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Asthma und Sport

Eingetragen von Medizin-Netz am 23. August 2006 Ein Kommentar

Krankheitsbild

Unter Asthma bronchiale versteht man eine Erkrankung, bei der es zu anfallsartig auftretender Atemnot kommt.
Ausgelöst durch unterschiedliche Reize kommt es beim Asthmatiker infolge einer

  • Verkrampfung der Bronchialmuskulatur
  • Schwellung der Bronchialschleimhaut
  • vermehrten Schleimproduktion in den Bronchien

zu einer Verengung (Obstruktion) der Bronchien.
Die eingeatmete Atemluft kann nicht mehr ausgeatmet werden, die Ausatemphase verlängert sich, der Betroffene wird kurzatmig, das Atemgeräusch pfeift, es kommt zur Atemnot.
Asthma ist eine der häufigsten, bei Kindern die häufigste chronische Erkrankung, mit zunehmender Tendenz.
Während vor dem Krieg weniger als 1% der Bevölkerung betroffen war, werden die Zahlen heute in Deutschland mit 4% der Gesamtbevölkerung angegeben, wobei die Häufigkeit im Kindesalter doppelt so hoch ist.
Die Ursachen für diese Zunahme in der westlichen Welt (die Untersuchungen aus den Ländern der Dritten Welt erbringen niedrigere Zahlen) sind letztlich nicht geklärt. Schadstoffbelastungen in der Luft, Verstädterung, Allergenexposition sowie häufige Infektionen scheinen eine Rolle zu spielen. Interessanterweise sind Männer etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
Aber nicht nur die Häufigkeit hat zugenommen, sondern auch die Möglichkeiten die Erkrankung so zu behandeln, dass die Betroffenen in ihrer körperlichen Belastungsfähigkeit insbesondere auch im Sport nicht oder kaum beeinträchtigt sind. Von 597 amerikanischen Teilnehmern an den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984 wiesen 67 ein Belastungsasthma auf; sie erwarben immerhin 41 von insgesamt 174 Medaillen. Diese Zahlen sollen zeigen, dass Asthma und Sport, auch Leistungssport, sich nicht ausschließen. Im Gegenteil, sportliche Betätigung kann ein wichtiges Therapieprinzip beim Asthma darstellen.

Auslöser

Asthmaauslöser können äußere Faktoren sein, z. B. verschiedene Allergene. Man spricht dann vom Extrinsic oder allergischen Asthma. Als Allergene wirken können Pollen, Tierhaare, die Hausstaubmilbe, Schimmelpilze. Werden die asthmatischen Beschwerden eher durch Infekte ausgelöst, spricht man vom Infekt- oder Intrinsic- Asthma. Auch körperliche Belastung kann asthmatische Beschwerden auslösen, man spricht vom Anstrengungs- oder Belastungsasthma.

Diagnose

Tritt ein regelrechter Asthmanfall mit Atemnot und “Giemen, Pfeifen und Brummen” über den Lungen auf, ist die Diagnose in der Regel leicht zu stellen. Schwieriger ist es, ein Asthma bronchiale im Frühstadium insbesondere gerade bei Kindern zu diagnostizieren. Die Symptome können sehr wenig ausgeprägt sein. Anhaltender trockener Husten kann ein erster Hinweis sein.
Beim Verdacht auf eine Asthmaerkrankung sollte zunächst die eigene Anamnese wie auch die Familienanamnese sehr exakt erhoben werden, da Asthma familiär gehäuft auftritt. Milchschorf als Baby, Neurodermitis und Heuschnupfen sind allergische Erkrankungen, die im Verlauf des Lebens durch einen sogenannten “Etagenwechsel” in ein Asthma bronchiale übergehen können. Der nächste Schritt sollte die körperliche Untersuchung sein. Die Lunge sollte sehr genau abgehorcht werden. Bestehen Beschwerden, hört der Arzt in der Regel typische trockene expiratorische, also in der Ausatemphase bestehende, Rasselgeräusche. Im beschwerdefreien Intervall können diese Symptome allerdings fehlen.
Durch eine Lungenfunktionsprüfung ist die Beurteilung der Vitalkapazität und der sog. Einsekundenkapazität der Lunge möglich, die Auskunft geben über das Ausmaß der Verengung der Bronchien und mögliche chronische Folgeschäden. Prüft man die Einsekundenkapazität nach Inhalation von verdächtigen Allergenen, kann man die Reaktion beim Patienten nachweisen (Provokationstest), ebenso ist die Reagibilität auf bestimmte Medikamente (Beta-Sympathomimetika) möglich. Zum Nachweis eines Belastungsasthmas werden Lungenfunktionsprüfungen während und nach körperlicher Belastung durchgeführt.
Zur Abklärung einer allergischen Ursache werden, bevor ein Provokationstest durchgeführt wird, die häufigsten Allergene wie Pollen, Tierhaare und Hausstaubmilbe im Allergietest auf der Haut (Prick-Test) auf ihre Bedeutung hin untersucht. Ergänzend können Blutuntersuchungen (IgE, IgA, Rast-Test) Auskunft über die immunologische und allergische Situation des Organismus geben.

