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Pilzerkrankungen (Mykosen)

Eingetragen vonMedizin-Netzam 23. August 2006 Kein Kommentar

Pilze sind normale Bewohner unserer Umwelt und auch der gesunden Haut, es existiert eine kaum zu überblickende Anzahl unterschiedlicher Arten. Normalerweise sind diese Pilze für den Menschen nicht gefährlich. Wenn sie allerdings auf besonders günstige Wachstumsbedingungen treffen, können sie sich am oder auch im menschlichen Organismus vermehren. Das Spektrum der Krankheitssymptome kann von lästigen Hautveränderungen bis zu einem lebensbedrohlichen Befall innerer Organe reichen. Jedoch kann dem Entstehen einer Pilzinfektion durch einige wirkungsvolle Maßnahmen vorgebeugt werden, bei bereits eingetretener Erkrankung stehen effektive Medikamente zur Verfügung.

Entstehung

Pilzerkrankungen betreffen zumeist die Haut oder die Schleimhäute. Dort siedeln sich die Krankheitserreger an und vermehren sich, wenn die Bedingungen günstig sind. Da Pilze eine feucht-warme Umgebung mögen, sind vor allen Dingen jene Körperregionen betroffen, in denen solch ein Mikroklima besteht:

  • Füße in eng anliegendem, atmungsinaktivem Schuhwerk;
  • eingewachsene Fußnägel, die zur Bildung kleiner “Taschen” in der umgebenden Haut führen;
  • die Haut der Leistengegend sowie die Schleimhäute des Genitalbereiches, wenn enge Hosen getragen werden;
  • Hautfalten, in denen sich Schweiß sammelt;
  • die Haut unter der Babywindel.

Aus dieser Auflistung ergibt sich, worauf zur Vermeidung einer Pilzinfektion zu achten ist:

  • Atmungsaktive, nicht zu eng anliegende Schuhe tragen.
  • Nach dem Duschen und vor allem nach dem Aufenthalt in einem Schwimmbad die Füße sorgfältig abtrocknen. Eine zusätzliche Desinfektion ist dann nicht erforderlich.
  • Darauf achten, dass beim Nägelschneiden keine Verletzungen oder durch einwachsende Nägel Hauttaschen entstehen, in denen sich Pilze optimal vermehren können.
  • Weite, bequeme Oberbekleidung aus atmungsaktiven Stoffen tragen.
  • Sorgfältige Körperpflege, vor allem der Hautfalten.
  • Regelmäßiges Wechseln von Babywindeln und Trockenhalten der Haut.

Zudem können einige Erkrankungen dazu beitragen, dass sich die Pilze gut vermehren können:

  • Bei der Zuckerkrankheit ist der Zuckergehalt auch in den Haut- und Schleimhautzellen erhöht und bietet den Mikroorganismen Nahrung.
  • Bei Durchblutungsstörungen sind auch die Haut- und Schleimhautzellen betroffen und können sich nicht ausreichend gegen die Eindringlinge zur Wehr setzen.
  • Bei Krebserkrankungen oder einer Schwächung des Immunsystems (z.B. bei AIDS oder einer schweren Infektionskrankheit) ist die allgemeine Abwehrkraft des Körpers herabgesetzt und nicht mehr in ausreichendem Maße in der Lage, Infektionen abzuwehren.

Bei Patienten, die von einer für Pilzinfektionen prädisponierenden Erkrankung betroffen sind, muss deshalb regelmäßig auf beginnende Infektionen geachtet werden.

Der erste Schritt einer Pilzinfektion besteht im Aufweichen der obersten Hautschichten. Für diesen Zweck sind die Krankheitserreger mit speziellen Eiweißstoffen (Enzymen) ausgerüstet, die Zellverbindungen zwischen den zuoberst liegenden Hautzellverbänden auflösen, so dass die Pilze zwischen diesen Zellen in die Tiefe der Haut eindringen können. Wenn die Erreger erst einmal so weit vorgedrungen sind, ist eine spezifische Therapie notwendig, um die Infektion zu heilen.

Bei einem schlechten allgemeinen Gesundheitszustand kann es sogar dazu kommen, dass Pilze durch die angegriffene Haut ihren Weg in das Körperinnere finden, über die Blutbahn verschiedene Organe erreichen und diese besiedeln. Dieser Zustand ist immer ein sehr ernst zu nehmendes Krankheitsbild und muss umgehend intensiv therapiert werden.

Krankheitszeichen

Erste Anzeichen einer Pilzinfektion der Haut sind meist Juckreiz oder ein leichtes Brennen sowie eine beginnende Rötung. Später fallen, je nach dem zugrundeliegenden Erreger, eine Schuppung oder ein Aufweichen der Haut auf. Beim Befall der Schleimhäute, der z.B. im Mund oder im Genitalbereich häufig durch Hefepilze bedingt ist, wird ein weißlicher Belag sichtbar, der so genannte Soor. Sind bei einer fortgeschrittenen Infektion innere Organe betroffen, hängt das Krankheitsbild vom Ausmaß des Organbefalls ab, u.U. kann es zum Kreislaufschock kommen.

Diagnose

Die Diagnose einer Pilzerkrankung kann zumeist bereits anhand des klinischen Bildes gestellt werden. Zur Diagnosesicherung und zur Erregeridentifizierung ist jedoch ein Abstrich unumgänglich. Dabei wird von dem betroffenen Hautareal oberflächlich etwas Material entnommen und in einem Kulturmedium angezüchtet. Nach etwa 4 Wochen kann dann beurteilt werden, ob ein Pilzwachstum stattfindet, also eine Infektion vorliegt, und um welchen Erreger es sich handelt.

Therapie

Die Therapie von Pilzinfektionen der Haut kann normalerweise durch Externa (also äußerlich anwendbare Medikamente wie Salben) erfolgen. Es sind zahlreiche Präparate auf dem Markt, die häufig Wirkstoffe aus der Gruppe der Azole enthalten. Diese können rezeptfrei in Apotheken gekauft werden. Je nach verwendetem Präparat muss die Salbe ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen werden. Die Behandlung sollte auch nach dem Abklingen der Symptome weiter fortgesetzt werden, um ein erneutes Ausbrechen der Infektion zu verhindern. Normalerweise nimmt die Therapie 4 bis 6 Wochen in Anspruch.

Die Behandlung bei Befall der Fußnägel ist aufwendiger, da hier keine Salben verwendet werden können. In diesem Fall ist das regelmäßige Auftragen einer den Nagel aufweichenden Substanz mit anschließender Verwendung eines gegen die Pilze wirksamen Mittels notwendig. Unterstützend können Tabletten eingenommen werden, die sich über den Blutweg in den befallenen Haut- bzw. Nagelregionen anreichern und dort ihre Wirkung entfalten.

Wenn die Mundschleimhaut betroffen ist, kommen spezielle Mundspülungen zum Einsatz, die gegen die Pilze wirksam sind. Bei Befall innerer Organe ist immer eine sofortige Therapie mit einem stark wirksamen Medikament notwendig, welches am effektivsten über die Vene verabreicht wird. Durch den Organbefall eventuell auftretende Komplikationen bedürfen intensiver Überwachung und Therapie.

Dr. med. Elke Nörenberg

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