Die koronare Herzkrankheit
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an erster Stelle der Todesursachen – allen voran die Erkrankung der Herzkranzgefäße. Je mehr Sie über Herzerkrankungen wissen, desto besser können Sie sich selbst vor ihnen schützen.
In der Statistik der Ursachen, an denen die Menschen in der Bundesrepublik sterben, stehen die Herz-Kreislauf-Krankheiten vor allen anderen mit weitem Abstand an erster Stelle.
Die koronare Herzkrankheit
Die Bezeichnung ist abgeleitet von den Koronarien, den Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel wie einen Kranz umfassen und ihn mit Blut, Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgen. Häufig findet man in Beschreibungen der koronaren Herzkrankheit nur noch als Abkürzung die drei Buchstaben KHK.Veränderungen an den Herzkranzgefäßen beruhen in der Mehrzahl der Fälle auf einer Arteriosklerose. Dabei handelt es sich um einen Umbauprozess der Blutgefäßinnenwände, verbunden mit Ablagerungen von Fettsubstanzen, die mit der Zeit unter Einwirkung verschiedener Risikofaktoren immer stärker werden und allmählich den Durchfluss des Blutes und damit die Sauerstoffversorgung behindern. Wenn der Durchmesser der Koronarien, der nur wenige Millimeter beträgt, bis zu siebzig Prozent eingeengt ist, beginnt das Herz bei Belastung unter Sauerstoffnot zu leiden. Auf diese Notlage reagiert das Herz mit Schmerzen. Es signalisiert schmerzhaft, dass ihm Sauerstoff zur Versorgung der Zellen des Herzmuskels fehlt. Je nachdem, wie ausgeprägt die Verengung der Herzkranzgefäße schon ist, kommt es anfallsweise bei körperlicher Anstrengung, jedoch auch schon bei geringerer Tätigkeit und sogar bei völliger Ruhe oder bei seelisch-emotionaler Belastung zu Herzschmerzen, also zur sogenannten Angina pectoris, der Brustenge. Dieser Schmerz kann sehr heftig sein und in Schulter, Arm, Rücken und Kiefer ausstrahlen. Es entsteht das Gefühl, von einem eisernen Ring umklammert zu sein. Der Patient leidet gleichzeitig an Atembeklemmung. Bei schwerer Angina pectoris in Ruhe kommt es zusätzlich häufig zu Angstgefühl, Unruhe und Schweißausbruch.
Dazu muss man wissen und sich merken: Andern sich Art und Dauer dieser Schmerzen nicht und wirken auch die Nitroglycerin-Präparate, die Anginapectoris-Kranke meist für diese Notfälle bei sich haben, nicht innerhalb weniger Minuten, besteht dringender Verdacht auf einen Herzinfarkt. Es sollte jetzt so schnell wie möglich ärztliche Hilfe geholt werden.
Die Risikofaktoren
Es gibt eine Reihe von Faktoren, von denen man weiß, dass sie bei der Entstehung der KHK eine wichtige, vielleicht sogar die entscheidende Rolle spielen. Das sind die sogenannten Risikofaktoren, die zu einem kleineren Teil im Erbgut festgelegt sind wie beispielsweise ein familiär bedingter extrem hoher Cholesteringehalt im Blut oder die Neigung, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln. Sehr viel häufiger aber sind sie das Resultat krankmachenden Verhaltens, denken wir dabei an Rauchen, Übergewicht, Bewegungsarmut, falsche Ernährung, nicht behandelten hohen Blutdruck und anderes.
