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Narkose: Postoperative Schmerztherapie

Eingetragen von Medizin-Netz am 25. August 2006 Kein Kommentar

Die meisten Menschen, die sich einer Operation unterziehen müssen, haben verständlicherweise Angst. Angst vor der Operation, vor der Narkose und vor allem Angst vor Schmerzen. In Gesprächen mit dem operierenden Arzt und dem Narkosearzt sollen Angste und Unsicherheiten angesprochen werden. Die Patienten werden über den Ablauf der Operation und der Narkose informiert, die Arzte erhalten Auskunft über den Patienten, über dessen Krankheitsgeschichte, frühere Operationen und Narkosen sowie eventuell dabei aufgetretene Schwierigkeiten.

Die Schmerzen nach der Operation sind für viele Patienten in ihrer Intensität nicht vorstellbar. Außerdem sind die Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung und der Reaktion auf die Schmerzen zwischen den einzelnen Menschen sehr groß. Verständlich also, dass Menschen bei dem Gedanken an Schmerzen kein gutes Gefühl haben, ja Angst davor verspüren.

Dabei gibt es sehr gute Methoden, mit Hilfe derer Schmerzen nach Operationen auf ein Minimum verringert werden und im besten Fall vermieden werden können.

Bei vielen kleineren Operationen (z. B. Entfernung des Blinddarms, Kniespiegelungen) ist in der Regel eine Schmerztherapie mit Tabletten, Tropfen oder Infusionen ausreichend. Bei größeren Operationen gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Periduralkatheter

Der Periduralkatheter ist ein 1-2 mm dünner Plastikschlauch. Der sehr feine und bewegliche Periduralkatheter wird vom Rücken aus gelegt und in den Periduralraum vorgeschoben. Er liegt dann im Periduralraum zwischen den knöchernen Anteilen der Wirbelsäule und den Umhüllungen des Rückenmarks. Bedingt durch die anatomische Lage finden Berührungen des Nerven durch den Katheter höchst selten statt: Die Nerven verlassen das Rückenmark seitlich zu beiden Seiten, durchqueren den Periduralraum und verlaufen noch kurzfristig im Schutz der Wirbelsäule bevor sie sich in die Richtung ihres Zielortes begeben.

Der Katheter wird entlang des Rückens mit Pflaster verbunden und ist so dünn, dass er dort kaum wahrgenommen wird. Die Patienten können problemlos auf dem Rücken liegen.
Durch den Katheter werden Medikamente appliziert, die die Schmerzweiterleitung vom Ort der Entstehung zum Gehirn unterbrechen.

Diese Methode ist bei allen großen Operationen im Bereich des Bauches (z. B. Darmoperationen, Magenoperationen), bei großen gynäkologischen Operationen (z. B. Entfernung der Gebärmutter), bei Operationen an der Lunge (z. B. Entfernungen von Lungenflügeln) und anderen anwendbar.

Der Periduralkatheter wird vor der Operation zur Schmerztherapie gelegt. Während der Operation werden die Patienten in Narkose versetzt und schlafen. Schon während der Narkose kann der Periduralkatheter benutzt werden. Die Patienten benötigen dadurch geringere Mengen an Narkosemedikamenten und sind hinterher schneller wach und fühlen sich besser. Nach der Operation wird Schmerzmittel über den Katheter gegeben und zwar in einer Dosierung, die die Schmerzen verringert, aber trotzdem eine normale Beweglichkeit der Beine und Füße ohne Gefühlsstörungen erlaubt.

2. Armplexuskatheter

Armplexuskatheter sind bei Operationen an den Händen, Unterarmen und Ellenbogen und vereinzelt auch an Oberarmen einsetzbar.
Alle Gefäße und Nerven, die die Arme und Hände versorgen, verlaufen parallel, unter dem Schlüsselbein, durch die Achselhöhle und verzweigen sich anschließend, um zu ihrem Bestimmungsort zu gelangen. Auf diesem gemeinsamen Weg sind sie von einer bingegewebigen Hülle umschlossen. In diese bindegewebige Hülle wird der Plexuskatheter gelegt. Über den Katheter werden Medikamente gegeben, die die Schmerzweiterleitung zum Gehirn unterbrechen. Auch hier ist die Menge des Schmerzmittels so groß, dass keine Beeinträchtigung der Beweglichkeit oder des Gefühls auftritt. Der Plexuskatheter kann von verschiedenen Stellen aus gelegt werden. Mögliche Zugangswege sind ober- oder unterhalb des Schlüsselbeines oder auch in der Achselhöhle. Der Zugangsweg muss in jedem einzelnen Fall speziell ausgewählt werden.

3. PCA-“patient-controlled-Analgesia“-, Patienten-kontrollierte-Analgesie

Bei dieser Form der Schmerztherapie wird das Schmerzmedikament über eine liegende Venenverweilkanüle appliziert. Die Menge wird vom Patienten selbst bestimmt. Dabei handelt es sich um ein sehr starkes Schmerzmittel vom Morphintyp. Eine Überdosierung von Seiten des Patienten ist nicht möglich, da eine definierte Höchstmenge in einer bestimmten Zeit nicht überschritten werden kann. Die Höchstmenge und die Zeit werden am Gerät vorher eingestellt. Der Patient kann sich, wenn er Schmerzen verspürt, durch Knopfdruck am Gerät bedienen und bekommt eine, ebenfalls vorher festgesetzte, Menge an Schmerzmittel appliziert.

Über die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden muss im konkreten Fall mit dem Narkosearzt gesprochen werden. Gemeinsam muss die beste Methode für jeden Patienten im speziellen Fall gefunden werden. Denn nicht alles ist für jeden gut.

Dr. med. M. Oberndorfer

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