Radioiodbehandlung der Schilddrüsenüberfunktion oder -vergrößerung
Risikofreie, dauerhafte Erfolge bei Schilddrüsenüberfunktion oder -vergrößerung
Radioiod: Ein strahlendes Medikament mit großer Wirkung
Radioiod (131I) ist eine radioaktive Form des Iods, die vom Körper genauso aufgenommen wird, wie das natürlich vorkommende Spurenelement Iod in der Nahrung. Bei der Radioiodbehandlung wird 131I einmalig in Form einer Kapsel oder als Flüssigkeit eingenommen. Es wird im Magen rasch resorbiert und gelangt über die Blutbahn in die Schilddrüse. Die Substanz ist als sog. Radionuklid instabil und zerfällt mit einer Halbwertzeit von 8 Tagen unter Abgabe von Strahlen, die im Gewebe nur eine Reichweite von 2 mm haben. Die Strahlung wird somit von der Schilddrüse praktisch völlig absorbiert; auf diese Art und Weise kann sie dort ihre für die Behandlung nötige Wirkung erzielen.
Schilddrüsenüberfunktion und -vergrößerung: Häufige Iodmangelkrankheiten
Die Schilddrüse kann den Mangel des wichtigen Hormonbausteines Iod in bestimmten Grenzen dadurch ausgleichen, indem sie sich vergrößert. Es entsteht ein Kropf, der das auffälligste Zeichen dafür ist, dass mit der Schilddrüse etwas nicht in Ordnung ist. Wird ein Kropf nicht rechtzeitig behandelt, können sich Knoten bilden und diese die Nachbarorgane, z. B. die Luftröhre, beeinträchtigen. Bei den Knoten unterscheidet man sog. “kalte” Knoten, die vermindert arbeitendes Schilddrüsengewebe enthalten, von “heißen” Knoten, bei denen der Hormonstoffwechsel auf Hochtouren läuft. Ist der “heiße” Knoten groß, können sich die typischen Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion einstellen: erhöhter Blutdruck, Herzrasen bzw. beschleunigter Puls, verstärkte Nervosität, Gewichtsabnahme, Durchfälle und Schwitzen. Ein Kropf mit “heißen” Knoten bedarf in der Regel dringend einer Behandlung entweder durch eine Operation oder mittels Radioiod, da Schilddrüsenhemmstoffe als Tropfen oder Tabletten nur vorübergehend helfen können. Bei kalten Knoten sollte in der Regel neben einer Probenentnahme durch eine Punktion mit einer dünnen Nadel eine Operation des Knotens angestrebt werden, da sich hinter “kalten Knoten” bösartige Veränderungen verbergen können.
Radioaktives Iod in der Schilddrüse
Das radioaktive Iod wird bevorzugt von den Teilen der Schilddrüse aufgenommen, deren Hormonstoffwechsel gesteigert ist (wie im heißen Knoten). Gesundes Schilddrüsengewebe bleibt dabei weitgehend verschont. Auf die Nachbarschaft der Schilddrüse und den restlichen Organismus hat radioaktives Iod keinerlei negative Wirkungen.
Im heißen Knoten führt das radioaktive Iod allerdings zu einer gewollten leichten und schmerzlosen Entzündung. Als Folge dieser Entzündung, die nach wenigen Tagen abgeklungen ist, kommt es zur “Vernarbung” und Schrumpfung des zuvor überaktiven Gewebes. Dieser Vorgang nimmt in aller Regel mehrere Wochen in Anspruch.
Die Radioiodbehandlung: Kurze Quarantäne, dauerhafter Erfolg
Aus Strahlenschutzgründen (Sammeln der Ausscheidungsprodukte des Patienten, Abatmen des radioaktiven Iods) erfolgt die Radioiodtherapie unter stationären Bedingungen, wobei gewisse Quarantänemaßnahmen eingehalten werden müssen (z. B. kein Besuch). Ein Schutz der Angehörigen wird somit auch erreicht. Der Patient bleibt solange auf der nuklearmedizinischen Therapiestation, bis das radioaktive Iod weitgehend aus dem Körper ausgeschieden worden ist. Aufgrund der aktuell geltenden Richtwerte ist die Verweildauer auf den Therapiestationen durchschnittlich zwischen 3 und 5 Tagen. Die Normalisierung der Schilddrüsenüberfunktion stellt sich erst nach 6-8 Wochen ein. Üblicherweise wird eine ausführliche Abschlussuntersuchung zur Kontrolle des Behandlungserfolges nach 3 bis 6 Monaten durchgeführt.
Dabei zeigt sich, dass bei rund 80% der Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion diese Funktionsstörung erfolgreich behandelt werden konnte. Bei einem Kropf führt die Behandlung zu einer Verkleinerung der vergrößerten Schilddrüse um 30-50%.
Risiken der Radioiodbehandlung
Bei heißen Schilddrüsenknoten bzw. beim Kropf führt die Radioiodbehandlung auf schonende Art und Weise zu einer Normalisierung der Stoffwechsellage und zur Verkleinerung des vergrößerten Organs. Nur bei Patienten mit einem “kalten” Knoten und großen Kröpfen ist eine Operation wirkungsvoller als die Radioiodbehandlung.
Seltene Nebenwirkungen der Radiotherapie können auf der in den ersten Tagen auftretenden beabsichtigten Entzündung beruhen und sich als Schmerzen in der Schilddrüse äußern. Längerfristig kann es nach der Radioiodbehandlung zur Ausbildung einer Schilddrüsenunterfunktion kommen, die aber problemlos durch Schilddrüsenhormontabletten ausgeglichen werden kann.
Aus den heute vorliegenden umfangreichen Verlaufsstudien lässt sich folgern: Weder das Krebsrisiko noch das Risiko für Fehlbildungen oder andere vererbbare Störungen ist erhöht.
Die Schilddrüse von vorne

Weiterführende Literatur:
- Ehrenheim C., Hauswirth C., Fritschen J., Martin E., Oetting G., Hundeshagen H. Zum genetischen Risiko nach hochdosierter Radioiodtherapie. Nuklearmedizin 1997; 36(5):157-166.
- Peters H., Fischer C., Bogner U., Reiners C. Schleusener reduction of thyroid volume after radioiodine therapy of Graves hyperthyroidism. European Journal of Clinical Investigation 1996; 26(1):59-63.
- Reiners C. Die Radiotherapie der funktionellen Autonomie: Indikationen und Ergebnisse. Acta Medica Austriaca 1990; 17 Suppl,166-169.
Dr. med. Carsten Körber
Nuklearmedizinische Praxis Fulda
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