- Hohes Cholesterin
Die Fette im Blut, auch Lipide genannt, dienen dem Organismus als Baustoffe und Energielieferant. Zum kleineren Teil stellt der Körper diese Fette selbst her, zum größeren Teil aber nimmt sie der Mensch mit der Nahrung zu sich. Im Blutstrom werden die Fette transportiert und entweder beim Energiestoffwechsel verbrannt oder, wenn nicht sofort benötigt, gespeichert. Ist das Blut aber mit Fettstoffen überladen, begünstigt das die Ablagerung der Fettpartikel an den Wänden der Blutgefäße.Heute weiß man: Fettreiche Mahlzeiten und zu viele Kohlenhydrate erhöhen den Blutfettspiegel – Kohlenhydrate deshalb, weil der Körper zum Beispiel Zucker, Mehl, Brot und Teigwaren in Neutralfette umwandeln kann. Die großen Konferenzen führender Wissenschaftler in den USA und in Europa haben Übereinstimmung erzielt bei der Festlegung der Grenzwerte, ab denen eine Fettstoffwechselstörung behandelt werden sollte. Beim Cholesterin sind das 200 Milligramm je 100 Milliliter Blut, bei den Triglyzeriden 180 Milligramm je 100 Milliliter. Das Cholesterin ist nun noch einmal aufgeteilt in die beiden Fraktionen HDL (High density lipoprotein) und LDL (Low density lipoprotein), die im optimalen Falle in einem Verhältnis von 50 HDL zu 100 bis maximal 160 LDL das Gesamtcholesterin bilden. Das HDL gilt als das „gute” Cholesterin, weil es der Arteriosklerose entgegenwirkt und möglicherweise sogar die Ablagerungen an den Gefäßwänden abbauen kann; das LDL ist dagegen das „böse” Cholesterin, weil es die Ablagerungen mit auslöst. Günstig ist ein möglichst hohes HDL- und ein möglichst niedriges LDL-Cholesterin. Bei einem gesunden Menschen darf der LDL-Anteil im Cholesterin 160 Milligramm je 100 Milliliter Blut betragen, bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit noch 130 Milligramm, bei nachgewiesener koronarer Herzkrankheit nur mehr 110 Milligramm.
- Zigarettenrauchen
Neben den Blutfetten ist das Zigarettenrauchen ein gleichwertig folgenschwerer Risikofaktor, und zwar um so schwerer, je stärker geraucht und je intensiver der Tabakrauch inhaliert wird. Wer dagegen das Rauchen aufgibt, hat schon nach wenigen Monaten ein deutlich geringeres Risiko für eine koronare Herzkrankheit. Nach ein paar Jahren der Nikotinabstinenz gleicht es bereits dem eines Nichtrauchers. Aufhören lohnt sich also zu jeder Zeit. - Bluthochdruck
Der problematischste Risikofaktor ist der Bluthochdruck – man spürt nicht, wenn er vorliegt, und folglich glaubt man keinen Anlass zu haben, ihn kontrollieren und behandeln zu lassen. Am Bluthochdruck allein leidet kaum jemand, doch an seinen Folgen stirbt jeder Dritte. Meistens am Schlaganfall, Herzinfarkt oder an dem nicht weniger gefürchteten Nierenversagen. Ab dem zwanzigsten Lebensjahr sollte jeder sich einmal im Jahr den Blutdruck messen lassen. Bei Frauen kann es unter der Einnahme der Anti-Baby-Pille zu Blutdrucksteigerungen kommen.Mittlerer Grenzwert des Blutdrucks ist für alle Altersgruppen 140:90. Die früher übliche Faustregel, wonach eine Basis von 100 plus Lebensalter noch ein akzeptabler Blutdruck sei, bei einem Siebzigjährigen also 170:90, ist heute nicht mehr haltbar. Bei der Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden gilt folgende Empfehlung: Liegt der Druck für eine Zeitspanne von sechs Stunden über 140:90, so sollte eine Behandlung begonnen werden.
