-Rhytmus wieder einzuüben. Wer nachts nicht schlafen kann und dafür bis zum Mittag im Bett bleibt – oder sich ersatzweise mittags noch einmal ein Stündchen aufs Ohr legt – der darf sich nicht wundern, wenn er dann abends wieder nicht einschlafen kann. Hier ist vom Patienten eiserne Disziplin gefragt, und wer bis zum Abend durchhält, der wird sehr froh sein, nun ins Bett gehen und schlafen zu “dürfen” – und die Nacht endlich wieder als erholsam, und nicht bedrohlich empfinden.
Sehr hilfreich auf dem Weg zurück zu einem gesunden Schlaf können auch Entspannungsübungen wie das Autogene Training sein. Patienten sollten, statt ihren Arzt um “Schlaftabletten” zu bitten, ihn lieber nach Angeboten aus diesem Bereich fragen. Entspannungsübungen haben eine wesentlich nachhaltigere Wirkung im Vergleich zu Schlaftabletten – und keine Nebenwirkungen. Kurse zum Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson werden oft auch von Volkshochschulen und Krankenkassen angeboten.

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Ursache

Die vielfältigen Ursachen der Insomnie belegt eine Studie einer Arbeitsgruppe an der Universität Göttingen: Bei etwa 25 Prozent der Patienten, die aufgrund der Schwere ihrer Schlafstörung in ein Schlaflabor kamen, wurde das Problem durch eine körperliche Ursache (einschließlich Schlaf-Apnoe-Syndrom) ausgelöst. Zu diesen körperlichen Ursachen zählen vor allem auch schmerzhafte Erkrankungen, die die Patienten oft nicht schlafen lassen – viele haben wohl schon einmal erlebt, wie ein akuter Zahnschmerz den Nachtschlaf raubt. Patienten mit chronischen, unzureichend behandelten Schmerzen haben dieses Problem ständig.
Zu etwa zehn Prozent sind es Umwelteinflüsse, die den gesunden Schlaf stören: Lärm gehört ebenso dazu wie etwa Schichtarbeit oder auch ein Baby, das lautstark nach seinen Eltern verlangt. Beim weitaus größten Teil der Schlafgestörten beruht das Problem jedoch auf vielfältigen psychischen Problemen. Verschiedene Studien beziffern den Anteil der seelischen Ursachen an den Insomnien auf rund zwei Drittel. Zum weiten Feld der psychischen Ursachen zählen die Folgen von Alkohol-, Arzneimittel- und Drogenmissbrauch ebenso wie andere psychische Störungen.
Ein großer Teil der psychisch ausgelösten Schlafstörungen beruht jedoch auch auf aktuellen seelisch belastenden Situationen, ohne dass eine echte psychische Störung vorliegt. Hier sind die Chancen sehr gut, dass mit den Problemen auch die Schlafstörungen wieder verschwinden.
Zusätzlich muss gesagt werden, dass “Schlaflosigkeit” auch eine einfache biologische Ursache haben kann: Nämlich steigendes Lebensalter. Eine Gruppe an der Universität Freiburg hat in einer Studie die Schlafstruktur von Menschen unterschiedlichen Alters untersucht. Bei den unter 20jährigen summieren sich die Tiefschlafphasen im Laufe der Nacht auf durchschnittlich etwa 90 Minuten, ab 50 Jahren sind es im Durchschnitt nur noch etwa 10 Minuten. Gleichzeitig liegen die Jüngeren durchschnittlich nur 8 Minuten in der Nacht wach, während es bei den Alteren fast 60 Minuten sind. Die Zahl der Schlafunterbrechungen pro Nacht steigt im Laufe des Lebens von 6 auf 25.
Und schließlich: Die “gesunde” Schlafdauer bewegt sich, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, zwischen 5 und 9 Stunden. Nicht wenige vermeintliche Schlafstörungen beruhen daher einfach auf einer Fehleinschätzung dessen, wie und wie lange man eigentlich schlafen müsste. Als grobe Regel für den Patienten ließe sich also sagen: Eine wirkliche Schlafstörung liegt dann vor, wenn Qualität und/oder Dauer des Schlafes das eigene Wohlbefinden beeinträchtigen oder zu Müdigkeit und Konzentrationsschwächen am Tage führen.

Vorbeugung

Eindeutige Empfehlungen, wie man Schlafstörungen vorbeugen kann, gibt es natürlich nicht – schließlich kommt die Störung meist aus heiterem Himmel auf die Patienten zu. Um jedoch zu verhindern, dass überhaupt erstmals Probleme auftreten, kann man einige einfache Regeln befolgen:

  • So banal es klingt – das Bett ist zum Schlafen da. Wer im Bett auch isst, fernsieht und vielleicht noch Büroarbeiten erledigt, der riskiert, dass er unbewusst in seinem Kopf die feste Verbindung von Bett und Schlafen löscht – und sich abends wundert, dass er sich im Bett wälzt und nicht zur Ruhe kommt.
  • Ein voller Bauch studiert nicht nur ungern, mit vollem Magen schläft es sich auch schlecht. Deshalb sollte die letzte Mahlzeit des Tages nicht zu kurz vor dem Schlafengehen gegessen werden.
  • Schlafräume sollten niemals überheizt sein. Die optimale Raumtemperatur zum Schlafen liegt bei 18 Grad. Frische Luft ist in jedem Fall gesund – und sorgt für ein besseres Schlafklima.
  • Zur Ruhe kommen sollte man auch schon langsam vor dem Schlafengehen. Den Tag sollte man im Sinne eines ruhigen Schlafes nicht unbedingt mit einem Horrorfilm ausklingen lassen, sondern sich mit ruhiger Musik, einem schönen Buch oder einem lieben Menschen langsam entspannen, um sanft von der Hektik des Alltags in den Schlaf zu gleiten.

Sollte es trotz allem zu länger andauernden Schlafstörungen kommen, ohne dass andere Erkrankungen vorliegen, so sollten sich die Betroffenen lieber nicht mit “Schlafmitteln” versorgen – auch nicht mit solchen aus der Gruppe der Antihistaminika, die zwar rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, aber trotzdem zur Gewöhnung führen können. Vielmehr sollten sie sich (tagsüber) Gedanken über die Frage machen, ob eventuell lösbare Probleme die Schlaflosigkeit verursachen – und dann versuchen, diese Probleme zu lösen. Ein Entspannungstraining kann, auch wenn bisher keine Probleme aufgetreten sind, jedem empfohlen werden. Hilfreich können auch die oben erwähnten Naturheilmittel sein.

Allerdings: Spätestens, wenn diese Maßnahmen ohne Erfolg bleiben – oder die Schlafstörung den Patienten sehr stark beeinträchtigt – sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

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