Therapie

Bis zum 2. Weltkrieg gab es kaum wirksame Asthmamedikamente. So starb 1922 Marcel Proust an seinem Asthma, der noch mit verschiedenen Räuchermitteln und bis zu 17 Tassen Kaffee täglich versucht hatte, sich “Luft zu verschaffen”. In den Fünfziger Jahren wurden das Theophyllin (ein Koffeinabkömmling) und das entzündungshemmende Kortison in die Asthmatherapie eingeführt, in den 60er Jahren die Beta-Sympathomimetika, die wie auch das Theophyllin bronchialerweiterrd wirken.
In der modernen Asthmatherapie kommen heute noch zusätzlich lokal wirksame schleimhautschützende und antientzündlich wirkende Substanzen wie die Cromoglycinsäure (DNCG=Di NatriumCromoGlycat) zum Einsatz.
Die moderne Asthmatherapie ist eine Stufentherapie, die sich an der Schwere der Symptomatik orientiert. Ziel ist es, die Lungenfunktion zu normalisieren, Asthmaanfälle zu vermeiden und so die körperliche Belastungsfähigkeit zu optimieren und chronische Lungenveränderungen zu vermeiden.

Stufe I Stufe II Stufe III Stufe IV Stufe V
Intermittierendes
Asthma
leichtes
Asthma
mittelschweres
Asthma
schweres
Asthma
schweres
Asthma
Gelegentlich
Luftnot
Asthma mehr als 3 mal pro Woche

Normale Lungenfunktion

pathologische Lungenfunktion
Beta-Sympathomimetikum bei Bedarf, z. B. Salbutamol® DNCG, z. B. Como-ratiopharm inhalatives Corticoid, z. B. Budesonid® Theophyllin, z. B. Euphyllong® Kortison als Tabl., z. B. Urbason®

Es wird deutlich, dass heute zunächst eine lokale also inhalative Behandlung mit DNCG, Beta- Sympatomimetika und inhalativen Corticoiden, die heute als Dosier- Aerosol von vielen Firmen angeboten werden, angestrebt wird. Erst wenn das nicht ausreicht, kommen Theophyllin und Kortison systemisch, also als Tabletten und Spritzen zum Einsatz. Dadurch wird eine optimale Wirksamkeit der Medikamente erreicht, während die Nebenwirkungen insbesondere gerade beim Kortison auf ein Minimum reduziert werden. Die Nebenwirkungen der modernen Kortisonsprays gelten als so gering, dass sie heute auch beim Kind eher frühzeitig in die Behandlung eingeführt werden.
In letzter Zeit steht mit dem Singulair® (Montekulast) ein neues Medikament zur Verfügung, das die Verengung der Bronchialmuskulatur (Bronchokonstriktion) und allergische Reaktionen hemmt und zusätzlich beim mittelschweren und beim Belastungsasthma eingesetzt werden kann.
Den Therapieerfolg kann der Patient zu Hause mit einem Peak-Flow-Meter, einem kleinen, Messgerät, das den maximalen Luftstrom beim Ausatmen misst, selbst kontrollieren.