- Diabetes
Insbesondere der Diabetes des Typs I, also der sogenannte juvenile (jugendliche) Diabetes, ist ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Blutzuckerspiegel nüchtern nicht über 100 Milligramm/Prozent liegt, zwei Stunden nach einer Mahlzeit jedenfalls wieder unter 120 Milligramm/Prozent. Diabetische Frauen und Männer haben in aller Regel auch einen erhöhten Blutdruck, so dass ihr Risikoprofil für die koronare Herzkrankheit von vornherein zweifach belastet ist. Schon die Normalisierung des Körpergewichts und eine konsequent eingehaltene Diabetes-Diät können das Risiko erheblich reduzieren. - Krankmachender Stress
Der Dys-Stress – darunter versteht man ein anhaltendes übermaß an belastendem, krankmachendem Stress – gilt als Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit. Angst vor dem Zahnarzt,Prüfungsangst oder der “Flattermann” vor einer Mathematikarbeit bedeuten Dys-Stress. Der Gegensatz dazu ist der Eu-Stress, der von Glücksgefühlen und Freude ausgeht und dem Herzen guttut. - Andere Risikofaktoren
Es gibt auch Risikofaktoren zweiten Grades, die allein vielleicht nicht so gravierend für die koronare Herzkrankheit sind, gleichwohl aber im Zusammenwirken mit anderen das Risiko vielfach erhöhen können. Dazu gehören Bewegungsmangel und Übergewicht, die beide negativen Einfluss beispielsweise auf Cholesterin und Blutdruck haben, sowie die Gicht als Folge eines überhöhten Harnsäurespiegels.
Therapie der koronaren Herzkrankheit
Die koronare Herzkrankheit muss behandelt werden, sie kommt sonst nicht zum Stillstand und heilt auch nicht von selber aus. Je nach Schweregrad sind verschiedene Therapiekonzepte möglich, beziehungsweise erforderlich. Eine Anderung der Lebensweise mit dem Ziel, die Risikofaktoren weitgehend auszuschalten, steht dabei im Vordergrund und ist das A und O am Anfang jeder Behandlung.
Die Medikamente
Die Medikamente gegen die koronare Herzkrankheit haben das Ziel, das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit zu verhindern, die Arbeit des Herzens zu ökonomisieren, das heißt, den Sauerstoffbedarf so einzuschränken, dass das Herz auch mit einem geringeren Sauerstoffangebot auskommen kann. Im Vordergrund stehen Nitrate, Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer und auch noch die Kalzium-Antagonisten. Die Nebenwirkungen dieser Medikamente gelten heute angesichts ihrer Wirksamkeit als relativ ungefährlich. Vorbeugend gegen die koronare Herzkrankheit und – bei eventuell durchgemachtem Herzinfarkt – gegen einen zweiten Infarkt werden heute sogenannte Lipidsenker bei erhöhtem Cholesterin eingesetzt und auf sehr breiter Basis, auch als Schlaganfall-Prophylaxe, die Acetylsalicylsäure oder neuerdings verstärkt angebotene vergleichbare Substanzen mit anderem und teilweise auch geringerem Nebenwirkungs-Potential. Sie halten gewissermaßen das Blut in Fluss und verhindern die Verklumpung der Blutplättchen, also die Thrombozytenaggregation.
Der Bypass
Auch die Chirurgie kann bei der koronaren Herzkrankheit wirkungsvoll eingesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der aortakoronare Bypass, also eine Umleitungsblutbahn von der Aorta zu den Koronargefäßen, die unter Umgehung der Engstellen in den Herzkranzgefäßen den Blutdurchfluss sicherstellt. Den ersten Bypass operierte im Mai 1967 der aus Argentinien stammende Herzspezialist Rene G. Favaloro in der Cleveland-Clinic von Ohio. Patientin war eine 51 Jahre alte Frau. Bei einer Bypass-Operation wird eine an der Oberfläche des Beines liegende Vene herausoperiert und zwischen Aorta und Herzkranzgefäß eingesetzt. Man spricht dann vom Venen-Bypass. Unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine lassen sich heute während eines mehrstündigen Eingriffs bis zu sechs Bypässe legen. Eine andere Möglichkeit, den Blutfluss zum Herzen und die Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff zu verbessern, ist der Mammaria- interna- Bypass. Dabei wird die etwa in der Höhe des Herzens liegende“ Arteria mammaria interna” vom Chirurgen so weit freipräpariert, dass sie mit einem Ende jenseits der Engstelle in die betroffene Herzkranzarterie eingebaut werden kann.
Seit kurzer Zeit kann ein einzelner Bypass auch mit den minimal-invasiven Methoden der Chirurgie angelegt werden, und zwar durch einen nur wenige Zentimeter breiten Schnitt im Brustkorb hindurch, am schlagenden Herzen, ohne Herz-Lungen-Maschine und für den Patienten außerordentlich schonend.
Interventionelle Methoden
Die Ballondilatation, am 16. September 1977 von dem Deutschen Andreas Grüntzig im Kantonsspital in Zürich bei einem 39 Jahre alten Versicherungsagenten erstmals angewandt, ist inzwischen ein fest etabliertes Therapieverfahren. Dabei wird ein dünner Katheter, genau wie bei der Untersuchung des Herzens mit Hilfe eines Katheters, bis zu den Engstellen in den Herzkranzgefäßen vorgeschoben und dann ein an der Katheterspitze installierter Ballon aufgeblasen. Unter dem Druck des Ballons werden die Engstellen aufgedehnt, und so kommt es wieder zu besserer Durchblutung und Sauerstoffversorgung in den hinter den Engstellen liegenden Bezirken des Herzmuskels.
Eine der neueren interventionellen Methoden ist der Einbau eines Stents (Gefäßstütze) in eine Koronararterie. Das ist ein winziges rundes Gerüströhrchen aus Edelmetall, das dazu dient, eine Arterie offenzuhalten, und das ebenfalls mit Hilfe eines Katheters an die Engstelle geschoben wird. Bei ausgedehnter Arteriosklerose und sogar auch bei einem frischen Herzinfarkt wird heute in den großen Herzzentren ein Stent eingebaut – mit großem Erfolg. Die Rate der sogenannten Re-Stenosen, also der erneuten Verschlüsse von Koronararterien, liegt nach Ballondilatation bei 35 Prozent, nach Stentimplantation bei 25 Prozent. Handelt es sich um schon sehr hart gewordene Verengungen von Herzkranzgefäßen, kann ein Rotablator eingesetzt werden, der – ebenfalls über einen Katheter eingeführt – mit 150000 Umdrehungen in der Minute die Ablagerungen ausfräst und die Arterie wieder durchgängig macht. Auch gebündeltes Laserlicht ist geeignet, hochgradig eingeengte Gefäße wieder zu öffnen, beziehungsweise aufzuweiten.
Experimentelle Verfahren
Die Kardiologie ist eine experimentierfreudige Disziplin, und sie befasst sich, was angesichts der Millionen Herzkranker auch notwendig erscheint, laufend mit neuen Therapieverfahren. Die „transmyokardiale Laserrevaskularisation” ist ein solches, noch im Stadium des Experiments befindliches Verfahren, das derzeit nur in wenigen Kliniken an ausgewählten Patienten angewandt wird, bei denen Bypass, Ballondilatation oder andere Therapien nicht möglich sind. Dabei werden mit dem Laserstrahl winzige Kanäle in den Herzmuskel eingeschossen, die eine vergleichbare Funktion wie kleine, neugebildete Blutgefäße (Kollaterale) haben sollen. Hierdurch soll die Durchblutung des Herzens und damit seine Leistungskraft verbessert werden.
Ein anderes dieser experimentellen Verfahren ist die therapeutische Arteriogenese. Bestimmte gentechnisch hergestellte Wachstumsfaktoren werden in das Herz eingebracht und sollen dort eine Gefäßsprossung bewirken, also die Bildung neuer Blutgefäße als Basis einer verbesserten Durchblutung. Der erwartete Nutzen dieser experimentellen Verfahren für den Patienten ist bis heute nicht gesichert.
Broschüre aus der TK-Schriftenreihe zur gesundheitsbewussten Lebensführung. 1. Auflage 1999. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung: 22291 Hamburg. Fax: 040 – 69 09 – 22 58, Internet: http://www.tk-online.de. Bereich Marketing und Vertrieb; Fachbereich Werbung und Redaktion. Text: Max Conradt. Redaktion: Roderich Vollmer-Rupprecht, Britta Surholt-Rauer.
Mit freundlicher Genehmigung der Techniker Krankenkasse.
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Pemo Kocker
am 7. Februar 2011
Tja, die Dinge konnen so trivial erscheinen. Danke
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