Verlauf und Komplikationen

Nancy Hogshead, Goldmedaillengewinnerin bei der Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles schrieb über ihr letztes Rennen, 200 m Schmetterling-Schwimmen: ” Vom Start hin lief alles perfekt. Auf den letzen 20 Metern jedoch bekam ich keine Luft mehr, die Arme wurden schwer (… ). Obwohl ich in der Form meines Lebens war, schnappte ich nach Luft und erreichte gerade noch das Ende des Beckens. Damit war ich Vierte (…). Mit Husten und pfeifender Atmung ging ich aus dem Schwimmbecken.” Erst zu diesem Zeitpunkt wurde bei der Spitzensportlerin die Diagnose Asthma bronchiale gestellt.
Trotz ihres irritablen Bronchialsystems war es der Sportlerin gelungen, durch körperliches Training sportliche Spitzenleistungen zu bringen.
Der Verlauf der Asthmaerkrankung ist, wie dieses Beispiel zeigt, in Abhängigkeit vom Auslöser (s.o.) und der Behandlung sehr unterschiedlich. Schlecht behandelt führt ein Asthma bronchiale zu einer Überblähung der Lunge und über Jahre zu einer sog. COLD (chronic obstrutiv lung disease) und einem Lungenemphysem (= vermehrter Luftgehalt der Lunge). In diesem chronischen Stadium bestehen Minderung der körperlichen Leistungsfähigkeit bis hin zu dauerhafter Ruhedyspnoe (Luftnot).
Eine frühzeitige konsequente Behandlung der Erkrankung hilft dies zu vermeiden. Als akute Komplikation ist der akute Asthmaanfall und seine schwerste Form, der Status asthmaticus zu nennen, bei dem es akut zu lebensbedrohlicher Atemnot kommt, die sofortige ärztliche Behandlung, intensivmedizinische Betreuung, ggf. künstliche Beatmung notwendig werden lassen.

Vorbeugung

Grundsätzlich sollten verschmutzte Luft, insbesondere Zigarettenrauch gemieden werden, sowie sehr kalte und trockene Luft. Je nach auslösenden Faktoren sind im Einzelfall der Kontakt zu Tieren und Pollen zu meiden. Allergiker sollten während der Pollenflugzeit bei geschlossenem Fenster schlafen. Bei Kindern mit Infektasthma sind allgemeine Maßnahmen wichtig, die die Abwehrkräfte stärken, so z. B. Wechselbäder, vitaminreiche Ernährung, Bewegung an frischer Luft. Kuraufenthalte an der See und im Hochgebirge sind ebenso wie bei allen Allergikern empfehlenswert. Akupunktur hat oft einen günstigen Effekt sowohl auf die Infektabwehr, als auch auf die Allergieneigung.

Sport

Wie bereits erwähnt, ist Asthma kein Grund, keinen Sport zu treiben, sondern kann sich im Gegenteil günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken.
Beim Belastungsasthma sollte der Betroffene vor der körperlichen Belastung ein Dosier- Aerosol anwenden, das vorbeugend wirkt. Hier kommen in erster Linie Kombinationspräparate zum Einsatz, die DNCG und Beta-Sympathomimetika enthalten wie z. B. Aarane®.
Besonderer Bedeutung kommt beim Asthmatiker einer ausreichend langen intervallartigen Aufwärmphase zu, da das Bronchialssystem besonders zu Beginn der Belastung reagiert. Auch die Auswahl der Sportart kann in diesem Zusammenhang wichtig sein. Laufen ist die Belastungsart, die am stärksten Belastungsasthma auslöst, während z. B. Schwimmen dies in weit geringerem Ausmaß tut. Skilaufen in sehr kalter, trockener Luft kann leicht Asthmaanfälle auslösen, liegt die Temperatur über -5 Grad, besteht nur geringe Wahrscheinlichkeit dafür, das ein belastungsinduzierter Asthmananfall ausgelöst wird.
So kann im Einzelfall die sportliche Betätigung je nach Ausmaß der Beschwerden und individuellen Neigungen evtl. unter Mitwirkung von Arzt oder Physiotherapeut gestaltet werden.

Asthma und Psyche

Die Ursachen und Auslöser des Asthma wurden oben erläutert. Eine psychische Ursache für die Krankheit wird heute nicht mehr ernsthaft diskutiert. Bei bestehender Erkrankung können allerdings psychische Auslöser, wie Wut, Angst oder Traurigkeit für das Auftreten von Atemnotanfällen eine Rolle spielen. Bei ca. einem Drittel der Patienten sind solche Auslösesituationen erkennbar.
Zudem stellt eine solche chronische Erkrankung für den Patienten selbst und für seine Familie eine starke emotionale Dauerbelastung dar, der auch therapeutisch Rechnung getragen werden sollte. Ein genaues Wissen über die Ursachen der Erkrankung und die Therapiemöglichkeiten, insbesondere auch das Verhalten im Notfall kann den Betroffenen und ihren Familien Sicherheit geben.
Als Basistherapie sind beim Asthmatiker Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Entspannungstraining nach Jakobson) sinnvoll. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können durch Desensibilisierung helfen, Asthmaanfälle zu vermeiden.

Zusammenfassung

Das Asthma bronchiale ist eine der häufigsten chronischen Erkrankung der Atemwege, die zu anfallsweise auftretender Atemnot führt. Als Auslöser kommen verschiedene Faktoren in Betracht: Allergien, körperliche Belastung, Infekte und in manchen Fällen psychische Stresssituationen. Heute ist eine moderne Stufentherapie möglich, die zum Ziel hat, dem Betroffenen Beschwerdefreiheit zu gewährleisten und mögliche chronische Veränderungen an der Lunge zu vermeiden. Eine auf die individuellen Gegebenheiten angepasste Behandlung kann eine normale körperliche Belastbarkeit insbesondere auch beim Sport ermöglichen.

Dr. Helga Fischer-Klapproth, Ärztin für Allgemeinmedizin.

Informieren Sie sich auch über die Asthma-Kurzinformation.

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Ein Kommentar »

  • Richard Friedel sagt:

    Titel: Eigenständiges Denken wie im Biologieunterricht.
    Da die moderne Asthmabehandlung einen lebenslangen Medikamentenkonsum bedeuten kann, wäre etwas unabhängiges Denken im Stil des Praktikums in der Biologie nicht so abwegig.

    Bei einem Test an der eigenen Atmung fällt auf, dass die Funktion der Atmung unter anderem vom Druck im Bauchraum abhängt. Man tastet mit der Hand das An- und Entspannen der Bauchmuskeln bei der Atmung ab. Wenn man jetzt das Anspannen bei der Einatmung bewusst verhindert, so wird die Atmung seichter und schwächer und letztendlich asthmatypisch. Beim kräftigen Luftholen wird die Spannung stärker. Diese Gesetzmäßigkeit ist in der europäischen Fachwelt unbekannt, wie provozierende Beiträge in Internetforen zeigten.

    Die Gesetzmäßigkeit muss zu Überlegungen über fernöstliche und speziell über die eindeutig erklärten japanischen Atemtechniken führen. Ein Hauptmerkmal der japanischen Techniken ist nämlich der erhöhte oder normalisierte Druck im Bauchraum, der vornehmlich durch Anspannen der Muskeln um den Bauch einreguliert wird. Dabei ist das unmittelbare Ziel die Verbesserung der Atmung. Andere wichtige Wirkungen sind die Verbesserung des Blutkreislaufs mit Aufhebung einer Stagnation größerer Blutmengen im Bauchraum und das Massieren der Verdauungs- und Harnausscheidungsorgane.In der Praxis denkt man also nicht nur an die „Luftatmung“ sondern an die in unserem Kulturkreis völlig vernachlässigte „geheime“ blutpumpende Wirkung und an eine geeignete Relation zwischen den beiden.

    Was insbesondere der japanische Zugang zum Thema Bauchatmung von uns bekannten westlichen Vorstellungen unterscheidet, ist die Stringenz. Siehe z. B.
    http://www.lrz.de/~s3e0101/webserver/webdata/T3.pdf wo sogar einer Übung der Sumokämpfer empfohlen wird und auch http://www.lrz.de/~s3e0101/webserver/webdata/NNAU.pdf

    Mit diesen Überlegungen ausgestattet war für mich mit leichter Asthmasymptomatik der fast nahe liegende Schritt, bei strammem Gehen in pollengeladener Luft oder nach fettigem Essen, kräftig in den Bauch hinein zu atmen. D. h. bei der Einatmung wurde Druck im Bauchraum erzeugt. Die Wirkung dieser sich merkwürdig anfühlenden und auch anfänglich anstrengenden Praxis war eine Freiheit vom dem sonst zu erwartenden Bronchialkrampf.

    Ich führe diese Art von Atmung aus, um die Atmung und insbesondere die Einatmung zu verbessern und nicht wie so oft der Fall bei Empfehlungen für eine Atemtechnik, um eine bestimmte Empfindung zu erleben. Das Ausdauertraining auf einem Gerät ist sehr zu befürworten. Richard Friedel, Starnberg

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